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vom 25.-30.7.2002 Zu den aktuellen Meldungen Flug zum Pluto erheblich näher gerückt!
Der Juli 2002 war ein schicksalhafter Monat für das Projekt
New Horizons einer 488-Mio.$-Sonde zum Pluto, die sich
überall großer Popularität erfreut - außer
bei der NASA-Führung und im Weißen Haus. Aber jetzt
hat ein hochrangiges Gremium eine Plutomission zur
Top-Priorität erklärt, und der US-Senat hat kurz darauf
über 100 Mio.$ für die weitere Förderung von
New Horizons dem 2003er NASA-Etat hinzugefügt. Doch
daß es 2006 tatsächlich losgeht, ist damit immer noch
nicht sicher - eine Chronik der jüngsten
Entwicklungen:Am 11. Juli erscheint die Studie »New Frontiers in the Solar System - An Integrated Exploration Strategy« des Space Studies Board des National Research Council der National Academy of Sciences - ein Jahr lang hatten sich hier die Planetenforscher der USA auf Prioritäten für den Zeitraum 2003-2013 verständigt, die von allen Seiten getragen werden können. Den Abbruch aller Projekte für das äußere Sonnensystem hatte die NASA-Spitze bisher v.a. mit Zerstrittenheit der Forschergemeinde begründet, doch davon kann nun keine Rede mehr sein. Denn die richtungsweisende Studie hat unter den Nicht-Mars-bezogenen Missionen eine Reise in den Kuiper-Gürtel inkl. Pluto auf Platz 1 der wünschenswerten mittelgroßen Projekte (für unter 650 Mio.$) gesetzt (und fordert überdies den Wiedereinstieg der NASA in Großprojekte für mehr als 650 M$, einmal pro Jahrzehnt, mit einem aufwändigen Europa-Orbiter gleich als erster Mission). Zwar wird New Horizons nicht explizit erwähnt, aber das Projekt kommt der im Report skizzierten Kuiper-Mission sehr nahe - und die NASA nimmt prompt wieder offiziellen Kontakt mit dem PI von New Horizons, Alan Stern, auf. Am 21. Juli stellt sich die Division of Planetary Sciences der American Astronomical Society hinter die Studie, doch mit einer Einschränkung: Der US-Kongreß möge die jetzt nötige Finanzierung von New Horizons in vollem Umfang in den NASA-Haushalt 2003 schreiben, nämlich 122 Mio.$, und keinesfalls nur einen Teil der Summe, wobei der Rest dann von anderen Missionen abgezweigt werden müßte. In einem solchen Fall solle man zuerst den Starttermin 2006 für den Plutoflug opfern und New Horizons verschieben als andere Projekte zu opfern. Überraschend für viele Beobachter distanziert sich die DPS mit dieser Einschätzung von der verbreiteten Auffassung, ein Verpassen des 2006er Startfensters (das dank eines Jupiter-Gravity Assist einen Pluto-Flyby 2015 erlauben würde) wäre schlichtweg eine wissenschaftliche Katastrophe. Zum einen gäbe es nämlich auch alternative Antriebstechniken, die eine später startende Sonde immer noch schnell ins Ziel bringen würden. Und es sei auch keineswegs klar, daß die Pluto-Atmosphäre bis 2020 ausfrieren werde - nach einem neuen Modell könne es sogar sein, daß sie immer gasförmig bleibt. Am 22. Juli berichtet der Nachrichtendienst Space Daily unter Berufung auf Informanten aus dem NASA-Hauptquartier, daß man dort - erzürnt über die klare Ohrfeige durch den National Research Council - schon wieder