Meldungen Nr. 581-590
vom 5.-15.1.2003
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Rosetta verpaßt Startfenster zu Wirtanen - Entscheidung über neue Flugroute und Ziel nicht vor Mai

Noch am 10. Januar hatte es gut ausgesehen für eine Startfreigabe der Ariane 5 mit der Kometensonde Rosetta, doch am Wochenende tauchten plötzlich neue Zweifel an der Zuverlässigkeit sämtlicher Versionen der Ariane 5 auf, und es wird in nächster Zeit überhaupt keine Starts geben. Damit kann Rosetta unmöglich bis Ende des Startfensters zum Kometen Wirtanen abheben, das sich am 31. Januar schließt, und auch später in diesem Jahr ist ein Start praktisch ausgeschlossen. Bis Ende Februar sollen die Rosetta-Forscher nun einen neuen Zielkometen nebst Flugroute vorschlagen.

Die ESA könnte den neuen Plan dann bereits im Mai absegnen: Von einem "Scheitern" der Mission, wie es vielfach in den deutschen Medien hieß, kann nicht die geringste Rede sein. Der Start dürfte nun zwischen Anfang 2004 und Mitte 2005 erfolgen. Bei der Umplanung der Mission stehen folgende Kriterien im Vordergrund:

  • 1. Maximale wissenschaftliche Ausbeute der Mission
  • 2. Minimales technisches Risiko einschließlich
    • Risiken einer Einlagerung der Raumsonde,
    • thermische Belastungen und notwendige Änderungen an der Raumsonde auf neu berechneten Bahnen,
    • Konstellation und Risiken einer neuen Bahn,
    • Zeiträume eines neuen Startfensters,
    • Ort des Rendezvous mit dem Kometen (nahe der Jupiterbahn oder nicht).
  • 3. Finanzierung der Mission
Jetzt wird Rosetta erst einmal von der Rakete genommen und enttankt (ein komplizierter Vorgang, der nicht vorgesehen war), und einzelne Experimente werden gewartet. Ansonsten soll Rosetta aber in einem Stück bleiben und möglichst auch gleich in Kourou. Die Kosten der Einlagerung der Sonde und der Umplanung der Misson dürften sich allerdings auf dutzende Millionen Euro belaufen. [15., aktualisiert 18.1.2003]

[590] Links: Pressemitteilungen von Arianespace und MPG und Artikel von Space Today, BBC, EU Business, Space News und NetZeitung. Zusätzliche Quellen: Informationen von Insidern des Projekts.

Auf die Jagd nach Kometenkernen per Sternbedeckung wird sich bald das internationale Projekt TAOS auf Taiwan begeben - tausende Sterne werden überwacht, und zuweilen wird ein winziger Bewohner des Kuiper-Gürtels einen davon verdunkeln: LLNL Press Release.

Hat Pluto kürzlich einen Schlag abbekommen? Eigenschaften seiner Bahn könnten so interpretiert werden: S&T.

Drei neue Neptun-Monde sind entdeckt worden, die ersten neuen Funde seit der Voyager-Visite 1989: ein Press Release des CfA und Artikel von Space Today und NetZeitung.

Der erste Trojaner des Planeten Neptun ist entdeckt - bisher waren unter den Gasplaneten nur bei Jupiter Asteroiden auf derselben Bahn »vor« oder »hinter« dem Planeten bekannt, dort allerdings über 1500 davon: NOAO Press Release.

Ios Vulkane spucken auch Kochsalz - jedenfalls ist das die naheliegende Deutung von zwei NaCl-Linien aus der Atmosphäre des Jupitermondes, die mit dem IRAM-30-m-Teleskop gefunden wurden, und sie erklärt auch, wo das Chlor in Ios Umgebung herkommt: Press Releases von JHU und Obs. de Paris und ein Artikel der NetZeitung.


Umweltsatellit ICESat und Astrosatellit CHIPS im Orbit

Mit einem Tag Verspätung durch ein kleines technisches Problem am Boden hat eine Delta 2 in der Nacht zum 13. Januar von Vandenberg aus zwei neue Forschungssatelliten der NASA auf polare Umlaufbahnen gebracht. ICESat, der Ice, Cloud and land Elevation Satellite, gehört zum Earth Observing System und soll mit einem superpräzisen Laserhöhenmesser die Dicke der polaren Eismassen bestimmen (aber auch Wolken- und Aerosolhöhen in der Atmosphäre messen). Wie der Eispanzer der Pole auf globale Klimaveränderungen reagiert, ist ein »heißer« Forschungsgegenstand, und die Effekte scheinen ziemlich komplex zu sein.

