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vom 15.-24.8.2000 Zu den aktuellen Meldungen Soyuz-Panne: Nur Fregat rettete das zweite Cluster-Paar Erst jetzt ist bekannt geworden, daß die Soyuz-Rakete beim Start des 2. Cluster-Satellitenpaares am 9. August (siehe Artikel Nr. 100) nicht korrekt funktioniert hat: Die dritte Stufe schaltete zu früh ab, und nur weil die moderne Fregat-Oberstufe so flexibel ist, konnte sie den Fehler wettmachen und die beiden Satelliten trotzdem auf der korrekten Parkbahn absetzen. Die schwerwiegende Soyuz-Panne wird jetzt untersucht: Möglicherweise wurde die Rakete nicht ordnungsgemäß betankt ... [24.8.2000] [110] Links: SpaceViews über die Enthüllung und ein ESA Press Release, der davon nichts erwähnt. Delta 3: Erfolg im dritten Anlauf!
Zweimal startete die neue große Boeing-Rakete Delta III mit
echten Satelliten, und beide Male ist sie 1998 und 1999 gescheitert -
und als sie es am 23. August ein drittes Mal versuchte, mit nur noch
einer Satellitenattrappe an Bord, ging alles gut. Nach 36 Minuten
war klar, daß der simulierte aber sensorgespickte
Nachrichtensatellit genau die vorgesehene gostationäre
Transferbahn erreicht hatte - die Delta III kann damit in den
Wettbewerb um die Startaufträge für Satelliten bis 3.8
Tonnen (in den geostationären Orbit) zurückkehren.
[24.8.2000][109] Links: Boeing Press Release, SpaceViews über den Start und Spaceflight Now über die Sorgen der Vergangenheit. Kein Lichtreflex von einem Exoplaneten Jetzt war es doch nur Rauschen: Die Entdeckung von Lichtanteilen im Spektrum des Sterns Tau Bootis, die von seinem Planeten stammen sollten und die Ende 1999 für Aufsehen gesorgt hatte, ist wieder zurückgezogen worden! Der Effekt war ohnehin sehr subtil gewesen (und alles andere als eine »direkte Beobachtung« des Planeten): Daß sie nur zu 95% zuverlässig war, stand bereits in der Originalveröffentlichung. Deren Autoren haben nun ihre eigenen Beobachtungen nicht wiederholen können, aber viele andere Exoplanetenforscher wiederum nicht erstaunt: Der Planet hätte ungewöhnlich groß oder reflektierend sein müssen, um sich im Spektrum von Tau Bootis bemerkbar zu machen. [22.8.2000] [108] Links: BBC Online, dazu SPIEGEL- und ZEIT-Artikel von Ende 1999, wo auch die verbliebenen Zweifel erwähnt werden. Die Galaxien entstanden noch früher
als man noch bis vor kurzem dachte: Bei immer höheren
Rotverschiebungen werden jetzt auf tiefen Farbaufnahmen des
Himmels so viele Galaxien entdeckt, daß die
Geschichte ihrer Entstehung neu geschrieben werden muß.
