Das rundeste »Ding« des Universums
ist kein fester oder gasförmiger Körper - sondern die
Bahn eines Pulsars in einem Doppelsystem mit einem
Weißen Zwerg um den gemeinsamen Schwerpunkt. Seit zwei
Jahren hält der Millisekundenpulsar J1012+5307 den
Rekord für die Bahn mit der geringsten Exzentrizität:
Sie beträgt höchstens 8 x 10-7, was
bedeutet, daß die Bewegung des Neutronensterns um
maximal 150 µm (!) von einem perfekten Kreis abweicht.
Aber schon laufen Messungen an zwei anderen
Millisekundenpulsaren, deren Bahnen sich demnächst als
noch kreisförmiger erweisen dürften, mit
Abweichungen von weniger als 25 µm - so groß wie
eine menschliche Zelle! Möglich werden derart genaue
Bahnmessungen durch die extrem regelmäßigen
Radiopulse der rasant rotierenden Neutronensterne.
Die außerordentlich exakten Kreisbahnen von
Millisekundenpulsaren sind keine Überraschung: Die
verbreiteten Modelle ihrer Entstehung, bei denen alte
Pulsare durch die hinüberströmende Materie eines
Begleiters wieder kräftig auf Touren gebracht werden, sagen
Exzentrizitäten der Orbits von hinterher etwa 10-7
voraus. Bald will man diesen Effekt auch ausnutzen, um
subtile Effekte der Rekativitätstheorie zu messen: Zum
Beispiel müßte man nachweisen können,
daß die leere Raumzeit isotrop ist und keine Vorzugsrichtung
kennt. Denn gälte diese Lorenz-Invarianz nicht, dann
würde eine Extraexzentrizität entstehen. Zwar gibt es
derzeit keinerlei Zweifel an der Isotropie des Raumes, aber
Nachmessen ist immer gut. [25.7.2003]
[711] Quelle: Arecibo Newsletter # 36 [Juni 2003] S.
9-10.