CHIPS ist das Cosmic Hot Interstellar Plasma Spectrometer, das sich ganz der interstellaren Materie widmen wird. Insbesondere geht es um die UV-Emission des Plasmas in der »lokalen Blase«, die vermutlich nahe Supernovae produziert haben. Vielleicht ist es kein Zufall, daß wir in solch einer Blase leben, denn sie könnte für lebensentscheidende Pekuliaritäten der Erdatmosphäre verantwortlich sein. Zwischen 9 und 26 Nanometern Wellenlänge wird CHIPS die diffuse Hintergrundstrahlung des ganzen Himmels spektroskopieren und die physikalischen Eigenschaften des interstellaren Plasmas ergründen, das genau in diesem noch wenig erforschten Spektralbereich am hellsten strahlen sollte. [15.1.2003]

[589] Links: die Homepages von ICESat und CHIPS, Press Releases von NASA, Boeing, Ohio State und Berkeley, Science@NASA und ein Artikel von Space Today. Zusätzliche Quelle: Space News vom 2.12.2002.

Auch Coriolis ist im Orbit, ein US-Militärsatellit für Messungen des Windfelds über den Meeren und des Weltraumwetters: Artikel von Spaceflight Now, Space Today und Space.com.


Die erste bestätigte Exoplaneten-Entdeckung mit der Transitmethode

ist dem OGLE-Programm schließlich doch noch geglückt, nachdem sich die meisten vielversprechenden Kandidaten als stellare statt planetare Transits entpuppt hatten (siehe
Artikel 542): Bei OGLE-TR-56b hat sich das kleine dunkle Objekt, das regelmäßig vor einem Stern vorbeizieht, bei Messungen der Radialgeschwindigkeit als Planet mit etwa 0.9 Jupitermassen, 1.3 Jupiterdurchmessern und 0.5 g/cm3 Dichte erwiesen, vergleichbar dem Saturn. Mit einer Umlaufsperiode von nur 29 Stunden steht er seiner Sonne zugleich näher als jeder andere bekannte Exoplanet (0.023 AU) und ist mit 1900 K Oberflächentemperatur auch das heißeste. Das System ist überdies auch noch 20-mal weiter entfernt als alle anderen: Die Transittechnik ist praktisch unabhängig von der Entfernung, der Stern muß nur hell und die Photometrie präzise genug sein.

Alle glaubwürdigen Planeten fremder Sonnen waren bislang mit der Radialgeschwindigkeitsmethode entdeckt worden: Erforderlich sind jahrelange Serien superpräziser Spektren, um das leichte Vor und Zurück der Fremdsonne unter dem Einfluß ihres Planeten nachzuweisen. In einem Fall gab es immerhin später eine Bestätigung durch regelmäßige Transits des Planeten vor der Sternenscheibe, und bei ein paar anderen konnte kürzlich die Planetennatur des Begleiters astrometrisch untermauert werden (siehe Artikel 572). Doch OGLE-TR-56b darf sich als erster Exoplanet rühmen, der mit einer anderen Technik entdeckt wurde. Erfreulich für Projekte wie den Kepler-Satelliten (siehe Artikel 380), die mit der Transitmethode sogar die ersten fremden Erden aufspüren wollen. [12.1.2003]

[588] Links: ein Paper von Konacki & al., ein CfA Press Release, ein Nature Science Update und Artikel von Sky & Tel. und NetZeitung.

Meteore aus fremden Planetensystemen müßte man mit Radaranlagen nachweisen können - Staubteilchen, die bei der Entstehung von Planeten um andere Sterne (wie Beta Pictoris) mit hoher Geschwindigkeit aus den zirkumstellaren Scheiben geschleudert werden, sollten mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eintreten und sich dadurch verraten: Univ. of Toronto Press Release.

Jede Menge Proplyds im Carina-Nebel NGC 3372 sind mit dem 4-m-Blanco-Teleskop entdeckt worden - sie sind größer als die berühmten »Proto-planetary Disks« im Orionnebel und haben oft auch eine exotischere Gestalt: NOAO Press Release.

Die Staubscheibe um den Stern HD 141569A ist noch viel komplexer als es bisher schien - ein Bild der neuen Hubble-Kamera ACS zeigt, daß sich der Staub spiralförmig anordnet: HST Picture.