Das Maximum der Sternentstehung, das noch vor wenigen Jahren
in der Nähe der Rotverschiebung 1 vermutet wurde, ist
bereits in den Bereich 4 bis 5 verschoben worden, erstaunlich
nah an den Urknall heran, und künftige Teleskope und
Satelliten werden es vielleicht noch weiter in die Vergangenheit
verlegen. [22.8.2000][107] Links: ein IAU Press Release und ein weiterer über ähnliche Resultate im Radiobereich. Wasser überall im All - außer in den kältesten Wolken An vielen Orten im Universum hat der NASA-Astronomiesatellit SWAS (Submillimeter Wave Astronomy Satellite) mit seinem Radiospektrometer aus Köln seit seinem Start 1998 bereits Wasser nachweisen können - nur in den allerkältesten Molekülwolken so gut wie keines: Mit nur ein paar parts per billion liegt die Konzentration erheblich unter den theoretischen Voraussagen. In wärmeren Regionen gibt es dagegen zehntausend mal mehr Wasser, das eine wichtige Rolle als Kühlmittel im interstellaren Raum spielt: Sonst hätten es die Wolken viel schwerer, zu Sternen zu kollabieren. Und noch ein SWAS-Rätsel: Molekularer Sauerstoff ist im interstellaren Raum fast überhaupt nicht vorhanden. [22.8.2000] [106] Links: NASA Press Release, SWAS-Homepage und Infos aus Köln über das Spektrometer. Bis zu 130 Perseiden pro Stunde ![]() waren am 12. August gegen Mittag Weltzeit zu sehen - das Maximum war also nur in Amerika zu beobachten, während die Rate am Morgen in Europa nur bei etwa 70 pro Stunde lag. Und in den ganzen USA und Kanada fiel der Schnuppenschauer auch noch mit einem hellen Polarlicht zusammen, das man in Europa leider komplett verpaßt hat... [16.8.2000] [105] Links: IMO Shower Circular mit der ersten Analyse und Science@NASA und Space.com über den Aurora-Bonus. Deep Space One: Ionenantrieb bricht Rekord
Über 4800 Stunden oder 200 Tage lang ist der Ionenantrieb der
experimentellen Raumsonde Deep Space One seit ihrem Start Ende 1998
bereits gelaufen - so lange wie kein anderes Antriebssystem in der
Geschichte der Raumfahrt. Eigentlich war es Ende 1999 nach dem Ausfall
der Sternenkamera fast um DS1 geschehen gewesen, doch seit die
wissenschaftliche Kamera die Lageregelung übernehmen konnte (siehe
Artikel Nr. 65), ist auch das
Triebwerk wieder im Einsatz: Das neue Ziel ist jetzt im September
2001 der Komet Borrelly. [15.8.2000][104] Links: die Homepage und JPL News über den Rekord und die Rettung. LINEARs Kern in hausgroße Brocken zerbrochen ![]() Er ist nie nennenswert heller als 6.5 mag geworden und damit selbst noch hinter der pessimistischen Prognose zurückgeblieben - aber der zuweilen als nächstes großes Himmelsschauspiel nach Hyakutake und Hale-Bopp angepriesene Komet C/1999 S4 (LINEAR) hat sich einen spektakulären Abgang verschafft: Mehrmals brachen im Juli Teile des Kerns ab, und just im Perihel zerfiel der ganze Kern in dutzende einzelner Brocken, jeder kleiner als 30 Meter. ![]() Während mit erdgebundenen Teleskope in der letzten Juliwoche nur festgestellt werden konnte, daß es plötzlich keine Helligkeitskondensation mehr in der Koma des Kometen gab und sich die ganze Staubwolke mehr und mehr in die Länge zog, war es der schärferen Sicht des Hubble Space Telescope und des Very Large Telescope vorbehalten, am 5. und 6. August die Trümmerstücke des Kerns aufzuspüren. ![]() Wann der Kern auseinanderzubrechen begann, läßt sich nicht genau sagen, aber bereits Ende Juni soll es Anzeichen dafür gegeben haben. Dann hatte das Hubble Space Telescope vom 5. bis 7. Juli Meßzeit, und just in diesem Intervall kam es (wieder?) zu einem Ausbruch: Erst wurde die innerste Koma fast schlagartig heller, offenbar durch die Freisetzung von Staub, dann verblasste sie wieder - während ein Fragment entlang des Schweifs davonwanderte. Der eigentliche Grund für Hubbles Beobachtungen mit dem Spektrographen STIS war die Bestimmung der chemischen Zusammensetzung des Kometen gewesen: CO, C, H, O, S2, CS, OH und NH wurden nachgewiesen - wobei aber das Kohlenmonoxid verglichen mit Hyakutake und Hale-Bopp erheblich abgereichert war. Das dürfte bedeuten, daß der Kometenkern ursprünglich wesentlich näher an der Sonne entstand, bevor er in die Oortsche Wolke geschleudert wurde - aus der er jetzt aus rund 1 Lichtjahr Entfernung das erste Mal in Sonnennähe zurückstürzte (mit einer Bahnperiode von sehr grob 30 000 Jahren). Daher enthielt der Kern auch noch reichlich flüchtiges Material.
Die nächste Überraschung bot der kaum mehr heller
werdende Komet, der im Feldstecher eine etwa 7 Bogenminuten
große Koma und einen 1/2 bis 1 Grad langen (Staub-)Schweif
zeigte, am 21. und 22. Juli, als plötzlich zusätzlich ein
schnurgerader Plasmaschweif auftauchte - und gleich wieder
abriß und sich nicht wieder neu bildete. Offenbar hatte der
Kern wieder abrupt eine größere Gasmenge freigesetzt
- mit weiteren Ereignissen war zu rechnen. Ein leichter
Helligkeitsanstieg um den 20.7. paßte dazu. Am 23. und 24.