finstere Pläne hege. Zwar werde man zähneknirschend New Horizons wieder in den regulären Haushalt aufnehmen, doch man wolle das Projekt gleichzeitig zwingen, einen solarelektrischen Antrieb zu verwenden und erst 2008, dann ohne Jupiter-Swingby, zu starten (s.a. Artikel 478). Der einzige erkennbare Vorteil wäre, daß die Finanzierungskurve von New Horizons flacher verlaufen könnte, aber sonst gäbe es nur Nachteile: So müßte man eine ganze Batterie von 5 bis 10 Deep-Space-1-artigen Ionentriebwerken benutzen, um eine sinnvolle Geschwindigkeit zu erreichen, was 200 Millionen Dollar extra kosten würde. Ein Venus-Flyby zum Schwungholen wäre zusätzlich nötig (was Modifikationen der Sonde erfordern würde). Und am Pluto wäre die Sonde dann schneller als bei der Jupiter-Variante: Es gäbe weniger Zeit für Beobachtungen, und auch ein »Abbiegen« zu anderen Kuiper-Objekten (was der NRC besonders betonte) wäre so schwieriger. Am 23. Juli nimmt sich der Unterausschuß des US- Senats, der für die Finanzierung u.a. der NASA zuständig ist, ein Herz: Er erhöht das NASA-Budget für 2003 (das ab Oktober 2002 gilt) kurzerhand um 200 Mio.$ gegenüber den Vorgaben aus dem Weißen Haus - und davon sind 105 Mio.$ für New Horizons bestimmt! Zusammen mit den 15 Mio.$, die bereits NASA-seitig im Etat (generell für Missionen ins äußere Sonnensystem) stehen (siehe Artikel 420), bekommt die Pluto-Sonde damit genau jene 120 Mio.$, die im Finanzjahr 2003 benötigt werden. Am 25. Juli schließlich stimmt das vollständige Senate Appropriations Committee der NASA-Budgeterhöhung zu; insgesamt 15.2 Mrd.$ würde es demnach 2003 geben. Dafür stark gemacht hatte sich vor allem die demokratische Senatorin Barbara Mikulski aus Maryland - kein Wunder, schließlich sitzt die bei New Horizons beteiligte Johns Hopkins University in diesem Bundesstaat. Steht die Senatsentscheidung, dann würde die Mission zum zweiten Mal in Folge allein auf Betreiben des Kongresses und gegen NASA und Weißes Haus weitergeführt: Bereits im FY 2002 waren 30 Mio.$ nachträglich in den NASA-Etat geschrieben worden. Jetzt muß nur noch das Repräsentantenhaus mitziehen - wegen der Sommerpause wird es sich frühestens Ende August mit dem Etat beschäftigen. Falls es dort anders laufen sollte, müßte ein Vermittlungsausschuß einen gemeinsamen Etat beider Häuser festlegen. Verglichen mit der Finanzierung im Schicksalsjahr 2003 sind andere Hürden für New Horizons eher gering. So stehen den beiden in Frage kommenden Trägerraketen Atlas 5 und Delta 4 ihre Erstflüge (in den kommenden Monaten) noch bevor. Oder es fehlen 7 kg Plutonium für die Radioisotopenbatterie der Sonde, doch die USA haben schon länger ein preiswertes Angebot aus Rußland auf dem Tisch. Und das frischere Plutonium würde New Horizons sogar mit 40 Watt mehr Leistung versorgen: wichtig, um möglichst viele Kuiper-Objekte anzufliegen. [30.7.2002]
[510] Links: Zu den Senatsbeschlüssen Artikel von
Spaceflight Now und
Space Daily, zu dem solarelektrischen Problem
Space Daily, das
Statement der DPS, der komplette
NRC Report, ein
Press Release und Artikel von
Sky & Tel. und
Space.com dazu - und die
Homepage von New Horizons.
