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Nr. B51-B60 vom 25.11. - 10.12.2005 Aktuelle Meldungen / zum Archiv The Mars Journal | Jede Menge Einstein-Ringe | Hayabusa schlägt zu | Sub-Braun-Zwerg mit Scheibe | MARSIS blickt durch | Weißer Zwerg als Super-Uhr? | ESA-Minister spendabel | SN-Rest wächst ohne Hilfe | Dunkle Materie kartiert | Transiente Neutronensterne
Exotische Neutronensterne schockieren
Radioastronomen: nur selten mal ein Blitz - aber was für einer!
Was treibt diese Neutronensterne um? Es fällt auf,
daß 50% der RRATs Perioden von über 4 Sekunden
zeigen, was bei gewöhnlichen Pulsaren nur bei 0.5% der Fall
ist. Und in einem Fall konnte das Magnetfeld zu 5 x
1013 Gauss bestimmt werden, was
größer ist als bei allen 1600 bekannten Radiopulsaren
außer vieren: Beide Eigenschaften legen eine Verwandschaft
mit dem Magnetaren nahe. Da RRATs nur schwer zu entdecken
und leicht zu übersehen sind, muß ihre
Gesamtpopulation in der Milchstraße gewaltig sein: Es
könnten rund 400'000 sein, fünfmal mehr als
Radiopulsare. Erst kürzlich wurde schon ein
mysteriöser Radiotransient entdeckt (siehe Artikel A34), dessen Natur
weiterhin unklar ist - mit den RRATs besteht wohl kein
Zusammenhang. [10.12.2005]
[B60] Links: ein Paper von McLaughlin & al., die Homepage der
Parkes Multibeam Pulsar Survey und ein
Artikel von Sky & Tel.
Der Perseus-Arm der Milchstraße ist nur halb so weit
entfernt, wie es lange Zeit schien, 1.9 Kiloparsec - das zeigt
jedenfalls die direkte Messung der Parallaxe eines dortigen
Methanol-Masers mit dem Very Long Baseline Array: Artikel von
New Sci.,
Space.com und
BdW.
Eine detailreiche Karte der Dunklen Materie in zwei Galaxienhaufen
[B59] Link: ein
JHU Press Release.
Die Hälfte der großen roten Galaxien erlebte
Verschmelzungen in ihrer Vergangenheit, die aber nur subtile
Spuren hinterließen und keine neue Sternbildung
auslösten - diese Entdeckung im Rahmen zweier
Durchmusterungen stützt das Standardbild der
Galaxienentwicklung:
Yale und
NOAO Press Releases und
Bilder.
Weit reichende Folgen eines Aktiven Galaxienzentrums - die
Jets aus dem Zentrum der Galaxie NGC 1275 blasen riesige
Hohlräume in das Gas des Perseus-Galaxienhaufens, in dessen Zentrum sie sitzt: ein
Chandra Press Release
und Artikel von New Sci.
und Space.com.
Unabhängiges Supernova-Programm bestätigt
Dunkle Energie und liefert sogar Grenzen für deren
Zeitvariabilität, die für eine Identität mit der
Kosmologischen Konstanten sprechen könnten - 71 sehr
ferne Supernovae haben die Beobachter mit dem CFHT schon
im Kasten: ein Paper von Astier & al.,
Press Releases von Caltech
und U. Toronto und ein Artikel von
Sci. Am.
Außerdem Papers von Lipniacka
über den »LHC, shining light on the Dark Side« (des Universums),
Scott über das Standardmodell
der Kosmologie und Weinberg
über »Living in the Multiverse« ...
Supernova-Rest wächst ohne äußere Hilfe
[B58] Link:
Chandra Release.
Einem Herbig-Haro-Objekt in Bewegung zugeschaut hat
Hubble 1994 bis 1999 - die Bewegung der Strukturen im Jet HH 47
läßt sich nun als Film darstellen: ein
Rice Univ. Press Release.
Wissenschaftshaushalt steigt, Aurora (mit Marslander) kommt: ESA-Minister spendabel
[B57] Links: ESA Press Releases vom
6. und
5. Dezember und
28. November,
ein PPARC Release
und Artikel der BBC zum Ausgang
der Tagung, den
Haupt-Punkten und speziell dem
Mars-Lander
und von New Scientist,
Space Today,
AP
und Rh. Post.
Die stabilste 'optische Uhr' im Universum
Derzeitige Atomuhren haben dagegen Gangfehler von immerhin
einer Sekunde in 300'000 Jahren. Nun sind zwar ganz neue
Modelle in Vorbereitung, die Ganggenauigkeiten von dP/dt < 2 x
10-17 erreichen sollten - doch weil die
eingefangenen Atome billionenmal pro Sekunde schwingen, liegt
ihre Zeitskala für Periodenänderungen
P/(dP/dt) bei nur Minuten bis Stunden - während die Skala
unseres 400 Millionen Jahre alten Weißen Zwergs 2
Milliarden Jahre beträgt.
