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Nr. C31-C40 vom 5.9.-30.10.2006 Aktuelle Meldungen / zum Archiv ASTRONET | Kugelhaufen voll durchforstet | Genesis-Erfolge | Dunkle Materie "gesehen" | SMART-1: perfekter Crash! | Mysteriöser Blitz | Ring-SoFi in Südamerika | Titans Ethan | SN-lose GRBs | Kein Mond-Eis
Neue Radardaten: doch keine großen Eismengen auf dem Mond
[C40] Quelle: Campbell & al., Nature 443 [19.10.20006] 835-7.
Links: Cornell Release,
Planetary Soc.,
BBC.
Zwei Fälle naher Gamma Ray Bursts ohne irgendeine assoziierte Supernova
[C39] Link: ein Paper von
Fynbo & al.
M 31 erlitt einen Frontalzusammenstoß mit M 32,
vor 210 Mio. Jahren - Ringstrukturen im Inneren der
Andromeda-Galaxie, die auf einem Spitzer-Bild klar hervortreten,
sind so am besten zu erklären: ein
CfA Release.
Der Entstehung der Zentralgalaxie eines Haufens
zugeschaut hat das HST bei MRC 1138-262, wo
längliche Minigalaxien wie in einem Spinnennetz um die
sich bildende cD-Galaxie hängen: ein
STScI Release.
Kugelsternhaufen sortieren ihre Sterne nach der Masse, wobei die
schwereren nach innen wandern: Das zeigen
Hubble-Beobachtungen an 47 Tuc.
Titans Ethan mit Smog-Teilchen zu Boden gesunken?
[C38] Quelle: Hunten, Nature 443 [12.10.2006] 669-70.
Link: ein Artikel von Space.com.
Perfekte Bedingungen bei Ring-SoFi in Französisch-Guyana!
[C37] Eigene Beobachtung auf Les Roches in Kourou.
Links: eine
Galerie und Berichte
von SEMs
und Fischer.
Neuer Sonnensatellit Solar-B gestartet - nur Stunden nach der Finsternis:
JAXA Release,
Spacefl. Now,
BBC,
New Sci.,
Space Today.
Mysteriöser 5m-Blitz am
Himmel - oder nur ein bizarres Artefakt?
[C36] Links: Papers von Shamir &
Nemiroff und Pacynski sowie
die Homepage von Night Sky
Live, wo alle Bilder der 11 Kameras so schnell wie
möglich frei zugänglich sind.
Sternbegleiter mit nur 12 Jupitermassen trotzdem kein
Planet? Der Partner von CHXR 73 kann mit seinen
mindestens 210 AU Abstand nicht aus einer Scheibe um den
Stern entstanden sein, sondern muß sich unabhängig
gebildet haben: Für
Luhman & al.
ist er damit als »Brauner
Zwerg« anzusprechen, auch wenn dieser Begriff eigentlich
für substellare Körper mit mindestens 14
Jupitermassen reserviert ist, die immerhin Deuterium-Fusion
schaffen - ein neuer Streit um den Planetenbegriff ...
Ein Exoplanet im Transit mit ungewöhnlich geringer
Dichte ist HAT-P-1b, der nur die 0.53-fache Masse aber den
1.36-fachen Durchmesser Jupiters hat - vielleicht sind spezielle
Umstände wie ein (noch unentdeckter) Begleiter
verantwortlich, oder ein grundlegendes Phänomen: ein
Paper von Bakos & al.
Und noch ein neuer Transitplanet, diesmal im Kepler-Feld,
also jenem Himmelsausschnitt, den dieser
Photometriesatellit permanent beobachten soll - rund 600
superpräzise Beobachtungen des Transits von TrES-2
sollten dabei beobachtet und eine Fülle von Aussagen
über die Natur des 1.3-Jupitermassen-Planeten
möglich werden: ein Paper von
O'Donovan & al.
