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Nr. B91-C00 vom 15.2.-15.3.2006 Aktuelle Meldungen / zum Archiv Integral guckt Richtung Erde | Kampf um SOFIA | Natur des Linsen-Planeten | GEMS nachgemacht | Galactic Ridge X-rays erklärt? Satellit Akari gestartet | GRB ganz früh erwischt | Exoplanet starke IR-Quelle | HST-Grossmosaik | MRO im Orbit - und mehr Einst gut geheizte Staubteilchen im Stardust-Fang
Zwei Überraschungen gibt es bereits festzuhalten bei der
ersten Sichtung des Staubs von Komet Wild 2, den die Raumsonde
Stardust einfing und wohlbehalten zur Erde brachte (Artikel B80): Einige der
Teilchen sind bis zu 50-mal größer als erwartet - und
die Mineralien darin wurden vor dem Einbau in den Kometenkern
sehr hohen Temperaturen ausgesetzt. Während der Kern in
rund 45 AU Sonnenabstand bei nur 30 Kelvin entstand, sind
manche der Bausteine zuvor bis zu 1500 Kelvin heiß
geworden und bis zur Weißglut getrieben worden, andere
haben zumindest einmal rot geglüht. Die große Frage
ist nun, ob ihnen das im innersten Bereich des solaren Urnebels
widerfuhr, aus dem sie dann sehr schnell - die ganze Bildung des
Sonnensystems dauerte nur etwa 10 Mio. Jahre - durch einen
unbekannten Transportmechanismus bis an den Rand des
Nebels gejagt wurden, oder ob vielmehr lange vorher in die
unmittelbare Nähe eines anderen Sterns geraten
waren, während ihres vorherigen Lebens als interstellares Staubteilchen.Künftige Untersuchungen der Isotopenzusammensetzung werden das vermutlich klären können: Während das Sonnensystem aus einem Gemisch interstellarer Materie aus vielen Quellen besteht und eine einheitliche durchgängige Isotopenchemie besitzt, sollten Teilchen aus anderen Sternsystemen deutlich abweichen. So oder so muß man aber von dem Standardbild Abschied nehmen, daß Kometenkerne aus interstellaren Teilchen wuchsen, die niemals warm wurden. Wie groß der Anteil der extrem geheizten Mineralien am Gesamtbestand der Stardust- Sammlung ist, läßt sich noch nicht sagen: Der Einfachheit halber wurden zuerst die größten Staubteilchen aus 6 der 132 Aerogel-Zellen isoliert und untersucht - und vielleicht sind sie nicht ganz repräsentativ. Etwa 45 insgesamt sind mit dem bloßen Auge zu erkennen gewesen und rund 10 µm groß: Höchstens ein Teilchen dieses Formats war erwartet worden, da die bisherigen Kometensonden vor Ort überwiegend winzige Partikel gemessen hatten - man hatte vermutet, daß der Großteil der eingefangenen Masse in Teilchen von nur 1/4 µm stecken würde. Als dann das erste Riesenpartikel mineralogisch untersucht und seine heiße Vergangenheit klar wurde, waren die Stardust-Forscher erst ziemlich geschockt: War das nur eine irdische Verunreinigung, die da in den Staubfänger geraten war? Aber Teilchen auf Teilchen hatte dieselben Eigenschaften, dominiert von Mineralien, wie man sie oft auch auf der Erde oder dem Mond kennt, aber nicht in einem Kometen erwartet hätte. (Hingegen erinnern sie stark an eine bestimmte Chondriten-Klasse.) Zu den flüchtigen Bestandteilen des Kometenstaubs - an deren Existenz, organische Verbindungen inklusive, Satellitenmessungen vor Ort keinen Zweifel lassen - läßt sich noch wenig sagen. Erstaunlich große Volumina mancher Eindringtrichter - 100-mal größer als in Labortests! - deuten jedenfalls auf viel expandierendes Gas oder gar regelrechte Miniexplosionen hin. Organisches wurde tatsächlich bereits gefunden, aber die Gefahr der Verunreigung im Labor ist erheblich: Man kann Räume weitgehend staubfrei machen, aber alles Organische aussperren ist praktisch unmöglich. 