Nachrichten vom MarsAuszüge aus den Weltraum-Nachrichten der Zeitschrift MegaLithos von Daniel Fischer
Spirit in den Bergen, Opportunity im Krater
Das alles spricht für eine Wechselwirkung mit
flüssigem Wasser in ferner Vergangenheit, und da Clovis
zur selben geologischen Einheit wie das nahe Grundgestein zu
gehören scheint, könnte sich bald ein
größeres Bild ergeben. Opportunity ist derweil so tief
in den Krater Endurance hineingefahren, wie es zu verantworten
ist: Jetzt kommen nur noch Sanddünen, zwar
spektakulär anzuschauen aber für den Rover
unpassierbar. Während des viele Meter tiefen Abstiegs
registrierten Opportunitys Instrumente interessante chemische
Veränderungen (so stieg der Chlorgehalt nach der
Hälfte des Weges plötzlich auf das Dreifache).
Offenbar stammen die Sedimente in Endurance aus
verschiedenen Epochen, in denen flüssiges Wasser eine
unterschiedliche Rolle spielte, aber auch hier ist ein
schlüssiges Gesamtbild noch nicht in Sicht.
Einen Teil seiner Daten und neuen Bilder hat Opportunity
übrigens nicht über amerikanische Orbiter zur Erde
geschickt, wie es üblich ist, sondern über den Mars
Express der ESA: Ein ausgeklügeltes
Kommunikationsprotokoll kam zum ersten Mal zum Einsatz, das
auch bei späteren Missionen benutzt werden soll. Bei der
Übertragung von 42.6 Megabits in 6 Minuten am 4. August
war der Mars Express 1400 km von Opportunity entfernt, bei
zwei Kontaktaufnahmen mit Spirit viermal höher: Bei
diesen Experimenten wurde der Empfang weniger aber kritischer
Daten bei besonderen Anlässen simuliert. [30.8.2004]
[938a] Quelle: AW&ST vom 23.8.2004 S. 40-42.
Links: JPL Releases vom
3.,
4. und
18. August,
Cornell,
Texas A&M und
ESA Press Releases und
Artikel von Fla.
Today, Cornell
Chronicle und Space Today.
Indizien für Marsvulkanismus in jüngster
Vergangenheit - geologisch gesprochen - könnten in
HRSC-Aufnahmen des Mars Express von den großen
Vulkanen stecken, die kaum Impaktkrater zeigen:
BBC.
Vor der Bergfahrt & im Krater: Marsrover vor der Überwinterung
Bis Anfang Juli war Opportunity etwa 7 Meter weit (und 2
bis 3 Meter tief) in den Krater Endurance hineingefahren, den sie
Anfang Mai erreicht hatte: Indem die Räder stets Kontakt
zu festem Gestein halten und nicht über lockeren Sand
gefahren wird, ist das trotz der Hangneigung von 25° und
mehr ohne Probleme möglich, und die Planer gehen davon
aus, daß der Krater auch wieder verlassen werden kann. Die
Erkundung der dicken Sedimente hat vor allem eines erbracht:
Sulfate, so weit die Meßfühler reichen, auch in den
tiefesten bisher erkundeten Schichten. Abgelagert wurden diese
Salze höchstwahrscheinlich von Wasser, und die viel
größere Dicke der Sedimente in Endurance - 4 Meter
gegenüber den 40 cm in Eagle - bedeutet mithin, daß
erheblich größere Wassermengen im Spiel waren.
Die Endurance-Sedimente erwiesen sich zunächst als viel
homogener als es aus der Ferne geschienen hatte: Das Material
scheint gut durchmischt worden zu sein. So schwankte z.B. das
Chlor-Brom-Verhältnis von Ort zu Ort kaum,
während es in Eagle eine klare Verdunstungssequenz
nachzeichnete. Die Durchmischung kann allerdings ebensogut
von Wind wie von Wasser bewerkstelligt worden sein, und die
Morphologie der Endurance-Felsen spricht in der Tat für
Wind als formenden Faktor: Es handelt sich wahrscheinlich um
eine versteinerte Sanddüne. Hier sind also erst die Salze aus
einer verdunstenden Lösung ausgefallen und dann von
Winden zusammengekehrt worden. Mit dem weiteren Vordringen
Opportunitys in tiefere Schichten steigt aber inzwischen der
Chlorgehalt deutlich an, was immer das bedeutet.
Im Weiteren soll Opportunity noch tiefer in den Krater
hineinfahren: entweder bis die saubere Sedimentschichtung
zuende ist oder bis es zu gefährlich wird (was
möglicherweise nie passiert). Danach dürften andere
Ziele ins Auge gefaßt und in die weitere Meridiani-Ebene
zurückgekehrt werden: Da liegen zum Beispiel allerlei
faustgroße Steine unbekannter Herkunft herum, an denen
Opportunity bisher vorbeifuhr, und auch der alte Hitzeschild ist
nicht fern und einen Besuch wert. Und dann geht es entweder
wieder in den Krater zurück oder aber ganz woanders hin.
Immer vorausgesetzt, der Rover hält den kommenden
Winter durch: Die optimale Beleuchtung der Solarzellen durch die
tiefstehende Sonne (am 20. September ist Wintersonnwende) war
ein wesentliches Argument für die Auswahl der aktuellen
Einfahrtsroute in den Krater in der »Karatepe«-Region gewesen.
Beim Aufstieg von Spirit auf die 90 m hohen Columbia Hill
läßt man sich derweil noch Zeit: Zum einen lockten ein
auf außergewöhnliche Weise verwitterter Stein,
»Pot of Gold« für intensive Untersuchungen
(bei denen er sich als sehr hämatithaltig erwies) und der
erste Aufschluß von Grundgestein (mit noch unbekannter
Entstehung), zum anderen soll noch weiter versucht werden, dem
rechten Vorderrad des Rovers zu helfen. Dessen Elektromotor
zieht seit einigen Wochen zu viel Strom, weil wohl das
Schmiermittel des Rades abhanden gekommen ist, vielleicht kann
man Nachschub »anlocken« (die Reibung ist schon
geringer geworden). Ansonsten ist der Plan, die Hügel so
hinauf zu fahren, daß auch Spirits Solarzellen optimal
beleuchtet werden. Beide Rover benutzen inzwischen auch einen
speziellen Deep Sleep-Modus (Opportunity schon seit dem 27.
Mai), der nachts viel Strom spart. [20.7.2004]
[930] Links: MER Press Releases vom
16. Juli und
25. Juni, Artikel von
Sky & Tel.,
New Sci.,
Space Today und
NetZeitung und ein Interview mit S. Squyres in
AstroBiology.
Der 13. Newsletter der Mars Society Deutschland liegt als
PDF File
vor, u.a. mit vielen Details zum erhofften ersten Amateur-Marsballons ARCHIMEDES.
Mars Express sieht Yardangs auf dem Mars, kuriose Windgebilde:
Release.
Hinweise auf Regenfälle auf dem Mars in einer
Ära, die selbst Optimisten für kalt und trocken
hielten, sehen Geologenaugen in fein verästelten
Flüßchen in der Nähe der Valles Marineris:
AFP,
NetZeitung,
Rh. Post.
Missionen der Marsrover bis (mindestens) September verlängert
Die Mars Exploration Rover haben ihre Minimalanforderungen
für einen vollen Missionserfolg erreicht - und sind
dafür von der NASA prompt mit einer Verlängerung
ihrer Operationen bis Mitte September belohnt worden. Die Rover
zeigen so wenig Verschleißerscheinungen, daß es nun
nicht nur als wahrscheinlich gilt, daß Opportunity den
tiefen Krater Endurance erreichen wird: Sprit wird inzwischen
zugetraut, daß sie tatsächlich die 2.3 km entfernten
Columbia Hills erreichen kann. Bis Anfang April hatte dieser zu
erst gelandete Rover bereits über 600 Meter Fahrstrecke
zurückgelegt und damit das vorletzte Erfolgskriterium
abgehakt. Und am 5. April hatte er 90 Marstage auf der
Oberfläche durchgehalten und den Erfolg komplett
gemacht.
Ein weiteres Erfolgskriterium war, daß beide Rover
zusammen 8 Stellen auf dem Mars untersuchen sollten - allein
Spirit war schon an 11. Mit der kühnen
Missionsverlängerung, die nur 15 Mio.$ kostet und die
Gesamtkosten der Mission um gerade einmal 2% erhöht,
gehen auch sieben neue Aufgaben einher, drei technische
und vier wissenschaftliche. Die neuen
ingenieurmäßigen Ziele sind es, mehr als 1 km
zurückzulegen, die Leistung der Solarzellen zu beobachten,
während sie allmählich einstauben, und allgemein zu
verfolgen, wie es zwei mobilen Robotern auf einem fremden
Planeten im Laufe der Monate ergeht. Das Staubproblem z.B.
scheint sich als weniger gravierend zu erweisen: Hochrechnungen
gehen jetzt davon aus, daß die Leistung um maximal 20%
abfallen und sich dann stabilisieren wird. Kritischer sind da
schon die Batterien der Rover, von denen
[880] Links: ein
NASA Release,
Artikel von
Houston Chronicle,
Space.com und
Rh.
Post, ein Editorial von
Fla.
Today - und das
Cornell Chronicle
über Leben auf Marszeit sowie und ein längerer Artikel von
Physics Today
über Wasser auf dem Mars.
Spirit 90 Tage auf dem Mars! Mit dem Erreichen der Soll-Lebensdauer
des ersten MER sind sämtliche Erfolgskriterien der Marsrover erfüllt:
Status,
AP,
NetZeitung.
Spuren von Methan in der Marsatmosphäre
Nun stellt sich die Frage: Woher kommt das Methan, das in der
sonnenbestrahlten Atmosphäre nur etwa 300 Jahre
überleben kann? Die wahrscheinlichere Quelle dürfte
anhaltende schwache vulkanische Aktivität des Mars sein,
die bisher allen Orbitern entgangen ist (vgl. Artikel 695); die Alternative wären
Stoffwechselprodukte von Bakterien. Die nächste Aufgabe
ist nun, lokale Variationen des Methananteils der
Atmosphäre aufzuspüren und mit bekannten
geologischen Regionen zu korrelieren (der Olympus Mons z.B. war
vor 100 Mio. Jahren noch aktiv): Vielleicht ergibt sich daraus ein
Hinweis auf den Mechanismus hinter der überraschenden
Methanfreisetzung eines Planeten, der sich schon wieder als
ungeahnt komplex erweist. [3.4.2004]
[877] Links: ein
ESA Press Release
und Artikel von
Science Now,
AstroBiology,
Planetary Soc.,
Sky & Tel.,
New Scientist,
Nature Science Update,
SF
Gate, AFP,
Space.com und
Welt.
