Meldungen Nr. 871-880
vom 25.3.-10.4.2004
Aktuelle Meldungen / Archiv


Missionen der Marsrover bis (mindestens) September verlängert

Die Mars Exploration Rover haben ihre Minimalanforderungen für einen vollen Missionserfolg erreicht - und sind dafür von der NASA prompt mit einer Verlängerung ihrer Operationen bis Mitte September belohnt worden. Die Rover zeigen so wenig Verschleißerscheinungen, daß es nun nicht nur als wahrscheinlich gilt, daß Opportunity den tiefen Krater Endurance erreichen wird: Sprit wird inzwischen zugetraut, daß sie tatsächlich bis zu den 2.3 km entfernten Columbia Hills rollen kann. Bis Anfang April hatte dieser zu erst gelandete Rover bereits über 600 Meter Fahrstrecke zurückgelegt und damit das vorletzte Erfolgskriterium abgehakt. Und am 5. April hatte er 90 Marstage auf der Oberfläche durchgehalten und den Erfolg komplett gemacht.

Ein weiteres Erfolgskriterium war, daß beide Rover zusammen 8 Stellen auf dem Mars untersuchen sollten - allein Spirit war schon an 11. Mit der kühnen Missionsverlängerung, die nur 15 Mio.$ kostet und die Gesamtkosten der Mission um gerade einmal 2% erhöht, gehen auch sieben neue Aufgaben einher, drei technische und vier wissenschaftliche. Die neuen ingenieurmäßigen Ziele sind es, mehr als 1 km zurückzulegen, die Leistung der Solarzellen zu beobachten, während sie allmählich einstauben, und allgemein zu verfolgen, wie es zwei mobilen Robotern auf einem fremden Planeten im Laufe der Monate ergeht. Das Staubproblem z.B. scheint sich als weniger gravierend zu erweisen: Hochrechnungen gehen jetzt davon aus, daß die Leistung um maximal 20% abfallen und sich dann stabilisieren wird. Kritischer sind da schon die Batterien der Rover, von denen

  • Spirit die Columbia Hills erreichen soll: Dieses Gebirge (Abb.) erscheint schon aus der Ferne aufregender als die vulkanischen Brocken, denen der Rover bisher begegnet ist, und vielleicht läßt sich hier die Geschichte des Wassers im Gusev-Krater aufklären, die bislang weitgehend verborgen blieb.

  • Opportunity soll den Krater Endurance erreichen und dort und vielleicht noch an weiteren Stellen ähnliche und größere Aufschlüsse finden, wie sie im Lande-Krater Eagle zu sehen waren. Das Fahren in Meridiani Planum ist leicht: Einmal hat Opportunity bereits 100 Meter am Stück geschafft!

  • Außerdem sollen beide Rover weiter die Atmosphäre beobachten und wie sie sich im Laufe der Jahreszeiten verändert. Und sie sollen weitere Typen von Böden und Felsen aus der Nähe erfassen und so bei der Kalibration entsprechender Messungen von Orbitern helfen.
Mitte September wird der Funkkontakt zwischen den Rovern und der Erde einige Tage unterbrochen, wenn der Mars um den 13.9. in Konjunktion mit der Sonne steht. Melden sich die Rover danach freilich erneut, ist durchaus eine weitere Verlängerung ihrer Mission denkbar, über die die NASA aber neu befinden müßte. Die Bodenmannschaft ist schon jetzt reduziert worden (und größtenteils zu rein irdischem Tagesablauf zurückgekehrt), während man den Rovern per größerem Software-Update nun mehr Autonomie zugesteht: Sie können mutiger drauflos fahren und bestimmte Computerprobleme selbst lösen. Ein Ausfall unter den harten Marsbedingungen ist natürlich jeden Tag möglich - aber alles, was jetzt noch kommt, ist eh' ein Bonus. [10.4.2004]

[880] Links: ein NASA Release, Artikel von Houston Chronicle, Space.com und Rh. Post, ein Editorial von Fla. Today - und das Cornell Chronicle über Leben auf Marszeit sowie und ein längerer Artikel von Physics Today über Wasser auf dem Mars.