150 Teilchen wurden bereits aus dem Aerogel geschält (wobei die Techniken ständig verfeinert werden) und an Forscher in alle Welt verschickt, in wenigen Tagen werden es schon rund 200 sein. Um das extrem poröse Aerogel überhaupt schneiden zu können, mußte eigens ein spezielles Messer entwickelt werden, das auf bestimmte Weise vibriert: Das Aerogel in jeder einzelnen Zelle von 2 x 4 x 3 cm wird damit in einige Millimeter dicke Scheiben geschnitten, nachdem es zuvor erst mit Digitalkameras im Ganzen und dann in vielen Einzelfeldern mit der 10-fachen Schärfe mikroskopisch fotografiert wurde. Da oft Teilchenmaterial bereits im Trichter hängengeblieben sein dürfte, wird vielfach der gesamte Kanal herausoperiert, zuweilen mit der Hand (!) einzelne große Partikel geborgen, und manche werden auch - nach Einbettung in ein hartes Substrat - mit einem Diamantmesser in hunderte feine Scheiben zersägt. Bis zum Spätsommer sollte dann jedes Kometenteilchen geborgen sein, und in einer zweiten Phase der Analyse darf jeder Forscher weltweit einen Antrag auf Auslieferung stellen - nicht verbrauchtes Material geht dabei immer an die NASA zurück, damit es später mit Methoden untersucht werden kann, die es heute noch gar nicht gibt. Von den Techniken, die heute schon angewendet werden, gab es vor 20, 25 Jahren, als die ersten Pläne für die Stardust-Mission reiften, auch noch so gut zu keine. In wenigen Tagen beginnt auch die Arbeit an der Rückseite des Staubfängers, in der rund 100 interstellare Staubteilchen steckengeblieben sein sollten, keines größer als 1 µm und mit dem Auge allesamt unsichtbar. Die komplette mikroskopische Abtastung dieses Aerogels beginnt kommende Woche, damit die Öffentlichkeit im Rahmen von Stardust@home auf die Suche gehen kann. Wie man die lokalisierten Teilchen dann herausholen wird, ist noch gar nicht klar, denn beim Einsammeln des Kometenstaubs hat man sich nur bis an mindestens 3 µm große Teilchen herangewagt - im Rahmen der weiteren Arbeit am Kometenstaub wird man aber lernen, auch den interstellaren handzuhaben. Und wer weiß: Vielleicht lernt man von ihm noch mehr als vom kometaren. Dieser wird vor allem über die physikalischen Prozesse im frühen solaren Urnebel Auskunft geben, während man aus den Apollo-Proben im Wesentlichen etwas über die Bildung der größeren planetaren Körper gelernt hat: Ob die vergleichsweise extrem billige Stardust-Mission die wissenschaftliche Ausbeute Apollos übertreffen kann, dazu äußern sich die Forscher lieber nicht. [15.3.2006] [C00] Quelle: Pressekonferenz der Stardust-Forscher Brownlee, Tsou & Zolensky am Johnson Space Center in Houston am 13.3.2006 - zufälligerweise exakt dem 20. Jahrestag des Giotto-Vorbeiflugs an Halley. Links: Univ. of WA, Argonne Nat'l Labs und NASA Press Releases, Stardust News und Artikel von AstroBio, Discovery, Sky & Tel., BBC, Houston Chronicle, Space Today, NetZeitung, Rh. Post, DPA und AFP.
MRO im Mars-Orbit - Hayabusa lebt noch - Dawn kämpft ums Überleben!
Statt eines großen hatte man der Sonde 6 kleinere
Triebwerke für das kritische Manöver verpaßt:
Wäre eines ausfallen, hätten die anderen 5 einfach
länger gebrannt und den Einschuß doch noch
geschafft. Die Hardware sollte eigentlich das Landetriebwerk des
für 2001 geplanten Marslanders werden (der inzwischen
als Phoenix 2007 seiner Wiederauferstehung entgegenblickt). Weil
es dabei auf Einfachheit und nicht Schubstärke
angekommen wäre, wird keines der üblichen
Bipropellant-Systeme mit getrenntem Brennstoff und Oxidator
verwendet, sondern Hydrazin, das bereits beim Kontakt mit
einem Katalysator in der Brennkammer entflammt. 35 Minuten
vor der Zündung wurde das Hydrazin durch Helium unter
Druck gesetzt und in die Kammer gescheucht - ein kritischer
Moment, denn genaz dabei war 1993 der Mars Observer
wahrscheinlich durch eine Explosion seines Bipropellant-Systems
verloren gegangen. Beim MRO gab es jedoch genau so
wenig Probleme wie schon während der gesamten Reise: So
war die Sonde derart präzise gestartet worden, daß die
letzten beiden der vier eingeplanten Bahnkorrekturen ersatzlos
gestrichen werden konnten. Was wiederum 25 kg Treibstoff
sparte: Nur 10 statt 35 kg wurden verbraucht, die Reserve im
Orbit ist nun größer.
