Teleskope und Detektoren - was bringen sie?
K.S. de Boer, Sternwarte, Universität Bonn
Ohne Teleskope und Detektoren
wäre die Astronomie nicht in der Lage gewesen,
das Universum und die darin enthaltenen Objekte zu verstehen.
Worin liegt die Bedeutung der Teleskope und der Detektoren?
Was bringen sie?
Teleskope
1. Ein Teleskop sammelt Licht.
Ohne Teleskop würde die Netzhaut unseres
Auges nur die kleine Menge an Licht sehen, die direkt durch die
Pupillenöffnung (etwa 4 mm) einfallen kann. Teleskope werden daher immer
nach dem Durchmesser der Sammelöffnung (plus Name des Aufstellungsortes)
benannt (siehe Benennungen).
Je größer das Teleskop um so besser. Aber es sind auch weitere Bedingungen zu erfüllen. Die Optik muss eine gute Qualität haben und die Konstruktion muss ausreichend stabil sein sowie eine dementsprechend genaue Nachführung haben.
2. Ein Teleskop liefert eine vergrößerte Abbildung. Die Vergrößerung (Abbildungsmaßstab) dient insbesondere dazu, die vielen schwachen Quellen voneinander getrennt sehen zu können, z.B. um Galaxien und Kugelsternhaufen auflösen zu können.
Es gibt aber 2 Gründe, weshalb die Stärke der Vergrößerung
nie extrem groß ist.
-o-
Je stärker die Vergrößerung ist, um so weniger Himmel wird auf
eine Einheitsfläche in der Fokalebene abgebildet
(beim Entwurf eines Teleskops kommt es auf die Ziele der Forschung
mit dem jeweiligen Teleskop an).
-o-
Die Luftunruhe in der Erdatmosphäre führt zur
"Verschmierung" (auf englisch: seeing) der Sternbilder.
Beim Entwurf eines Teleskops eine viel bessere
Auflösung/Vergrößerung als diese zu erreichen,
erschien nie sinnvoll.
Allerdings ist es heute mit Hilfstechniken (siehe dazu die Webseite in
"Physik des Monats":
Instrumente und Methoden; Astronomie im Visuellen) möglich,
die Effekte der Luftunruhe bis zu einen Faktor 10 zu reduzieren,
was entsprechend gesteigerte Anforderungen gegenüber
herkömmlichen Bauweisen zur Folge hat.
3. Ein Teleskop führt nach. Mit einem Motor (in alten Zeiten mit einer Uhr) kann das Teleskop kontinuierlich so bewegt werden, dass damit die Bewegung des Himmels (die Erdrotation!) kompensiert wird. Das Teleskop wird nachgeführt.
Eine mechanische Nachführung erlaubt es,
Langzeitbeobachtungen von Himmelsobjekten zu machen, ohne fortlaufend
die Ausrichtung des Teleskops von Hand anpassen zu müssen.
Dies ist unabdingbar für Langzeitbelichtungen.
Detektoren
Ohne Detektoren wäre die Astronomie nicht in der Lage gewesen,
das Universum und die darin enthaltenen Objekte zu verstehen.
1. Ein Detektor erlaubt es, eine Langzeitbelichtung durchzuführen. Das Auge (die Netzhaut) hat eine Reaktionszeit von etwa 1/20 Sekunde, astronomische Belichtungen können je nach Umständen sogar über eine Nachtlänge hinausgehen.
Bei langen Belichtungszeiten gibt es zwei Einschränkungen: Ein Detektor hat Eigenrauschen (was man so gering wie möglich zu halten versucht, z.B. bei elektronischen Detektoren mit Kühlung), und der Himmelshintergrund liefert auch Signale.
Die Fokalebene ist, bei den meisten Teleskopen, nicht eben. Zu große Detektoren bilden daher nicht über die ganze Fläche scharf ab. Hier gilt es zu optimieren (die Kombination von Teleskop und Detektor). Des weiteren ist die abbildende Optik generell nicht für alle Wellenlängenbereiche gleichzeitig optimal (siehe z.B. die Lösung dieses Problems beim Doppelrefraktor; Bild unten).
2. Detektoren können für andere Wellenlängen als die, die das Auge registriert, empfindlich sein. Die einfachsten Beispiele findet man beim Hubble Space Telescope, das sowohl UV-empfindliche als auch IR-empfindliche Detektoren hat. Für weitere Informationen siehe den Text über astronomische Instrumente in anderen Wellenlängenbereichen.
3. Die heutigen Detektoren sind meist CCDs.
Elektronische Detektoren
wie ein "Charge Coupled Device" (CCD) haben,
neben der Möglichkeit langer Belichtungszeiten, den großen Vorteil, dass
die Daten sofort im Rechner gespeichert und verarbeitet werden können.
Mit wenigen Ausnahmen sind die Detektoren fast immer CCDs
(wie in Digitalkameras).
Sie sind oft großflächig (BUSCA hat 4096x4096 Bildelemente)
oder werden aus mehreren kleineren CCDs zu einem Mosaik zusammengebaut
(wie z.B. das WFI und demnächst das VST).
Link zu mehr über CCDs.
Beispiele von Benennungen
-o-
Das 1m-Teleskop des Observatorium Hoher List (der Sternwarte der Uni Bonn),
das 3.6m auf La Silla, das 2.2m auf dem Calar Alto.