Zusätzliche Quelle: AW&ST 15.7. S.28. Der Fall 2002 NT7 - was wieder schief ging mit der seriösen Information der Öffentlichkeit über die Risiken durch diesen Near Earth Asteroid (siehe Artikel 507), ist erneut Gegenstand engagierter Debatten in der Kleinplaneten-Szene. Knapp zwei Wochen nach seiner Entdeckung durch LINEAR war der Palermo-Wert für sein Impaktrisiko für ein paar Tage positiv geworden: Dabei handelt es sich um den Zehnerlogarithmus des Quotienten der Wahrscheinlichkeiten für einen Impakt dieses speziellen Asteroiden im Jahr N und der Wahrscheinlichkeit für den Impakt irgendeines Asteroiden dieser Impaktenergie bis zum Jahr N. Seit automatisch laufende Computerprogramme fortwährend Palermo-Werte ermitteln (und auf frei zugängliche Webseiten stellen), wann immer neue Positionsbeobachtungen einlaufen, war dies offenbar das erste Mal, daß solch ein Wert (ein wenig) über Null stieg und damit die Impaktwahrscheinlichkeit für einen konkreten Asteroiden (ein wenig) höher als der »Hintergrund« lag. Weder hängten dies die Betreiber der beiden Computerdienste in Pasadena und Pisa an die große Glocke, noch wurde ein im Prinzip beschlossenes Protokoll der IAU in Gang gesetzt, das in einer potentiellen Bedrohungssituation eine systematische Information der Öffentlichkeit vorsieht. Wieso dies unterblieb, im Gegensatz zum bisher einzigen Fall 2000 SG344 (als auch jede Menge schief ging; siehe Artikel 149), ist nicht klar - vermutlich lag es daran, daß die Palermozahlen von Tag zu Tag noch stark schwankten (bis maximal +0.2). Ein bisher wenig bekannter Nachrichtendienst, die Asteroid/Comet Connection, wies gleichwohl am 22. Juli auf den hohen Wert hin, ein auch bei Wissenschaftsjournalisten populärer Dienst, CCNet, griff die Notiz am 23. Juli auf, was wiederum von BBC Online übernommen wurde - jetzt dauerte es nur noch Stunden, und die ganze Welt wußte Bescheid. Die meisten Artikel, die an den folgenden Tagen erschienen, waren angesichts der konfusen Informationswege relativ akkurat, auch wenn die Bedeutung der Palermo-Zahl kaum erläutert (oder verstanden?) wurde. Wenig hilfreich war auch eine andere »Meßgröße«, die Torino-Zahl mit einer 10-stufigen Skala, auf der 2002 NT7 eine 1 zugesprochen wurde. Aber das erreichten in den letzten Monaten immer wieder mal Asteroiden mit viel geringeren Palermo-Werten. Und NT7 erging es wie allen anderen »gefährlichen« Asteroiden zuvor: Bereits am Ende Juli lagen so viele Positionsbeobachtungen vor (v.a. durch österreichische Amateurastronomen), daß ein Impakt 2019 definitiv ausgeschlossen werden kann. Lediglich für 2060 gibt es noch ein mikroskopisches Risiko - mit einer Palermozahl von -4.5 bis -6. [30.7.2002] [509] Links: die Definitionen der Palermo- und Torino-Zahlen, die Nachrichtendienste A/CC und CCNet, das entscheidende Foto, die NT7-Risk-Seiten von JPL und Pisa und CCNet Digests vom 29., 28., 27., 26. und 23. Juli mit zahllosen Artikeln und Stellungnahmen, sowie BBC, New Scientist, Space Today und NetZeitung über das Ende der NT7-Furcht. Der erste Meteorit vom "Bayern-Boliden" (siehe Artikel 467 und 459) ist gefunden - dicht neben dem Schloß Neuschwanstein. Und der 1.7-kg-Brocken dürfte noch längst nicht alles sein: DLR Presse-Info, WetterAgentur, NetZeitung. Und ein langer Bericht über eine frühere Suchaktion. Endlich wieder Perseiden an dunklem Himmel (fast ohne Mond) wird es in der Nacht vom 12. zum 13. August geben, mit einem ausgedehnten Maximum kurz nach Mitternacht MESZ - und die ZHR könnte durchaus 100 erreichen: Science@NASA, Discover, Sky & Tel., CSM und Space.com.