Erneute Wasserspuren in einem Stein im Krater Gusev
(vgl. Artikel 865) hat Spirit entdeckt, diesmal in Mazatzal:
MER
Press Release,
Astronomy,
Discovery,
Space Today,
NetZeitung.
Die große Fahrt in Richtung der Columbia Hills beginnt
dieser Tage, und die reduzierte Mannschaft lebt wieder nach
Erdzeit: ein JPL Release
und Artikel von
Space Today und
Space.com.
Am 20. April wird der Mars Express sein Radar ausfahren und im vollen
Betrieb sein:
Status.
Ein Spiralmuster im Eis der Marspole könnte
erklärt sein durch ein - von Wachstumsmustern von Schleimpilzen
inspiriertes! - mathematisches Modell: ein
U
of A Press Release und Artikel von
Astronomy,
New Scientist,
Space.com
und BdW.
Der 12. Newsletter der deutschen Mars Society ist erschienen - mit 28 Seiten:
PDF-File.
Wie es auf dem »Mars« in Utah wirklich
zugeht, beschreibt ungeschönt ein Reporter, der zu
einer Crew der simulierten Marsstation der Mars Society
gehörte:
LA
Times Magazine.
Sedimentologen einig: Opportunity Ledge aus flüssigem Wasser abgelagert
Bereits eine Woche nach der ersten großen Pressekonferenz
(siehe Artikel 863)
waren sich die MER-Forscher ziemlich sicher gewesen, daß
die Felsbank nur durch Sedimentation in einem Gewässer
entstanden sein konnte, doch darüber sprechen wollte man
noch nicht: Vielmehr wurden sechs unabhängige Experten
mit den Daten konfrontiert, die sich zwei weitere Wochen lang
damit auseinandersetzten. Am 23. März schließlich
wurde erneut kurzfristig ins NASA-HQ geladen, und nach ein paar
ebenso dramatischen wie nichtssagenden Statements des
NASA-Chefs wurde die neue Evidenz auf den Tisch gelegt, vom
MER-Chef Squyres ebenso wie Fachleuten für
Sedimentbildung. Und führenden NASA-Managern
für das Wissenschafts- und speziell das Marsprogramm:
Schließlich habe sich dessen Strategie »Follow the
water« nun als richtig erwiesen, und die kommenden
Missionen erscheinen jetzt wichtiger denn je.
Schon vor drei Wochen genannte chemische Details werden
nunmehr als einer von zwei Beweisen für die wässrige
Herkunft der Opportunity Ledge angesehen: Insbesondere ist es
dabei die Feststellung, daß es in der Felsbank geringe
Mengen des Elements Brom gibt, wobei sich dessen Anteil aber
von Ort zu Ort stark unterscheidet. Insbesondere schwankt seine
Menge relativ zu der von Chlor um einen enormen Faktor von 10:
So etwas ist auf der Erde sehr typisch für Gestein, das
durch Verdampfung von Meerwasser entstanden ist, beweist
diese Herkunft aber nicht. Vielmehr liegt der Schlüssel nach
Ansicht der MER-Forscher wie der externen Experten
gleichermaßen in der Orientierung der Sedimentschichten,
die in der Opportunity zutage liegt: Die Mikroskopaufnahmen
lassen nun keinen Zweifel mehr, daß hier etwas vorliegt, was
Geologen Schrägschichtung bzw. »Cross-bedding« nennen.
Schon auf Pancam-Aufnahmen waren vage Hinweise auf
Cross-bedding
in Teilen der Ledge zu sehen gewesen, aber erst
große Mosaike aus bis zu 152 Einzelaufnahmen mit dem
Microscopic Imager (eine enorme technische Leistung) zeigten
klar die typischen Formen: Statt waagerecht übereinander
zu liegen sind die Schichten immer wieder »wie ein
Lächeln« nach oben gezogen. Die dahinter steckende
dreidimensionale Struktur sind nichts anderes als
Rippelmarken,
zu Stein gewordene Wellenmuster, die der Aufschluß von der Seite
angeschnitten hat. Beispiele dafür findet man auf der Erde
viele, z.B. in der Nähe des Colorado River - doch es
genügt schon ein wesentlich kleineres Gewässer:
Hauptsache, das Wasser hat sich bewegt (hier: mit 10 bis 50
cm/s), während die Sedimente entstanden. Schon Wellen in
einem flachen, stehenden Tümpel (von mind. 5 cm Tiefe) können
ausreichen, und das erklärt auch, weshalb die Entdeckung
in Opportunitys kleinem Krater als solche nicht viel beweist.
So ziemlich alle wesentlichen Fragen können Opportunitys
Messungen nämlich (jedenfalls bisher) nicht beantworten:
Wieviel Wasser war im Spiel, wie ausgedehnt, wie tief war das
Gewässer? Wie lange hat es existiert, wann war das und wie
verbreitet waren solche Gewässer auf dem Mars? Und: War
das Wasser überhaupt der freien Atmosphäre
ausgesetzt (die dann dichter und wärmer als heute gewesen
sein müßte)? Wir wissen so wenig über die
Umstände, unter denen die Opportunity Ledge entstand,
mußten die Forscher auf der PK eingestehen, daß es
sogar denkbar ist, daß das flüssige Wasser nur unter
einer Eisschicht bestand, während der restliche Mars
genau so kalt und öde war wie heute. In dem Wasser
sollten aber in jedem Fall recht lebensfreundliche Bedingungen
geherrscht haben, und Meridiani Planum gilt deswegen bereits als
jener Ort auf dem Mars, wo man sich nach derzeitigem Wissen die
größte Hoffnung auf Fossilien machen kann - die
leider viel kleiner sein würden, als daß die MER danach
suchen könnten.
Der große Marsrover von 2009, der im Gegensatz zu den
MER auch über jede Menge spezielle Biosensoren
verfügen wird, dürfte wohl genau hierher geschickt
werden - sofern nicht in den nächsten Jahren ein noch
besserer Kandidat gefunden wird. Denn als nächstes ist
erst einmal der 2005-er Mars Reconnaissance Orbiter dran, der
den ganzen Planeten mit einer beispiellosen Auflösung
kartieren soll: Womöglich stößt er in anderen
Marsregionen auf noch einladendere Sedimente oder
verdächtigere Chemie. Mit seinen 200 km Reichweite sollte
der Rover dann sogar mehrere verschiedenartige Kandidaten
ansteuern können. Auch für die erste Mars Sample
Return Mission der NASA im nächsten Jahrzehnt ist
Meridiani Planum schon zum führenden Kandidaten
geworden: Lieber heute als morgen hätten die Forscher das
Gestein gerne in tausenden irdischen Labors, die mit allen
erdenklichen Methoden viele der Fragen angehen könnten,
die die Spektren und Bilder Opportunitys aufgeworfen haben.
Eine der fundamentalen offenen Fragen wird der Rover
während des Rests seiner Mission vielleicht noch
beantworten können: Wie verbreitet ist das wässrig
entstandene Gestein eigentlich? Es war ein unglaublicher Zufall,
daß der Rover ausgerechnet in dem Mini-Krater zu stehen
kam, wo es so praktisch aufgeschlossen ist: Als Opportunity am
22. März (im zweiten Anlauf) aus seinem Krater (jetzt Eagle
genannt; Bild) herausfuhr, tat sich vor ihm eine endlose Wüste
auf, ohne jedes offensichtliche Indiz für die spannende Geologie
unter der Oberfläche. Nun geht die Fahrt schnurstracks zum
nächstgelegenen größeren Krater Endeavour,
wo bereits Bilder aus dem Orbit auf weitere helle Felsbänke
hindeuten: Wenn der Rover so weit kommt (und man geht
inzwischen davon aus, daß beide bis zum Sommer oder gar
September durchhalten), dann wird er vielleicht vor viele Meter -
statt Dezimeter - dicken Sedimentschichten stehen, die einen viel
tieferen Blick in die Geschichte dieser Marsregion erlauben.
Es handelt sich um eine einst verschüttete und nun durch
Erosion wieder freigelegte Landschaft, deren Topografie nur mit
Vorsicht zu genießen ist: So fanden Orbiter hier keine
Hinweise auf ein früheres Becken, doch die könnten
längst zerstört sein. Noch unklar ist auch die Rolle
des grauen Hämatits, der Meridiani Planum populär
gemacht hatte: Zwar weiß man inzwischen, daß er
hauptsächlich in den »Blaubeeren« steckt, den
kleinen kugelförmigen Konkretionen, die in der
Opportunity Ledge gewachsen sind, doch das kann auch in
einigem zeitlichen Abstand nach der Bildung der Felsen selbst
geschehen sein. Gerade einmal 50 Tage ist der Rover jetzt
unterwegs, und schon gibt es eine fundamentale Entdeckung zu
feiern. Die hat der andere MER Spirit noch nicht zu melden, und
auch im Krater Bonneville gibt es nichts zu sehen: Nun wird in
Richtung der fernen Columbia Hills gefahren, die interessanter
aussehen. [25.3.2004]
[875] Quelle: NASA-Pressekonferenz vom
23.3.2004. Links: ein
MER Press Release
und Artikel von
AstroBiology
(früher),
Astronomy,
Spacefl. Now,
Wired,
LA Times,
BBC,
Houston Chr.,
SpaceRef,
Fla. Today,
Discovery,
USA Today,
Guardian,
Space Today,
BdW,
NetZeitung
und Rh. Post
- und USA Today
über die Leute hinter den Marsrovern.
Die ersten Mars Express-Resultate werden veröffentlicht, darunter der Nachweis
großer Wassereismengen am Südpol:
ESA Science News,
BBC,
AFP.
Ein Indiz für wässrige Chemie auch im Krater Gusev
[865] Links: ein
MER Press Release
und Artikel von AstroBiology,
LA Times,
BBC,
New Scientist,
Scient.
