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vom 27.11.-10.12.2000 Zu den aktuellen Meldungen Kein Witz: Deutsche TV-Produzenten wollen Show-Kandidaten zur ISS schicken Eigentlich stammt die Idee aus den USA, und die Reise sollte zu Mir gehen - aber jetzt hat die deutsche TV-Produktionsfirma Brainpool die Initiative ergriffen. Unter noch nicht ganz klaren Umständen, aber mit Vermittlung des europäischen Raumfahrtkonzerns Astrium, sind offenbar sieben Soyuz-Starts zur ISS von Passagieren vereinbart worden, die die Reise zwischen 2002 und 2008 im Rahmen einer gigantischen europaweiten TV-Show gewinnen können. Alleine in Deutschland sind rund 100 Sendungen zur Primetime vorgesehen, wobei der Sender noch nicht festzustehen scheint.
Das Konzept scheint sich eng an das Projekt »Destination
Mir« anzulehnen, das wiederum direkt aus dem US-Quotenhit
»Survivor« hervorging, in dem sich eine Schar Kandidaten nach
und nach von einer tropischen Insel warfen (das Finale hatte über
50 Mio. Zuschauer). Jetzt sollte der Schauplatz das russische
Trainingszentrum für Kosmonauten werden, in das die Kandidaten
einrücken sollten, und unter den Augen der TV-Gemeinde würde
dann einer nach dem anderen von den Ausbildern eliminiert - bis der
letzte sofort in den Orbit startet, zu einem einwöchigen
Mir-Aufenthalt.Die Brainpool-Produktion, die in mehreren europäischen Ländern gleichzeitig und später weltweit durchgeführt werden soll, dürfte bis zum Start nach einem ähnlichen Drehbuch ablaufen, doch das Ziel heisst ISS. Und das wirft eine Menge Fragen auf (die vielleicht auf einer Pressekonferenz in Bremen am 12.12. beantwortet werden), sind hier doch die Russen nur mehr Juniorpartner. Und die NASA hatte erst vor Kurzem ein amerikanisches Medienunternehmen zurechtgewiesen, das mit einer ganz ähnlichen ISS-TV-Show bei den US-Networks hausieren gegangen war ... [10.12.2000] [170] Links: die erste Pressemitteilung von Brain Pool und Artikel aus SPIEGEL und WELT. Ausserdem Artikel zum Schicksal von »Destination Mir« aus SpaceViews und zum US-Nachahmer aus der NYT. ISS-Sonnensegel in perfektem Zustand - beim 3. Ausstieg gelang den Endeavour-Astronauten überraschend flott eine spontan geplante Straffung: Artikel von Spaceflight Now, CNN und SpaceViews. Bedenkliches Booster-Problem beim Endeavour-Start - eine pyrotechnische Vorrichtung versagte, und nur ein Back-Up-System verhinderte Schlimmeres: Artikel von Spaceflight Now, Florida Today und SpaceViews. Wie präzise kann Russland den Absturz der Mir steuern? Auch die USA sind mit dabei: SpaceViews. Sedimente auf dem Mars ein Beweis für Seen?
Die Reaktionen in der Fachwelt gingen weit ausseinander, nachdem die
Mars Global Surveyor-Kameraleute M. Malin und K. Edgett (die erst im
Juni auf der Bühne standen - siehe
Artikel Nr. 62) am 4. Dezember von der
ihrer Meinung nach grössten Entdeckung der Mission berichtet
hatten: Wurde hier ein Durchbruch in der Marsforschung erreicht oder
nur ein altbekanntes Phänomen mit etwas besseren Bildern
aufgewärmt? Schon seit 30 Jahren sind geschichtete geologische
Strukturen auf dem Mars bekannt, und eine Interpretation als
freiliegende Sedimentfelsen wird diskutiert - die wiederum auf
stehende und fliessende Gewässer in der Vergangenheit des Planeten
hindeuten könnten.Was jetzt präsentiert wurde, waren die fraglos besten Bilder solcher Formationen, die es an vielen Stellen auf dem Mars gibt, vor allem aber in Senken wie Gräben oder Einschlagskratern: Diese Lagen und geologische Details der freiliegenden Schichten sprechen nach Ansicht von Malin (der bisher gar nicht an stehende Gewässer auf dem Mars geglaubt hatte) und Edgett dafür, dass der Mars vor 4 Mrd. Jahren eine richtiggehende Seenlandschaft war. Doch weder die Zuflüsse der Seen (ohne die es keine Sedimentation gibt) noch die Herkunft der Ablagerungen sind auf den MGS-Bildern erkennbar, und dass Wasser im Spiel war, lässt sich - wie so oft in der Marsforschung - nicht beweisen. Schon werden alternative Szenarien diskutiert, bei denen z.B. verstärkter Staubtransport in der Atmosphäre eine Rolle spielt, doch für die Raumfahrtplanung bieten sich jetzt neue interessante (wenn auch nicht gerade ebene) Landeorte an. [10.12.2000] [169] Links: Pressemitteilungen von Science Magazine (in Deutsch!) und JPL sowie alle Bilder, eine Zusammenfassung von Astro!nfo und ein Kommentar von Chris McKay. Die Strategien der Weltraumagenturen für die Marsforschung des nächsten Jahrzehnts diskutiert ein Artikel aus AW&ST. Erste Amateurbeobachtungen des Mars gibt es schon, obwohl die Sichtbarkeit gerade erst begonnen hat: CMO 2001 Mars Report #1. Schon wieder vier neue Saturnmonde sind entdeckt worden - jetzt kennt man schon derer 28: Spaceflight Now. Das »schwere Bombardement« des Mondes war ein kurzes Ereignis vor 3.9 Mrd. Jahren, das den ganzen Himmelskörper betraf - das belegen vier Mondmeteoriten: UA Press Release. Pioneer 6 meldet sich nach 35 Jahren - die älteste funktionierende Raumsonde der NASA hat geantwortet: SpaceViews. Wie hell wird die ISS wirklich strahlen
wenn auch das zweite grosse Sonnensegel ausgefahren ist? Darüber
hat sich die NASA nur vage Gedanken gemacht: Wenn die Solarzellen
Sonnenlicht voll zum Beobachter reflektieren, sollte die Raumstation
als Lichtpunkt von Sirius- bis Venus-Helligkeit erscheinen,
anderenfalls nur wie ein Stern +2. bis +3. Grösse. Bei der
Installation des 600 Mio. $ teuren Paares (P6 genannt; s.a.