Die aktuellsten Bahnelemente für den Asteroiden 2002 NY40, der Mitte August
der Erde nahekommen wird (siehe Artikel 506), hat das
Minor Planet Center, detaillierte Ephemeriden gibt es
aus Neuseeland und
von A. Knöfel - und auch
Science@NASA und der
SPIEGEL preisen den Asteroiden an, der übrigens auch bei
späteren Erdpassagen kein Impaktrisiko mehr darstellt! Die erste Sternbedeckung durch Pluto seit 1988 lockte am 20. Juli zahlreiche Profi- wie Amateurastronomen hinter die Fernrohre oder auf oft abenteuerliche Expeditionen in abgelegene Regionen Südamerikas: Für die meisten Beobachter wurde es leider zu einer Pleite, weil sie sich entweder außerhalb der Sichtzone wiederfanden (für die sich in den Tagen vor dem Ereignis die Voraussagen ständig verschoben hatten) oder unter Wolken - oder sie den zu bedeckenden Stern am mondhellen Himmel einfach nicht finden konnten (wie es einer deutschen Expedition in Peru geschah). Nur zwei einsame Erfolgsmeldungen wurden schließlich bekannt, beide aus Nordchile. Die kanarischen Inseln hingegen, wo man sich zuletzt große Hoffnung gemacht hatte, gingen leer aus. Von der »erfolglosesten Expedition in der Geschichte der Astronomie« war bereits die Rede gewesen, als die ersten Berichte aus Südamerika eintrafen: Im chilenischen Arica war der Stern für Francois Colas mit einem stehenden 12-Zoll-SCT und einer kleinen CCD-Kamera im Drift-Scan-Modus 60-70 Sekunden lang hinter Pluto verschwunden. Und Marc Buie & Co. waren in Iquique mit einem C-14 erfolgreich: Fast 20 Jahre hatten die Astronomen auf die Gelegenheit gewartet, jetzt haben sie perfekte Lichtkurven im Kasten. Viele Aspekte Plutos sind heute noch ungeklärt, und jede Gelegenheit zur Durchleuchtung seiner variablen Atmosphäre ist Gold wert: Ab jetzt gibt es etwa zwei brauchbare Sternbedeckungen pro Jahr, weil der Planet endlich vor dichte Milchstraßenregionen zieht. [30.7.2002]
[508] Quellen: zahlreiche E-Mails aus diversen Listen vom
20.-22.7. sowie McKinnon, Nature 418 [11.7.2002]
135-6. Link: ein Artikel aus der
NYT. Der Asteroid mit dem höchsten »Palermo-Wert« für sein Einschlagsrisiko auf der Erde ist der am 9. Juli von LINEAR entdeckte 2002 NT7, der am 1. Februar 2019 mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:250'000 auf die Erde stürzen könnte - und enorme 1.5 bis 3.5 km groß ist. Die Wahrscheinlichkeit ist immerhin halb so groß (genau: 56%), als daß ein unbekannter Asteroid dieser Größe bis 2019 auf die Erde stürzt, was eine »Palermo-Zahl« von log100.56 = -0.25 ergibt. Und das ist ziemlich selten: Lediglich 1950 DA (siehe Artikel 457) hat einen noch höheren Wert, +0.17, doch der kann frühestens 2880 einschlagen. 2002 NT7 dagegen stellt da eine wesentlich »näherliegende« potentielle Gefahr dar, und trotz der geringen Impaktwahrscheinlichkeit in 17 Jahren hat er prompt wieder Diskussionen über die besten möglichen Gegenmaßnahmen ausgelöst. Denn wenn es zu einem Impakt kommen sollte, dann würde 2002 NT7 die Energie von 1.2 Billionen Tonnen TNT entfalten. Doch seine weitere Bahn wird sich noch rund 300 Tage lang gut weiter verfolgen lassen: Danach wird es - mit aller Wahrscheinlichkeit - wieder einmal eine komplette Entwarnung geben. [25.7.2002]
