Meldungen Nr. 111 bis 120
vom 26.8.-9.9.2000
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Atlantis-Crew soll ISS bewohnbar machen

Nach dem pünktlichen Start am 8. steht jetzt das Andocken des Space Shuttle Atlantis für den Morgen des 10. September - gegen 7:52 MESZ - auf dem Plan. Die siebenköpfige Besatzung bringt all die Einrichtungsgegenstände, die aus Gewichtsgründen nicht mit den Stationsmodulen gestartet werden konnten. Bevor sich die Astronauten allerdings als Möbelpacker verdingen, werden am 11.9. zwei von ihnen Außenarbeiten an der ISS verrichten und Kabel von Zvezda zu Unity ziehen. Dabei entfernen sie sich über 30 Meter vom Shuttle und klettern gewissermaßen die ISS hinauf - so weite Ausflüge gab es noch nicht einmal bei den Hubble-Besuchen. [9.9.2000]

[120] Links: Mission Journal, Mission Status Center und die offiziellen Status Reports.



First Light für das vierte VLT-Teleskop

13 Jahre nach dem Beschluß zum Bau ist das Very Large Telescope der ESO fertig - zumindest haben alle vier Unit Telescopes mit ihren 8.2 Meter großen Hauptspiegeln ihr First Light erlebt. Als letztes war Anfang September Yepun an der Reihe, das gleich auf Anhieb gute Bilder lieferte. Noch müssen freilich eine Reihe weitere wissenschaftliche Instrumente an den Teleskopen installiert werden - und 2001 wartet als ganz große Herausforderung die interferometrische Zusammenschaltung von zunächst zwei Unit Telescopes zwecks dramatischer Steigerung der Winkelauflösung. [9.9.2000]

[119] Link: ESO Press Release. Weitere Teleskop-News:

Grundstein für das SALT gelegt, das Southern African Large Telescope: Press Release, Details und eine PM aus Göttingen zur Rolle Deutschlands.

Fliegende Sternwarte SOFIA kann gebaut werden - die Critical Design Review ist geglückt: Ames Press Release.

Deutsches Mini-Teleskop in Südfrankreich installiert - der 60-cm-Spiegel wird aus Tübingen ferngesteuert: Pressemitteilung.



Säuberung des CCD-Chips von Stardust nicht gelungen

Die erste NASA-Mission zu einem Kometen droht zwar noch nicht zu scheitern - aber es könnte sein, daß die Bilder des Kerns von Wild 2 nicht die schärfsten werden, die Stardust beim engen Vorbeiflug 2004 liefern wird: Auf dem CCD-Chip der Kamera haben sich Ablagerungen gebildet, die sich bisher auch durch Aufheizen der Kamera nicht vertreiben ließen. Die eigentliche Aufgabe, das Einsammeln von Staub aus der Kometenkoma und der Rücktransport zur Erde, ist zwar nicht in Gefahr, aber scharfe Bilder eines Kometenkerns wären eine schöne Zugabe. [9.9.2000]

[118] Links: Status Reports vom
8. und 6.9. und ein Space.com-Artikel.



Schon über 200 SOHO-Kometen

sind seit dem Start des Sonnensatelliten Ende 1995 im Bildfeld seiner Koronographen entdeckt worden: 10 Prozent sind nur zufällig in der Nähe der Sonne erschienen, der Rest aber gehört zur Kreutz-Familie der Sonnenstreifer (sungrazer). Sie sind allesamt Bruchstücke eines einzigen Kometen, der vor langer Zeit auseinanderbrach, und der Zerfall der Fragmente geht ständig weiter: Davon zeugt auch die Zahl der Kometenpaare, die innerhalb eines halben Tages in SOHOs Gesichtsfeld auftauchen. 15-mal ist das bereits passiert, aber wenn die Kometensplitter zufällig auftauchen würden, hätte es nur ein einziges solches Paar geben dürfen. [31.8.2000]

[117] Quelle: Sekanina, JPL Cometary Science Team Preprint # 185. Links: die Homepage der Sungrazer (mit Hinweisen für Amateure) und Science@NASA und Space.com über die 200 Entdeckungem.



Asteroid 12. Größe nahe der Erde

2000 QW7 heißt ein ca. 800 Meter großer Asteroid, den Ende August das NEAT-Teleskop entdeckte und der sich jetzt der Erde bis auf 12 Mondentfernungen nähert. Dabei sollte er etwa 12.7 mag erreichen - erste Amateursichtungen gibt es schon. Beim Aufsuchen dieses Vertreters der Amor-Klasse muß man auf die Parallaxe achten: Weil er nur wenige Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist, verschiebt er sich je nach Standort vor dem Himmelshintergrund! [31.8.2000]

[116] Links:
ASTRONET mit ersten Hinweisen, MPC und Sky & Tel. mit detaillierten Ephemeriden - und ein Film von 2000 QW7 von der Sternwarte Drebach!