Am., Space Today,
NetZeitung und
BdW - außerdem eine (arg verspätete)
MPG
PM zu den Wasserspuren in der Opportunity Ledge und ein
BBC-Artikel mit der Erwartung, daß
die MER 240 Tage lang durchhalten werden.
War die Marsatmosphäre zu dünn für Beagle 2? Oder wurde der Lander schon beim Abwurf
vom Mars Express beschädigt? Viele Fragen bleiben offen, und die Untersuchung geht weiter:
BBC,
New Scientist,
Space Today,
Rh. Post,
NetZeitung.
Sonnenfinsternisse durch Deimos & Phobos
können die Mars Exploration Rover derzeit beobachten:
Erst zog der kleine Deimos am 4. März für Opportunity vor der Sonnenscheibe her,
dann verursachte der viel größere Phobos am 7. März für denselben Rover eine
partielle SoFi. Für totale Sonnenfinsternisse sind beide Marsmonde zu klein, aber
Phobos kann zumindestens für eindrucksvolle ringförmige SoFis sorgen - damit wird
am 10. März gerechnet. Noch nie wurden Sonnenfinsternisse von der Marsoberfläche
aus beobachtet; die schon ziemlich dunkle Penumbra von Phobos wurde dagegen schon
von diversen Marsorbitern (insbesondere dem MGS) auf der Planetenoberfläche
verfolgt. [9.3.2004]
[865] Links: ein
JPL Release, die
Pancam-Bilder
des Deimos-Transits, eine kleine
Animation und Artikel von
Space.com und
NetZeitung.
Die große "Kaninchenjagd" auf dem Mars, die sogar in der
ZEIT Niederschlag fand, ist zuende -
es handelte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Stückchen Airbag, das vom Wind durch
Opportunitys Krater geweht wurde:
MER Spotlight.
Die »Opportunity Ledge« wurde einst von Wasser durchtränkt
Noch vielsagender sind nämlich platte Drusen, typischerweise 1 cm lange
aber nur 1-2 mm breite Hohlräume, die kreuz und quer im Felsen El
Capitan sitzen, in allen möglichen Winkeln
(Bild): So etwas kennt man auch auf der Erde, und es zeigt an, daß
dort einmal Kristalle im Gestein gewachsen sind, die
danach wieder verschwanden. Das dritte Indiz ist der enorme
Schwefelgehalt der Ledge: Als man mit dem RAT die
Oberfläche abkratzte und das Mainzer APXS das unverwitterte
Gestein messen konnte, schnellten die Meßwerte
dramatisch nach oben. Der Felsen ist demnach voller Sulfatsalze
und garantiert kein Basalt (wie Adirondack im Gusev-Krater). Die
Sulfate bestätigte per IR-Spektroskopie auch Mini-TES, als
es in das RAT-Loch schaute. Und Indiz Nr. 4 ist das Mineral
Jarosit,
das nur in flüssigem Wasser entsteht und vom
ebenfalls aus Mainz stammenden Mössbauer-Spektrometer
nachgewiesen wurde (das insgesamt vier Mineralien fand).
Bei den Salzen handelt es sich vermutlich um
MgSO4, das in wasserfreier Form als
Kieserit
(und sonst als Epsom-Salz) bekannt ist. Auch Chloride finden
sich in der Opportunity Ledge (und ein paar ppm Bromide): Sie
besteht zu 40 Prozent aus Salzen! Und zu einer solchen
Konzentration kommt es (jedenfalls auf der Erde) nur, wenn eine
größere Menge Salzlösung verdampft ist: Sogar
das chemische Muster im Gestein (die »evaporative
Sequenz« von Chlor-, Schwefel- und Brom-Verbindungen)
paßt dazu, denn verschiedene Salze fallen nacheinander aus.
Alle Indizien identifizieren Meridiani Planum also einen Ort, wo
sich einst Mineralien aus Wasser niederschlugen - damals
könnte der Planet dort durchaus bewohnbar gewesen sein.
Wie lange diese interessante Epoche andauerte und wann sie sich
- in ferner Vergangenheit - ereignete, darüber sind noch
keinerlei Aussagen möglich.
Und auch der geologische Kontext bleibt noch aufzuklären:
Nach wie sind mehrere Entstehungsmechanismen für die
Opportunity Ledge selbst denkbar, von Sedimentablagerungen in
einem Gewässer bis zu angewehtem Sand. Vielleicht werden
Detailuntersuchungen einer verdächtigen Stelle binnen
einer Woche Klarheit schaffen, denn dort ist das
Ablagerungsmuster besonders gut zu erkennen. Wenn sich der
Verdacht auf »cross bedding« bestätigt, dann
wäre das ein Indiz für Teilchen, die sich in einem
fluiden Medium bewegten: Das wäre konsistent mit Wasser,
aber es gäbe auch andere Erklärungen. Das salzige
Wasser, das in der Ledge seine markanten chemischen Spuren
hinterließ, kann jedenfalls auch erst lange nach der
Entstehung der Ledge eingesickert sein, Grundwasser z.B. Eine
vergleichbare Durchtränkung von Gestein ist auf dem
heutigen Mars nirgends mehr denkbar - aber wie verbreitet war
sie einst?
Einen generellen Schwefelreichtum der Marsoberfläche
hatten schon die Viking-Orbiter erkannt, und der Verdacht auf
Salze stand seither im Raum; weder der Mars Pathfinder noch
Spirit haben aber welche gefunden. Beide MER werden sich im
weiteren Missionsverlauf je einem größeren Krater
zuwenden, um in die Tiefe zu blicken: Spirit sollte
»Bonneville« Mitte des Monats erreichen,
Opportunity in ca. 10 Tagen seinen Minikrater verlassen und
dann innerhalb weniger Wochen mit 50-100 m/Tag (das
Gelände ist ausgesprochen glatt) zum großen
»Endurance« fahren. Und es zeichnet sich bereits die
Rolle der nachfolgenden NASA-Missionen ab: So wird sich der
2005-er Mars
Reconnaissance Orbiter an Opportunitys
Landestelle die »ground truth« besorgen und die
Verbreitung derartiger Formationen global untersuchen. Und
Meridiani-artige Salze stehen ganz oben auf der Wunschliste
für die erste Sample Return Mission im nächsten
Jahrzehnt. [4.3.2004]
[863] Quelle: eine Pressekonferenz von Squyres &
al. vom 2.3.2004, die zum ersten Mal im NASA-HQ in Washington,
DC, anstatt am JPL abgehalten wurde, um die Bedeutung der
Entdeckungen zu unterstreichen - entsprechend aufgeregt war
schon im Vorfeld der PK spekuliert worden. Links: ein
MER Press Release,
Science@NASA
und Artikel von
Spacefl. Now,
AstroBiology,
Sky & Tel.,
Nature Sci. Update,
Astronomy,
LA Times,
New Scientist,
Houston Chronicle,
Planetary Soc.,
UPI,
Fla. Today,
VOA,
Space.com,
Space Today,
BdW,
NetZeitung und
Rh. Post.
H2O2: Der erste Katalysator in der Marsatmosphäre
[858] Links: ein
JACH
Press Release zum Peroxid, ein
MER
Press Release und Artikel von
Fla. Today und
LA Times
zu den Himmelsbeobachtungen der MER sowie von
Space.com zu
angeblich relevanten MER-Entdeckungen und ESA Releases zur
Bahn des Mars Express
und einem neuen HRSC-Bild.
Zwei »Grabungen« auf dem Mars
Beide Marsrover haben Mitte Februar ihre ersten Gräben
ausgehoben, um dem Mars ein paar Zentimeter unter die
Oberfläche zu schauen und die physikalischen und
chemischen Eigenschaften des Bodens zu untersuchen.
Opportunity hob mit einem seiner Räder eine 50 cm lange, 20 cm
breite und bis zu 9 cm tiefe Grube aus (Abb. oben): Der Sand
unter der Oberfläche ist viel feiner, und es sind wieder
die bekannten Kügelchen eingelagert - allerdings irgendwie
glattpoliert. Danach fuhr Opportunity an den Felsen El Capitan heran,
der jetzt näher untersucht wird - seine Oberfläche ist außergewöhnlich
(kleines Bild) und gibt zu angeregten Spekulationen Anlaß.
[850c] Links: tägliche Updates
(ab Sol 33 bzw. Sol 11), sehr selten gewordene MER Press Releases vom
19. und
17. Februar, ein
NASA Press Release
zu 6.3 Mrd. Hits auf der MER-Webseite und Artikel von
AP,
Heise und
ZEIT.
Ein seltsamer Stein und das erste "Trenching"
Während Opportunity schrittweise die große Felsbank
entlang fährt und gerade für Wühlarbeiten gestoppt hat, ist
Spirit bereits rund 60 Meter weit in Richtung des Kraters
Bonneville vorgedrungen, von dem ihn noch 270 m trennen - die
größte Fahrstrecke an einem Stück
betrug 24.4 Meter. Jetzt hat der Rover während
der grossen Fahrt zum ersten Mal gezielt innegehalten, um ein paar
Dünen und v.a. den bisher ungewöhnlichsten Stein näher zu
untersuchen, der den beiden MER bisher untergekommen ist:
»Mimi« (oben), der zu einer Felsengruppe namens
»Rock Council« gehört, erscheint außerordentlich
blätterig. Das Vorankommen Spirits (unten)
wurde davor nur einmal durch eine technische Panne unterbrochen, als
die High Gain Antenna eingefroren war und eine vorgesehene
Kommunikations-Session mit der Erde ausfiel.