Der kühlste Stern hat nur 410°C Oberflächentemperatur!

Genau gesehen ist 2MASS 0415-0935 natürlich kein richtiger Stern, sondern ein Brauner Zwerg, aber diese Beinahe-Sterne bilden mit den echten (Wasserstoff verbrennenden) Sternen ein Kontinuum (siehe
Artikel 495). Und der 19 Lichtjahre entfernte Zwerg ist zugleich auch der finsterste bekannte Stern, mit nur einem 50-Millionstel der Leuchtkraft der Sonne. Das meiste Licht strahlt er dabei im nahen Infraroten aus, weshalb er auch erst bei der großen IR-Durchmusterung 2MASS entdeckt wurde; später maß man die Parallaxe mit einem 1.5-m-Teleskop und berechnete dann mit etwas Theorie die Temperatur aus der Helligkeit und der Distanz. [12.1.2003]

[587] Link: ein USNO Press Release, ein Bild und ein S&T-Artikel.

Neuer Entfernungsrekord für einen Quasar bei z=6.43 - die sieben entferntesten Quasare sind nunmehr bei der Sloan Digital Sky Survey aufgespürt worden (es gibt aber Galaxien mit noch größerem z; siehe Artikel 437): ein Paper von Fan & al., ein SDSS Press Release und ein Artikel der NetZeitung.

Die Galaxie, in der der Quasar 3C 273 sitzt, in ungekannter Detailfülle ist mit Hubbles neuer Kamera ACS im Koronographen-Modus abgebildet worden: HST Picture.

Ein Ring aus großen Molekülwolken rund um einen Quasar im Zentralbereich der Galaxie, in der er sitzt, könnte etwas mit der »Fütterung« des Quasars zu tun haben: GSFC Release.


Kontroverse Messung der Geschwindigkeit der Schwerkraft

Ist es Radioastronomen am 8.9.2002 gelungen, bei der Annäherung des Planeten Jupiter an einen Quasar die Geschwindigkeit der Gravitation zu messen - oder ist das ganze Konzept nur ein mathematischer Irrtum? Ein US-Physiker war vor einigen Jahren bei Berechnungen der Lichtablenkung durch Massen auf einen winzigen Zusatzeffekt gestoßen, der immer dann auftreten sollte, wenn sich die Masse bewegt. Die Position der Strahlungsquelle sollte sich dadurch ein klein wenig anders am Himmel verschieben als wenn die Masse einfach nur da sitzt: Mit den modernen Techniken der Very Long Baseline Interferometry im Radiobereich könnte dieser Effekt im Bereich von Mikrobogensekunden gerade eben noch nachzuweisen sein.

Nur etwa einmal pro Jahrzehnt bietet sich dafür eine günstige Gelegenheit: Es gelang dem Physiker, genügend Radioastronomen für die 2002er Konjunktion von Jupiter und Quasar zu interessieren, und am kritischen Tag glückten mit dem Very Long Baseline Array in Nordamerika und dem 100-m-Teleskop in Deutschland die einmaligen Messungen. Aus der minimalen Verschiebung des Quasarorts während der Jupiterpassage ergibt sich, daß die Geschwindigkeit der Gravitation dieselbe ist wie die des Lichts, mit einer Genauigkeit von ±20% - im Rahmen der neuen Theorie, wohlgemerkt. An der werden aber schon seit letztem Jahr Zweifel geäußert, und die Kritiker meinen nun, daß das Jupiter-Experiment allenfalls die Lichtgeschwindigkeit habe messen können ... [12.1.2003]

[586] Links: ein NRAO Press Release, das erste Paper zur Theorie, sofortige und aktuelle Zweifel, ein kritischer Physics News Update und unkritische Artikel von New Scientist, New York Times, Space Today und Rhein. Post.

Hubbles tiefster Blick von Gravitationslinse unterstützt - mit dem Schwerefeld eines Galaxienhaufens als »Linse« hat Hubbles neue Kamera ACS noch schwächere (und vermutlich auch fernere) Galaxien ablichten können als im Hubble Deep Field, natürlich stark zu Bögen verzerrt: ein HST Release, ein APOD und ein Artikel der Rhein. Post.

