Meldungen Nr. 11 bis 20
vom 27.4.-15.5.2000
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Letzte Lücke in der Spektralsequenz geschlossen

Mit der Entdeckung von drei »frühen T-Sternen« ist eine große Lücke in der Spektralsequenz der kühlsten Sterne geschlossen worden: Sie sitzen zwischen den Sternen bzw. Braunen Zwergen der - erst vor wenigen Jahren eingeführten - Spektralklassen L und T. Während L-Sterne Oberflächentemperaturen von 1500 bis 2000 Kelvin haben und auf der Kippe zwischen normalen Zwergsternen und Braunen Zwergen stehen, sind die T-Objekte noch kühler und besitzen große Mengen Methan in ihren Atmosphären - sie stellen chemisch bereits den Übergang zu den größten Planeten dar. Die drei neuen Funde mit unterschiedlich starker Methanabsorption, die der Sloan Digital Sky Survey (SDSS) ins Netz gingen, stellen nun einen Übergang zwischen L und T dar: Von den heißesten bis zu den kühlsten stellaren Objekten der Milchstraße gibt es nun eine durchgehende Reihe. [15.5.2000]

[20] Links:
die Forschungsarbeit mit der Entdeckung, eine Pressemitteilung der RAS und die Homepage der SDSS.



Io die Quelle der »Staubstürme« vom Jupiter

Seit die Raumsonde Ulysses 1992 in der Nähe des Planeten Jupiter in einen unverhofften Hagel von Staubteilchen geriet, der periodisch wiederkehrte, war über die Quelle der winzigen Partikel gerätselt worden, die in Jupiters gewaltiger Magnetosphäre elektrisch aufgeladen und dann von Planeten fortbeschleunigt werden.

Die mehrjährige Überwachung des Phänomens durch den Jupiterorbiter Galileo hat jetzt klar gezeigt, daß es die Vulkane des Jupitermondes Io sind, die den Staub freisetzen: Die Häufigkeit der Staubeinschläge auf den - deutschen - Detektor Galileos variiert nicht nur mit der 10-stündigen Rotationsperiode von Jupiters Magnetfeld, sondern auch der 42-stündigen Umlaufszeit Ios. [15.5.2000]

[19] Links: ein JPL Press Release und ein langer Artikel der Galileo-Staubforscher.



»Fehlender« Wasserstoff im intergalaktischen Raum gefunden

Es ist schon irritierend genug, daß ein Großteil der Materie im All aus unsichtbarer und überdies nichtbaryonischer »Dunkler Materie« besteht, von der in den letzten Jahren etablierten Rolle der Kosmologischen Konstanten ganz zu schweigen - aber auch ein großer Teil der baryonischen (»normalen«) Materie, die im Urknall entstanden sein sollte, hatte sich bis jetzt nicht aufspüren lassen. Doch mit dem Hubble Space Telescope ist es jetzt, wenn auch indirekt, gelungen, große Mengen baryonischer Materie - im Wesentlichen heißes Wasserstoffgas - im Raum zwischen den Galaxien nachgewiesen, grob dieselbe Menge, die in den Galaxien und Galaxienhaufen steckt.

Mit dem Space Telescope Imaging Spectrograph (STIS) hatte der Satellit ein Spektrum des Quasars QSO H1821+643 aufgenommen und darin mindestes vier ausgeprägte Absorptionsliniensysteme von 5-fach ionisiertem Sauerstoff gefunden. Diese Absorber gehören vermutlich zu einem allgegenwärtigen kosmischen Netzwerk aus Fäden von Wasserstoff, dessen Existenz heutige Modelle der Strukturbildung im Universum voraussagen.

Dieser Wasserstoff entzieht sich weitgehend der direkten Beobachtung, aber wenn Sauerstoff, der aus Galaxien herausgeblasen wurde, in ihn hineinrammt, wird letzterer ionisiert und nachweisbar. Ob mit der nun nachgewiesenen baryonischen Materie zwischen den Galaxien die Bilanz wenigstens dieses Bestandteils des Universums komplett ist, läßt sich allerdings noch nicht sagen: Zu ungenau sind noch die Vorhersagen, wieviel baryonische Materie im Urknall produziert wurde. [15.5.2000]

[18] Links:
Die Forschungsarbeit und eine STScI-Pressemitteilung dazu.



