Meldungen Nr. 141 bis 150
vom 31.10.-13.11.2000
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NASA streicht Asteroiden-Rover

Aus der Traum von einen winzigen Fahrzeug des Jet Propulsion Lab, das die japanische Asteroidensonde MUSES-C (siehe
Artikel Nr. 87) auf einem Asteroiden absetzen sollte: Die NASA hat das Projekt MUSES-CN eingestellt, weil es den Kostenrahmen von 21 Mio. Dollar weit zu überschreiten drohte und auch die Massenvorgaben nicht eingehalten werden konnten. Die eigentliche Mission von MUSES-C, Bodenproben von 1998 SF36 zur Erde zu bringen, wird durch die Streichung des Rovers nicht gefährdet, und die NASA bleibt auch weiter involviert. [13.11.2000]

[150] Links: ein JPL Press Release, ein Artikel aus SpaceViews und Protest von der Planetary Society.



Und wieder: Asteroiden-Warnung nach Stunden zurückgezogen

Schon wieder haben Astronomen Alarm geschlagen, daß ein Kleinplanet in einigen Jahrzehnten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Erde treffen könnte, und wieder kam - wie in fast allen früheren Fällen auch - die Entwarnung nur einen Tag später. Nach entsprechender Verwirrung 1998 hatten sich die Experten für erdnahe Kleinplaneten weltweit auf eine Prozedur geeinigt, die solch unnötigen falschen Alarm vermeiden sollte: Jetzt kam das immerhin von der Internationalen Astronomischen Union koordinierte Protokoll zum ersten Mal zum Einsatz - und wieder hat es nicht geklappt.

Nach der Entdeckung des Objekts 2000 SG344 am 29. September und den ersten Bahnrechnungen, die eine Kollision mit der Erde nicht ausschlossen, hatten die eingeweihten Astronomen zunächst dicht gehalten und erst nach den vereinbarten 72 Stunden am 3. November eine Mitteilung herausgegeben: Am 21.9.2030 würde das Objekt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:500 auf der Erde einschlagen. Vielleicht war es ein 30 bis 70 Meter großer Felsen, vielleicht aber auch eine Raketenstufe aus dem Apollo-Programm, die der Erde nach 30 Jahren wieder nahegekommen war.

Nur wenige Stunden nach Verbreitung der ungewöhnlichen Meldung (eine so hohe Einschlagswahrscheinlichkeit hatte es noch nie gegeben) war schon die Entwarnung da: In Archivdaten eines auf die Jagd nach Kleinplaneten spezialisierten Teleskops war 2000 SG344 wiedergefunden worden, und die neue Bahn führt 2030 eindeutig an der Erde vorbei. Ein Impakt 2071 bleibt dagegen weiter möglich. Nach diesem unglücklichen Lauf der Dinge - noch Tage nach der Entwarnung geisterte der alte Alarm durch viele Medien - wird jetzt wieder heftig über noch bessere Wege gestritten, sowohl die Kollegen wie auch die Öffentlichkeit seriös zu informieren. [13.11.2000]

[149] Links: die offizielle Webseite der
IAU, Warnung und Entwarnung aus den NEO News der NASA, ein Artikel von Science@NASA, und ein Auszug aus der Debatte im CCNet vom 7., 8. und 9. November.



CERN beendet Jagd auf das Higgs-Teilchen - Erfolg bleibt unbestätigt

Bis zuletzt war hitzig debattiert worden, aber Anfang November hat das Zentrum für Teilchenforschung CERN in Genf den Large Electron-Positron collider (LEP) endgültig stillgelegt. Der Betrieb war noch um einen Monat verlängert worden, nachdem sich in Daten dieses Jahres vage Hinweise auf das langgesuchte Higgsteilchen gefunden hatten: Es ist im Standardmodell der Teilchenphysik für die Masse aller Partikel verantwortlich. Noch hat der Rückbau des LEP, der dem Large Hadron Collider weichen muß, nicht begonnen, und die Physiker hoffen auf eine allerletzte Beratung im Dezember: Wenn sie nicht noch etwa ein Jahr mit dem LEP weiter messen und die Ergebnisse signifikanter machen können, dann wird den Higgs-Nobelpreis höchstwahrscheinlich das Fermilab in den USA holen ... [13.11.2000]

[148] Links: die
NYT, AP, der SPIEGEL und die RP über die Abschaltung des LEP und ein CERN Press Release über die letzte Verlängerung.