Im Anflug auf den Mars wurde im Februar und März bereits
erfolgreich ein erstes Experiment zur Navigation anhand der
Positionen von Phobos und Deimos vor dem Sternenhimmel
absolviert, für das eine kleine Kamera mitgeführt
wurde. Jetzt befindet sich der Orbiter auf einer hochelliptischen
Umlaufbahn mit 35 Stunden Umlaufszeit, in der zunächst
die Instrumente getestet werden (die ersten Aufnahmen seiner
drei Hauptkameras waren für den 14.3. geplant).
Ungefähr am 30. März beginnt dann das
Aerobraking, das die Bahn mittels rund 500 Flügen durch
die obere Atmosphäre bis Oktober in eine 320 x 254 km
hohe sonnensynchrone Fastkreisbahn (niedriger als bei MGS,
Odyssey und Mars Express) verwandeln soll: Alle 2 Stunden
kreuzt sie den Äquator um 15:00 Ortszeit. Damit beginnt die
zweijährige Wissenschaftsphase von Nov. 2006 bis Dez.
2008, und bis Dez. 2010 ist der MRO anschließend als
Funkrelais für die beiden Lander Phoenix und MSL
gebucht, wobei durchaus noch weiter geforscht werden kann. Am
31.12.2010 ist die Primärmission zwar vorbei, aber der MRO
hat so viel Treibstoff dabei, daß er noch bis 2014
weitermachen könnte.
Daß mit Hayabusa wieder Funkkontakt besteht,
gaben die Japaner erst am 7. März bekannt - und
entschuldigten sich gleichzeitig für ihr langes Schweigen;
man hatte erst ganz sicher sein wollen, woran man eigentlich war
und z.B. erst tags zuvor den Ort der Sonde im Raum bestimmen
können. Ihre Situation ist leider noch kritischer geworden,
seit sie am 9.12.2005 plötzlich wegen eines Lecks im
Treibstoffsystem eine rabiate Drehung im Raum vollführt
hatte und dabei aller Funkkontakt abgerissen war. Nach
damaligen Modellrechnungen der japanischen
Weltraumbehörde JAXA bestand Hoffnung, daß die
Erde nach einigen Monaten wieder in den Bereich von Hayabusas
Antennen kommen würde, und überraschenderweise
war das sogar schon am 23. Januar der Fall, sogar mit
überraschend hoher Stärke. Zunächst war nur
die Trägerwelle zu empfangen, aber im Lauf der Wochen
verbesserte sich die Kommunikation so weit, daß Hayabusa
auf Kommandos reagierte und vor allem der Status der
Sondensysteme abgefragt werden konnte - und der ist
bedenklich, wenn auch nicht gänzlich hoffnungslos:
Auf des Messers Schneide steht derweil das Schicksal der
amerikanisch-deutschen Asteroidenmission Dawn: Am
2. März hatte die NASA überraschend den kompletten
Abbruch des seit letztem Herbst unterbrochenen Projekts (siehe
Artikel B53 Kurzm.)
angeordnet, soll aber inzwischen einen erneuten Review
vorbereiten. Ende Februar hatten unabhängige Gutachter
Dawn bescheinigt, daß frühere technische Probleme
mit dem Xenon-Tank des Ionenantriebs gelöst sind und
daß der einst beschlossene Etat zwar deutlich
überschritten wurde, das Projekt mit den jetzt
eingeplanten Mitteln aber auskommen werde. Trotzdem
begründete die NASA den Abbruch mit angeblich weiter
unklaren Etatzahlen - was heftigen Widerspruch unter Amerikas
Planetenforschern hervorrief. Das Hauptinstrument Dawns, die
Kamera, würde von Deutschland beigestellt - und DLR-Chef
Wittig wurde, wie er am 10.2. gegenüber MegaLithos
erwähnte, von der NASA-Entscheidung völlig
überrascht ... [15.3.2006]
[B99] Links: ein
JPL Release
und Artikel von Spacefl. Now,
Plan. Soc.,
New Sci.,
Space.com,
Space Today,
Rh. Post und
DPA
zum Einschuß des MRO und ein
JPL Release und die
Planetary Soc.
zur Reise bisher, ein
JAXA Press Release,
ein Transkript einer JAXA-PK
und ein Artikel der
Planetary Soc.
zur Rettung Hayabusas und Artikel von
Spacefl. Now,
Space.com
und Discovery,
ein offener Brief eines erzürnten
Astronomen,
SpaceRef
und der Planetary Soc. Blog
zur Dawn-Krise. Zusätzliche Quelle: AW&ST
vom 6.3.2006 S. 35 zum MRO.