Die Planeten-Versammlung mit SOHO beobachten!

Die Versammlung aller klassischen Planeten - Sonne und Mond inklusive - in einem relativ kleinen Abschnitt der Ekliptik Anfang Mai entzieht sich eben wegen der Beteiligung der Sonne der direkten Beobachtung. Oder doch nicht? Der Koronograph des Sonnensatelliten SOHO mit dem größten Gesichtsfeld, LASCO C3, hat bereits mehrere Planeten in Sonnennähe erfaßt, und von Stunde zu Stunde läßt sich ihre Bewegung verfolgen:
The latest SOHO Images. Am 4. Mai z.B. standen Saturn und Jupiter knapp östlich (links) und Merkur westlich der Sonne. [4.5.2000]

[17] Links zu der ungewöhnlichen Planetenkonstellation dieser Tage, die sich im langjährigen Mittel etwa alle 60 Jahre wiederholt, gibt es im Internet jede Menge. Der Klassiker ist diese Seite des Griffith Observatory, aber viele weitere Informationen bieten diese Seiten von Earth & Sky, Sky & Telescope oder dieser Artikel von Space.com. Wie man mit dem Himmelsphänomen lieber nicht umgehen sollte, zeigen z.B. diese Webseite von Weltuntergangs-Predigern, aber auch dieser völlig unsinnige Artikel aus dem Bonner Express ...



Vorsicht vor Polarlichtwarnungen!

In der Folge der seltenen Polarlichterscheinung über Deutschland am 6./7. April (siehe
Artikel # 9) hat es immer wieder Ankündigungen neuer Himmelsspektakel in den Medien gegeben - doch meist ohne Grund. Insbesondere die Äußerungen eines bestimmten Bochumers, wieder einmal ungeprüft aufgegriffen u.a. von AP, entbehrten jeder Grundlage: Große Sonnenflecken allein reichen bei weitem nicht, um einen geomagnetischen Sturm auszulösen!

Und auch ein koronaler Massenauswurf der Sonne, der genau in Richtung der Erde zu laufen scheint und wie er sich z.B. am 30. April ereignete, muß nicht zwangsläufig Polarlichter zur Folge haben - auch in diesem Fall blieben sie aus. Die besten Informationsquellen über aktuelle Ereignisse und die besten Chancen für Polarlichter auch über Mitteleuropa sind derzeit Garantierte Prognosen mit mehr als einer Stunde Vorwarnzeit gibt es leider nicht: Erst wenn der Massenauswurf über den NASA-Satelliten ACE auf seinem Wachposten vor der Erde hinweggelaufen ist, sind genauere Voraussagen geomagnetischer Stürme möglich. Die können dann aber mehrere Stunden lang dauern, wie im April. [4.5.2000 - 16]



Noch einen Monat: ein Ziel für Hubble vorschlagen!

In einer seltenen Aktion aus Anlaß des 10. Start-Jubiläums hat das Space Telescope Science Institute alle Welt aufgerufen, ein neues und interessantes Beobachtungsobjekt für das Weltraumteleskop vorzuschlagen - die genauen Bedingungen sind hier zu finden; Bewerbungsschluß ist der 6. Juni.

In seinen ersten zehn Jahren im Orbit (denen weitere 10 folgen sollen) hat Hubble rund 13 670 verschiedene Himmelsobjekte beobachtet und dabei 271 000 einzelne Messungen angestellt, 3.5 Terabyte Daten produziert und zur Veröffentlichung von über 2650 wissenschaftlichen Arbeiten beigetragen. Sein Schicksal ist auch schon weitgehend geklärt: Die NASA wird das verdiente Weltraumobservatorium um das Jahr 2010 mit einem Space Shuttle (oder dessen Nachfolger) zur Erde zurückholen und im Washingtoner National Air & Space Museum ausstellen. [3.5.2000]

[15] Links: Eine Pressemitteilung zum Jubiläum und neue PR-Seiten vom STScI und der ESA.



