Ein Weißer Zwerg mit freiliegendem Ex-Reaktor
ist H1504+65: Seine Oberfläche hat nach Chandra- und
FUSE-Beobachtungen eine Temperatur von 200'000 Kelvin und
ist fast völlig frei von Wasserstoff und Helium - so etwas
wurde noch bei keinem Stern beobachtet! Die Oberfläche
besteht stattdessen hauptsächlich aus Kohlenstoff und
Sauerstoff, der Asche derHeliumfusion - die in diesem Stern noch
bis vor etwa 100 Jahren(!) stattgefunden hat. Der Reaktor ist also
praktisch gestern ausgegangen und liegt nun vor uns: Das von
Chandra (neben dem Helium-Fusionsprodukt Neon) dort
ebenfalls in größerer Menge gefundene Magnesium
könnte ein Fusionsprodukt von Kohlenstoff sein, das dem
Stern ebenfalls für kurze Zeit als Energiequelle diente. Da
Magnesium aber auch aus Helium entstehen kann, ist dieser
Schluß noch nicht zwingend. [5.7.2004]
[922] Links: Pressemitteilungen von
PPARC
und der Uni Tübingen
und ein Artikel von BdW.
Ein kompaktes Objekt mitten im Remnant der SN 1986J
ist mit Radioteleskopen entdeckt worden - wenn sich dieser
Nachweis eines Neutronensterns o.ä. bestätigen
sollte, wäre es der mit Abstand jüngste bekannte
Überrest eines explodierten Sterns: ein
NRAO Press Release und Artikel von
NetZeitung und
Welt.
Massereiche Sterne entstehen genau so wie massearme,
durch fortwährende Akkretion aus dem ISM nämlich
und nicht durch Fusion kleinerer Sterne - der Fund einer
ungewöhnlich rieseigen Akkretionsscheibe untermauert
diese zunehmend populäre Vorstellung: ein
ESO Press Release
und Artikel von Space.com
und NetZeitung.
Der erste Nachweis von molekularem Stickstoff im ISM
ist mit dem Satelliten FUSE durch Absorption in Sternspektren
gelungen - Modelle hatten seine Existenz schon lange
vorausgesagt, die Messung war sehr schwierig, aber dafür wurde mehr Stickstoff
als erwartet gefunden:
JHU Press Release.
Eine Kamera zum direkten Abbilden von Exoplaneten
ist an der University of Arizona entwickelt worden und wird nun
in zwei Exemplaren an Sternwarten in Chile und Arizona erprobt:
der Simultaneous Differential Imager (SDI), der einfallendes
Sternlicht aus einer Adaptiven Optik in vier Strahlengänge
aufspaltet, die durch etwas unterschiedliche Methanfilter
geschickt werden. Durch Subtraktion der Bildern können
Sterne praktisch zum Verschwinden gebracht werden - und
übrig bleiben müßten ihre Planeten:
Gasriesen mit bis zu 3 Jupitermassen hinab
müßten sich bis in 5 AU Sternabstand nachweisen
lassen, jedenfalls bei Sternen in unserer Nachbarschaft. Ein SDI
arbeitet bereits am 8.2-m-VLT der ESO (wo als Nebenprodukt
scharfe Titan-Bilder herauskamen; siehe Artikel 882), der andere kommt ans 6.5-m-MMT. [5.7.2004]
[921] Links: ein
U
of A Press Release, die
Homepage
von SDI und ein Artikel von
BdW.
Hat Hubble bereits einen Exoplaneten abgelichtet? Die
Aufnahme der NICMOS würde zum IR-Leuchten eines
Planeten mit wenigen Jupitermassen passen, aber erst in einigen
Monaten wird man (durch eine eventuelle Eigenbewegung
unabhängig vom nahen Stern) wissen, ob es sich nicht doch
um ein Hintergrundobjekt handelt:
Nature Science Update,
BBC,
Space.com.
Rund 100 Planeten-Kandidaten im Bulge der Milchstraße haben sich
in einer Aufnahmeserie des HST durch Transits vor dem Scheiben ihrer Sterne verraten - jetzt gilt
es per Messung der Radialgeschwindigkeiten der Sterne zu beweisen, daß die Objekte
wirklich nur planetare Massen haben:
BBC
.
Die erste Exoplaneten-Entdeckung durch HARPS, einen
besonders leistungsfähigen Spektrographen der ESO, kann vermeldet werden -
nach weniger als 10 Beobachtungsnächten war der Planet nachgewiesen: ein Paper von
Pepe & al.
Die Planetenbildung aus zirkumstellaren Scheiben ist nach
spätestens 10 Mio. Jahren vorbei und dürfte bei
einem Alter von 1 bis 3 Mio. Jahren am effizientesten sein - das zeigen
Untersuchungen am IR-Exzess verschieden alter Sterne:
CfA Press Release.
Ein dicker Planet schon nach weniger als 1 Mio. Jahren?
Jedenfalls hat die Scheibe um einen so jungen Stern innen ein
markantes Loch, denn Spitzer mißt keine Staubemission mit
weniger als 10 µm Wellenlänge - aber ein Planet mit
ein paar Jupitermassen dort würde zu keinem der beiden
Hauptmodell der Entstehung von Gasriesen passen: ein Paper
von Quillen & al.,
ein Spitzer
Press Release und ein Artikel von
Sky & Tel.