zeigt Messier 101 mit 16'000 x 12'000 Pixeln; Bilder der ACS und
der WFPC2 aus 10 Jahren (und auch von Teleskopen auf der Erde
zwecks Stopfens von Lücken) wurden dazu kombiniert -
aber es existiert bereits mindestens ein Galaxien-Mosaik mit noch
viel mehr Bildpunkten, das ein Amateur aus Bodendaten erstellte,
weshalb die Hubble-Publizisten ihre ursprüngliche
Pressemitteilung (»It is the largest and most detailled photo
of a spiral galaxy beyond the Milky Way that has ever been
publicly released«) gleich wieder umschreiben mußten:
HST
und HST ESA Press Releases
- und das andere Mosaik mit
(im Original)
21'904 x 14'454 Pixeln. [1.3.2006]
Starkes direktes IR-Signal eines Exoplaneten
[B98] Links: ein Paper von
Deming & al.
und ein GSFC
Press Release.
Schon wieder ein Exoplanetensystem mit 2:1-Resonanz
der Umlaufszeiten der beiden Planeten ist (bei HD 73526)
entdeckt worden - es ist bereits der 4. Fall, bei dem ein Planet
genau halb so lange um den Stern braucht wie der andere, was
Rückschlüsse auf die Mechanismen der
Bahnmigration erlauben sollte: ein Paper von
Tinney & al.
Exoplaneten-Abbildung mit »optischem
Vortex«? Eine exotische Optikkomponente zur
partiellen Lichtverlangsamung könnte - nach viel weiterer
Entwicklungsarbeit - einen besonders effizienten Koronographen erlauben:
Univ.
of AZ Press Release.
Hüllen zweier Cepheiden per Interferometer
entdeckt hat man mit dem VLTI bei Delta Cephei (dem
Prototypen dieser Klasse heftig pulsierender Riesensterne) und L
Carinae - wie die Hüllen vom 2- bis 3-fachen
Sterndurchmesser entstehen, ist noch unklar, es könnte
aber eine direkte Folge der Pulsationen sein:
ESO
Press Release.
Swift verfolgte Gammaburst von Anfang an aus allen Rohren
[B97] Link: ein Paper von
Romano & al.
Ein weiterer Fall eines Gammabursts, dessen
Nachglühen zur Supernova mutiert (vgl.
Artikel 646) spielt sich
im Augenblick am Abendhimmel ab, wobei die nach drei
Tagen im Spektrum des GRB 060218 aufgetauchte SN 2006aj
erst Anfang März ihr Maximum von 16. bis 17.
Größe erreichen dürfte - und die
Umstände des GRB wie seine extrem lange Dauer und
geringe Leuchtkraft sind exotisch wie nie: eine
AAVSO
Special Note, eine
Webseite mit vielen Daten,
GSFC
und PPARC Press Releases
und Artikel von
Sky & Tel.,
New Sci.
und Wash.
Post.
Ein Pulsar, der regelmäßig durch die Scheibe um
seinen Begleiter taucht, wird mit XMM-Newton beobachtet -
dabei kommt es zu komplexer Wechselwirkung zwischen Pulsar- und Sternwind:
ein Paper von Chernyakova & al.
und ein ESA Press Release.
Ein weiteres Indiz für die relevante Rolle von
Magnetfeldern bei der Formgebung Planetarischer Nebel (vgl.
Artikel 994) liefern
direkte VLBA-Messungen der Feldstärke in Jets:
NRAO Press Release.
Neues bedeutendes Observatorium im Orbit: Japan startet IR-Satellit Akari
Mit seinem 69-cm-Spiegel und einem Wellenlängenbereich
von 2 bis 160 µm ist Akari in etwa dem Spitzer Space
Telescope der NASA (siehe Artikel 729) vergleichbar, doch die beiden
Satelliten sind geradezu komplementär: Akari hat ein
größeres Gesichtsfeld - und kann nahezu den
ganzen Spektralbereich in 13 Bändern vom nahen
bis fernen IR lückenlos erfassen, während Spitzer nur
bestimmte Wellenlängen sieht und einiges verpaßt.
