Starke Polarisation zeigt: Magnetfelder treiben die Explosion bei Gamma Ray Bursts
Eine Zufallsbeobachtung mit dem Satelliten RHESSI aus Artikel 419
könnte einen Durchbruch beim Verständnis des
eigentlichen Explosionsvorgangs bei einem Gamma Ray Bursts
einleiten, der irgendwie von einer Supernova produziert zu werden
scheint (wie sich am 29. März klarer denn je zeigte; siehe Artikel 646). Was
danach mit dem expandierenden Feuerball und den
diversen Nachglüh-Effekten passiert, ist schon ziemlich gut
verstanden, doch direkte Einblicke in die Physik der
anfänglichen Explosion blieben Mangelware. Bis zum 6.
Dezember 2002, als ein GRB zufälligerweise von RHESSI
beobachtet wurde, und das auch noch im optimalen Winkel, um
die Polarisation der Gammastrahlung zu messen: Sie betrug
enorme 80±20 Prozent! Es war das erste Mal
überhaupt, daß Polarisation bei einem
astrophysikalischen Objekt im Gamma-Bereich gesehen
wurde.
Für einen derartigen Polarisationsgrad kann es eigentlich
nur eine Erklärung geben: Der Gammablitz ist
Synchrotron-Strahlung, abgegeben von Elektronen, die um
magnetische Feldlinien spiralieren. Die Elektronen wurden
vermutlich durch Schockwellen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit
gebracht, die Schockwellen selbst aber, so verrät es wohl die
Polarisation, werden von extrem starken Magnetfeldern
angetrieben und großräumig organisiert - die selbst
die Oberflächenfelder von Neutronensternen um einen
Faktor 10'000 übertreffen und die stärksten
überhaupt sein könnten, auf die bisher im Kosmos
Hinweise gefunden wurden. Die nächste Frage ist nun:
Warum produzieren manche Supernovae derart starke,
organisierte Magnetfelder, daß ein GRB entsteht,
während andere dicke Sterne GRB-los explodieren?
Während die Synchrotron-Natur der GRB-Strahlung nun als
bewiesen gilt, gibt es übrigens noch Zweifel an der Notwendigkeit
organisierter Magnetfelder. [20.6.2003]
[681] Quellen: Coburn & Boggs, Nature
423 [22.5.2003] 415-7 + Waxman, ibid. 388-9.
Links:
Berkeley,
NASA
und GSFC
Press Releases und ein Paper von
Granot zur Frage der organisierten Felder.
Die Supernova hinter dem GRB vom 29. März ist eine
»Hypernova« des Typs Ic, zeigen Spektren mit
dem Subaru-Teleskop von Anfang Mai - die SN 2003df
ähnelte gut einem Monat nach dem GRB sehr der SN
1997ef zu einem ähnlichen Zeitpunkt nach der Explosion:
ein Paper von Kawabata & al. und ein
NAOJ Press Release.
Als Meilenstein der Astrophysik gefeiert wird bereits die Entdeckung des
SN-Spektrums in Nachglühen dieses GRB: Papers von
Hjorth & al. und
Uemura & al.,
GSFC,
UCSC,
CfA und
ESO Press Releases
und ein Artikel der
Rhein. Post.
Derselbe GRB widerlegt eine Alternative zum Feuerball-Modell - Radiobeobachtungen
mit dem VLBA zeigten in den Tagen danach eindeutig nicht die vom »cannonball
model« vorausgesagten Strukturen:
NRAO Press Release,
Space.com.