Übertroffen wird diese 'Uhr' nur durch zwei
Millisekundenpulsare, die dP/dt ~ 10-20 bei
Zeitskalen von fast 10 Mrd. Jahren schaffen, aber gelegentliche
'Glitches' (Periodensprünge durch Krusteneffekte der
Neutronensterne) erleiden und überdies wegen ihres
extremen Materiezustands heftige relativistische Korrekturen
erfordern. Man könnte sich vorstellen, mit den
msec-Pulsaren und dem Weißen Zwerg, der in den 31 Jahren
keinerlei Ärger machte, gemeinsam eine neue Weltzeit, ja
geradezu Universumszeit zu definieren. [7.12.2005]
[B56] Quelle: Kepler & al., Ap.J. 634
[1.12.2005] 1311-8. Links: ein
McDonald Obs.
Press Release und ein Artikel von
BdW.
MARSIS blickt durch: Ein versunkenenes Impaktbecken unter der Marsoberfläche
Die Interpretation von Radarechos von planetaren Oberflächen und erst recht
aus der Tiefe darunter ist notorisch kompliziert, und das wußten die
MARSIS-Forscher auch vorher (siehe Artikel
B03): Entsprechend vorsichtig sind sie in ihren ersten Wertungen. Hat das
Radar die Hinweise auf große Eismengen im Marsboden durch den Orbiter
Mars Odyssey aus Artikel 500
klar bestätigt? "In their analysis of this reflection," schreibt die ESA über
die Chryse-Messungen, "scientists do not exclude the intriguing possibility
of a low-density, water-ice-rich material at least partially filling the basin."
Am Nordpol dagegen ist sogar vom "likely scenario of a nearly pure, cold water-ice
layer thicker than 1 km" die Rede. Auf jeden Fall hat MARSIS "not observed any
convincing evidence for liquid water in the subsurface, but the search has only
just begun." [30.11.2005]
[B55] Links: ein ESA
Press Release (und drei weitere über
Ionosphären-Studien
mit MARSIS und dessen Entdeckung einer
3.
Schicht in derselben sowie
OMEGA-Resultate
zum frühen Mars, die bereits z.T. in
Artikel A27c angesprochen wurden), ein
Univ. of
Iowa Press Release und Artikel von
BBC,
Discovery,
Astronomy,
New Scientist,
Space.com,
Stern und
Rh. Post.
Endlich da - die ersten Papers über die Ergebnisse von Huygens, der vor über
10 Monaten auf dem Titan landete: eine Übersicht von
Nature,
fünf
ESA Press Releases,
Univ. of Michigan,
GSFC und
Univ.
of AZ Press Releases und Artikel von
New Scientist und
Space.com.
Ein (Sub-)Brauner Zwerg von nur ca. 8 Jupitermassen - aber mit Staubscheibe!
[B54] Quelle: Luhman & al., Ap.J. 635 [10.12.2005] im Druck.
Links: das Paper als Preprint,
CfA,
HST und
Penn State Press Releases und
Artikel von New Sci. und
Space Today.
Noch ein Exo-Neptun - im Orbit um einen Roten Zwerg - hat 17 Erdmassen
(Minimum) und zeigt, daß auch kleine Sterne gerne Planeten bilden:
ESO Press Release.
Im zweiten Anlauf: Hayabusa holt sich eine Bodenprobe!
Der erste Versuch einer Probenentnahme in der Nacht
19./20. November hatte eine überraschende Wendung
genommen: Zwar hatte sich Hayabusa gänzlich problemlos
in eine Höhe von 40 Metern der Oberfläche Itokawas
manövriert und dort erfolgreich den zweiten Target Marker
abgesetzt, der nach rund 400 Sekunden landete (Bild). Dann war die
Annäherung fortgesetzt worden - und dabei landete die
Sonde überraschend auf dem Asteroiden und blieb dort
39 Minuten sitzen, bis sie das Kommando zum Abflug
erreichte. Solch langer Aufenthalt auf dem Boden oder auch nur in
unmittelbarer Nähe des Himmelskörpers war nicht
erwünscht und sogar gefährlich: Dessen
Wärmeabstrahlung führt zu starker Aufheizung der
Sonde und gefährdet ihre empfindlichen Instrumente.