Das eine Instrument, der Far-Infrared Surveyor (FIS), ist speziell
für die anfängliche Durchmusterung gedacht und
sieht den Himmel in vier Farben von 50 bis 160 µm, mit 30
bis 60 Bogensekunden Auflösung, während die
für Langzeitbelichtungen ausgewählter Felder
ausgelegte InfraRed Camera (IRC) für 2 bis 26 µm
zuständig ist. Bei der Durchmusterung wird der ganze
Himmel in 6 Wellenlängenbereichen von 9 bis 160 µm
erfaßt: Die Karten und abgeleiteten Kataloge werden auch
eine wichtige Rolle für die Zielplanung des Anfang 2008
startenden ESA-Satelliten Herschel spielen.
Aufgrund seiner polaren Umlaufbahn und Vermeidung von Sonne
und Erde schaut Akari besonders häufig in Richtung der
beiden Ekliptikpole: Das wird für zwei besondere tiefe
Aufnahmen mit der IRC genutzt, vom Nordekliptikpol (wo man
auf viele Galaxien mit z = 3 bis 4 hofft) und der Großen
Magellanschen Wolke, die nahe des südlichen liegt (hier
geht es um interstellare Materie, Sternbildung und späte
Sterne). Eigentlich der ganze Kosmos steht bei der
Durchmusterung, den tiefen Aufnahmen und gezielten
Einzelbeobachtungen tausender von Objekten auf dem Speiseplan:
Über eine halbe Million Galaxien bis z=1 sollte z.B. der FIS
sichten, dazu exotische und seltene Objekte mit hoher
Rotverschiebung, in der Milchstraße sind nahe
Sternbildungsregionen von Interesse, dazu Braune Zwerge,
Sterne mit Staubscheiben und Protosterne. Beim Empfang des
Datenstroms aus dem Orbit hilft auch die ESA mit einer
Bodenstation im schwedischen Kiruna mit, ebenso bei der
Datenanalyse, wofür europäischen Astronomen 10%
der Beobachtungszeit in der zweiten und dritten Missionsphase
zustehen: So können sie schon mal für die Arbeit mit
Herschel üben. [23.2.2006]
[B96] Links: ein Paper von
Matsuhara & al.
über die Mission,
JAXA,
ESA
und PPARC
Press Releases zum Start und ein
JAXA Release
zu den Störungen, Homepages bei der
JAXA
und der ESA
und Artikel von Spacefl. Now,
BBC,
Space Today,
Telepolis
und Raumfahrer.
Die weiche galaktische Röntgenstrahlung stammt von Milliarden Sternen
Die entscheidende Folgerung aus der Karte ist nämlich,
daß die Flächenhelligkeit der GRXE sehr genau der
Nahinfrarotemission folgt - und diese wiederum entspricht der
stellaren Massendichte. Zum einen sind es kataklysmische
Doppelsterne, bei denen ein Partner Gas auf einen Weißen
Zwerg abläd und so für Röntgenemission sorgt:
Etwa eine Million solcher Systeme tragen 1/3 zur GRXE bei. Und
die restlichen 2/3 stammen aus den Koronae von rund einer
Milliarde normalen Sternen, die wegen ihrer hohen Temperatur
ebenfalls schwache Röntgenquellen sind (wie auch die
Korona der Sonne): Hier dürften aber ebenfalls Partner
beteiligt sein, die das Magnetfeld der Sterne aufwühlen. Die
Fraktion der Gas-Befürworter zweifelt noch, ob die
gemeinsame Strahlung all dieser Sterne - deren Zahl man bisher
für viel geringer hielt - wirklich die komplette GRXE
erklären kann, und weitere Beobachtungen u.a. mit
Chandra sind schon in Vorbereitung. Doch mit heutiger Technik
ist eine konkrete Auflösung des Großteils der GRXE in
Einzelquellen noch nicht möglich. [20.2.2006]
[B95] Quelle: Papers von
Revnivtsev & al.
und Sazonov & al.,
eine MPG PM
und Artikel von
Sky & Tel.
und New Sci.
Ausbruch des Soft Gamma Repeaters beeinflußte die
Ionosphäre der Erde enorm - der Gammablitz von
SGR1806-20 vom 27.12.2004 traf zwar die Tagseite der Erde,
hatte aber weit stärkere Auswirkungen als die Sonne:
Stanford Univ. PR.
Der Ausbruch kündigte sich schon Monate vorher an -
erkennt man heute: ein Paper von
Woods & al.
Hochfrequente Schwingungen der Kruste des Neutronensterns
nach dem Ausbruch sind in Röntgendaten angedeutet: ein Paper von
Watts & Strohmayer.