Opportunity bewegt sich derweil weiter entlang des hellen
Aufschlusses am Innenrand des Kraters, der »Opportunity
Ledge« getauft wurde. In den kommenden Tagen wird auch
das verschobene »Trenching«-Experiment nachgeholt, bei dem
fünf der Räder festgehalten werden und sich das
sechste ein wenig in den Boden eingräbt: Das soll am 16.2.
geschehen, und am 17. wird das Loch ausgiebig untersucht. Zuvor hatte
sich Opportunity geweigert, ein Kommando auszuführen, das den Robotarm
betraf - und am JPL stellte man hernach fest, daß der Rover den Befehl
ganz zu recht verweigert hatte, weil gegen ein Sicherheitsprotokoll
verstoßen worden war. Opportunity trifft weiterhin auf zahlreiche
sphärische Kügelchen, die aus der Ledge (Felsbank) herausgepurzelt sind
und im Boden davor stecken (unten) - ihre Zusammensetzung und Entstehung sind
immer noch unklar. [15.2.2004]
[847] Links:
Status Reports, weitere
Updates von Spacefl. Now, alle
Rohbilder, verarbeitete Bilder von
Spirit und
Opportunity (nicht alle
werden mehr von den selten gewordenen Press Releases aus gelinkt!), ein
MER Press Release
und Artikel von Space.com,
BBC und
Discovery.
Neuer Streckenrekord für Spirit - der Rover ist 24.4 m am Stück
weit gefahren:
MER
Press Release.
Spirit ist nicht weitergekommen auf seiner langen Reise zum Krater Bonneville,
weil der Motor der HGA eingefroren war:
Spaceflight Now.
Ein HRSC-Bild der Caldera von Olympus Mons mit 12 m Auflösung in diversen Darstellungen:
ESA Press Release.
Spirit auf großer Fahrt nach Anbohren von Adirondack, Opportunity am Aufschluß -
und auf der Oberfläche geortet!
Einen Monat nach der Landung ist der erste Mars Exploration
Rover nun auf großer Fahrt - und das teilweise autonom gesteuert:
Als erstes fuhr er einfach über den Felsen Adirondack hinweg,
den er zuvor eingehend untersucht, abgebürstet und angebohrt
hatte, und legte erst 6 Meter (Abb.) und dann gleich 21 (!) zurück.
Opportunity hat ebenfalls mehrere Fahrtschritte absolviert,
erst zum zutageliegenden Grundgestein hin und dann vier Meter nach
links. Die ersten Nahaufnahmen des Aufschlusses (der erste angesteuerte
Stein wurde "Stone Mountain getauft") zeigen eine feine Schichtstruktur -
und die kleinen kugeligen Körner, die Opportunity bereits auf dem
Boden fand, sind darin eingebettet und fallen allmählich heraus,
während das Gestein erodiert. Die Position des Landers auf der
Marsoberfläche steht inzwischen auch fest, durch die Auswertung
des Roverfunks zu Mars Odyssey und die Identifikation von Marken
am Horizont - und der Mars Global Surveyor hat die Landeplattform
als hellen Fleck im 22 Meter grossen Krater geortet.
Opportunity selbst hat wiederum seine Backshell und den Fallschirm
am Horizont erspäht. In drei Schritten hatte Opportunity die
rund 6 Meter zum Aufschluß zurückgelegt und dabei auf das
zunächst geplante Ausheben eines Lochs mit einem Rad
verzichtet. Bei der Anfahrt an das zutageliegende
Grundgestein hatte der Rover eine Steigung von +13° zu
bewältigen und war erst nicht so weit gekommen wie berechnet:
Offenbar war der Boden rutschig, und ein dritter Fahrbefehl war
nötig. Nach der Begutachtung des Bodens direkt vor dem
Aufschluß mit dem Mikroskop und von Stone Mountain mit allen
Instrumenten geht es nun den ganzen etwa 30 m langen Felsenstreifen
entlang immer weiter nach links, mit zwischen drei und sieben Stopps
für erneute Detailaufnahmen. Später sollen einzelne Felsen
erneut angefahren werden, um sie mit den Instrumenten auf dem
Robotarm zu untersuchen.
2.7 mm tief ist das Loch mit 4.6 cm Durchmesser, das das Rock
Abrasion Tool von Spirit in dreistündiger Arbeit in
Adirondack gebohrt hatte - das halbautonome Werkzeug, das
selbst herausfindet, wo am meisten hervorsteht und es dann
abschleift, arbeitete genau wie geplant. Anschließend wurde
das frische Bohrloch auch noch mit einer Bürste gereinigt:
Eine so staubfreie Stelle dürfte es auf der ganzen
Marsoberfläche nicht geben! Die nähere Untersuchung
bestätigte, daß es sich um Basalt handelt. Vor der Bohrung hatte
das RAT bereits 5 Minuten lang den vermeintlich kaum eingestaubten
Stein abgebürstet, ohne ihn selbst anzugreifen - und zur
allgemeinen Überraschung kam wesentlich dunkleres
Material zum Vorschein, das sogleich mit dem Mikroskop, MIMOS
und APXS untersucht worden war. Der feine und elektrostatisch
überall haftende Marsstaub ist wirklich überall,
leistete aber der Bürste praktisch keinen meßbaren
Widerstand.
Komplett überwunden sind die Computerprobleme Spirits:
»Der Patient ist geheilt!« hieß es am 6. Februar,
nachdem das Flash Memory komplett neu formattiert worden
war. Zuvor waren noch viele der dort abgelegten
wissenschaftlichen Daten und Bilder der ersten Wochen nach der
Landung gerettet und zur Erde gefunkt worden. Eigentlich hatte
der Bordcomputer am 21. Januar richtig reagiert, als sein RAM
mit der Verwaltung der zu vielen alten Dateien im Flash nicht
mehr zurecht kam: Ein automatischer Neustart hilft gegen die
meisten Probleme mit der Software. Doch genau in diesem Fall
nicht: Prompt fehlte wieder RAM, und so startete der Computer
immer wieder neu, ohne dabei wirklich hochzufahren.
Die ersten hilflosen Rettungsversuche der Erde verschlimmerten die
Situation sogar noch. Aber als man das Flash Memory dann beim
Booten gezielt umging (wohlweislich hatte man einen solchen
»cripple mode« für alle Fälle ins System
eingebaut!), war Spirit rasch wieder unter Kontrolle gekommen.
Das Problem konnte - nach drei düsteren Tagen -
schließlich erkannt und durch das Löschen tausender
Files und Formattieren des Flash systematisch behoben werden:
Einfach war das bei der geringen Übertragungsrate vom
und zum Mars allerdings nicht gewesen. [10.2.2004]
[843] Links: MER Press Releases vom
9.,
6. und
5. Februar,
ein MSSS Release zur Entdeckung
von Opportunity durch den Mars Global Surveyor,
ein APOD
und Artikel von Spacefl. Now,
BBC,
LA Times,
Fla. Today,
Discovery,
New Scientist,
CSM,
Nature Science Update,
Space.com und
Space Today.
Zusätzliche Quelle: JPL-PK vom 6.2.
Erste Suche nach Beagle 2 durch den MGS erfolglos -
allerdings wurde erst ein kleiner Teil der Lande/Absturz-Ellipse
mit hoher Auflösung aufgenommen: ein Artikel der
Planetary
Society.
Ein paar neue Ergebnisse vom Mars Express tröpfeln auch herein:
ESA Release.
Mehr PFS-Daten: ESA.
Meridiani Planum von ganz nahem betrachtet
hat Opportunity mit seinem Microscopic Imager (MI): An
der Stelle, wo der Marsrover nach der Abfahrt
zufälligerweise zu stehen kam, gibt es vor allem feinen Sand
(mit etwa 1/10 mm großen Partikeln) - und vereinzelte
größere Körner von bis zu 3 mm; nur zwei
besonders große sind auf dem ersten Bild zu erkennen.
Kugeln sind die großen Körner nicht, eher abgeflachte
Strukturen, manchmal durchlöchert, zuweilen auch
zerbrochen. Solche Gestalten mögen am ehesten zu
Spritzern geschmolzenen Gesteins passen, das nach einem
Impakt durch die Atmosphäre flog und aerodynamisch
verformt wurde. Nicht auszuschließen sind aber auch
entsprechende Auswürfe eines Vulkans, während
Transportprozesse in flüssigem Wasser wohl rundere
Formen erzeugt haben sollten.
Als dann das Mössbauer-Spektrometer MIMOS auf
dasselbe Marsbodenstück gerichtet wurde, maß es
zum einen die bekannten Anzeichen basaltischen Materials, mit
geringem Signal/Rausch-Verhältnis aber auch eine
magnetische Komponente, deren genaue Natur zunächst
unbekannt bleibt. Steckt sie in den großen Körnern
und handelt es sich um Hämatit, der einen magnetischen
Fingerabdurck haben sollte? Da die Meßöffnung von
MIMOS nur 1.5 cm groß ist und die großen
Körner rar sind, kann es sein, daß gar keines getroffen
wurde: Ein weiteres MI-Bild könnte die Kontaktstelle zeigen
und diese Frage klären. 14-stündige Messungen mit
dem APXS fanden in der vergangenen Nacht statt, und in seine 38
mm große Öffnung sollte schon leichter ein
großes Körnchen geraten. Die nächsten Schritte
Opportunitys:
[840] Quelle: JPL-PK vom 4.2.2004. Links: ein
MER
Press Release und Artikel von
BBC,
Discovery,
LA Times,
AP,
New Scientist
und Rh.
Post.
Zwei Rover arbeiten auf der Marsoberfläche
Das gab es noch nie in der Geschichte der Raumfahrt: Zwei
Robot-Fahrzeuge sind jetzt gleichzeitig auf der Oberfläche eines
anderen Planeten unterwegs - und, auch das ein Rekord, zum
ersten Mal sind fünf Vehikel gleichzeitig in Sachen Mars im
Einsatz, drei im Orbit (Mars Global Surveyor, Mars Odyssey,
Mars Express) und zwei auf der Oberfläche. Denn zum einen
ist der zweite Mars Exploration Rover Opportunity nur sechs Tage
nach der Landung in Meridiani Planum (oben das nunmehr
komplett übertragene 360°-Mission Success
Panorama der Pancam) von seiner Plattform gerollt, und
andererseits ist Spirit schon wieder so gut unter Kontrolle,
daß er seine wissenschaftliche Arbeit wieder aufgenommen
konnte, während die Beseitigung des Computerproblems
noch läuft.
Bereits am Morgen des 31. Januar hat Opportunity einen
tadellosen »Egress« absolviert: Diesmal lag kein
störender Airbag im Weg, stattdessen war zuvor ein Airbag
auf der anderen Seite des Landers zusätzlich eingezogen
worden, um die Rampe vor dem Rover auf den Boden abzusenken.