Die wahre Größe von Sgr A* bei 7 mm Wellenlänge

vermessen haben Radioastronomen mit dem Very Long Baseline Array - und einiger Mathematik, um die starke Streuung der Radiowellen durch das turbulente interstellare Plasma herauszurechnen, die die vor 30 Jahren entdeckte Radioquelle im Galaktischen Zentrum größer erscheinen läßt als sie tatsächlich ist. Etwa 670 Mikrobogensekunden oder 24±2 Schwarzschild-Radien (wenn es sich wirklich um ein Schwarzes Loch mit rund 4 Mio. Sonnenmassen handelt) mißt nach der Auswertung der VLBA-Daten die große Achse von Sagittarius A* bei 6.9 mm Wellenlänge (und 2.5 Millibogenbogensekunden oder rund 70 Schwarzschildradien bei 1.4 cm Wellenlänge): Die kurzwellige Radiostrahlung entsteht also sehr nahe am Ereignishorizont des mutmaßlichen SL. [10.4.2004].

[879] Links: ein Paper von Bower & al., ein NRAO Press Release, diverse Illustrationen und Artikel von Space.com und Welt.

Eine chaotische Vergangenheit der Milchstraße läßt sich aus den Raumgeschwindigkeiten von 14'000 Sternen schließen, die im Rahmen eines 20-jährigen Forschungsprogramms ermittelt wurden - die Auswertung steht aber noch ganz am Anfang und das Programm RAVE aus Artikel 657 verspricht noch weit genauere Aussagen: ESO Press Release, Space Daily, Astronomy.

Der Halo der Andromeda-Galaxie ist arg zerzaust, was auf viele hineingestürzte Zwerggalaxien hinweisen dürfte, die dabei zerrissen wurden: RAS Press Release. Zahlreiche Kandidaten für Schwarze Löcher in M 31 sind mit einer neuen Röntgentechnik gefunden worden: RAS Press Release.

Jede Menge ultrakompakte Zwerggalaxien im Fornax-Haufen und auch im Virgo-Cluster sind bei der erneuten Suche nach UCDs (siehe Cosmic Mirror # 256 Kurzmeldungen) aufgespürt worden - diese winzigen Galaxien sehen auf den ersten Blick wie Sterne aus: RAS Press Release, Astronomy, AFP.


Der erste »Quasi-Mond« der Erde

ist der Asteroid 2003 NY107: Er hat einen extrem erdähnlichen Orbit und hält sich zehn Jahre lang - derzeit von 1996 bis 2006 - innerhalb von 15 Mio. km der Erde auf. Dabei beschreibt der Asteroid so etwas Ähnliches wie Orbits um die Erde (Grafik: Anblick von oben; Balken=0.1 AU), doch die dreidimensionale Bahn besteht aus immer neuen Schleifen: Himmelsmechanisch korrekt beschrieben handelt es sich um eine heliozentrische Bahn, die allerdings von der Erde heftig gestört wird.

Der letzten Dezember von LINEAR entdeckte 2003 NY107 ist ebenso ein coorbitaler Asteroid wie 2002 AA29 aus Artikel 552: Letzterer befindet sich in einem sogenannten Hufeisenorbit, der von beiden Seiten an die Erde heranführt, den Asteroiden aber nur selten zu einem temporären Quasimond macht (das nächste Mal in 500 Jahren). 2003 NY103 dagegen gelangt regelmäßig in diesen Zustand und ist zwischendurch auf einer Hufeisenbahn. Die geringen Relativgeschwindigkeiten zur Erde machen die coorbitalen Asteroiden zu besonders reizvollen Zielen für Sample Return Missions - oder gar den industriellen Abbau eventueller Rohstoffe. [3.4.2003]

[878] Links: ein kleines Paper von Connors & al. (PDF) und Artikel von New Scientist und BdW.

Was wäre passiert, wenn 2004 FH die Erde getroffen hätte? Mit seinen maximal 30 Metern Durchmesser hätte der kürzliche Erdbesucher aus Artikel 871 (Kurzmeldung) kaum Schaden angerichtet, denn die Erdatmosphäre ist ein guter Schutzschild: Morrison, NEO News.