Während der kritischen Manöver hatte auch keine
Funkverbindung mehr bestanden, weil sich die Hauptantenne in
17 m Höhe von der Erde fortgedreht hatte, nachdem die
Lageregelung auf den Laserhöhenmesser umgeschaltet
und die Sonde offenbar ein Hindernis auf der Oberfläche
entdeckt hatte. (Itokawa hat sich selbst in der als am
landefreundlichsten eingeschätzten Region als
ausgesprochen gefährlich erwiesen, mit vielen kantigen
Felsbrocken: kein Vergleich zum friedlichen Eros, wo 2001 die
US-Sonde NEAR erfolgreich aufgesetzt hatte, ohne daß dies
überhaupt geplant gewesen wäre.) Der direkte
Funkkontakt war nun unterbrochen, und lediglich über den
Dopplereffekt auf den schwachen Träger einer anderen
Antenne konnte die Bodenkontrolle zu erraten versuchen, was
gerade passierte.
Zunächst dachte man, Hayabusa verharre tatenlos direkt
neben Itokawa: Daher auch das Kommando zur sofortigen
Abreise. Dem kam die Sonde gerne nach und fand sich bald in
rund 100 km Abstand vom Asteroiden wieder. Erst nach Tagen
war sie wieder ganz unter Kontrolle und die
Dreiachsstabilisierung und volle Funkverbindung wieder
hergestellt, und erst dann - am 23.11. - wurde klar, was wirklich
passiert war. Ausgerechnet die Landung - erst war die Sonde
einmal von Itokawa abgefedert und erst dann aufgesetzt - war in
den Dopplermessungen verpaßt worden, weil gerade
zwischen zwei Bodenstationen umgeschaltet wurde.
Möglicherweise gelangte während des langen
Verweilens Hayabusas auf der Oberfläche sogar etwas
Bodenmaterial in einen Sammelbehälter. Die Kanone
löste jedenfalls nicht aus, weil der Hindernis-Sensor immer
noch auf Alarm stand.
Inzwischen wurde auch ein Bild veröffentlicht, daß der
am 12.11. davondriftende Lander Minerva von Hayabusa
geschossen hatte und das einen Teil von dessen Solarzellen zeigt.
Und es wurde bekannt, daß der erste Target Marker nach
seinem Abwurf am 9.11. (siehe Artikel B50) Itokawa klar verfehlt hatte: Das
machte aber nichts, denn es war vor allem um einen Test
gegangen, ob er von Hayabusa überhaupt erfaßt und
die Distanz automatisch berechnet werden konnte - und das
gelang. Trotz der vielen Probleme waren Beobachter
außerhalb Japans bereits vor dem Erfolg am 25.11. des
Lobes voll: Überhaupt so weit gekommen zu sein, und das
mit einer ausgesprochen preiswerten Mission, wurde selbst in
den USA als eine Spitzenleistung gewertet, mit der man erstmal
gleichziehen müsse ... [27.11.2005]
[B53] Links: Artikel von
Sky & Tel.,
Plan.
Soc., BBC,
Space Today,
Handelsblatt,
NetZeitung und
Tagesschau
und das Planetary Soc. Blog
zur Probenentnahme sowie eine detaillierte Analyse der
JAXA, Artikel von
BBC und
Planetary Soc.
und das Plan. Soc. Blog
mit der Aufklärung, was am 19.11. wirklich geschah, und ein erster
Status Report
und Artikel von Spacefl. Now und
Planetary Soc.
mit früheren verwirrten Informationen dazu. Zusätzliche Quelle:
AW&ST vom 14.11.2005 S. 26.
Der Zustand des Dawn-Projekts ist unklar nach dem
unverhofft von der NASA verfügten Arbeitsstopp mitten
während der Integration der Doppel-Asteroiden-Sonde
(siehe Artikel B50
Kurzm. 1) - aber wenigstens reicht das Startfenster dank des
Ionenantriebs noch bis mindestens Ende 2007: ein offizieller
Status Report.
Die Zahl der optischen »Einsteinringe« hat sich vervierfacht
[B52] Links: die
Homepage von SLACS und
Press Releases von
HST
und CfA.
Eine umfassende Durchmusterung der Galaktischen Ebene
durch Spitzers Fern-IR-Instrument MIPS läuft derzeit
- gerade wurden die ersten 200 Stunden Daten der auf 417
Stunden angelegten »MIPSGAL« öffentlich
gemacht, die einen Schnappschuß der jüngsten und
größten Sterne verspricht, die sich in der Milchstraße bilden:
Spitzer Happenings.