Amateure schaffen es nicht bis ins All

Keiner Gruppe von Amateur-Raketenbauern ist es in den vergangenen drei Jahren gelungen, eine Nutzlast von 2 Kilogramm auch nur annähernd in 200 km Höhe zu schießen - nur dann hätte es die 250 000 Dollar Preisgeld gegeben, die die Space Frontier Foundation für diese Leistung ausgelobt hatte. Am 8. November wurde der Wettbewerb wie geplant beendet - und die Errungenschaften der Raketenpioniere vor über 50 Jahren erscheinen jetzt um so beeindruckender. [13.11.2000]

[147] Links: die
Homepage des CATS Prize und ein Artikel von Space.com.



Ist etwas faul mit (u.a.) der deutschen Astronomie?

Spanische Astronomen sind bei der Analyse des sogenannten Impakts von wissenschaftlichen Arbeiten - gemessen vor allem daran, wie oft sie von Kollegen zitiert werden - auf ein befremdliches Phänomen gestoßen: Astronomische Veröffentlichungen aus Spanien, Frankreich, Deutschland und Italien sind deutlich weniger einflußreich als Arbeiten aus den Niederlanden, Japan, dem Vereinigten Königreich und den USA. Über die Ursachen kann nur spekuliert werden: Liegt's am Forschungsetat, an der Sprache, an der akademischen Kultur ...? [13.11.2000]

[146] Link: das Paper von
Sanchez & Benn.



Ab jetzt immer Menschen im Weltraum?

Vielleicht wird der 31. Oktober 2000 einmal in den Geschichtsbüchern als jener Tag stehen, ab dem sich immer mindestens ein Mensch im Weltraum aufgehalten hat - und sei es in einer niedrigen Erdumlaufbahn, auf dem Weg zur Internationalen Raumstation. Um 8:53 MEZ hob die Sojuz-Rakete mit der ersten Stammbesatzung der (immer noch namenlosen) ISS ab, der Expedition One - wegen starken Nebels war allerdings fast nichts von dem historischen Ereignis zu sehen. Um 10:24 MEZ am 2. November soll angedockt werden, und bis Februar 2001 bleiben Shepherd, Gidzenko und Krikalev an Bord. [31.10.2000]

[145] Links: Jede Menge Artikel und Multimedia-Inhalte von Spaceflight Now, dem Discovery Channel und dem SPIEGEL.

Der nächste Start der chinesischen Raumkapsel Shenzhou soll unmittelbar bevorstehen - allerdings wieder unbemannt: SpaceRef. Chinesische Mond-Astronauten auf der EXPO sorgen für Aufsehen: Encyclopedia Astronautica. So schnell landen die Chinesen nicht: Space Daily.



Die Marspläne der NASA für die nächsten 20 Jahre

sind nach 6-monatiger Beratung festgeklopft worden: Im Gegensatz zum ebenso stürmischen wie chronisch unterfinanzierten Programm seit 1996, das auf eine Bodenprobenbeschaffung (Sample Return) so schnell wie möglich abzielte, steht jetzt die Erkundung des Mars aus dem Orbit und vor Ort im Mittelpunkt. Pro Startfenster wird es nur jeweils eine große Mission geben, allenfalls (ab 2007?) von kleinen Scout-Sonden begleitet: Abwechselnd sollen ein Orbiter und ein Lander auf die Reise gehen. Bereits fest stehen
Neu ins Programm aufgenommen worden sind jetzt
  • 2005 der Mars Reconnaissance Orbiter mit einer superscharfen Kamera, die noch 20 bis 30 cm kleine Details auf der Oberfläche erkennen kann, und
  • 2007 oder später ein Mobile Science Laboratory, ein sehr großer Marsrover mit viel Nutzlast.
Bei dessen Landung soll auch zum ersten Mal das präzise Anfliegen einer vorher aufgrund von Orbiterbildern ausgewählten Zone geübt werden - und das Ausweichen von Hindernissen auf dem Boden. Dies ist die Voraussetzung für die
  • vielleicht schon 2011, wahrscheinlich aber erst 2014 auf dem Programm stehende erste Sample Return Mission, der zwei Jahre später die zweite folgt.
Über 2007 hinaus werden keine konkreten Missionen festgelegt: Es soll immer erst aus den Ergebnissen der Vorgänger gelernt werden. In das NASA-Mars-Programm sind auch Frankreich und Italien mit größeren Beiträgen involviert. [31.10.2000]

[144] Links: eine JPL-Pressemitteilung, ein paar Illustrationen, wie die Missionen ab 2007 aussehen könnten, und ein langer Review von SpaceRef über die Neugestaltung der NASA-Marsforschung.