Spuren von Methan in der Marsatmosphäre

sind kurz nacheinander von drei Forschergruppen nachgewiesen worden, die mit mehreren optischen Teleskope auf der Erde bzw. dem ESA-Orbiter Mars Express jeweils charakteristische Spektrallinien sichteten: Schon letztes Jahr scheinen NASA-Forscher mit Gemini-Süd und Keck erfolgreich gewesen zu sein, im Januar und Februar gelang dem Mars Express bei 3.3 µm mit dem Planetary Fourier Spectrometer (PFS) die Bestätigung, und auch das CFHT sichtete inzwischen die entscheidende Linie. Die beiden ersten Arbeiten sprechen übereinstimmend von einem Anteil Methans an der Marsatmosphäre von rund 10.5 ppb (Teile pro Milliarde Teile): Nur durch Aufaddition vieler Spektren (beim PFS: fast 1700!) war das schwache Feature überhaupt deutlich geworden, an dessen Existenz noch bis vor kurzem gezweifelt wurde.

Nun stellt sich die Frage: Woher kommt das Methan, das in der sonnenbestrahlten Atmosphäre nur etwa 300 Jahre überleben kann? Die wahrscheinlichere Quelle dürfte anhaltende schwache vulkanische Aktivität des Mars sein, die bisher allen Orbitern entgangen ist (vgl. Artikel 695); die Alternative wären Stoffwechselprodukte von Bakterien. Die nächste Aufgabe ist nun, lokale Variationen des Methananteils der Atmosphäre aufzuspüren und mit bekannten geologischen Regionen zu korrelieren (der Olympus Mons z.B. war vor 100 Mio. Jahren noch aktiv): Vielleicht ergibt sich daraus ein Hinweis auf den Mechanismus hinter der überraschenden Methanfreisetzung eines Planeten, der sich schon wieder als ungeahnt komplex erweist. [3.4.2004]

[877] Links: ein ESA Press Release und Artikel von Science Now, AstroBiology, Planetary Soc., Sky & Tel., New Scientist, Nature Science Update, SF Gate, AFP, Space.com und Welt.

Erneute Wasserspuren in einem Stein im Krater Gusev (vgl. Artikel 865) hat Spirit entdeckt, diesmal in Mazatzal: MER Press Release, Astronomy, Discovery, Space Today, NetZeitung. Die große Fahrt in Richtung der Columbia Hills beginnt dieser Tage, und die reduzierte Mannschaft lebt wieder nach Erdzeit: ein JPL Release und Artikel von Space Today und Space.com.

Am 20. April wird der Mars Express sein Radar ausfahren und im vollen Betrieb sein: Status.

Ein Spiralmuster im Eis der Marspole könnte erklärt sein durch ein - von Wachstumsmustern von Schleimpilzen inspiriertes! - mathematisches Modell: ein U of A Press Release und Artikel von Astronomy, New Scientist, Space.com und BdW.

Der 12. Newsletter der deutschen Mars Society ist erschienen - mit 28 Seiten: PDF-File.

Wie es auf dem »Mars« in Utah wirklich zugeht, beschreibt ungeschönt ein Reporter, der zu einer Crew der simulierten Marsstation der Mars Society gehörte: LA Times Magazine.


X-43A erreicht Mach 7 - aber wer hat was davon?

Fast drei Jahre nach dem Fehlschlag mit dem ersten Flugmodell (siehe
Artikel 293) hat das zweite Exemplar des Hyperschalldemonstrators X-43A einen tadellosen Testflug hingelegt: Der Scramjet brannte 10 Sekunden lang und beschleunigte das Vehikel - das zuvor ein in 12 km Höhe abgeworfener Pegasus-Booster auf die nötige Mindestgeschwindigkeit gebracht hatte - auf siebenfache Schallgeschwindigkeit. Planmäßig versank der Demonstrator anschließend im Pazifk, und noch diesen Herbst soll das dritte und letzte Flugmodell sogar Mach 10 erreichen. Doch ein lange geplantes Anschlußprogramm der NASA, um die Scramjet-Technologie tatsächlich zu einem Antrieb für Luft- oder gar Raumfahrzeuge weiter zu entwickeln, ist vor Kurzem eingestellt worden: Es paßt nicht zu den neuerdings befohlenen Mondflügen (mit konventioneller Technologie) ...