Die Abfahrt war dann ein Kinderspiel, und nach 83 Sekunden war
Opportunity drei Meter weit gerollt. Vom Erfolg kündeten
rasch ein paar Signale und ab 12:03 MEZ auch einige Aufnahmen
der hinteren Hazcam (Abb.) und der Pancam, die die verlassene
Landeplattform (die jetzt »Columbia Memorial
Station« heißt) und die ersten Reifenspuren zeigen.
Der Robotarm (IDD) des Rovers ist bereits komplett getestet
worden, und auch sonst gibt es keine Probleme: Die nicht
abschaltbare Heizung eines Armgelenks stellt keine Gefahr
dar.
Als erstes stehen nun Mikroskopaufnahmen des Bodens direkt
vor Opportunity und seine Untersuchung mit MIMOS (es wird 24
Stunden lang integriert) und dann dem APXS auf dem Programm.
Was dann passiert, steht noch nicht fest, aber es dürfte
schon Ende der Woche in Richtung des Grundgesteins in 8
Metern Entfernung gehen, das systematisch untersucht werden
soll (über die günstigste Reihenfolge der Kontakte
wird schon emsig diskutiert). Eine wesentliche Entdeckung hat
bereits das IR-Spektrometer Mini-TES gemacht: Es gibt
Hämatit in dem 22 m großen und 3 m tiefen Krater, in
dem Opportunity gelandet ist, und zwar im grobkörnigen
grauen Sand des Bodens, nicht jedoch im
feinkörnigen roten. Denn in den Abdrücken der
Airbags - wo offensichtlich der grobe unter den feinen Sand
gepresst wurde - fehlt die Hämatitsignatur.
In dem auffälligen zutageliegenden hellen Grundgestein gibt
es laut den Messungen von Mini-TES ebenfalls keinen
Hämatit und auch keinen Quarz oder Karbonate: Seine
Zusammensetzung bleibt einstweilen rätselhaft. Die
großen Hämatitvorkommen, die das TES-Instrument
auf dem Mars Global Surveyor aus dem Orbit fand, dürften
in einer Deckschicht über diesem Grundgestein
sitzen, und die hämatithaltigen Körnchen des
Bodens sind wohl Verwitterungsprodukte dieser Lage, die nach
diesem Modell außerhalb des Kraters dominieren sollte.
Noch ist vieles der geologischen Geschichte in dieser aufregenden
Landschaft unklar, aber die Mini-TES-Spektren scheinen
zumindest besser zu einer Entstehung des Hämatits in
Wasser und bei niedrigen Temperaturen als zu einer der wenigen
wasserfreien Möglichkeiten zu passen.
Bei Spirit ist unterdessen von »unglaublichem
Fortschritt« bei der Behebung der Computerprobleme die
Rede - weshalb auch parallel die wissenschaftlichen Arbeiten
wieder aufgenommen werden konnten. Schon gibt es wieder
Bilder: Sie zeigen z.B., daß Spirits IDD wie erwartet weiter auf
Adirondack zeigt und MIMOS Kontakt mit dem Felsen hat (ein
erstes MIMOS-Spektrum, das noch vor der Panne aufgenommen
wurde, identifiziert den Stein als typischen vulkanischen Basalt,
wie er auch auf der Erde zuhauf vorkommt). Als nächstes
soll er mit dem Schleifgerät RAT angebohrt und dann mit
dem Mikroskop und dem APXS untersucht werden - und dann
heißt es: auf zum 250 m entfernten Krater (der inzwischen
Bonneville getauft wurde), mit anfangs 15 Meter pro Tag und
später, wenn mehr und mehr der autonomen
Fahrfunktionen aktiviert sind, noch schneller. [2.2.2004]
[837] Quellen: JPL-PKs vom 30. und 31.1. und 2.2.
Links: MER Press Releases vom
2.
(früher) und
1. Februar und
31.,
30.,
29. und
28. Januar
(früher)
und Artikel von Spacefl. Now,
Astronomy,
BBC,
CBS,
New Scientist,
AW&ST,
Space.com,
Space Today und
NetZeitung.
Streit um die Mössbauer-Spektrometer auf den Marsrovern - wie
aussagekräftig sind die Daten wirklich?
BBC.
Spirit sendet schon wieder Fotos und könnte kommende Woche bereits wieder
voll bei der Arbeit sein - und auch Opportunity ist bald abfahrbereit:
Spacefl. Now,
Rh. Post,
NetZeitung.
Jede Menge Sedimentschichten auf scharfen Bildern Opportunitys -
Zu viele alte Files in Spirits Speicher - Beagle 2 de facto aufgegeben
»Das wird die coolste geologische Exkursion in der
Geschichte der Menschheit«, frohlockt der
Chefwissenschaftler der Marsrover, Steve Squyres, und es werde
»faszinierend jenseits aller Worte« sein, dem
zutageliegenden Grundgestein näher zu rücken, von
dem Opportunity nur 6 bis 8 Meter entfernt zum Stehen
gekommen ist (siehe Artikel 830). Denn die ersten klaren Aufnahmen der Formation, die
zum Innenrand eines ca. 20 m großen und etwa einen Meter
tiefen Kraterchens gehört, in dessen Mitte der Rover steht,
zeigen jede Menge Schichten, die dünnsten Lagen nur 1 cm
dick - es sind für ihn die dramatischsten Bilder der
Doppelmission überhaupt. Darüber gibt es klotzigere
Lagen und mithin mindestens zwei Phasen der
Ablagerungsgeschichte, dazu einige Überhänge.
Drei Deutungen dieser gar nicht so großen Formation, an die
heranzufahren keinerlei Problem bereiten dürfte, sind
möglich: Es kann sich um Lagen von Vulkanasche handeln,
um Sedimente, die Wind abgelagert hat, oder solche, die Wasser
herbeitransportierte (ein Transport durch Eis kann dagegen
ausgeschlossen werden). Welche der Hypothesen zutrifft, sollte
sich bereits durch Nahaufnahmen entscheiden lassen, denn die
Textur unterscheidet sich je nach Entstehung deutlich. Aber wie
auch immer: Dieser Felsen dürfte mehrere Milliarden Jahre
alt sein (das ergibt sich aus der hohen Verkraterung der ganzen
Gegend auf Orbiterbildern) und ein Fenster in die ferne
Vergangenheit des Planeten öffnen, die mangels
Plattentektonik viel leichter zu ergründen ist als auf der
Erde.
Über die Erreichbarkeit von Grundgestein freuen sich die
Geologen deshalb so unbandig, weil man an den anderen vier
Landestellen (Viking 1+2, Pathfinder, Spirit) zwar viele Steine
fand - aber keiner war dort, wo er ursprünglich war:
Die Gusev-Steine z.B. haben wohl im Lauf der Äonen
Impakte an anderen Stellen hergeschleudert. Oder
fließendes Wasser trug sie einst aus fernen Gegenden heran.
Bei Grundgestein kann man dagegen sicher sein, daß es
wirklich dort entstand, wo man es findet, und die Schichtung
liefert auch gleich die Historie mit. Deswegen ist auch der Plan,
den Minikrater später zu verlassen und zu einem 150 m
großen Krater in weniger als 1 km Entfernung zu fahren,
den die Bilder der Abstiegskamera DIMES zeigen (auch denen
übrigens auch der Schatten des Fallschirms zu sehen ist;
Bild oben). Der Innenrand dieses Kraters scheint hell zu sein:
Squyres vermutet dort sogar 30 bis 40 Meter hohe zutageliegende
Schichtungen.
Weiterhin unklar ist, wie die Vorkommen von reichlich grauem
Hämatit, die immerhin für die Auswahl des
Landesplatzes maßgeblich verantwortlich waren, ins
Gesamtbild passen - und es ist noch nicht einmal klar, wo sich
das Hämatit-tragene Material eigentlich befindet. Der
besonders dunkle »schokoladenbraune« Boden, auf
dem Opportunity sitzt (mit nur 10 bis 15% Albedo), scheint laut
den Orbitern für das Innere von Kratern typisch zu sein,
während er außerhalb generell heller ist: Vielleicht wird
man den Hämatit erst antreffen, wenn der Rover - nach
vielleicht einen Monat langer Erkundung der geschichteten
Felsen - den kleinen Krater verläßt. Die physikalischen
Eigenschaften des Bodens rund um den Rover geben jedenfalls so
manches Rätsel auf: Dort, wo die Airbags aufschlugen, hat
er eine deutlich hellere Rotfärbung bekommen, was z.B.
durch ein Zweikomponentenmodell erklärt werden
könnten (größere, dunklere Partikel wurden in
eine hellere Matrix gedrückt).
Opportunity selbst geht es ausgezeichnet; es werden lediglich 15
Watt mehr verbraucht als geplant, wohl weil ein
Thermostat-gesteuerter Heizer der Schulter des Robotarms zu
lange eingeschaltet bleibt. Die großen Aufgaben kommen
aber gut voran: Die High Gain Antenna hat die Erde gefunden, und
es wurden schon Daten übertragen, das Aufstehen des
Rovers steht bald bevor, die Abfahrt kann diesmal einfach
geradeaus erfolgen - und alle drei Instrumente auf dem Arm
funktionieren, auch das Mössbauer-Spektrometer, das
zuvor im Weltraum etwas Ärger machte. Probleme haben
schon eher all jene Betreuer auf der Erde, die von Spirit zu
Opportunity wechselten, deren Ortszeiten fast exakt 12 Stunden
auseinander liegen. An ein Leben nach Spirit-Zeit konnten sie sich
schnell gewöhnen (die etwas längeren Tage waren
geradezu angenehm), doch jetzt fühlen sie einen gewaltigen
Jetlag. Aber noch hält der doppelte Triumph alle bei Laune:
So sind derzeit nicht weniger als 18 (!) Kameras auf der
Marsoberfläche im Einsatz, und alle funktionieren
tadellos.