Künstliche Verschlechterung der GPS-Signale abgeschaltet

In einer jahrelang erwarteten und dann doch überraschenden Aktion hat das amerikanische Verteidigungsministerium auf Anweisung des Präsidenten Anfang Mai die Signalqualität der Navigationssatelliten des Global Positioning System für zivile Nutzer dramatisch verbessert. Bisher war dieses Signal die meiste Zeit künstlich verschlechtert worden, so daß ein GPS-Empfänger die Koordinaten auf der Erde nur auf etwa 100 Meter genau anzeigen konnte. Nach dem Abschalten der sogennanten Selective Availibility liefern nun schon die einfachsten Empfänger Positionsgenauigkeiten von 12 Metern - ganz neue Anwendungsbereiche tun sich auf. [3.5.2000]

[14] Links:
Ein Statement von Clinton, Informationen des Interagency GPS Executive Board und die technischen Details des GPS.



NEAR erreicht den primären Wissenschaftsorbit

Mit einer großen Zündung seines Triebwerks ist der Eros-Orbiter am 30. April in eine Kreisbahn mit nur 50 Kilometern Radius um den Asteroiden eingetreten - und die Schärfe der ersten Bilder aus dieser Höhe übertrifft tatsächlich alles bisher Gesehene bei weitem. Aus dem primären Wissenschaftsorbit heraus wird NEAR den Asteroiden ausgiebig fotografieren und mit seinen anderen Instrumenten untersuchen - und im Sommer wird sich der Orbiter voraussichtlich sogar bis auf 32 km an den irregulären Himmelskörper heranwagen. [3.5.2000]

[13] Links: Newsflash über das letzte Manöver.



Der viertgrößte Impaktkrater der Erde
ist die 120 km große Woodleigh-Struktur in West-Australien: Zwei Jahrzehnte nach ihrer Entdeckung ist Geologen endlich der Beweis geglückt, daß es sich bei der völlig von Sedimenten zugedeckten Formation wirklich um einen Einschlagskrater handelt. Leider hat sich sein Alter bisher nur sehr vage bestimmen lassen, so daß ein direkter Zusammenhang mit einem großen Artensterben - wie es solch ein Impakt ausgelöst haben sollte - in der Evolution noch nicht hergestellt werden konnte. [3.5.2000]

[12] Links: eine wissenschaftliche
Arbeit über Woodleigh, ein Artikel eines beteiligten Forschers und eine Pressemitteilung.



Ballon-Teleskop bestätigt flaches Universum
Es ist die genaueste Karte der Temperaturvariationen der Kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung, aber noch interessanter ist die Größenverteilung dieser Fluktuationen (Grafik): Die Daten des Ballonteleskops BOOMERANG haben jetzt so klar wie nie zuvor bewiesen, daß die Geometrie des Universums euklidisch, also flach, ist. Und das wiederum bedeutet im Kontext der modernen beobachtenden Kosmologie, daß eine Kosmologische Konstante ungleich Null benötigt wird - und daß das All unbegrenzt expandieren dürfte.



10 1/2 Tage lang war das amerikanische Instrument 37 km hoch über der Antarktis geschwebt, um 3 % des Himmels in vier verschiedenen Radiowellenlängen zu beobachten - jetzt ist ein Teil der Daten ausgewertet und von allen Störquellen des nahen Kosmos befreit worden. Was übrigbleibt, sind die Fluktuationen der schwachen Kosmischen Hintergrundstrahlung, des Echos vom Urknall also, die ein zunächst nichtssagend scheinendes Muster bilden: ein grobes Bild der Dichteverteilung im extrem jungen Kosmos.

Die mathematische Analyse der räumlichen Verteilung dieser minimalen Temperaturunterschiede (von weniger als 1/10 Millikelvin) enthüllt jedoch, daß manche Größenskalen erheblich stärker vertreten sind als andere: Das in der Grafik dargestellte Spektrum enthält eine Menge Informationen über die Geometrie des ganzen Universums. So klar wie nie zuvor kann nun gesagt werden: Das All ist flach - und weil seine Massendichte allein nicht ausreicht, dafür zu sorgen, kommt man nicht mehr umhin, auch eine positive Kosmologische Konstante anzunehmen. [27.4.2000]

[11] Links: die Originalveröffentlichung in Nature, ein Nature Science Update und die BOOMERANG-Medienseiten mit vielen Abbildungen.


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