Juli sah die Kometenkoma für das Jacobus Kapteyn
Telescope (JKT - 1 m Durchmesser) auf La Palma jeweils gegen
21:30 UTC noch normal aus: Die zentrale Kondensation war
sehr verdichtet und zeigte die typische Tränenform.![]() Doch am 25. Juli hatte sich zur selben Zeit das Bild völlig verändert: Die zentrale Konsensation hatte sich stark verlängert (auf etwa 15 Bogensekunden). Die Helligkeit der Kondensation verblaßte weiter, und die Länge wuchs auf 30 bzw. 45-50 Bogensekunden am 26. und 27. Juli. Die Staubwolke war mit etwa 40 Metern pro Sekunde expandiert (Gas hätte sich 50mal schneller ausgedehnt) und enthielt keinerlei (für das JKT erkennbare) Helligkeitsmaxima mehr - das ließ vermuten, daß sich der Kern völlig aufgelöst hatte. Doch die Schlußfolgerung, die Sonnenhitze habe kurzerhand den Kern sämtlicher Eisbestandteile beraubt, so daß er sich komplett in eine Staubwolke aufgelöst habe, war voreilig. In aller Hektik waren neue Beobachtungen des Hubble Space Telescope für den 5. August angesetzt worden: Der Kern hatte sich zwar aufgelöst - aber in »eine kleine Armada von 'Minikometen'«, offenbar genau jene Kometesimals, aus denen der Kern bestand und die aktuellen Vorstellungen nach 10 bis 20 Meter groß sein sollten. Mindestens ein halbes Dutzend Minikometen (mit eigenen Schweifchen) sind auf dem Hubblebild zu sehen, keiner größer als 30 Meter - und Bilder mit dem Very Large Telescope 24 Stunden später bestätigten das Bild, auch wenn sich die Minikometen bereits verändert hatten. Am 11. August waren sie dann bereits stark verblaßt. Auch die Gesamthelligkeit des Kometen ist seit Ende Juli rapide eingebrochen, auf etwa 10. Größe am 6. August. [15.8.2000] [103] Zahlreiche weitere Links zu den Entwicklungen vom 5. Juli bis 11. August sind in den Cosmic Mirrors # 198 (2. Artikel) und 199 (Kopf) zu finden. NASA will 2003 zwei Rover zum Mars schicken
Nach kontroverser Debatte hat sich NASA jetzt entschieden, im
Startfenster 2003 gleich zwei große Rover zum Mars zu schicken -
eigentlich hatten nur ein Rover, ein Orbiter oder der Verzicht auf
sämtliche Missionen zur Debatte gestanden (siehe
Artikel Nr. 26). Die beiden Rover,
je etwa 135 kg schwer, werden mit einer leicht reduzierten
Athena-Nutzlast der Cornell-Universität ausgestattet, die
neben mehreren Kameras auch eine neue Version des 1997 auf
Sojourner so erfolgreichen APXS aus Mainz beinhaltet. Gelandet wird
am 2. und 20. Januar 2004 mit der Pathfinder-bewährten
Airbag-Methode, aber die Landeplätze werden erst um 2003
festgelegt. [15.8.2000][102] Links: JPL News vom 10.8. und 27.7. sowie die Athena-Homepage. Bau der Raumstation nimmt Fahrt auf
Mit dem problemlosen Andocken des am 12. Juli gestarteten Zvezda-Moduls
(siehe Artikel Nr. 78) am Morgen des 26.
kann jetzt der Weiterbau der Internationalen Raumstation weitergehen:
Über 100 Tonnen Hardware warten alleine am Kennedy Space Center auf
den Start. Die nächsten Meilensteine: zwei Shuttle-Besuche an dem
8.9. und 5.10. und der Einzug der ersten Stammbesatzung Anfang November.
[15.8.2000][101] Links: Status Reports, AP über den Hardware-Stau - und den Mißstand, daß die ISS immer noch keinen richtigen Namen hat... den aktuellen Meldungen oder zum Archiv. |