[507] Links: 2002 NT7s Risk Entries beim
JPL und in
Italien, eine
Liste aller Apollo-Asteroiden, eine große Artikelsammlung in
CCNet und Artikel von
New Scientist,
SPIEGEL,
Rh. Post. Ein anderer großer NEA kommt der Erde nahe Noch ein weiterer Near Earth Asteroid, mit immerhin 450 bis 1000 Metern Durchmesser, wird in den nächsten Wochen für Schlagzeilen sorgen - denn 2002 NY40 wird sich der Erde in der Nacht vom 18. zum 19. August bis auf 530 000 km annähern. Noch hat er nur 18. Größe, doch einige Stunden lang könnte er (kurz vor der Erdpassage) bis zur 9. Größe ansteigen; dann entflieht er Richtung Sonne und verblaßt binnen zweier Tage auf 50.(!) Größe. Für Radarbeobachtungen dürfte 2002 NY40 ein ideales Ziel darstellen, doch erst einmal muß die Bahn noch verbessert werden. [25.7.2002]
[506] Links: ein erster Artikel im
Cosmic Mirror # 241 mit
weiterführenden Links sowie mehr von
Knöfel und
Sky & Telescope. Impakt-Tsunamis sind höher und langsamer Schlechte wie gute Nachrichten gibt es von den jüngsten Computersimulationen ins Meer einschlagener kosmischer Körper am Los Alamos Nat'l Lab: Die Tsunamis, die dabei entstehen, sind zwar doppelt so hoch wie in früheren Rechnungen, brauchen aber ein Viertel länger, um die Küsten zu erreichen. Sechs verschiedene Szenarios wurden mit dem neuen Programm SAGE durchgespielt, bei dem sich die Gittergröße der 3D-Simulation automatisch den Erfordernissen anpaßt. Das Ergebnis ist wenig ermutigend: Ein 1-km-Eisenasteroid entfaltet beim Impakt ein Energieäquivalent von 1.5 Billionen Tonnen TNT - und produziert einen mehr als 800 Meter hohen Wasser-Jet, der sich mit 600 km/h ausbreitet und auch nach 65 km noch 2/3 der Höhe hat. Der größte je auf der Erde beobachtete Tsunami (nach einem Erdrutsch 1958 in Alaska) war rund 500 Meter hoch - und 1998 genügte ein 10-m-Tsunami nach einem 2000 km entfernten unterseeischen Erdrutsch, um auf Papua Neuguinea mehr als 2100 Menschen zu töten. [25.7.2002]
[505] Quelle: LANL Press Release vom 5.6.2002.
Ein privat finanzierter Mini-Satellit zur Erdbebenvorhersage namens QuakeSat soll im ersten Quartal 2003 gestartet werden: Die kalifornische Firma QuakeFinder setzt Hoffnungen auf extrem niederfrequente elektromagnetische Wellen (ELF), die manchen Erdbeben vorauszugehen scheinen - und sie ist nicht allein: Auch der im Dezember 2001 gestartete russische Kompass trägt einen entsprechenden Sensor, und auch die französische CNES plant solch einen Satelliten für 2003. »Niemand weiß, ob es funktioniert,« sagt QuakeFinder, »aber man kann es nicht wissen, wenn man es nicht ausprobiert.« Die Emission der ELF-Wellen könnte etwas mit dem beginnenden Zerbrechen von kristallinem Fels zu tun haben, wobei ein Plasma entsteht. Der QuakeSat hat nur 3 kg Masse (und noch keinen Träger): Wenn das nur etwa 1 Mio.$ teure Projekt überzeugende Ergebnisse liefert (die rasch durch präzisere ELF-Messungen am Boden bestätigt würden), dann könnten ein größerer Satellit folgen und die Daten verkauft werden. Zum Beispiel an Wetterdienste, die dann Erdbebenwarnungen gleich in Wetterkarten einbauen könnten ... [25.7.2002]
[504] Quelle: Space News vom 8.7.2002.