Die Störung von Spirit ist bereits ganz gut
verstanden und in groben Zügen auch schon in einem
Simulator auf der Erde nachvollzogen worden: Es hatten sich
offenbar schlicht mehr Dateien im - völlig intakten - Flash
Memory angesammelt als die Software zum Datenmanagement
verarbeiten konnte! Allein während der Cruise-Phase wurde
eine Menge in den Speicher geschrieben (und nie gelöscht),
und dann war Spirit sehr fleißig auf dem Mars: Eine
derartige Datenmenge kam selbst beim mit 9 Tagen
längsten kompletten Bodentest nicht annähernd
zusammen. Der Speicher selbst ist groß genug: Es lag allein
am Zugriff. Praktisch alle Hardware-Einflüsse konnten
inzwischen sicher ausgeschlossen werden, und das
Löschen der Cruise-Files wie auch das Auslesen des Flash
Memory laufen.
Schon recht bald könnte Spirit wieder
arbeiten, und da ansonsten alles mit dem Rover besser
klappte als erwartet, wird ihm bereits eine Gesamtlebensdauer
von viel mehr als 90 Tagen gegeben! Unterdessen sind weitere
intensive Kommunikationsversuche
mit Beagle 2 ergebnislos geblieben - man hatte zuvor
eine zweiwöchige Funkstille eingehalten, so daß der Lander,
falls noch intakt aber gestört, in einen automatischen
Notmodus hätte wechseln müssen. Jetzt wird es noch einen
allerletzten Versuch geben: Über Mars Odyssey oder auch den
Mars Express sollen Kommandos an den Lander geschickt werden,
um seinen Bordrechner neu zu starten. Aber Hoffnung gibt es
praktisch keine mehr, dafür um so mehr Statements, man müsse
es gleich noch mal mit einem Nachbau des Billiglanders
versuchen ... [28.1.2004]
[832] Quellen: Pressekonferenzen vom 25.
(abends MEZ), 26. und 27. Januar via Telefon. Links: MER
Press Releases mit gelinkten Bildern vom
27.,
26. und
25. Januar
und Artikel von BBC,
Spaceflight Now,
LA Times,
Space.com,
Space Today,
Rhein. Post
und NetZeitung
zu Opportunitys ersten Tagen und Spirits Rettung, ein
PPARC Press Release
und Artikel von
BBC,
AP,
Space Today
und NetZeitung
zu Beagles nahem Ende und Pressemitteilungen des
DLR und der
Uni Köln zu
weiteren Bildern
der HRSC und dem MaRS-Experiment auf dem Mars Express.
Hügel nahe Spirit zu Ehren von Apollo 1 benannt - sie erinnern
nun an die Astronauten, die beim Unfall 1967 ums Leben kamen:
MER
Press Release,
Space.com.
Willkommen in der bizarrsten aller Marslandschaften!
Um 10:12 MEZ, 4 Stunden und 7 Minuten nach der Landung
(Earth Receive Time) am 25. Januar 2004 war es so weit: Seit
einigen Minuten schon überspielte der Orbiter Mars
Odyssey die insgesamt 22.5 Megabit Daten zur Erde, die er eine
halbe Stunde vorher über die UHF-Antenne von
Opportunity empfangen hatte. Man wußte bereits, daß
der zweite Mars Exploration Rover mit 5° Neigung in der
Meridiani-Ebene saß, daß er seine Solarzellen entfaltet
hatte und der Energiezustand bestens war. Und jetzt kamen sie,
fast 20 Minuten lang ein Bild nach dem anderen, manchmal auch
gleich fünf aufeinmal: winzige »Thumbnails«
zuerst, dann Bilder der Hazcams, und um 10:15 MEZ ein ganzer
Schwall von Aufnahmen der Navcam auf dem noch nicht
ausgefahrenen Mast.
Binnen Minuten baute sich nun aus den Navcam-Bildern ein
Horizontpanorama in Polarprojektion auf, und ab 10:19 MEZ
trafen überdies eine Reihe »Postkarten« der
hochauflösenden Pancam ein, die eine völlig bizarre
und dunkle Landschaft zeigten: keine auffälligen Steine,
dafür mysteriöse Rillen im Boden.
Chefwissenschaftler Steve Squyres ist schlicht
überwältigt und hat keine Ahnung was das alles
bedeuten soll. Und er kann es kaum erwarten, in dieser selbst
für Marsverhältnisse exotischen Landschaft (die
wegen ihrer bekannten Dunkelheit, es gibt nur sehr wenig Staub,
im Vorfeld mitunter als »Martian Mordor« bezeichnet
wurde) herumzufahren: Das Terrain erscheint bereits jetzt als
ausgesprochen sicher für einen Rover. Zwei Rover
(Artikel
102) zu ganz unterschiedlichen MER-Landestellen (Artikel 642) zu schicken,
war eine gute Idee.
Die Landschaft insgesamt ist sehr flach, aber mit Topographie auf
lokaler Skala. Möglicherweise ist Opportunity in
einem flachen Krater gelandet. Auf jeden Fall ist die Gegend
eminent befahrbar, und das zutageliegende Grundgestein sollte
gut erreichbar sein. Technische Probleme mit dem Rover sind
überhaupt keine bekannt; etwa an Sol 4 soll er
»aufstehen« und in ein bis zwei Wochen losfahren.
Opportunity landete zwar auf einem der drei Seitenpanele, hat
sich aber problemlos aufgerichtet (das war zum ersten Mal
nötig, da Pathfinder wie Spirit zufällig aufrecht
gelandet waren). Auch das Ausklappen der Solarzellen ging gut
vonstatten, die Stromversorgung ist exzellent - und die
Temperatur im Inneren von Opportunity ebenso: In der
Elektronikbox waren 32°C erwartet worden - und gemessen
wurden ... 32°C!
Einige Stunden zuvor waren auch Entry, Descent &
Landing genau so nach Fahrplan verlaufen wie bei Spirit drei
Wochen früher (siehe Artikel 813) - und im Gegensatz zu
gedämpften Erwartungen wegen der größeren
Distanz Erde - Mars (die Einweg-Signallaufzeit ist von 9½
auf 11 Minuten gestiegen) waren diesmal sogar noch klarere
Signale während der gesamten EDL-Phase zu
empfangen. Die diesmal sogar noch vor dem Aufsetzen mit einem
Jubelausbruch nach dem anderen begrüßt wurden.
6:02 MEZ: Maximale Abbremsung in der Atmosphäre. 6:04:
Fallschirm draußen, Hitzeschild abgeworfen. 6:05:20: Radar
sieht den Boden, Bremsraketen feuern. 6:05:40 MEZ: Ein Signal
von der Marsoberfläche!
Und diesmal reißt die Funkverbindung nicht unmittelbar
nach dem Aufsetzen ab: Stattdessen empfangen beide
Bodenstationen des Deep Space Network in Australien und
Kalifornien ohne Unterbrechung ein starkes Signal. »We are
on Mars, everybody!« ruft jemand, und nach der Ansage
»The Signal continues to be very high« um 6:07:30
bricht wieder Jubel aus, der gar nicht mehr enden will. Um 6:22:20
machen die Tonsignale klar, daß keinerlei Fehlfunktionen
aufgetreten sind, und man weiß bereits, daß das
Aufsetzen auf der Oberfläche mit nur 2 bis 3 g
außerordentlich sanft geraten ist. Zur allgemeinen
Überraschung schwankt die Signalstärke aber auch
um 6:24 noch periodisch, was man zunächst anhaltendem
Herumrollen auf der sehr flachen Meridianii-Ebene zugeschrieben
hatte.
Doch um 6:33 weiß EDL-Manager Rob Manning, daß
die Ursache eine ganz andere ist: Opportunity liegt längst
ruhig auf der Marsoberfläche - aber auf der Seite, so
daß die sendende Antenne gleichzeitig zur Erde und auf den
Boden weist, wo die Wellen reflektiert werden. Die Signale
erreichen die Erde auf zwei Wegen gleichzeitig und interferieren,
mal positiv, mal negativ, und weil die Erde von Meridianii aus
gesehen allmählich untergeht, ändert sich die
Distanz ständig, was die Signalstärke periodisch
schwanken läßt. Auf einer jubilanten PK eine Stunde
später wird auch schon bekannt, daß die Landung die
Mitte der74 x 5 km großen Zielellipse um ca. 24 km verfehlt
hat aber natürlich noch mitten in der Hämatit-reichen
Zone sitzt. Und daß es diesmal weniger Seitenwind
gab, so daß die kleinen Korrekturdüsen nicht ansprangen.
Der Gesundheitszustand von Spirit (das Bild zeigt den
Lander, rechts scharfgerechnet, am 19.1., vom MGS aus
gesehen!) war derweil am 24. Januar vom JPL »von kritisch
auf ernst« heraufgestuft worden: Der Rover hat eine stabile
Stromversorgung, gute Temperaturen - und hört er auf
Kommandos von der Erde! Genug Informationen über
seinen Gesundheitszustand konnten bereits zur Erde geholt
werden, um den Fehler einzugrenzen, der ihn am 21.1. schlagartig
außer Gefecht gesetzt hatte: Schuld sind demnach das Flash
Memory des Rovers, die assoziierte Elektronik oder die Software,
um Daten in diesen nichtflüchtigen Speicher (ähnlich
dem einer Digitalkamera) zu schreiben. Um mit Spirit zu arbeiten,
ist bereits ein so genannter »cripple mode« entwickelt
worden, der das Flash Memory umgeht.
Jeder Mars Exploration Rover besitzt drei Arten von Speichern,
ein flüchtiges RAM (das nachts alles vergißt), das
Flash Memory (mit insgesamt 256 Megabyte Kapazität)
und ein mühsam zu benutzendes EEPROM. Ohne das Flash
Memory muß Spirit jeden Marsmorgen neu von der Erde aus
im cripple mode hochgefahren werden: Wenn man das
zuverlässig im Griff hat, soll als nächstes versucht
werden, den Inhalt des Flash Memory auszulesen. Denn darin
verbergen sich vielleicht Hinweise auf den »root cause«
des ganzen Ärgers, den immer noch mysteriösen
Auslöser der Störung, die sich während einer
nie beendeten Drehung eines Spiegels auf dem Mast des Rovers
ereignete. Eine Hardware-Ursache ist ebenso denkbar wie ein tief
versteckter Softwarebug: Nur im letzteren Fall könnten die
Auswirkungen auf Opportunity gravierend sein.