Ein Scramjet hat gegenüber einem Raketentriebwerk den Vorteil, daß er den Sauerstoff aus der Atmosphäre zum Verbrennen seines Wasserstoff-Treibstoffs benutzt: Der Oxidator muß nicht auch noch mitgeschleppt werden. Das Kunstwort steht für Supersonic Combustion Ramjet, denn der Sauerstoff gelangt noch mit Überschall in die Brennkammer. Das Prinzip ist sogar einfacher als bei einem klassischen Düsentriebwerk (wo eine Turbine die Außenluft erst ansaugen muß), doch die Realisierung ist sehr trickreich. Bisher hatten erst australische Uni-Forscher einen Scramjet im freien Fall kurz zum Laufen gebracht (siehe Artikel 511), der X-43A gelang zum ersten Mal aktive Beschleunigung in der Atmosphäre damit - und ein neuer Geschwindigkeitsrekord für ein luftatmendes Flugzeug, den bisher mit Mach 3.2 eine SR-71 hielt. Doch das Folgeprogramm X-43C ist sang- und klanglos verschwunden, die Nutzung der Erfahrungen nunmehr zweifelhaft. [3.4.2004]

[876] Links: DFRF und Orbital Press Releases, die Homepage von X-43A und Artikel von Aerospace Daily, Spaceflight Now, Space.com, Discovery und New Scientist - und Space Today zum Ende der X-43C.

Entscheidender Test für das ATV - das automatische Andocksystem wurde in einer riesigen Halle unter realistischen Bedingungen simuliert: ESA Press Release.


Sedimentologen einig: Opportunity Ledge aus flüssigem Wasser abgelagert

Die Felsbank, neben der der Mars Exploration Rover nach seiner Landung in Meridiani Planum zu stehen gekommen ist, wurde in der Frühzeit des Mars von Wasser nicht nur durchsickert: Die Untersuchung der räumlichen Anordnung der Sedimente mit dem Microscopic Imager hat klare Indizien dafür geliefert, daß das Gestein auch aus einem - leicht bewegten - Gewässer heraus abgelagert wurde. Zusammen mit den chemischen Spuren spricht daher vieles dafür, daß es an der Landestelle vor langer Zeit einmal einen salzigen See gegeben hat. Doch viele Fragen zu Ausdehnung und Lebensdauer des Feuchtgebiets bleiben weiter offen, und selbst jetzt ist der Schluß keineswegs zwingend, daß der Mars insgesamt einmal wärmer und mit einer dichteren Atmosphäre ausgestattet war: Vielleicht passierte alles unter einem dicken Eispanzer.

Bereits eine Woche nach der ersten großen Pressekonferenz (siehe Artikel 863) waren sich die MER-Forscher ziemlich sicher gewesen, daß die Felsbank nur durch Sedimentation in einem Gewässer entstanden sein konnte, doch darüber sprechen wollte man noch nicht: Vielmehr wurden sechs unabhängige Experten mit den Daten konfrontiert, die sich zwei weitere Wochen lang damit auseinandersetzten. Am 23. März schließlich wurde erneut kurzfristig ins NASA-HQ geladen, und nach ein paar ebenso dramatischen wie nichtssagenden Statements des NASA-Chefs wurde die neue Evidenz auf den Tisch gelegt, vom MER-Chef Squyres ebenso wie Fachleuten für Sedimentbildung. Und führenden NASA-Managern für das Wissenschafts- und speziell das Marsprogramm: Schließlich habe sich dessen Strategie »Follow the water« nun als richtig erwiesen, und die kommenden Missionen erscheinen jetzt wichtiger denn je.

Schon vor drei Wochen genannte chemische Details werden nunmehr als einer von zwei Beweisen für die wässrige Herkunft der Opportunity Ledge angesehen: Insbesondere ist es dabei die Feststellung, daß es in der Felsbank geringe Mengen des Elements Brom gibt, wobei sich dessen Anteil aber von Ort zu Ort stark unterscheidet. Insbesondere schwankt seine Menge relativ zu der von Chlor um einen enormen Faktor von 10: So etwas ist auf der Erde sehr typisch für Gestein, das durch Verdampfung von Meerwasser entstanden ist, beweist diese Herkunft aber nicht. Vielmehr liegt der Schlüssel nach Ansicht der MER-Forscher wie der externen Experten gleichermaßen in der Orientierung der Sedimentschichten, die in der Opportunity zutage liegt: Die Mikroskopaufnahmen lassen nun keinen Zweifel mehr, daß hier etwas vorliegt, was Geologen Schrägschichtung bzw. »Cross-bedding« nennen.