Die ersten Galaxien, die das Universum re-ionisierten, aufgespürt hat vermutlich das HST auf einer anderen tiefen ACS-Aufnahme - sie haben Rotverschiebungen um 6, und am ganzen Himmel müßte es 400 Millionen davon geben, allein bis zur Nachweisgrenze der ACS: ein HST Release und Artikel von Space Today und Rhein. Post.

Das Hubble Deep Field South im Infraroten, aufgenommen mit dem Very Large Telescope, enthält auch eine bisher übersehene Population sehr roter Galaxien ohne viel Sternentstehung: ein ESO Press Release und Artikel von BBC und NetZeitung.


»10-Tonnen-Ariane« muß ein halbes Jahr am Boden bleiben - Rosettas Schicksal weiter unklar

Nach dem gescheiterten Premierenflug kann die nächste Rakete des Typs Ariane 5-Plus frühestens in 6 Monaten starten: Ein undichtes Kühlsystem macht Veränderungen am Haupttriebwerk der leistungsstärksten europäischen Trägerrakete notwendig, so der am 7.1. vorgelegte Bericht einer Untersuchungskommission. Die Basis-Version der Ariane 5, die ein anderes Triebwerk hat als das Modell 5-Plus, darf dagegen wahrscheinlich schon in der zweiten Februarhälfte wieder regulär starten. Ob die Kometensonde Rosetta mit ihrem knappen Startfenster bereits im Januar fliegen darf, soll erst am 14.1. mitgeteilt werden. Und für den folgenden Morgen läd der Wissenschafts-Chef der ESA zu einer Pressekonferenz nach Paris ...

Nach den Ermittlungen der Untersuchungskommission hat ein Leck im Kühlsystem des neu entwickelten Haupttriebwerks Vulcain II zum Versagen der Ariane 5-Plus am 11.12.2002 geführt. Der erheblich verstärkte Raketen-Motor konnte auf der Erde nicht unter den im All herrschenden Druckbedingungen getestet werden - und die Kühlmittel-Düsen des neuen Tieftemperatur-Triebwerks hielten dem Druck im Weltraum nicht stand und begannen zu lecken. 170 Sekunden nach dem Start verformten sich Teile des Triebwerkes wegen der nun unzureichenden Kühlung; der Raketen-Schub wurde "stark asymmetrisch", und die unkontrollierbar gewordene Rakete mit 2 Satelliten musste gesprengt werden. [8., aktualisiert 10.1.2003]

[585] Links: Press Releases von Arianespace und ESA und Artikel von Space Today, BBC und NetZeitung.


Der »Amok-Flieger« von Frankfurt war auch Amateurastronom!

Er interessierte sich nicht nur brennend für die bei der Challenger-Katastrophe ums Leben gekommene Astronautin Judith Resnik, der er eine Homepage widmete (die freilich nur aus Links zu fremden Seiten besteht): Der "Amokflieger" Franz-Stephan Strambach, der am 5. Januar Frankfurt in Atem hielt, engagierte sich auch - zeitweise - bei der Beobachtung von Satelliten und gegen Lichtverschmutzung. Jedenfalls entwarf er eine der ersten deutschen Webseiten mit Informationen über dieses damals noch kaum bekannte Umweltproblem und ist immer noch der Besitzer der Domain (die ihm die Fachgruppe Dark Sky nun aber entreissen will). Seit mehreren Jahren hat Strambach bereits den Kontakt zu der Fachgruppe eingestellt, wie man dort nachdrücklich betont. [8., aktualisiert 10.1.2003]

[584] Links: die Seite www.lichtverschmutzung.de, die u.a. von A. Hänel empfohlen wird, eine - identische - Version, die im Header als Strambachs Homepage bezeichnet wird, seine Resnik-Fanpage und ein ein Posting mit einer UFO-Beobachtung; außerdem Strambachs Eintrag in "Homepages of the Insane" und ein paar Artikel von Welt, Reuters [Independent], SpaceRef, CNN, AP, N-tv - und das (angebliche) Protokoll des Funkverkehrs zwischen Strambach, dem Tower und Resniks Bruder.


Theorie der Mondentstehung auch chemisch untermauert

Die Bildung des Erdmondes aus den Trümmern eines gewaltigen Einschlags auf der ganz jungen Erde hat sich schon vor über einem Jahrzehnt als Standardmodell durchgesetzt, und dank immer detaillierterer Computersimulationen sind die mechanischen Abläufe zunehmend besser im Griff (siehe z. B.
Artikel 307). Und jetzt gibt es auch einen weiteren entscheidenden Beleg aus der Kosmochemie: Im Mondgestein gibt es mehr Eisen-57 relativ zu Eisen-54 als in irdischem.

