Ein 16-Monats-Zyklus tief in der Sonne
wurde mit Hilfe der Helioseismologie entdeckt: Das Muster von Gasströmungen
rund 200 000 km unter der Oberfläche verändert sich ungefähr
periodisch in diesem Zeitrahmen. Schauplatz des Geschehens ist die sogenannte
Tachokline, die den Übergang von der Strahlungszone zur
äußeren Konvektionszone markiert: Mal rotiert das Gas innerhalb
der Tachokline etwas schneller und das Gas außerhalb etwas langsamer,
dann kehrt sich das Bild um - und wiederholt sich alle 15-16 Monate unter dem
Sonnenäquator und alle 12 Monate bei mittleren Sonnenbreiten.
Der Bereich rund um die Tachokline, wo starke Scherkräfte zwischen der
differentiell rotierenden Konvektionszone und der relativ starr rotierenden
Strahlungszone auftreten, gilt schon lange als Sitz des Dynamos, der das
globale Magnetfeld der Sonne aufbaut. Der jetzt entdeckte
regelmäße Drehimpulsaustausch zwischen verschiedenen Schichten
in dieser Zone könnte eine entscheidende Rolle bei der Funktion des
Dynamos spielen. Entdeckt wurden die von niemand vorausgesagten Strömungen
in vierjährigen Meßreihen des MDI-Instruments auf dem Satelliten
SOHO und des GONG-Netzes von Sonnenteleskopen rund um die Erde. [3.4.2000]
[4] Links:
Sonderseite des
National Solar Observatory mit vielen Bildern und Artikeln und
ESA Science News.
Die ersten Exo-Planeten kleiner als Saturn
sind jetzt mit der bewährten Radialgeschwindigkeitsmethode entdeckt
worden - bislang waren mit diesem spektroskopischen Verfahren nur Planeten
fremder Sterne gefunden worden, die im Bereich von einer Jupitermasse oder
mehr lagen. Die neuen Funde haben hingegen nur 0.22 bzw. 0.25 Jupitermassen,
zwar immer noch 200mal schwerer als die Erde, aber doch ein wichtiger Meilenstein
auf der Suche nach »fremden Erden«. [1.4.2000]
[3] Links: Origins Press Release,
Berkeley Press Release,
Extrasolar
Planets Encyclopedia.
Die wahrscheinliche Erklärung für den Verlust des Mars Polar Lander
hat eine Untersuchungskomission gefunden: Beim Ausklappen der Landebeine
ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Sensor ausgelöst worden,
der dem Bordcomputer den Kontakt mit dem Boden suggerierte. Das entsprechend
gesetzte Speicherbit wurde nach dem Ausklappen der Beine wegen eines Programmierfehlers
nicht wieder auf Null gesetzt. Die Folge: Als der Computer in 40 Metern
Höhe begann, Daten des Landesensors auszuwerten, nahm er an, die Landung
sei schon erfolgt...
Mit augenblicklich abgeschaltetem Triebwerk stürzte der Lander
ungebremst auf den Mars und traf ihn mit 22 statt 2.4 Metern pro Sekunde
- das war nicht zu überleben. Da man beim MPL aus Kostengründen
auf Telemetriefunk während der Landephase verzichtet hatte, wird
sich dieses Szenario nie ganz beweisen lassen, aber es gilt als viel wahrscheinlicher
als dutzende von Alternativen, die die Komission untersucht hatte. Tieferliegende
Ursache des Fehlschlags war hingegen eindeutig ein nicht ausreichendes
Testprogramm, das wiederum viel zu knappen Finanzmitteln zu verdanken
war: Der Etat des Marsprogramms von 1998 war um mindestens 30 Prozent
zu klein gewesen. [1.4.2000]
[2] Links: Alle
Untersuchungsberichte als PDF-Dateien, eine
JPL-Pressemitteilung zu den ersten eingeleiteten Reformen, und Spaceflight
Now über den Neubeginn für die NASA.
Magnetosphärensatellit IMAGE gestartet
Der erste Satellit, der so etwas wie Bilder der kompletten Magnetosphäre
der Erde aufnehmen soll, ist am 25. März von der NASA
gestartet worden: IMAGE, der Imager for Magnetopause-to-Aurora
Global Exploration. Mit drei verschiedenen Methoden soll er versuchen, die
komplexe Felder- und Teilchenumgebung der Erde und ihre Wechselwirkung mit
dem Sonnenwind global zu erfassen (anstatt sie wie bereits zahllose Vorgänger
nur punktuell zu untersuchen):
- Eine Radaranlage tastet die Grenze den Rand der Plasmasphäre
ab, einer Region kalten Plasmas in der inneren Magnetosphäre,
- Ultraviolettkameras beobachten Emissionen dieser Plasmasphäre
und von Polarlichtern, und
- mit sogenannten Neutral Atom Imaging wird aus den Bahnen neutraler
Atome, die den Satelliten nach Ladungsaustausch mit Ionen in der Magnetosphäre
erreichen, deren Gestalt in grobe Bilder verwandelt.
Das exotisch klingende dritte Verfahren hat immerhin bereits 1996 der Satellit
Polar demonstrieren können. Eine Besonderheit bei der IMAGE-Mission:
Alle Daten sollen sofort der Öffentlichkeit zur Verfügung
stehen! [1.4.2000]
[1] Links: Homepage
des Satelliten, ein detaillierter Artikel der
NASA Science News und ein Artikel aus dem SPIEGEL.
Zu den vorangegangenen Meldungen
aus der Testphase,
den aktuellen Meldungen
oder zum Archiv.
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