Die Discovery steht zum zweiten Mal auf der Rampe
für einen Start, den die NASA weiterhin im Fenster 13. bis
31. Juli für möglich hält (am 13. ginge es um
21:51 MESZ los): Schon einmal war der Shuttle am 6./7. April auf
das Launch Pad 39B gerollt worden, doch am 26. Mai war es
wieder zurück ins Vehicle Assembly Building gegangen, das
indes heute früh schon wieder verlassen werden konnte. Grund des
»Rückrufs« waren beunruhigende
Beobachtungen bei einem Betankungstest am 14. April gewesen:
Jede Menge Eis hatte sich am großen Außentank
gebildet, und der NASA war klarer denn je geworden, daß
man vor lauter Sorge um abfallende Schaumstoffteile zu wenig
über das Risiko durch fliegende Eisbrocken nachgedacht
hatte. Daß sich bis zu 13 cm große Eisbrocken von einer
Sauerstoffzuleitung des Außentank ablösen
können, war erst vor einigen Monaten klargeworden, bei
Vibrationstests im Labor wie in Modellrechnungen, und der Test
hatte die Befürchtungen bestätigt.
Der Außentank der Discovery wurde im VAB rasch gegen
den eigentlich für die Atlantis vorgesehen ausgetauscht
(inklusive der schon anmontierten Feststoffbooster): Dieser Tank
war bereits mit einer zusätzlichen Heizung an einer
besonders kritischen Stelle versehen worden, einer Leitung
für flüssigen Sauerstoff, die den Tank entlang
führt. Vor dem Rollback hatte es am 20. Mai noch einen
zweiten Betankungstest gegeben, um die Eisbildung weiter zu
untersuchen und vor allem, weil am 14.4. zwei seltsame
Anomalien mit Sensoren und Ventilen aufgetreten waren - die
wiederholten sich jetzt nicht mehr bzw. konnten verstanden
werden. Auf die Verschiebung vom Mai- auf das Juli-Startfenster
und den Rollback ins VAB hatten sich der frischgebackene
NASA-Chef Mike Griffin und das Shuttle-Management am 28.
April geeinigt: Es war allen klar geworden, daß noch zu viel zu
erledigen war, von weiteren Sicherheitsanalysen bis zum Einbau des Heizers.
Viele Faktoren zusammen waren es schließlich gewesen, die
es ratsam erscheinen ließen, mit dem Start lieber 6 bis 7
Wochen zu warten: Jedwede Hektik zu vermeiden und sich nicht
von Termindruck treiben zu lassen, ist schließlich heute die
Devise (schon am 20. April war der erste mögliche
Starttermin vom 15. auf den 22. Mai geschoben worden, um mehr
Zeit für die Beantwortung etlicher offengebliebener Fragen
zu gewinnen). Am 8. Juni ließ die Return to Flight Task Group
immerhin wissen, daß sie - obwohl drei der 15 zentralen
CAIB-Forderungen immer noch nicht erfüllt sind - im
Prinzip nichts mehr gegen einen Start einzuwenden hätte.
Die offenen Punkte, bei denen es um die Festigkeit des Thermal
Protection System, abfallende Teile vom Außentank und die
Inspektion von Orbitern in der Umlaufbahn geht, würden
vermutlich bis Monatsende abgehakt - und die Flight Readiness
Review ist am 29. und 30. Juni. [15.6.2005]
[A71] Links: der Status
von Discovery und Artikel von
AP,
BBC,
Spacefl. Now und
Fla. Today
zum neuen Rollout sowie von
BBC,
Houston Chronicle,
Fla. Today
und Space Today zum Bericht der Task Group.
Zwei Konsortien mit Entwicklung des Shuttle-Nachfolgers CEV beauftragt - aber
statt des früher geplanten "Wettfliegens" der beiden Konzepte soll bereits 2006 der
Hauptkontraktor ausgewählt werden, auf daß das CEV schon deutlich vor 2014 zur
Verfügung stehen möge: NASA Release,
Discovery,
Space News,
Space Today und
Welt.