Diese Abreicherung des leichteren Isotops ist nur zu erklären, wenn das Eisen in Dampfform vorlag (und es leichter entweichen konnte). Und um Eisen zu verdampfen, ist eine Temperatur von mindestens 1700°C nötig: So etwas liefert nur die Theorie vom Großen Impakt (eines etwa Mars-großen Planetesimals, manchmal Theia getauft, etwa 50 Mio. Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems), denn nur in diesem Szenario steht schlagartig eine ungeheure Energie zur Verfügung. Genauer gesagt rund 100 Millionen mal mehr als bei dem großen Impakt vor 65 Mio. Jahren. [5.1.2003]

[583] Quelle: New Scientist vom 21.12.2002 S. 15.


Europäische Pläne für optische Riesenteleskope wachsen zusammen

Die Planer eines 50-m-Teleskops in Schweden (»Euro50«) und eines 100 Meter großen Teleskopmonsters bei der ESO (»OWL«) haben sich Ende 2002 auf eine Vereinigung der Milliarden Euro teuren Projekte verständigt: Jetzt soll europaweit ein »Extremely Large Telescope« oder »European Large Telescope« (ELT) definiert werden, um entsprechende Ideen in den USA noch zu übertreffen und die gegenwärtige Führungsrolle mit dem VLT zu halten. Und überhaupt seien Teleskope weit jenseits der heutigen 10-m-Klasse unverzichtbar, allein schon, um Spektroskopie der vom Hubble-Nachfolger JWST (
Artikel 564) zu entdeckenden extrem schwachen Galaxien betreiben zu können.

Der Primärspiegel des ELT (über dessen Durchmesser noch eifrig debattiert wird) soll aus tausenden von Segmenten bestehen, die regelrecht am Fließband produziert werden müssen, um die Kosten im Rahmen zu halten: Zu demonstrieren, daß das überhaupt geht, ist eine der ersten Aufgaben. Insgesamt sind für die Designstudien die nächsten 4 Jahre anvisiert und für den Bau selbst weitere 8 Jahre - vermutlich entweder in Chile oder auf der Kanareninsel La Palma. Die Baukosten werden auf 600 bis 900 Mio. Euro geschätzt, die jährlichen Betriebskosten auf 100 Mio. Euro. In den USA zweifelt man derweil an der Machbarkeit eines Sprungs auf gleich 50 bis 100 Meter Durchmesser und denkt eher über optische Teleskope der 30-m-Klasse nach - für die Europäer ist das einfach zu konservativ ... [5.1.2003]

[582] Link: ein RAS Press Release und die Homepages von Euro50 und OWL. Zusätzliche Quelle: Science vom 20.12.2002 S. 2311.


Eine gigantische heiße Gasscheibe rotiert in einer Galaxie

Mit dem Satelliten Chandra ist die Röntgenemission einer Scheibe mit 90'000 Lichtjahren Durchmesser in der jungen elliptischen Galaxie NGC 1700 entdeckt worden - 100'000-mal größer als jedes vergleichbare Objekt. Daß das Gas in Rotation ist, ergibt sich aus seiner starken Abflachung, die durch kein plausibles Gravitationspotential zu erklären ist; direkt gemessen wurde die Bewegung nicht. Das mysteriöse Phänomen dürfte mit der Entstehung der Galaxie zusammenhängen, die vermutlich anders als normalerweise (vermutet) ablief, nämlich durch die Fusion von Spiralgalaxien.

Vielmehr könnten bei der Bildung von NGC 1700 eine Spiral- und eine elliptische Galaxie zusammengestoßen sein, wonach sich das heiße interstellare Medium im gemeinsamen Gravitationspotential wiederfand - und der Drehimpuls der Galaxienverschmelzung ließ es in der Rotation zurück, die heute noch zu beobachten ist. Auf jeden Fall scheint Vorsicht bei der Massenbestimmung von Galaxien allein aufgrund der Menge des vorhandenen heißen Gases geboten: Wenn es rotiert, darf nicht nur das Druckgleichgewicht mit der Schwerkraft beachtet werden. [5.1.2003]

[581] Quelle: Statler & McNamara, Astrophys. J. 581 [20.12.2002] 1032ff. Link: ein Artikel aus der NetZeitung.


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