Link: eine Art Homepage. Teilchen-Besuch aus der 5. Dimension? Hier ist die neueste Spekulation, was hinter der Dunklen Materie im Universum stecken könnte (nachdem die Neutrinos endgültig ausfallen; siehe Artikel 492): Sind es so genannte Kaluza-Klein-Partikel, die einen Sekundenbruchteil nach dem Urknall entstanden und nicht sofort wieder zerfallen sind? Gemäß der recht populär gewordenen Superstring-Theorie gibt noch ein halbes Dutzend weitere räumliche Dimensionen, die nachzuweisen bisher nicht gelang (siehe auch Artikel 357): Wenn es sie gibt, dann sind sie extrem kompakt. Aber dann müßte es auch besagte K-K-Partikel geben, »Echos« von Kraftfeldern durch die zusätzlichen Dimensionen: Die Quarks, Leptonen usw. hätten schwere Verwandte. Jetzt hat ein Theoretiker berechnet, daß das leichteste Kaluza-Klein-Partikel, das »Echo« des Photons oder Neutrinos, stabil sein kann. Mit einer 800- bis 1000-fachen Protonenmasse könnte es für die gesamte Dunkle Materie im Universum aufkommen. Und weil sie so schwer wären, sollten sich die Teilchen in Schwerkraftsenken wie dem Sonnenzentrum oder dem Zentrum der Milchstraße ansammeln - und, bei der gegenseitigen Vernichtung mit ihren Antipartnern, charakteristische Gammastrahlung aussenden. [25.7.2002]
[503] Quelle: New Scientist vom 6.7.2002 S. 19.
Auch die Nordhemisphäre des Mars ist alt Die tiefergelegene und glatte nördliche Hemisphäre des Mars ist lange für jünger als die südlichen Hochländer gehalten worden: Hier schien es viel weniger Einschlagskrater als dort zu geben, was eine hunderte Millionen wenn nicht Milliarden Jahre jüngere Oberfläche bedeuten würde. Aber diese Einschätzung scheint falsch zu sein, wie die globale Vermessung des Mars mit dem Laserhöhenmesser MOLA auf dem Mars Global Surveyor in den letzten Jahren gezeigt hat. Auch auf der Nordhalbkugel gibt es nämlich jede Menge Krater - die lediglich unter einer dünnen Schicht verborgen sind und normalen Kameras kaum auffallen! Die Nordhemisphäre ist den Kraterzählungen zufolge genau so alt wie der Süden. Bei der Schicht, die die Krater versteckt, könnte es sich um Sedimente handeln, die abfließendes Wasser aus dem Hochland einst hinterlassen hat. Doch warum die Nordhemisphäre insgesamt so tief liegt, bleibt einstweilen ein Rätsel. [25.7.2002]
[502] Quelle: Nature vom 4.7. S. 27-28.
Ein uralter Amateurfunk-Satellit läßt wieder von sich hören Und das, nachdem AMSAT-OSCAR 7 zwei Jahrzehnte lang geschwiegen hatte. 1974 war der Satellit gestartet worden und hatte bis 1981 funktioniert, dann war offenbar seine Batterie ausgefallen und nichts ging mehr. Aber in all den Jahren seither haben sich die Schaltkreise an Bord offenbar so verändert, daß AO-7 auf einmal wieder eindeutige Signale absondert, solange seine Solarzellen direkt von der Sonne beschienen werden! Das ist ein außergewöhnlicher Vorgang, zumal aus Kostengründen eher billige Hardware verwendet wurde. Und er stellt ein unverhofftes legales Problem dar, denn einige der Frequenzen, auf denen AMSAT-OSCAR 7 seit Ende Juni zuweilen von sich hören läßt, stehen dem Amateurfunk heute gar nicht mehr zu. Jetzt wird versucht, den Satelliten zu kommandieren und die verbotenen Frequenzen abzuschalten ... [25.7.2002]
[501] Link:
ARRL News.
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