Das größte bewegliche Radioteleskop der Welt

ist seit dem 25. August nicht mehr der 100-m-Spiegel in Effelsberg in der Eifel sondern das Green Bank Telescope in West Virginia: Die Schüssel dieses Instruments mißt 100 x 110 Meter. Das GBT, das ein 1988 aus Metallermüdung eingestürztes Teleskop ersetzt, ist mit seinen 2004 Metallpanelen für Wellenlängen zwischen 3 Metern und 3 Millimetern zu gebrauchen. [26.8.2000]

[115] Links: Homepage des GBT und AP und Space.com über die Einweihung.



Die beste Evidenz für einen Ozean heute auf Europa

lieferten Messungen von Galileos Magnetometer, als der Jupiterorbiter im vergangenen Januar besonders nahe an dem Eismond vorbeiflog - schon wenige Tage später war klar gewesen, daß Europas Inneres das Magnetfeld des Jupiter in einer charakteristischen Weise verändert. Und das konnte nur bedeuten, daß Europa nicht durch und durch gefroren ist, sondern daß es dort einen salzigen Ozean gibt. Zwar ist auch dieser Hinweis letztlich nur indirekter Natur, ebenso wie all die anderen, die auf der Morphologie der Oberfläche Europas basieren - aber die jetzt auch in der Fachliteratur veröffentlichten Magnetometerdaten gelten als die stärkste Evidenz bis jetzt, daß die Erde nicht der einzige Himmelskörper mit Ozeanen ist. [26.8.2000]

[114] Links: ein aktueller
JPL Press Release - und der Kenntnisstand im Januar.



TX Cam - Sternenwind als Filmstar

Ein Zeitrafferfilm, der Gasblasen im Wind eines Sterns zeigt, ist jetzt aus 88-wöchigen Radiobeobachtungen des Mirasterns TX Camaelopardalis hergestellt worden - die hohe Winkelauflösung des Very Long Baseline Array, der aus quer über die USA verteilten Teleskopen besteht, hat es möglich gemacht. Die Bewegungen der einzelnen Gasklumpen, die durch Maser-Strahlung auf sich aufmerksam machen, sind im Detail allerdings rätselhaft: Nicht alles Gas bewegt sich nämlich von TX Cam weg, manches fällt auch zurück. [26.8.2000]

[113] Link: IAU Press Release.



Kaputtgeschüttelter Satellit HESSI hat neuen Starttermin

Es war an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten gewesen: Da bekam das Jet Propulsion Laboratory in Kalifornien einen kleinen Sonnenforschungssatelliten ausgehändigt, um ihn einem Schütteltest zu unterziehen - aber statt mit der zweifachen Erdbeschleunigung wurde der arme High Energy Solar Spectroscopic Imager (HESSI) mit 20 g malträtiert! Erst jetzt kann aufgeatmet werden: Die Schäden an Satellit wie Instrumenten halten sich in Grenzen, und als neuer Starttermin konnte der 28. März 2001 festgelegt werden. [26.8.2000]

[112] Links: HESSIs
Homepage, SolarNews über den neuen Termin und ein NASA News Release über die Schüttelpanne.



Hubblezählung zeigt: Braune Zwerge so häufig wie Sterne

50 Braune Zwerge in der Trapez-Region des Orionnebels, 30 weitere in einem anderen Sternhaufen: Die NICMOS-Kamera des Hubble Space Telescope hat sich als besonders effizientes Werkzeug erwiesen, um junge, freistehende Braune Zwerge in Sternhaufen aufzuspüren. Die Volkszählung hat einmal mehr den Verdacht erhärtet, daß es ungefähr so viele Braune Zwerge wie richtige Sterne in der Milchstraße gibt. Als Begleiter normaler Sterne sind sie indes sehr rar (siehe Artikel Nr. 92) - was wiederum zeigt, daß Braune Zwerge und Planeten nicht zusammengehören und auf unterschiedliche Weise entstehen. [26.8.2000]

[111] Links: STScI-Pressemitteilungen zum Trapez und zur Statistik - und ein schöner Scientific American-Artikel über den Stand der Braun-Zwerg-Forschung.


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