Schon auf Pancam-Aufnahmen waren vage Hinweise auf Cross-bedding in Teilen der Ledge zu sehen gewesen, aber erst große Mosaike aus bis zu 152 Einzelaufnahmen mit dem Microscopic Imager (eine enorme technische Leistung) zeigten klar die typischen Formen: Statt waagerecht übereinander zu liegen sind die Schichten immer wieder »wie ein Lächeln« nach oben gezogen. Die dahinter steckende dreidimensionale Struktur sind nichts anderes als Rippelmarken, zu Stein gewordene Wellenmuster, die der Aufschluß von der Seite angeschnitten hat. Beispiele dafür findet man auf der Erde viele, z.B. in der Nähe des Colorado River - doch es genügt schon ein wesentlich kleineres Gewässer: Hauptsache, das Wasser hat sich bewegt (hier: mit 10 bis 50 cm/s), während die Sedimente entstanden. Schon Wellen in einem flachen, stehenden Tümpel (von mind. 5 cm Tiefe) können ausreichen, und das erklärt auch, weshalb die Entdeckung in Opportunitys kleinem Krater als solche nicht viel beweist.

So ziemlich alle wesentlichen Fragen können Opportunitys Messungen nämlich (jedenfalls bisher) nicht beantworten: Wieviel Wasser war im Spiel, wie ausgedehnt, wie tief war das Gewässer? Wie lange hat es existiert, wann war das und wie verbreitet waren solche Gewässer auf dem Mars? Und: War das Wasser überhaupt der freien Atmosphäre ausgesetzt (die dann dichter und wärmer als heute gewesen sein müßte)? Wir wissen so wenig über die Umstände, unter denen die Opportunity Ledge entstand, mußten die Forscher auf der PK eingestehen, daß es sogar denkbar ist, daß das flüssige Wasser nur unter einer Eisschicht bestand, während der restliche Mars genau so kalt und öde war wie heute. In dem Wasser sollten aber in jedem Fall recht lebensfreundliche Bedingungen geherrscht haben, und Meridiani Planum gilt deswegen bereits als jener Ort auf dem Mars, wo man sich nach derzeitigem Wissen die größte Hoffnung auf Fossilien machen kann - die leider viel kleiner sein würden, als daß die MER danach suchen könnten.

Der große Marsrover von 2009, der im Gegensatz zu den MER auch über jede Menge spezielle Biosensoren verfügen wird, dürfte wohl genau hierher geschickt werden - sofern nicht in den nächsten Jahren ein noch besserer Kandidat gefunden wird. Denn als nächstes ist erst einmal der 2005-er Mars Reconnaissance Orbiter dran, der den ganzen Planeten mit einer beispiellosen Auflösung kartieren soll: Womöglich stößt er in anderen Marsregionen auf noch einladendere Sedimente oder verdächtigere Chemie. Mit seinen 200 km Reichweite sollte der Rover dann sogar mehrere verschiedenartige Kandidaten ansteuern können. Auch für die erste Mars Sample Return Mission der NASA im nächsten Jahrzehnt ist Meridiani Planum schon zum führenden Kandidaten geworden: Lieber heute als morgen hätten die Forscher das Gestein gerne in tausenden irdischen Labors, die mit allen erdenklichen Methoden viele der Fragen angehen könnten, die die Spektren und Bilder Opportunitys aufgeworfen haben.

Eine der fundamentalen offenen Fragen wird der Rover während des Rests seiner Mission vielleicht noch beantworten können: Wie verbreitet ist das wässrig entstandene Gestein eigentlich? Es war ein unglaublicher Zufall, daß der Rover ausgerechnet in dem Mini-Krater zu stehen kam, wo es so praktisch aufgeschlossen ist: Als Opportunity am 22. März - im zweiten Anlauf - aus seinem Krater (jetzt Eagle genannt; Bild) herausfuhr, tat sich vor ihm eine endlose Wüste auf, ohne jedes offensichtliche Indiz für die spannende Geologie unter der Oberfläche. Nun geht die Fahrt schnurstracks zum nächstgelegenen größeren Krater Endurance, wo bereits Bilder aus dem Orbit auf weitere helle Felsbänke hindeuten: Wenn der Rover so weit kommt (und man geht inzwischen davon aus, daß beide bis zum Sommer oder gar September durchhalten), dann wird er vielleicht vor viele Meter - statt Dezimeter - dicken Sedimentschichten stehen, die einen viel tieferen Blick in die Geschichte dieser Marsregion erlauben.