Spezielle Teleskope haben Eigennamen: das NTT, das VLT, das Keck Teleskop.
Bei Radioteleskopen wird die Größe oft nicht
erwähnt, da es meistens an jedem Aufstellungsort nur ein Radioteleskop gibt:
der 25m-Spiegel in Dwingeloo, das SEST,
das Radioteleskop Effelsberg (mit 100m Durchmesser).
-o-
Teleskope in Satelliten werden nur nach dem Satelliten benannt.
-o-
Oft wird das Zusatz-/Beobachtungsinstrument mit erwähnt:
BUSCA
am 2.2m
Calar Alto,
FORS am VLT,
WFPC2 und GHRS des HST.
Teleskope: Linsen oder Spiegel?
Die ersten "Fernrohre" waren lange Tuben mit Linsen,
Objektiv und Okular.
Um mehr Licht zu sammeln, wurden größere Linsen gebaut.
Es gibt dann drei Nachteile.
-o-
Linsen haben wegen der Brechung der Lichtstrahlen Farbfehler.
Die Lage des Fokus hängt von der Wellenläge ab so dass Objekte
farblich unscharf abgebildet werden.
-o-
Es stellte sich heraus, dass Glas plastisch ist,
die Linse verformte sich mit der Zeit unter dem eigenen Gewicht.
Daher gibt es keine Linsenteleskope mit großer Öffnung.
-o-
Um eine bessere Vergrößerung zu erreichen,
wurde der Tubus länger,
was wiederum zum Durchbiegen des Tubus
(also zu Abbildungsfehlern) führte.
Der längste Refraktor ist am Yerkes Observatory
mit 40 inch (1.02m) Öffnung und 19.2m Baulänge.
Spiegelteleskope können sehr große Hauptspiegel haben, da der
Hauptspiegel (Primärspiegel) sehr einfach gestützt werden kann.
Durch die Spiegelung des Lichtbündels am Sekundärspiegel
und mit der Fokalebene "hinter" dem Hauptspiegel
in einem Cassegrain-System kann es zu einer kompakten Bauweise kommen.
Sie ist darüber hinaus mechanisch sehr stabil.
Bei starker Krümmung des Hauptspiegels ist ein Spiegelteleskop
relativ kurz, bei geringer Krümmung muss der Tubus lang bleiben.
Die Krümmung des Haupt- und Sekundärspiegels und deren Entfernung
werden nach der geometrischen Optik berechnet, um
die gewünschte Vergrößerung und Fokallänge zu erreichen.
Die Baulänge (Abstand Hauptspiegel zu Sekundärspiegel) ist
etwa die Hälfte der Fokallänge
(der Lichtstrahl ist eben "gefaltet").
Heute werden für die professionelle Astronomie fast ausschliesslich
Spiegelteleskope gebaut. Deren Fokalebene ist aber nicht ganz flach.
Teleskope: Montierung
-o- Teleskope mit "parallaktischer" Montierung,
also mit einer auf den Himmelspol gerichteten Hauptachse,
lassen sich leicht nachführen,
da eben nur eine Achse gedreht werden muss.
-o-
Große und schwere Teleskope werden meist im Azimuth-Altitude-System
gebaut; dies ist dann mechanisch stabiler. Bei einer derartigen
Montierung dreht sich das Himmelsfeld im Laufe der Belichtung über die
Fokalebene (den Detektor).
Abhilfe wird geschaffen, in dem man während der Messungen den Detektor
gegenüber dem Teleskop-Flansch (gegen)dreht.
Beispiele
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Sie sehen das Haus dort, und wenn Sie auf einer Anhöhe stehen und es ist klar, auch den Hügel in 50 km Entfernung. Sie sehen Flugzeuge in 10 km Höhe und Sie sehen auch den Mond und die Sonne. Und den nächsten Stern in etwa 1 pc Entfernung (1 parsec entspricht etwa 3 Lichtjahren). Die leuchtkräftigsten Sterne sehen Sie bis zu 5 kpc (kiloparsec) oder bis 1/6 der Durchmesser unserer Galaxis. Auch können Sie am Südhimmel die Magellanschen Wolken sehen, zwei Begleitgalaxien zu der unsrigen, in 50 kpc Entfernung. Alles nur mit den blossen Augen. Aber eine leuchtende Glühbirne auf dem Neumond würden Sie nicht sehen. Es ist alles eine Frage der von den Objekten abgestrahlten Lichtmenge (Eigenlicht oder auch reflektiert).
Mit einem Teleskop sieht man viel mehr. Mit einem 8-m-Teleskop, im Vergleich zur blossen Pupille von 4 mm, und mit einer Belichtungszeit von 8 Stunden (statt die 1/20 Sekunde des Auges) und mit der Quantenausbeute eines CCDs von 80% (das Auge erreicht nur etwa 1%) gibt es einen Steigerungsfaktor von
Bei allen kleineren Teleskopen ist der Faktor dementsprechend kleiner.
Bei der Anwendung einer derartigen Berechnung ist zu beachten, dass über sehr große Entfernungen dicht beisammen stehende Objekte an der Himmelsphäre übereinander projiziert werden, so dass man sie unter Umständen nicht mehr gut erkennt. Auch kann das Licht durch interstellare Extinktion abgeschwächt werden. Deswegen ist in der Realität der oben berechnete Entfernungsfaktor kleiner.