SMART schlägt auf den Mond: feuriges Ende für eine erfolgreiche Mission
Und so hatte man den Zeitpunkt des Impakts vom 17. August auf
den 3. September und den Ort von der Mondrück- auf die
-vorderseite verlegt, was eine Anhebung der Bahn um 90 km
erforderte. Das gelang nur durch einen innovativen Einsatz der
Lageregelungsdüsen im Zusammenspiel mit den
Schwungrädern an Bord über 65 Orbits hinweg; noch
am 1. September wurde die Bahn um weitere 592 m geliftet, um
einem Impakt um 7:42 zu garantieren und einen nach neuester
topografischer Analyse befürchteten Crash einen Orbit
früher zu verhindern. Denn auf den späteren
Zeitpunkt hatten sich Teleskope v.a. auf Hawaii vorbereitet:
SMART-1 spielte gewissermaßen künstlicher Komet
(mit viel Aluminium aber 3 kg Rest-Hydrazin als flüchtiger
Zugabe), und sein Impakt mit 2 km/s in einem Winkel von nur
etwa 1° zur Mondoberfläche simulierte eine - wenn
auch exotische - kosmische Kollision. Auch im Hinblick auf das
NASA-Experiment LCROSS Anfang 2009 (siehe Artikel C12) war es ein
interessanter Test. Im Sonntagmorgengrauen versammelten sich
zahlreiche SMART-Fans im Hauptkontrollraum des European
Space Operations Center (der normalerweise während
laufender Mission hermetisch abgeriegelt ist, aber nun konnte
man nicht mehr viel kaputtmachen :-), um die letzten Minuten der
Mission live zu erleben. Lediglich die Betreuer der kleinen Sonde
hatten schon die ganze Nacht durchgemacht.
Diese hatte zuletzt noch einmal für Spannung gesorgt, mit
einem unverhofften Safe Mode des Orbiters am 1. September (der
in nur 6 Stunden behoben wurde) und einer Störung der
australischen Hauptantenne, die gerade noch rechtzeitig wieder
in Betrieb war; ein Notfallplan hatte bereits kurz vor dem
Umsetzung gestanden. Über Australien wurden auch die
letzten Kommandos an SMART-1 gesendet, der noch bis Minuten
vor dem Crash wissenschaftliche Daten lieferte, und per
Telekonferenz war im ESOC auch das CFHT zugeschaltet. Die
Nachricht vom Signalverlust (»Loss of Signal«) wurde
beklascht - und Minuten später tauchte unvermittelt das
arg von Artefakten verunstaltete Bild des infraroten Blitzes aus
Hawaii auf den Projektionsbildschirmen auf. Was er konkret
über die physikalisch-chemischen Prozesse des Impakts
aussagte oder auch nur wie hell er eigentlich war, konnte auch auf
einer Pressekonferenz am folgenden Morgen nicht berichtet
werden, und weitere vergleichbare Sequenzen lagen da noch nicht
vor. Aber man konnte bereits dank zweier australischer
Radioteleskope den Impaktzeitpunkt extrem genau bestimmen
(7:42:22.394 MESZ) und wird aus den Messungen von insgesamt
5 Antennen, die z.T. interferometrisch zusammengeschaltet
waren, noch eine Menge lernen und bei künftigen
Sondenmissionen der ESA auch gezielt einsetzen können.
Das war ohnehin die Hauptaufgabe von SMART-1 gewesen (und
die ganze Mondforschung eigentlich nur eine Zugabe):
Technologien zu erkunden, die man später mit Zuversicht
für andere Missionen verwenden kann. Da ging es etwa um
Kommunikation (Ka-Band, Laser), Autonomie und
Miniaturisierung, im Vordergrund aber stand natürlich der
Ionenantrieb: Während der 14-monatigen Reise zum Mond
bereitete er zwar manches Kopfzerbrechen, gilt nun aber als gut
verstanden und einsatzbereit. Damit steht dem
aufwändigen Merkurorbiter BepiColombo 2013 nichts
mehr im Wege: Hätte es SMART-1 nicht gegeben, so dessen
Projektmanager G. Racca gegenüber MegaLithos,
hätte man die Merkurmission wohl entweder gar nicht
gewagt oder nur mit viel geringeren Möglichkeiten mit
einem chemischen Antrieb. Die ersten Ideen für SMART-1
waren vor rund 10 Jahre entstanden, als die ESA zeitweise
darüber spekulierte, die Kometensonde Rosetta mit einem
Ionenantrieb viel schneller ans Ziel bringen zu können - und
sich dann nicht traute, weil es keinerlei Erfahrungen mit
Ionenmotoren als alleinigem Antrieb für eine
Tiefraumsonde gab. Erst als bereits an SMART-1 gearbeitet wurde,
entdeckte die ESA, daß man in den USA etwas ganz
Ähnliches vorbereitete, die Technologiemission Deep Space
1 mit einem Ionenantrieb zu einem Asteroiden und einem Kometen.