Bestandteil interplanetarer Staubteilchen im Labor nachgebaut
Das Eisenoxid in dem Ursprungsmaterial hatte offensichtlich mit
Kohlenstoff - einer Verunreinigung aus der Vakuumpumpe! -
reagiert und wurde dabei reduziert: Eisenfreie Forsteritklumpen
einerseits und winzige Metallpartikel andererseits bildeten sich in
der amorph gebliebenen Matrix. Das elektronenmikroskopische
Bild erinnert so frappant an das Innenleben echter
GEMS- Partikel, daß sich die Franzosen auf dem Weg zu
deren Erklärung wähnen: Schließlich sind IDPs
reich an Kohlenstoff, und genau dasselbe Tempern kann ihnen
widerfahren sein. Als sie bereits Festkörper waren,
wohlgemerkt: Man muß nicht mehr wie üblich
annehmen, daß die GEMS-Bildung in einer Gasphase
stattgefunden hat. Amorphe, präsolare oder interstellare
Staubteilchen, die in den inneren heißen protoplanetaren
solaren Nebel gerieten, könnten allein durch die
Wärme zu ihren GEMSen gekommen sein, und später
gelangten sie durch Transportprozesse auch ins äußere
Sonnensystem, wo sie in Kometenkerne eingebaut wurden. Das
würde auch das Auftreten kristalliner, Magnesium-reicher
Silikate in Kometen erklären - während sich das
Eisen als eingeschlossene Nanopartikel unbeobachtbar gemacht
hat. [20.2.2006]
[B94] Quelle: Davoisne & al., A&A 448
[2006] L1-4. Links: ein
A&A
Press Release (der die entscheidende Rolle der schmutzigen Pumpe verschweigt :-) - und
Cornell
und JPL Press Releases
zur Entdeckung von Forsterit-Kristallen in Spitzer-Spektren von
21 von 72 ULIRGs, ultraleuchtkräftigen IR-Galaxien, die
vermutlich in den starken Sternwinden massereicher Sterne entstehen.
Planetenbausteine aus der Umgebung der Erdbahn sind
immer noch im Asteroidengürtel geparkt und u.a. die
Hauptquelle der heute auf die Erde fallenden Eisenmeteoriten -
das ist das Ergebnis vom Simulationen der Entwicklung des
Sonnensystems, die zahlreiche Probleme klären (und die
prinzipielle Möglichkeit, Urbausteine der Erde zu
besichtigen, eröffnen) könnten: Artikel von
New Sci.
und BdW.
Die Zustände in den Kernen der Riesenplaneten
unterscheiden sich nach neuen Modellrechnungen - bei Uranus
und Neptun sollte Post-Perovskit vorhanden sein, bei den
extremen Drücken und Temperaturen tief in Jupiter und
Saturn nur noch metallartig verändertes Gestein:
U
of M Press Release.
Besonders geeignete Sterne für die direkte Abbildung
eventueller Planeten wie (eine andere Liste) das
Abhören zwecks SETI sind nach harten Kriterien aus
17'129 Kandidaten für »habitable
Sternsysteme« ausgewählt worden - Epsilon Indi A
bzw. Beta Cvn gewinnen: ein
AAAS Press Release
und Artikel von
BBC
und Guardian.
Warum der gefeierte Microlensing-Planet nicht »erdähnlich« ist
Für die Planetenbildung kommen nach heutiger Sicht im
Wesentlichen zwei Prozesse in Betracht: In der Nähe des
Sterns, wo kein Eis existieren kann, finden sich Felsbrocken zu
steinigen Welten zusammen, weiter draußen bilden sich
zunächst Kerne aus Eis, die dann mehr oder weniger
gewaltige Gashüllen akkretieren. Bei unserem Jupiter wie
Saturn war das sehr ergiebig, während die sonnenferneren
Uranus und Neptun überwiegend aus Eis bestehen,
eingepackt freilich in eine undurchdringliche Wolkendecke. Der
Microlensing-Planet in seinen mindestens 2 AU Abstand von
seiner finsteren M-Sonne dürfte nun »mit
Sicherheit« (Queloz) unter genau denselben Bedingungen in
der Eis-Zone entstanden sein und keineswegs wie ein
terrestrischer Planet: Eis ballte sich zusammen und sammelte
Gas um sich, freilich nicht besonders viel, weil M-Sterne
insgesamt wenig zirkumstellares Material mitbekommen haben
dürften. Das zeigt sich auch darin, daß Planeten von
Jupiterformat bei diesen Zwergen viel seltener als bei großen
Sternen sind.