Es handelt sich um eine einst verschüttete und nun durch Erosion wieder freigelegte Landschaft, deren Topografie nur mit Vorsicht zu genießen ist: So fanden Orbiter hier keine Hinweise auf ein früheres Becken, doch die könnten längst zerstört sein. Noch unklar ist auch die Rolle des grauen Hämatits, der Meridiani Planum populär gemacht hatte: Zwar weiß man inzwischen, daß er hauptsächlich in den »Blaubeeren« steckt, den kleinen kugelförmigen Konkretionen, die in der Opportunity Ledge gewachsen sind, doch das kann auch in einigem zeitlichen Abstand nach der Bildung der Felsen selbst geschehen sein. Gerade einmal 50 Tage ist der Rover jetzt unterwegs, und schon gibt es eine fundamentale Entdeckung zu feiern. Die hat der andere MER Spirit noch nicht zu melden, und auch im Krater Bonneville gibt es nichts zu sehen: Nun wird in Richtung der fernen Columbia Hills gefahren, die interessanter aussehen. [25.3.2004]

[875] Quelle: NASA-Pressekonferenz vom 23.3.2004. Links: ein MER Press Release und Artikel von AstroBiology (früher), Astronomy, Spacefl. Now, Wired, BBC, Houston Chr., SpaceRef, Fla. Today, Discovery, Guardian, Space Today, BdW, NetZeitung und Rh. Post - und USA Today über die Leute hinter den Marsrovern.

Vulkanismus auf Io ein Blick in die Vergangenheit der Erde? Lavaseen wie der des Vulkans Loki auf dem Jupitermond könnten direkte Entsprechungen der mittelozeanischen Rücken - minus der irdischen Plattentektonik - sein: Univ. of Buffalo Press Release.


Darf der Mega-Magnet nicht auf die ISS?

Einst forderte der damalige NASA-Chef Dan Goldin das Experiment ohne wissenschaftliche Begutachtung für die Internationale Raumstation an, dann flog ein Prototyp sogar auf dem Space Shuttle (siehe
Cosmic Mirror # 134 Story 3). Aber jetzt scheinen die NASA unter dem Druck der aufgezwungenen neuen Zielrichtungen plötzliche Zweifel zu plagen: Im Sommer soll es offenbar zu einer eingehenden Prüfung des Alpha Magnetic Spectrometer (AMS) kommen, und daß das gewaltige internationale Experiment - mit Beiträgen auch aus Aachen - rund um einen riesigen Magneten überhaupt noch (geplant war 2007) auf die ISS fliegen darf, ist alles andere als sicher geworden. Das AMS, entwickelt vom Physiknobelpreisträger Samuel Ting, könnte noch kleinste Mengen Antimaterie nachweisen, so sie denn durch unsere Galaxie ziehen (wofür es keinerlei anderweitige Indizien gibt) und auch anderen Fragen der Astroteilchenphysik nachgehen: Alternativ wäre ein Flug auf einem Satelliten denkbar, was aber sicher nicht billiger würde. [25.3.2004]

[874] Quelle: Science vom 12.3.2004 S. 1590-1. Links: die Homepage des Experiments sowie AMS-Papers über die Suche nach Anti-Helium und Messungen der Kosmischen Strahlung während des Shuttle-Flugs im Juni 1998, dessen Ergebnisse insgesamt und die Vorzüge eines AMS auf der ISS. Literaturtipp: Fischer, Der Flug des Alpha Magnetic Spectrometer, Skyweek 14 #22-23 [1998] S. 4-5.

Die Probleme mit den Speed Brakes der Shuttles sind gravierend und wurden 20 Jahre lang übersehen - aber noch erscheint eine Wiederaufnahme der Flüge im Frühjahr 2005 möglich: Houston Chronicle, Discovery, New Scientist, Guardian und Space Today.