Die nächste Phase wäre dann die
Wiederinbetriebnahme des Rovers, mit oder ohne Flash Memory:
Auch ohne diesen Speicher ist eine wissenschaftliche Mission
möglich, es müßten nur immer alle Daten noch
am selben Sol zur Erde gesendet werden, und nächtliche
Arbeit wäre stark eingeschränkt. In grob
geschätzt drei Wochen könnte Spirit aber wieder im
Gusev-Krater herumfahren - und die Gesamtausbeute braucht
nicht einmal geringer zu sein als einst geplant. Denn die drei
Monate Lebensdauer, die man jedem MER vor dem Start gegeben
hat, sind - das wird inzwischen immer lauter ausgeprochen -
wirklich nur als Untergrenze zu verstehen: Das Roverteam ist
inzwischen sehr zuversichtlich, daß die MER auch Monate
länge durchhalten können sollten, vielleicht gar
doppelt so lange wie bisher geplant! [25.1.2004]
[830] Quelle: Pressekonferenzen und Live-Events
am JPL vom 23.-25.1., via NASA Select TV per
Telefon (001-321-867-1260) plus teilweise via CNN-I.
Links: erste
verarbeitete
Bilder und alle
Rohbilder
von Opportunity, MER Press Releases vom
25. Jan.
(früher),
24. Jan. und
23. Jan.
(früher),
laufende Updates
und erste Artikel von
Spaceflight Now
(früher),
BBC,
Fla. Today,
AFP,
Space Today
(früher),
NetZeitung
und Rh. Post
zur Landung von Opportunity und von
Spaceflight Now,
Fla. Today,
LA Times,
Space Today
und NetZeitung
zum Status von Spirit. Außerdem
PDSR zur Bedeutung des
Hämatits und Pressemitteilungen der
Uni und des
MPI für Chemie
Mainz zu den deutschen Analysegeräten auf den Rovern.
Schwere Störung auf Spirit (aber er spricht wieder) -
Noch mehr Ergebnisse vom Mars Express - Opportunity vor der Landung
[827] Links: laufende
Updates, Press Releases vom
23.,
22. and
21. Januar
und Artikel von Spaceflight
Now (früher und noch
früher),
Sky & Tel.,
Nature Science Update,
Fla. Today,
BBC,
Space.com,
Space Today,
Rh. Post
und NetZeitung
zur Spirit-Krise,
ESA,
BMBF und
TU Berlin Press Releases
und BBC,
AFP,
Space.com,
Rh. Post
und NetZeitung
zum Mars Express und letzten Versuchen, Beagle 2 zu finden,
und Science@NASA,
BBC,
USA Today,
CSM
und NetZeitung
zur Landung von Opportunity.
Bilder vom Mars Express, Chemiedaten von Spirit:
Mars jetzt fest in deutscher Hand
Nahezu auf der endgültigen Umlaufbahn angekommen, hat
der Mars Express sechs seiner sieben Instrumente eingeschaltet
und die ersten Daten gewonnen - lediglich das Tiefenradar ist erst
im April an der Reihe. Am 19. Januar wurde das erste Bild der
deutschen Kamera HRSC veröffentlicht, das am 14.1. aus
275 km Höhe entstanden war und einen 65 km breiten
Streifen aus den Valles Marineris zeigt (der im Original 1700 km
lang ist): nicht nur als einfaches Bild von oben (Abb.), sondern auch als
3D-Modell, denn die Kamera scannt den Boden nicht nur unter
sich, sondern auch etwas vor und hinter dem Nadir, und liefert -
nach entsprechender photogrammetrischer Auswertung - die
Höheninformation gleich mit.
Ein derartiges Instrument gibt es zum ersten Mal im Marsorbit,
und dazu mit einer Auflösung von 12 Metern pro Pixel: Die
(Mono-)Kameras der Viking-Orbiter schafften nur typischerweise
100 Meter. Und die Kamera des Mars Global Surveyor kann ihre
maximale Auflösung von 2 Metern (die die HRSC mit einem
Spezialkanal auch schafft) nur sehr lokal ausspielen. Am 23.
werden weitere Bilder und erste Ergebnisse der anderen
Instrumente vorgestellt, und Ende des Monats sollten auch alle
Bahnmanöver abgeschlossen sein. Nach einer letzten
Zündung des Haupttriebwerks am 11.1. ist es jetzt
endgültig abgeschaltet und isoliert worden, und kleine
Düsen sorgen nun bis zum 26.1. mit sieben
Zündungen für die gewünschte Umlaufszeit von
7.6 Stunden (noch sind es 10 Stunden).
Unterdessen hat der Marsrover Spirit Kontakt mit seinem ersten
Felsen genommen: Nach einer 40°-Drehung fuhr er 1.9 Meter zu
»Adirondack«, benannt nach einem Gebirge im
Norden des Staates New York mit rund 2000 Gipfeln, dem
Südostausläufer des kanadischen Schilds. Dieser Felsen
schien weniger verstaubt als der näher liegende Sashimi: Mit den
beiden deutschen Spektrometern (der Universität bzw. des
MPI für Chemie in Mainz) und dem Microscopic Imager
werden seit dem 20.1. Chemie und Struktur des Steins ausgiebig untersucht.
Die Instrumente hatten zuvor den Marsboden direkt vor dem Rover untersucht
und etliche chemische Elemente bzw. Eisentypen nachweisen können - und
überraschend Spuren des vergänglichen Minerals Olivin gefunden. [20.1.2004]
[825] Links: ein
ESA
Press Release, ein
Status
Report und Artikel von
BBC,
Space Today,
NetZeitung und
Rh.
Post zum Mars Express und
MER Press Releases (mit gelinkten Bildergalerien) vom
20.,
19.,
16. und
15. Januar
zu Spirits ersten Abenteuern auf der Marsoberfläche und vom
16. Januar
sowie eine PM
der Uni Bonn zum Zielanflug Opportunitys, plus Artikel von
Spaceflight Now und
Space.com.
Die ersten drei Meter: Spirit ist auf die Marsoberfläche gerollt!
Spirit steht seit dem Morgen des 15. Januar auf dem Marsboden -
und die grobe Fahrtroute während der erhofften
mindestens drei Monate Rundfahrt steht auch schon fest: Erst
geht es zu einem nahen kleinen Einschlagskrater und dann wohl
in Richtung eines 3 km entfernten kleinen Gebirges. Bedrohliche
technische Pannen sind seit der Landung keine aufgetreten: So
bewegt sich die High-Gain-Antenne längst völlig frei
(es hatte wohl nach der Landung ein Sandkorn im Getriebe
gesteckt). Lediglich die Richtung der Abfahrt
(»Egress«) des Rovers mußte schließlich
um 115° im Uhrzeigersinn geändert werden, weil bei
Geradeausfahrt ein Airbag im Weg gelegen hätte. Dessen
Einzugsmechanismus wollte nicht richtig, und obwohl Spirit den
alten Sack wahrscheinlich einfach überrollt haben
könnte, wollte man die große Fahrt nicht gleich mit
einem derartigen Offroad-Abenteuer beginnen.
So fand die erste »Fahrt« - am 13. Januar - noch auf
der Landeplattform selbst statt: Die letzte Kabelverbindung
zwischen Lander und Rover wurde gekappt (mit der 125. und 126.
pyrotechnischen Vorrichtung), Spirit setzte um 25 cm
zurück, wobei schon alle Fahrwerkssysteme getestet
wurden, und drehte sich die ersten 45° nach rechts. Am
nächsten Tag folgten dann weitere Rotationsschritte um
50° und 20°, und wieder einen Tag später (am
Vormittag des 15.1. MEZ) hieß es schließlich, nach
eingehendem Check aller Systeme: Abfahrt! Um 9:21 MEZ ging
das Kommando an den Rover. Jetzt hieß es warten, bis Spirit auf
seiner neuen Position wieder die Sonne gefunden und die HGA
ausgerichtet hatte, um den Erfolg melden zu können - um 10:54
stand die Verbindung wieder. Und Minuten später kam auch schon
das erste Bild, das die Landeplattform von außen zeigte!
Die erste Fahrtstrecke - mit 3 cm/sec - war auf nur 3 Meter
beschränkt, genau geradeaus, und sie galt als eine der
gefährlichsten überhaupt: Die Landeplattform ist
gewissermaßen das größte Hindernis, mit dem
sich der Rover freiwillig auseinandersetzen muß, denn die
Abfahrt erforderte einen 10 bis 12 cm tiefen Sprung hinunter.
Jetzt sind seine hinteren Räder etwa einen Meter von der
Plattform entfernt. Und die kleine Fahrt sollte auch erst einmal
beweisen, daß der Rover genau dorthin fährt, wo es
sich die »Fahrer« am JPL vorstellen. »Ein
gemeinsam erlebtes Abenteuer ohne Beispiel in der Geschichte
der Raumfahrt« (so ein Spiritforscher auf einer PK) hat nun
begonnen, und schon bald werden sich die Instrumente auf
Spirits Robotarm einzelnen Steinen wie interessanten Bereichen
des Bodens des Kraters Gusev zuwenden können: eine
Mikroskop-Kamera und zwei chemische Analysatoren, die beide
aus Mainz stammen. Aber auch Pancam-Stereobilder der eigenen
Reifenspuren versprechen Erkenntnisse über die
Beschaffenheit des Bodens.
Der Landeort steht inzwischen auf 30 Meter(!) genau fest,
was die Planung der Fahrt aufgrund von Bildern aus dem Orbit
ermöglicht: Anhand von präzisen Messungen des
Radiosignals von Spirit durch Orbiter konnte -
gewissermaßen in Umkehrung des GPS-Prinzips - eine
außerordentlich präzise Ortsbestimmung
durchgeführt werden (die bereits die Genauigkeit
existierender Marskarten übertrifft). Gleichzeitig wurden
eine Reihe markante Hügel am Horizont auf den
Pancam-Bildern mit Orbiteraufnahmen verglichen, was eine Lokalisierung
relativ zu interessanten Objekten ermöglicht: Am
auffälligsten ist 260 Meter südwestlich des Landers
ein 200 Meter großer Einschlagskrater. Und der - es ist er
einzige erreichbare überhaupt - soll nun das erste
große Ziel der Reise sein!