Wie unser Planet nun im Detail aussieht, dazu gibt es keinerlei
Anhaltspunkte: »In unserem Sonnensystem,« betont
Queloz noch einmal, »gibt es nichts, mit dem man ihn
vergleichen könnte.« Aber einem Mini-Uranus oder -
Neptun wird er allemal ähnlicher sehen als einer
großen Erde. Anders ist das wohl bei dem ähnlich
kleinen Planeten von Gliese 876 aus Artikel A73: Er kreist so dicht um seine Sonne,
daß er dorthin »migriert« sein muß.
Wäre er allerdings in der Jupiter-Zone entstanden, also um
einen Eiskern, dann wäre er erst recht als Gasriese in
Sternnähe angekommen, vermutet Queloz aufgrund
theoretischer Vorstellungen über diesen
Migrationsprozeß, der durch Drehimpulsaustausch mit
dem Rest der protoplanetaren Scheibe funktioniert. Daher sei es
wahrscheinlicher, daß dieser 7-Erdmassen-Planet - auch er
natürlich ohne Gegenstück im Sonnensystem - in
vielleicht nur 1 AU Abstand wie ein terrestrischer Planet
entstanden ist und nur ein wenig migrierte. Wenn man denn
unbedingt einen »erdähnlichsten« Planeten
küren will, dann lieber diesen. [15.2.2006]
[B93] Quelle: Telefoninterview mit D. Queloz am
15.2.2006. Der Astronom sieht übrigens in den
Exoplaneten-Entdeckungen der letzten 10 Jahre immer klarere
Indizien, daß Sonnensysteme wie unseres »sehr
häufig« sein sollten. Daß man noch kein
Gegenstück gefunden hat, mit einem zweiten Jupiter in
Jupiterdistanz von einer zweiten Sonne, liegt schlicht daran,
daß man dessen Radialgeschwindigkeitssignal erst nach
einem Jahrzehnt klar in Serien von Spektren sehen kann - und
vor 10 Jahren hat kaum jemand die notwendigen Messungen
durchgeführt. Ganz im Gegensatz zu heute: In wenigen
Jahren, ist sich Queloz sicher, werden fremde Gasriesen mit
Umlaufszeiten von einem Jahrzehnt nur so vom Himmel purzeln,
vielleicht nicht gleich von Jupiter- aber doch von
Saturnformat.
Eine protoplanetare Scheibe mit gegensinniger
Drehrichtung in Sternnähe und -ferne legen
radioastromische Messungen der Bewegungsmuster
verschiedener Moleküle nahe - um diesen Stern werden
vermutlich einmal Planeten in gegenläufiger Richtung kreisen: ein Paper von
Remijan & Hollis, ein
NRAO Press Release und ein Artikel von
BdW.
Deutschland kämpft um SOFIA - und als »Plan B« ab in die Antarktis?
Warum gerade SOFIA auf die Abschußliste geriet, hat
vermutlich mehrere Gründe. Zum einen war es in den
letzten Jahren zu einer Kostenexplosion und immer neuen
Verzögerungen gekommen, v.a. wegen nötig
gewordener größerer Umbauten am Flugzeug (was
allein Sache der Amerikaner war; das deutsche Teleskop wurde
schon vor Jahren abgeliefert): Das Vertrauen des Managements in
einen schlußendlichen Erfolg sank, und in solchen
Fällen droht bei der NASA auch weit fortgeschrittenen
Projekten das Aus. Zudem wurde deutlich, daß der
Flugbetrieb erheblich kosten würde, rund 1 Mrd.$ in 20
Jahren - wobei man beim DLR anmerkt, daß es
wahrscheinlich auch deutlich preisgünstiger ginge, wenn
man nicht gar so viel bürokratischen
»Overhead« mitschleppen würde. Im laufenden
Haushalt (FY06) stehen für SOFIA 48 Mio.$ zur
Verfügung, die im aktuellen Operating Plan der NASA vom
6.2.2006 ausdrücklich »nicht angepaßt« =
gekürzt worden sind. »NASA is continuing to assess
the implications of continued growth in development and
operations costs for this mission,« heißt es allerdings
weiter im Begleitschreiben des Operating Plans an den US-Kongreß.
Und was wenn die ominöse anstehende
»Review«, die nun »the best course of action for
this project« bestimmen soll, zur »termination«
schreitet? NASA und DLR müßten in diesem Fall ein
»mutual agreement on the disposition and potential
utilization of SOFIA program elements« finden, heißt
es in den Papieren zum FY07-Budget - was wohl hieße,
daß Deutschland sein 2.5-m-IR-Teleskop
zurückbekäme (den ganzen Flieger zu
übernehmen, könnte man sich schlicht nicht leisten).