Bis auf 5 km an die Oberfläche von Eros heran

hat sich NEAR Shoemaker am 26. Oktober gewagt, um eine Serie von Nahaufnahmen mit Meter-Auflösung und andere Daten zu gewinnen. Danach zog sich der erste Asteroidenorbiter wieder auf 200 km Distanz zurück, um die globale Erkundung von Eros fortzusetzen. Kommenden Februar freilich wird sich NEAR zum Ende der Mission immer weiter an einen Pol des Asteroiden annähern und schließlich aufsetzen - dafür ist die Sonde zwar gar nicht konstruiert, aber sie wird bis zu letzt alle paar Minuten Bilder liefern. [31.10.2000]

[143] Links: Science@NASA über die Annäherung, ein Bildmosaik und ein NYT-Artikel.

Wieviele Asteroiden, die die Erde bedrohen, gibt es denn nun? Einer neuen Hochrechung, die mindestens 1100 Brocken von 1 km und mehr Durchmesser auf potentiell gefährlichen Bahnen sieht, ist prompt widersprochen worden: MIT Press Release, ein ABC-Artikel und die Gegendarstellung aus CCNet (Item 8).



Hat das Sonnensystem einen Rand?

Trotz intensiver Suchprogramme ist es bisher nicht gelungen, irgendeinen Vertreter des Kuiper-Gürtels aufzuspüren, der jenseits von 55 Astronomischen Einheiten entstanden ist. Zwar wagen sich eine Reihe dieser großen Eisbrocken - insgesamt sind derer schon über 300 katalogisiert - über diese Grenze hinaus (und auch viele Kometenkerne), doch ihre Bahnen sind stets elliptisch und deuten auf eine Entstehung weiter innen hin, plus eine spätere Schwerkraftstörung. Jetzt stellt sich die Frage: War das Rohmaterial des Sonnensystems bei 55 AU plötzlich zuende - oder gibt es durchaus noch weiter entfernte Kuiperoide, die sich aber durch abweichende Eigenschaften (extrem dunkle Färbung oder Kleinheit z.B.) der Entdeckung entziehen? [31.10.2000]

[142] Links: Pressemitteilungen der
Univ. of Arizona und der Univ. of Michigan.

Das größte Plutino - also Kuiperoid mit Pluto-ähnlicher Bahn - ist 2000 EB 173 mit 300 bis 700 km Durchmesser (andere Kuiperoide sind allerdings von ähnlichem Format): Yale-Pressemitteilung und SpaceViews- und BBC-Artikel.

Warum sind die sonnenfernsten Kuiperoide alle rot, während diejenigen weiter innen eher grau gefärbt sind? NAU Press Release.

Vier neue Saturnmonde bringen die Gesamtzahl auf 22 - einer mehr als beim Uranus: Cornell- und ESO-Pressemitteilungen und ein Nature Science Update.



ESA-Forschungspläne abgesegnet

Das Science Programme Committee der ESA hat die Vorschläge für die wissenschaftlichen Missionen nach 2007, die in
Artikel Nr. 130 beschrieben wurden, allesamt genehmigt. Demnach stehen - eine Anpassung des Budgets an die Inflation vorausgesetzt - auf dem Programm:
  • die Merkurmission BepiColombo, die aus zwei Orbitern und einem Lander besteht (einer der Orbiter wird wahrscheinlich von Japan gestellt), mit Start 2009 und Ankumft 2012;
  • der Astrometriesatellit GAIA der weit über DIVA (siehe Artikel Nr. 132) hinausgehen und 2012 starten soll; und
  • ein Solar Orbiter, der die Nachfolge von SOHO und Ulysses antreten soll.
BepiColombo und GAIA sind sogenannte Cornerstones, Großmissionen, die die ESA alleine angeht, während der Solar Orbiter zur preiswerteren Flexi-Kategorie gehört. Weiterhin hat die ESA beschlossen, auf dem Niveau von Flexi-Missionen an zwei Gemeinschaftsprojekten mit der NASA mitzuarbeiten, beim
  • Next Generation Space Telescope als Juniorpartner und beim
  • Gravitationswellendetektor LISA als gleichberechtigter Partner (das Projekt war ursprünglich eine ESA-Idee, die dann mit einem amerikanischen Konzept verschmolzen wurde.
Da man bei der NASA aber nie weiß, wann eine Mission genau fliegen wird (das NGST steht derzeit für frühestens 2009 auf dem Plan [siehe Artikel Nr. 51], LISA ist noch völlig offen), wurde zusätzlich als Reservemission der Photometriesatellit Eddington ausgewählt. Auch ist die Reihenfolge von BepiColombo und GAIA nicht 100%ig eingefroren: Kommt es bei der Erprobung des für den Merkurflug nötigen Ionentriebwerks auf SMART-1 zu ernsten Problemen, könnte GAIA auf 2009 vorrücken. [31.10.2000]

[141] Link: ESA Science News


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