Das erklärte wissenschaftliche Ziel von Spirit ist es, Belege
für einen ehemaligen See zu finden, der nach Orbiterbildern
den Krater Gusev ausgefüllt zu haben scheint: Dazu begibt
man sich am besten zu einem Loch, um in die Tiefe und damit die
Vergangenheit schauen zu können. Der 200-m-Krater, der
mehrere Dutzend Meter tief sein dürfte, ist daher extrem
attraktiv, und Spirit wird sich ihm in den kommenden Tagen und
Wochen vorsichtig nähern, natürlich nicht ohne
unterwegs interessante Steine und Bodenareale zu untersuchen.
Mit Annäherung an den Krater dürfte die Felsigkeit
der Landschaft zunehmen, sobald Spirit das Auswurfmaterial
(»ejecta blanket«) erreicht hat: Bereits dieses Gestein
näher in Augenschein zu nehmen, dürfte
entscheidende Messungen erlauben.
Wie es dann weitergeht, hängt stark vom
»Straßenzustand« ab: Wenn das
Gelände passierbar ist, wäre es natürlich toll,
auf den vielleicht 5 Meter hohen Kraterrand hinaufzufahren und
in den Krater hineinzublicken, doch das ist nicht entscheidend.
Stattdessen könnte sich der Rover auch gleich in Richtung
der »östlichen Hügel« aufmachen, die
zehnmal weiter entfernt liegen (und demnächst einen
klangvolleren Namen bekommen sollen). Ob Spirit sie je wird
erreichen können, ist nicht klar: Die Mindestanforderung
an den Rover war eine Fahrtstrecke von 600 Metern,
während die bis zu 100 Meter hohen Hügel
fünfmal so weit entfernt sind. Auf jeden Fall werden die
Hügel für Pancam und Mini-TES immer klarer
sichtbar, je näher ihnen Spirit rückt - und der Rover
sollte auch schon in einiger Distanz vor ihnen auf Material
stoßen, das diverse Transportprozesse von ihnen herunter
trugen.
Bis zum 13. Januar waren endlich das vollständige
»Mission Success Panorama« von Pancam wie auch
ein kompletter Rundblick mit Mini-TES zur Erde
übertragen: Solch vollständige Erfassungen der
Roverumgebung wird es während der Fahrt nur noch
selten geben. Weiter Rätsel gibt die verblüffend
schlammartige oberste Bodenschicht auf (vgl. Artikel 815): An einer Stelle hat sie ein Airbag
beim Einziehen geradezu ziehharmonikaartig
zusammengestaucht (»magic carpet«). Einerseits ist
sie also plastisch verformbar, doch die scharfen Pancam-Augen (1
mm/Pixel an dieser Stelle!) zeigen auch eine klumpige Struktur,
was gegen Schlamm spricht. Die Felsen in der Nähe des
Landers scheinen in mindestens zwei Klassen zu zerfallen, die
allerdings - für Pancams Filter - dasselbe generelle
Spektrum haben und lediglich unterschiedlich hell sind.
Die Landschaft insgesamt ist flach in einigen Richtungen, wellig
(»rolling«) in anderen: Eine ursprüngliche
Oberfläche ist das nicht (und damit sicherlich auch kein
leidlich frisches Bett eines ehemaligen Sees): Vermutlich haben
zahlreiche Impakte im Laufe von Äonen und/oder diverse
andere Prozesse die Landschaft verändert. Die ersten
IR-Spektren von Mini-TES haben die Anwesenheit von Karbonaten
im Boden gezeigt (die aus dem Orbit kaum zu finden waren; siehe
Artikel 733) - aber es ist
noch unklar, ob sie durch Wasser aus dem Boden oder
Feuchtigkeit aus der Atmosphäre entstanden sind, das mit
dem CO2 der Atmosphäre zusammen diese
Mineralien erzeugte. Und man weiß auch (noch!) nicht,
wieviel des Karbonats aus dem Krater Gusev selbst stammt und
wieviel in angewehtem Staub steckt.
Steine bedecken hier nur 3 Prozent der Oberfläche: Das ist
viel weniger als an den Viking-Landestellen und bei Pathfinder (je
etwa 20%), und kaum ein Felsen ist größer als 20 cm.
Insgesamt ist die Oberfläche des Landegebiets etwas
dunkler als erwartet ausgefallen, und wegen des Staubsturms im
Dezember schwebt noch etwas Staub in der Atmosphäre
(die - außer während Staubstürmen über
den Vikings - noch nie ein Lander so staubig sah): Die
Maximaltemperatur liegt derzeit bei -10°C um 2 Uhr
Nachmittags, das Minimum bei -75°C um 6 Uhr Morgens
Marszeit. Mit anbrechendem Herbst sollte es aber deutlich
kühler werden, und die leichte Überhitzung des warm
»angezogenen« Rovers wird bald der Vergangenheit
angehören - dann kann auch auf die derzeitigen
nachmittäglichen Ruhepausen verzichtet werden.
Am 16. Januar bzw. Sol 13 ergibt sich die seltene Gelegenheit
für Parallelbeobachtungen von Spirit und Mars
Express, der dessen marsnächster Bahnpunkt dann
just 300 km über der Landestelle liegt - das kommt nur
sehr selten vor. Drei Instrumente des ESA-Orbiters werden dabei
nach unten schauen, die Kamera HRSC (mit 10 m/Pixel), das
IR-Spektrometer OMEGA und das Spektrometer PFS,
während Pancam und Mini-TES gleichzeitig Sonne, Himmel
und Boden aufnehmen. Vom Vergleich der Messungen von ober-
und unterhalb der Atmosphäre verspricht man sich eine
Fülle von Erkenntnissen, und insbesondere kann deren
Einfluß auf die mineralogischen Messungen am Marsgestein
dann besser herausgerechnet werden. Das Aufspüren
potentiell von Wasser veränderter Mineralien in der
Nähe Spirits mittels OMEGA wird so erleichtert.
Wie Eintritt, Abstieg und Landung genau verliefen, und
was Opportunity davon lernen kann, wird allmählich auch
klarer. So öffnete sich der Fallschirm erst bei 412 Metern
pro Sekunde Sinkgeschwindigkeit, 7.5 km über der
Oberfläche - das war über 1 km tiefer als erwartet aber
andererseits haargenau so, wie die Automatik programmiert
gewesen war: Die Dichte der oberen Atmosphäre hatte sich
infolge der Aufwärmung durch den fernen Staubsturm vom
Dezember deutlich verringert. Dafür war zum Glück
die untere Atmosphäre um so kühler und dichter
geworden, und die Sinkgeschwindigkeit am Schirm fiel mit 245
km/h sogar niedriger aus als man es derzeit erklären kann
(auch wenn sie immer noch 50 km/h größer als bei
einem Fallschirmspringer auf der Erde ist) - vielleicht gab es eine
starke Windströmung aufwärts.
104 Meter über der Oberfläche hatten dann die
Bremsraketen gezündet, während die seitlichen Anti-
Drift-Raketen ansprangen, um die signifikante
Horizontalgeschwindigkeit des Landers zu reduzieren, die die
Abstiegskamera DIMES entdeckt hatte. Dieses Manöver hat
vermutlich keine Katastrophe verhindert, aber ohne DIMES und
die Raketen wären die Airbags doch hart an der noch als
sicher geltenden Maximalgeschwindigkeit auf den Boden
aufgeschlagen. Eine weitere Überraschung war, daß
das Seil zwischen Fallschirm + Bremsraketen und Lander +
Airbags erst in 8.5 statt 12 Metern Höhe gekappt wurde,
und daß sich der Lander auch dann noch etwas
abwärts bewegte und nicht über dem Boden stillstand
- aber die Landung selbst verlief dann völlig reibungslos.
Nach eingehender Analyse der Telemetrie sagen die Ingenieure
jetzt, daß Lander und Airbags insgesamt 28-mal wieder in
die Höhe gesprungen sind, das erste Mal 8 Meter hoch,
dabei etwa 250 Meter zurücklegten und nach 57 Sekunden
liegenblieben ohne noch nennenswert weiterzurollen. Die
Bounce-Phase war damit überraschend kurz, vielleicht weil die
Sprünge eine leichte Steigung hinauf gingen. Daß sich
Spirit trotzdem erst nach einer Viertelstunde per Funk meldete
(siehe Artikel 813), lag wohl
daran, daß er etwas schräg zu liegen kam, aber dachte,
er stände genau waagerecht, und deshalb zunächst
über eine falsche Antenne sendete. Gravierendes
geändert werden muß für Opportunitys
Landung am 25. Januar um 6:05 MEZ wahrscheinlich nicht: Das
soll in einer Woche entschieden sein. [15.1.2004]
[820] Quellen: JPL-Pressekonferenzen vom 12., 13. und 14.1.2004 via Telefon.
Links: MER Press Releases vom
14.,
13.,
12.,
11.,
10.,
9. und
8. Januar,
ein Cornell PR
über die Temperaturen auf dem Mars, Pressebilder vom
14.,
13.,
12.,
11.,
10.,
9. und
8. Januar und aktuelle Artikel von
Sky & Tel.,
Spaceflight Now
(auch über die EDL-Phase
und die Natur der Steine),
Astronomy,
Fla. Today,
(auch über die
EDL-Phase sowie
Spezial-Uhren,
die auf Marszeit gehen),
Nature Science Update,
BBC
(früher),
AFP,
Discovery,
Space.com,
Space Today,
NetZeitung und
Rhein. Post -
viele weitere Artikel-Links, chronologisch geordnet, gibt es in
den Cosmic Mirrors # 270
und 269.
Die ESA hat Beagle 2 noch nicht ganz aufgegeben - der verschollene britische Lander bekommt am
22. Januar seine letzte Chance, Kontakt mit der Erde aufzunehmen:
AFP,
NetZeitung. Früher:
Space.com. Die ersten
Bilder vom Orbiter Mars Express treffen ein - veröffentlicht werden sollen sie am 20.1.: ein
Status Report, eine
TU München PM und der
New Scientist.
Spirits Airbags wollen sich nicht zurückziehen, weshalb man Manöver wiederholt
werden sollten - vor dem 14.1. kann die Plattform jedenfalls nicht verlassen werden:
Spacefl. Now,
AFP,
Rhein. Post.
Die deutsche Marskamera beginnt zu arbeiten, und die ersten Bilder der HRSC sollten bald
vorliegen: FU Berlin PM. Radio Science
mit Mars Express: Uni Köln PM.
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