So sieht ein 8-m-Teleskop den »McNeil'schen Nebel«

Noch strahlt der variable Reflexionsnebel hell, den im Januar ein Amateurastronom entdeckte (siehe Artikel 849a), aber wenn der Orion hinter der Sonne verschwunden und wieder aufgetaucht ist, wird das seltene Schauspiel vielleicht schon vorbei sein: Deswegen sind die Profiastronomen, die mit dem Gemini-Teleskop auf Hawaii sogleich dieses Bild aufnahmen, dem aufmerksamen Jay McNeil auch sehr dankbar. Schließlich steckt hinter dem Flackern des Nebels (der 1966 schon einmal hell war, meist jedoch viel schwächer ist) ein plötzlicher Helligkeitsanstieg eines jungen Sterns darin - und die chaotischen Prozesse bei einer Sterngeburt sind noch kaum erforscht.

Nach den Gemini-Bildern und -Spektren war es zunächst zu komplexen Wechselwirkungen in einer rotierenden Gas- und Staubscheibe um den Stern gekommen: Aus unklaren Gründen war ihr Innenrand plötzlich heiß geworden und hatte angefangen zu strahlen. Zur gleichen Zeit strömte Gas entlang magnetischer Feldlinien auf die Oberfläche des Sterns, wo sehr helle Hotspots entstanden, während der Stern selbst größer wurde. Jetzt strömt Gas mit 600 km/s von ihm ab, in einem der stärksten Sternwinde, der je bei einem embryonischen Stern gemessen wurde. Die Eruption blies auch einiges von dem Gas und Staub davon, der den jungen Stern umgab: Licht konnte nun heraustreten und einen kegelförmigen Hohlraum beleuchten, den frühere Eruptionen in dem Gas geschaffen hatten - der McNeil'sche Nebel war entstanden. [25.3.2004]

[873] Link: Gemini Press Release.

Alle fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten derzeit am Abendhimmel, aber nur Venus, Saturn und Jupiter fallen sofort auf, jeweils weit voneinander entfernt - der Gesamteindruck ist weit weniger dramatisch, als es so mancher Medienbericht erwarten ließe: Panoramen vom 22., 23. und 24. März, Sonderseiten von JPL und Griffith Obs., Science@NASA und Artikel von Nature, CSM, AP, Space.com und BdW.


Meilensteine für drei ungewöhnliche Teleskope

Ein riesiges Modell des Sonnensystems im Maßstab 1:15 Mio. quer durch Großbritannien wird derzeit gebaut - die Sonne kommt nach Jodrell Bank, Halley nach London: BBC Online.


Rechnungen zeigen: Nur ein Stern konnte »Sedna« auf ihre Bahn bringen

Die Theoretiker waren gerade fertig geworden, als sie von der Existenz des Himmelskörpers 2003 VB12 alias Sedna erfuhren - und er kam ihnen gerade recht: Eigentlich hatten sie erklären wollen, wie der schon länger bekannte Extremasteroid 2000 CR105 auf seine Bahn am Rande des Kuipergürtels gekommen war (siehe
Artikel 245), doch auf die noch weiter draußen um die Sonne laufende Sedna (siehe Artikel 869) paßten die Überlegungen genau so gut! Vier Mechanismen waren nämlich durchgespielt worden, um 2000 CR105 auf seine Ellipse zu bringen, und nur die enge Begegnung mit einem Stern funktionierte, die Wirkung hypothetischer Planeten oder Extrembewegungen Neptuns oder Verbiegungen des Kuipergürtels dagegen nicht. Die Existenz von 2003 VB12 läßt sich durch exakt denselben Mechanismus erklären. [25.3.2004]

[871] Links: ein Paper von Morbidelli & Levison - auch Sednas Entdecker Brown & al. sehen in der Sternpassage (die aus statistischen Gründen für die Geburt der Sonne in einem dichten Sternhaufen sprechen würde) die beste Erklärung für ihre Bahn. Außerdem ein provokatives Essay von Stern und Artikel von BBC und Space.com zur neu entflammten Diskussion um die Frage, was eigentlich ein Planet ist ...

So nah kam der Erde noch kein bekannter Asteroid ohne aufzuschlagen - 2004 FH hat mit minimalen 49'000 km vom Erdzentrum den 2003er Rekord aus Artikel 751 schon wieder gebrochen: ein MPEC, NEO News, ein Filmchen von 2004 FH am Himmel, eine Strichspur aus La Palma, ein APOD und Artikel von Sky & Tel., AstroBiology, Fla. Today, BBC, BdW und NetZeitung.


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