SMART-1 war allerdings insofern »besser«, als er sich
ganz allein per Ionenantrieb aus dem Schwerefeld der Erde
befreite (DS1 hatte eine Rakete auf Fluchtgeschwindigkeit
gebracht; erst dann übernahm das Ionentriebwerk). Und
auch die instrumentelle Nutzlast war deutlich umfangreicher als
bei DS1: Immerhin war SMART-1 direkt aus dem
Wissenschaftsprogramm heraus entstanden, und da sollte der
Forschung schon etwas geboten werden. Eine Fülle von
hochauflösenden Mondbildern (über 20'000!) und
spektralen Karten war das Ergebnis (wobei gerade die letzten
Monate noch einmal einen Schwall neuartiger Daten lieferten),
dazu Röntgenspektren, die Rückschlüsse auf
die detaillierte Mineralogie des Mondes und damit seine
Entstehung zulassen. Noch ist der Datenfundus kaum
ausgewertet (man hatte genug mit der Durchführung der
Mission selbst zu tun), aber SMART-1 hat sich längst als
Pionier der neuen Welle von Mondsonden ab 2007 etabliert. Bei
der ist die ESA mit eigenen Sonden nicht dabei, wohl aber
Instrumenten auf dem indischen Orbiter (und vagen Ideen
für spätere Mondrover). SMART-2 heißt
inzwischen LISA Pathfinder (siehe Artikel C17), weil er als integraler Bestandteil
des LISA-Projekts gesehen wird. Und SMART-3 gibt es erst einmal
nicht: Dabei sollte der Formationsflug von Teleskopen als
optisches Interferometer für das Darwin-Projekt vorbereitet
werden - und das mußte die ESA leider einstellen. [5.9.2006]
[C35] Vor Ort in Darmstadt am 3.+4.9.2006: DF.
Links: die Homepage von SMART-1, ESA Press Releases vom
4.
und Nachmittag,
Vormittag
und Morgen
des 3. und vom
2. September
und Artikel von
Spacefl. Now,
Times,
Scotsman,
Plan. Soc.,
BBC,
Dt. Welle
und DPA.
Die beste »Sichtung« von Dunkler
Materie in einem Galaxienhaufen
[C34] Links: ein Paper von
Bradac & al.,
Chandra,
NASA
und U.
of AZ Releases und Artikel von
Sc. Now,
Space Today und
BdW.
Eine weitere Einschätzung: Science vom 25.8.2006 S. 1033.
Das Weltall ist flacher denn je, jedenfalls zeigt eine neue
gemeinsame Analyse von Daten des WMAP-Satelliten und der
großskaligen Struktur des Kosmos aus der SDSS, daß
Omega-total = 1.00±0.01 ist - aus WMAP allein war
lediglich Omega-total = 1.05 ±0.05 gefolgt: ein Paper von
Tegmark & al.
Das kosmische Lithium-Problem ist gelöst - das im
Urknall entstandene leichte Element verschwindet
tatsächlich im Inneren von Sternen, und die Zahlen
stimmen wieder, zeigen Untersuchungen an einem metallarmen Kugelsternhaufen:
ein ESO
Press Release und Artikel von
New Sci.
und BdW.
Der Quasar mit der größten Leuchtkraft, die
je gemessen wurde, war 3C 454.3, der während eines ein
Jahr langen enormen Ausbruchs im Frühjahr 2005 eine
absolute Spitzenhelligkeit von -31.4M erreichte:
IAU Press Release.
Eindeutig Teilchen des Sonnenwinds in den Trümmern von Genesis
[C33] Quelle: Vortrag von Burnett auf der IAU GA in Prag
am 21.8.2006.
Alle Sterne eines Kugelsternhaufens erwischt
[C32] Quelle: Richer & al., Science 313
[18.8.2006] 936-40. Links:
HST,
NASA,
UBC,
Rice,
UCLA
und AAS
Releases und Artikel von
Dsc.,
Space Today und
BdW.
Mehrere Doppelsterne mit spiralförmigem
Materieausfluß im Quintuplet-Haufen sind dank einer
Speckle-Technik endlich räumlich aufgelöst worden -
die bisher rätselhaften Sterne entpuppen sich als
Wolf-Rayet-Systeme mit kollidierenden Winden: ein Paper von
Tuthill & al.,
Rice,
U Mich. und
NSF Press Releases und Artikel von
Astr.,
Cosmos und
New Sci.
Acht neue interstellare Moleküle mit 6 bis 11
Atomen sind mit dem Green Bank Telescope entdeckt worden,
womit nunmehr 141 verschiedene Moleküle im Weltraum bekannt sind: ein
NRAO Press Release
und Artikel von
CSM und
Charleston Daily Mail.
Neue Spitzer-Mosaike des Orionnebels und der LMC
sehen gut aus und enthalten eine Menge Informationen
über das Wesen der Sternentstehung: Spitzer Press Releases zu
M 42
und LMC
sowie ein CfA Release
zu M 42 und ein U. Wisc. und
JPL Releases
zur LMC.
ASTRONET soll Zusammenrottung von Europas Astronomen
fördern
[C31] Quelle: Pressekonferenz von G. Gilmore u.a.
auf der IAU GA in Prag am 17.8.2006. Link: die
Homepage von ASTRONET.
den aktuellen Meldungen oder zum Archiv. |