Und dann? Eine vage Möglichkeit wird bereits unter
deutschen Astronomen diskutiert: Die hohen Berge in der
Antarktis »Dome A« und »Dome C«
wären ähnlich gute Standorte wie ein Flug in der
Stratosphäre, und man müßte lediglich
für einen Drehteller im Azimuth sorgen, weil das Teleskop
nur in Elevation geschwenkt werden kann. Der logistisch
erschlossene Dome C wird bereits eingehend auf seine
astronomische Qualität für große optische
Teleskope hin untersucht (siehe Artikel 743 und B37),
aber die IR-Astronomen würden lieber auf den höheren aber
unerschlossenen Dome A, wo noch weniger Wasserdampf im
Sehstrahl liegt. Schon lange vor der aktuellen Krise wurde
mitunter gescherzt, ideal wäre doch eine sanfte
Bruchlandung SOFIAs auf Dome A ... [15.2.2006]
[B92] Quelle: Telefoninterview mit einem
deutschen SOFIA-Manager am 15.2.2006 u.a. Links: weitere Artikel zur SOFIA-Krise von
New Sci.,
Space
Daily
und Raumfahrt 24
und Meinungen zur Lage der NASA insgesamt in
Space.com und
The Space Review.
Integral nutzte die Erde als Schattenmaske
Gegenstand der Untersuchungen war die harte
Hintergrundstrahlung aus den Tiefen des Alls, die im weicheren
Röntgenbereich bereits von den Satelliten Chandra und
XMM-Newton zu mindestens 80% in einzelne Quellen
aufgelöst werden konnte. Der bereits 1962 entdeckte
Röntgenhintergrund wird demnach von Millionen Aktiven
Galaktischen Kernen in weit entfernten Galaxien verursacht, wo
mutmaßliche supermassive Schwarze Löcher Gas
ansaugen und harte Strahlung produzieren, wenn es im
Schwerkraftstrudel verschwindet. Dank der guten
Winkelauflösung der Röntgentelekope war es
möglich, den Hintergrund weitgehend in einzelne Quellen
aufzulösen und diese auf Bildern in anderen
Spektralbereichen eindeutig zu identifizieren. Nur war nicht klar,
ob auch die Hintergrundstrahlung bei noch höheren
Energien aus derselben Quelle stammt: Es gab einfach keine
Teleskope mit annähernd vergleichbarer Ortsauflösung.
Die Ausnutzung der Erde als Schattenmaske - ein Trick, der (mit
dem Mond als Abdecker) bereits in der Frühzeit der
Röntgenastronomie benutzt wurde, um die
Größe von Quellen abzuschätzen - verspricht
nun eine Antwort: Das Auf und Ab der Gesamtstrahlung als
Funktion des Ortes der Erde im Bildfeld dürfte ausreichen,
um individuelle harte Quellen des Hintergrunds zu lokalisieren
und sie zu identifizieren (wobei die Erwartung ist, daß es
ebenfalls die Aktiven Galaktischen Kerne sind). Eine
mühsame Aufgabe, die nun bevorsteht - aber ein
Abfallprodukt der Messungen zeichnet sich jetzt schon ab. Auch
die Erde selbst ist nämlich eine Quelle harter Strahlung: Sie
reflektiert die Photonen kosmischer Quellen, kosmische
Strahlungsteilchen lösen in der Atmosphäre
Gammablitze aus, und auch Polarlichter sind Quellen harter
Quanten. Schon jetzt sind entsprechende Prozesse in den
Integral-Daten erkennbar. [15.2.2006]
[B91] Link: ein
ESA Press Release.
Der erste Daten-Release von RAVE, des Radial Velocity
Experiment aus Artikel
657, umfaßt Spektren von rund 25'000 Sternen der
Milchstraße - womit deren Zahl mehr als verdoppelt wird
(und über 84'000 hat RAVE bereits im Kasten):
AIP,
AAO
und RAS
Press Releases und Artikel von
New Scientist
und BdW.
Rekurrierende Nova RS Oph nach 21 Jahren wieder
ausgebrochen - wie üblich sprang der Stern innerhalb
eines Tages um viele Größenklassen auf
4.8m, fällt aber seither schon wieder rasch: AAVSO
Note,
Alert
und Hintergrundbericht.
Die bedeutende Rolle von Amateurastronomen in der
modernen Astronomie schildert v.a. im Bereich der
veränderlichen Sterne der
Direktor der
AAVSO mit zahlreichen konkreten Beispielen - und fordert
die Profis auf, Amateure gezielt wie wartungsfreie Robotteleskope
einzusetzen ...
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