Der (fast) ideale Lichtdetektor der Astronomen: Das CCD
In den achtziger Jahren erlebte die Astronomie eine hundertfache
Steigerung der Empfindlichkeit ihrer Lichtdetektoren. Die Auswirkungen sind
denen bei der Einführung der photographischen Platte im 19. Jahrhundert
vergleichbar. Plötzlich konnten mit denselben Teleskopen um das Hundertfache
schwächere Objekte entdeckt und beobachtet werden. Die Grundlage dafür
sind CCD-Detektoren - oder kurz “CCD’s” (für: charge coupled device).
CCD’s sind elektronische Bildwandler auf Halbleiterbasis mit nahezu idealen
Detektoreigenschaften: Fast jedes auftreffende Lichtquant wird registriert.
Aufgenommene Bilder können direkt per Computer eingelesen und z.B. per
Kommunikations-Satellit übertragen werden.
Deshalb sind inzwischen CCD-Kameras Standardgeräte an allen astronomischen
Teleskopen, und nicht nur den erdgebundenen: Sehr viele astronomische Satellitenmissionen
wurden durch CCD’s erst ermöglicht. Das Weltraum-Teleskop Hubble wäre
ohne CCD’s nicht vorstellbar.
a) Das CCD:
Der hier abgebildete Detektortyp mit 2048 x 2048
(= 4 194 304) lichtempfindlichen Bildelementen (Pixeln) wurde erstmals 1991
in einer CCD-Kamera (HoLiCam) am 1m Teleskop des Observatoriums "Hoher List
" der Sternwarte der Universität Bonn eingesetzt. Jedes Pixel
misst 0.015mm im Quadrat. Damit hat dieses CCD etwa die Fläche eines
Kleinbildnegativs (hier 30.72mm x 30.72mm).
b) So funktioniert’s:
Auftreffendes Licht setzt im Halbleitermaterial des Detektors
elektrische Ladungen frei, die während der Belichtung am jeweiligen
Entstehungsort in Zellen - den Bildelementen oder Pixeln - gespeichert werden.
Am Ende einer Belichtung ist in der Detektorfläche ein exaktes Ladungsabbild
der Aufnahme entstanden. Dieses Ladungsabbild muß jetzt Pixel für
Pixel “ausgelesen” d.h. elektronisch vermessen werden. Dazu werden die Ladungen
quer über den Detektor zu einem Ausgangsverstärker transportiert.
Die Meßwerte werden digitalisiert und an einen Computer übertragen.
Dort wird aus den Werten wieder das ursprüngliche Bild zusammengesetzt.
Es kann dargestellt und bearbeitet werden.
c) Eine Eimerkette:
Das Prinzip ist in der Zeichnung (von Steven Simpson) sehr
anschaulich dargestellt. Die Bildelemente sind hier Wasserbehälter,
die in parallelen Reihen auf Förderbändern stehen und während
einer Regenschauer (=Belichtung) Wasser sammeln. Anschließend
werden die Bänder simultan nach rechts in Bewegung gesetzt. Am Ende des
Bandes angekommen werden sie in weitere Behälter auf dem querlaufenden
Band entleert, so daß die Inhalte an der Meßstation individuell
bestimmt werden können.
Nur fingernagelgroß waren in den Anfängen die
astronomischen CCD’s (mit ca. 250,000 Pixeln). Die aktuelle Forschung, insbesondere
das Studium der Struktur unseres Kosmos mit den neuen Großteleskopen
verlangt nach immer mehr Detektorfläche.
Die derzeit größten Detektorflächen erreicht man mit der
sogenannten Mosaiktechnik: Speziell für diesen Zweck entwickelte CCD’s
werden möglichst eng nebeneinander in einer Ebene angeordnet.
Das Bild zeigt das z.Zt. (2003) weltweit größte CCD-Mosaik
mit etwa 18.500x18.500 (d.h. ca. 350,000,000) Pixeln und einer Fläche
von ca. 28cm x 28cm (Canada-France-Hawaii Telescope, MegaPrime-Kamera).
Es besteht aus 40 CCD’s mit jeweils ca. 2000x4500 Bildelementen.
Die Größe dieser Bildfläche bedeutet auch
eine besondere technische Herausforderung für die "Belichtungsmechanik",
den Kameraverschluss. Einerseits sollen kurze Verschlusszeiten (weniger als
1/10 Sekunde) möglich sein. Andererseits muss die Belichtung homogen,
d.h. die Belichtungszeit für jedes Bildelement identisch, sein.
An den Astronomischen Instituten der Universität Bonn ist ein
neues Konzept für großformatige Kameraverschlüsse entwickelt
worden, das Belichtungszeiten von weniger als 1/1000 Sekunden erlaubt. Bei
1/10 Sekunden Belichtungszeit sind die Unterschiede von Pixel zu Pixel kleiner
als 0.2 Prozent. Bei längeren Belichtungszeiten sind sie vernachlässigbar.
Diese Bonner Kameraverschlüsse
werden inzwischen an mehreren Teleskopen eingesetzt.
Klaus Reif, 11. Sept. 2003