Eine Magnetar-Explosion in einer anderen Galaxie
scheint am 3. November von zahlreichen Satelliten beobachtet
worden zu sein - wenn dieser Ausbruch von
Gamma-Strahlung wirklich aus Messier 81 oder 82 kam (die
Wahrscheinlichkeit soll 97% betragen), dann war es ein naher
Verwandter des berühmten Soft Gamma Repeaters vom
27.12.2004, und solche Magnetar-Riesenflares sind gar nicht so
selten: Sky & Tel.
Die prompte Strahlung von Gamma Ray Bursts dauert
hunderte von Sekunden länger als bisher
angenommen und geht erst dann in ein Nachglühen (durch
andere Mechanismen) über, zeigt die Analyse zweier
Swift-Lichtkurven der Instrumente BAT und XRT durch
Barthelmy & al. -
das frühe Röntgenglimmen der GRBs (siehe auch einen Review
von Bing) ist also
noch Teil des eigentlichen Explosionsvorgangs, und erst das
spätere Röntgenleuchten die Folge des Eindringens
der Explosionswolke ins interstellare Medium.
Eine neue Klasse von Röntgendoppelsternen mit
Superriesen als Partner eines kompakten Objekts
(vermutlich eines Neutronensterns) hat der ESA-Satellit Integral
entdeckt - und von solchen »supergiant fast X-ray
transients« könnte es sogar eine Menge in der
Milchstraße geben: Papers von
Negueruela & al.
und Smith & al. und ein
ESA Press Release.
Zwei Supernovareste Seit an Seit aber ohne
Zusammenhang bilden offenbar das System DEM L316 in
der LMC - einer enthält Chandra-Beobachtungen zufolge
nämlich viel weniger Eisen als der andere und dürfte
daher auf eine Supernova des Typs Ia zurückgehen,
während der andere auf eine SN des Typs II
zurückgeht, was eine gemeinsame Entstehung der beiden
explodierten Sterne ausschließen dürfte: ein
Chandra Press Release und
Artikel von
New Scient. und
BdW.
Der achte ultrakühle Weiße Zwerg ist als
Abfallprodukt der Galaxiendurchmusterung COMBO-17
entdeckt worden - mangels spektraler Features läßt
sich über den Vertreter einer seltenen Sternklasse leider
kaum etwas aussagen, noch nicht einmal seine Masse:
Astronomy.
Einsichten über stellare Scheiben mittels optischer
Interferometrie hat das neue AMBER-Instrument des
VLT-Interferometers sowohl bei einem jungen wie einem alten
Stern geliefert - an die interferometrischen
»Visibilities« und andere Meßdaten wurden
jeweils Modelle von Scheiben und ggf. Winden so lange
angepaßt, bis sie die Messungen gut beschrieben:
ESO,
MPG
und MPIfR Press Releases.
Die erste Messung eines Magnetfelds in der staubigen Scheibe
eines Sterns ist mit dem Instrument ESPaDOnS am CFHT
gelungen, am Stern FU Orionis - die Rolle von Magnetfeldern bei
der Sternentstehung, schon lange Gegenstand theoretischer
Überlegungen, läßt sich nun auch ganz direkt verfolgen: ein
CFHT Press Release
und ein New Sci.-Artikel.
Jede Menge Jets junger Sterne in NGC 1333, einem
Reflektionsnebel im Perseus, hat Spitzer nachweisen
können - so viele einzelne Materieausströmungen von
Protosternen im selben Gebiet (wo sie vor weniger als 1 Mio.
Jahren entstanden) sah man noch nie: CfA
Press Release,
APOD,
New Sci.
Computersimulation stellt Hypothese zur Sternbildung in
Frage - die »competitive accretion« scheint nicht
zu funktionieren, schildert ein
Press
Release aus Berkeley, der die reichlich esoterische Frage aus der theoretischen
Astrophysik allerdings in unappetitlicher Weise als transatlantischen Konflikt verkauft.
Wie in den »Gezeitenschwänzen« von
Galaxien neue Zwerge entstehen, sogenannte Tidal Dwarf
Galaxies, haben Spitzer-Beobachtungen an NGC 5291 gezeigt -
gleich 15 solcher Zwerggalaxien mit frisch angeregter Sternbildung waren zu
finden: New Scientist.
Startschuß für eine neue Fachzeitschrift: The Mars Journal
[B51] Link: die Homepage des Mars Journal und sein
Anspruch (PDF).
Das erste komplette Marsjahr von Spirit auf der
Oberfläche des Planeten, das am 21.11. absolviert war, feiern u.a. die
Gutenberg-Univ. und das
MPI für Chemie in Mainz.
die Cornell Sun,
ein JPL Spotlight,
Space.com
und eine Reihe Bildmontagen.
Außerdem der New Sci. über
Meteorbeobachtung mit den MER.
den aktuellen Meldungen oder zum Archiv. |