Argelander-Institut für Astronomie, Universität Bonn

 

 

 

KARL  FRIEDRICH  KÜSTNER

            

                 -ein großer Bonner Wissenschaftler

 

Karl Friedrich Küstner (1856-1936) 

Gemälde von dem Bonner Maler W. Fassbender (1873-1938)

 

 

Kurzbiografie

 

1856 Geburt am 22. August in Görlitz

1882 Teilnahme an der Venustransitexpedition in Punta Arenas

1884-1885 Beobachtung zur Entdeckung der Polhöhenschwankungen in Berlin

1891 Direktor der Bonner Sternwarte

1899 Beginn der Arbeiten am Bonner Doppelrefraktor

1910 Gold  Medal of the Royal  Astronomical Society für Küstners herausragende

          Arbeiten mit dem Meridiankreis

1936 Küstner stirbt  am 15. Oktober 1936 in Mehlem (heute Bonn)

 

1997 Die Arbeitsgruppe von Professor Brosche veröffentlich Eigen- und Raum-

          bewegungen von 10 Kugelsternhaufen. Diese Daten beruhen u.a. auf der Messung

          von Küstners Fotoplatten und Daten des Hipparcos Satelliten. Diese Resultate sind

          bis heute für manche Kugelsternhaufen konkurrenzlos.

 

2010 nimmt das Schülerlabor Küstner am Argelander-Institut seine Arbeit auf. In diesem

          Projekt sollen  SchülerInnen  Praktika absolvieren, deren Ergebnisse auch

          wissenschaftlich  verwertet werden können. Ein Projekt ist die Bestimmung von

          Eigenbewegungen in offenen Sternhaufen basierend auf Küstners Erstepochen-

          material.

 

 

 

Küstner und die Meridiankreisastronomie

 

 

Der Bonner Meridiankreis (Repsold, 1878)  wurde erst von Küstner  (nach  1891)   eingesetzt.

 

 

In seiner Berliner Zeit (1884-1891) widmete sich Küstner der Beobachtung mit dem 

Meridiankreis. In dieser Zeit führte er u.a. die Beobachtungen durch, die zur Entdeckung

der Polhöhenschwankungen führten. 

 

Ein Meridiankreis ist ein nach Süden ausgerichtetes Fernrohr, mit dem man Durchgangszeiten

und Elovationen von Sternen messen kann.  In der Zeit war dies die genaueste Methode,

um große Winkel zwischen Sternen zu messen.  Auch wenn die Meridiankreise heute nicht

mehr in Betrieb sind, wird das Prinzip bei etlichen modernen Satelliten angewendet.

 

Küstner setzte die Meridiankreisarbeiten nach 1891 in Bonn fort.  Hauptsächlich für diese

Arbeiten erhielt er 1910 die Goldmedallie der Royal Astronomical Society!

 

 

 

Die Sternhaufenaufnahmen von Küstner

 

 

Der Bonner Doppelrefraktor steht heute am Observatorium Hoher List in der Eifel.

 

Im Jahre 1899 konnte Küstner die Anschaffung eines neuen  Fernrohres

für fotografische Arbeiten in die Wege leiten. Der Bonner Doppelrefraktor

war  in der damaligen Zeit das bedeutendste Fernrohr der Rhein-Ruhr Region.

Küstners Aufnahmen sind bis heute erhalten und werden immer noch für

Eigenbewegungsuntersuchunghen genutzt. Die Aufnahmen umfassen etwa

50 offene und 15 kugelförmige Sternhaufen.

 

 

Foto des Kugelsternhaufens Messier 3, den Küstner um 1910 aufgenommen

hat. Die Linien stammen von einem Gitternetz, was auf die Aufnahme auf-

kopiert wurde, um die Sternpositionen besser vermessen zu können.

 

 

 

Küstner's spektroskopische Arbeiten

 

 

Teil des Arkturspektrums aufgenommen von Küstner.  Das

Sternspektrum (im Negativ!)  ist in der Mitte zu erkennen, während

die Spektren oben und unten Vergleichsspektren eines

Eisenbogens sind.

 

Ab 1904 betrieb Küstner an dem Bonner Doppelrefraktor einen

Spektrographen zur Bestimmung der Radialgeschwindigkeiten

von Sternen.

1905 veröffentlichte Küstner eine neue  Methode zur Bestimmung

der astronomischen Einheit mittels Spektren von Arktur. Diese

Methode ist heute vor allem in didaktischer Hinsicht bedeutend

und wird gerne als Schüleraufgabe verwendet.

1914 erkannte Küstner, dass er gegenüber den  neuen

großen Fernrohre in Amerika nicht mehr konkurrentfähig

war und wandte sich anderen astronomischen Problemen zu.

 

 

Literatur

 

Brosche P., 2000, ASP Conference Series, 208, 2000, S. Dick, D. McCarthy and B.

   Luxum eds., 101, "Küstner's Observations in 1884-85: the Turning Point in the Empirical

   Establishment of Polar Motion"

Heckmann O., 1976, "Sterne, Kosmos, Weltmodelle",  Piper Verlag München, Zürich

Hopmann J., 1937, Vierteljahresschrift der Astronomischen Gesellschaft 72,  23,

   "Nekrolog  Karl Friedrich Küstner"

Pannier L.,  1999, "Karl Friedrich Küstner - ein Görlitzer Maurersohn als Astronom von

                                Weltrang", in Neues Lausitzisches Magazin NF2, 1999, S. 111-116

Pannier L., 2010, Private Mitteilung

Video mit Mondaufnahmen von Küstner eingestellt bei Youtube

 

 

 

Impressum:

Michael Geffert

Argelander-Institut für Astronomie

Universität Bonn

Auf dem Hügel 71

53121 Bonn

 

 

 

 

Links

 

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Der Bonner Doppelrefraktor