Artikel Nr. 163) in der Nacht zum 4. Dezember war
es zu den ersten grösseren mechanischen Problemen beim Bau der
ISS gekommen, die aber noch im Laufe des Tages gelöst werden
sollten. In den kommenden Jahren werden noch drei weitere
Solarzellen-Paare dieser Grösse installiert. [4.12.2000][168] Links: Mission Status Center, ein Science@NASA-Artikel über die ISS am Himmel, und Spaceflight Now über die Montagearbeiten. Ein Transneptun halb so gross wie Pluto? Noch ist der Durchmesser von 2000 WR106 nur ungenau bekannt, aber ein Mitglied des Kuiper-Gürtels mit 20. Grösse, der 43 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt ist, müsste zwischen 650 und 1300 km messen. Das entspricht ungefähr dem Durchmesser des grössten Asteroiden im Hauptgürtel, Ceres - und ist etwa die Hälfte der Grösse Plutos. Dass es noch weitere Transneptune von Plutos Ausmassen (2370 km) in vergleichbarem Sonnenabstand geben könnte, gilt zwar als sehr unwahrscheinlich - aber der Fund von 2000 WR106 mit dem SPACEWATCH-Teleskop in Arizona hat die Lücke zwischen dem 9. Planeten und den hunderten anderer Bewohner des Kuiper-Gürtels abermals um einen Faktor 2 schrumpfen lassen. [4.12.2000] [167] Links: Sonderseite der SPACEWATCH zur Entdeckung und eine Pressemitteilung. Galaxie mit Rekord-Rotverschiebung zurückgezogen Eine schwache Galaxie mit einer vermeintlichen Rotverschiebung von 6.68, mit der viele Astronomen nie ganz glücklich waren, muss deutlich weniger weit entfernt sein: Das haben neue Untersuchungen an STIS 123627+621755 mit grossen Teleskopen gezeigt. Überraschenderweise war die Galaxie klar auf Bildern im sichtbaren Licht zu erkennen, obwohl sie dort schon bei einer Rotverschiebung von über 5 nicht mehr nachweisbar sein sollte. Einen neuen eindeutigen Wert für die Rotverschiebung gibt es indes nicht, weil die spektrale Energieverteilung des Objekts zu keinem bekannten Galaxien (oder auch Stern-)Typ passt. Neuer Rekordhalter für eine direkt gemessene Rotverschiebung ist nunmehr der dieses Frühjahr entdeckte Quasar SDSS 1044-0125, der es auf immerhin 5.8 bringt (siehe Artikel Nr. 10). Und dieser Quasar hält seit kurzem auch den Rekord für die fernste Röntgenquelle: Bei einer 8-stündigen Belichtung ist es dem Röntgensatelliten XMM-Newton gelungen, 30 Photonen von ihm einzufangen. Das war zehnmal weniger als erwartet: Entweder wird viel Strahlung noch in der Galaxie, in der der Quasar steckt, absorbiert, oder es handelt sich um einen Proto-Quasar. [4.12.2000] [166] Links: ein Paper von Chen et al. mit dem Dementi der Rotverschiebung und Pressemitteilungen von LLNL und JPL. Ausserdem Pressemitteilungen von ESA und PSU über die Röntgenbeobachtungen. Kosmischer Astigmatismus beweist geringe Dichte des Alls - eine Analyse der Formen und Orientierungen von 76 000 Galaxien, die durch schwache Gravitationslinsen-Effekte beeinflusst werden, lässt diesen Schluss zu: ESO Press Release. Sterne laufen aus zwei Gründen davon - entweder weil ein Begleiter als Supernova explodiert, oder weil sie einem anderen Stern zu nahe kamen: Nature Science Update. Ein zweiter Sirius-Begleiter wird immer unwahrscheinlicher, zeigen neue Aufnahmen mit Adaptiver Optik - im Strahlenglanz des Sterns kann sich allenfalls noch ein Brauner Zwerg verstecken: Pressemitteilung des Obs. de Paris und eine Animation. Ulysses zum 2. Mal über dem Sonnensüdpol Genauer gesagt waren es 80.1 Grad südlicher Sonnenbreite, die die betagte ESA-Sonnensonde am 27. November erreichte; jetzt geht es schon wieder zurück Richtung Ekliptik. Das letzte Mal hatte Ulysses im September 1994 die höchste südliche Breite erreicht: Damals war die Sonnenaktivität auf ihr Minimum abgefallen, heute ist sie ungefähr maximal. Das hat gravierende Auswirkungen auf den Sonnenwind, der jetzt über den Sonnenpolen maximal 600 km/s schnell ist, gegenüber 750 km/s beim letzten Mal. Als nächstes steht Ulysses im Oktober 2001 eine Passage über hohe Nordbreiten bevor. [27.11.2000] [165] Link: ESA Science News. Leichte Bahnanomalien von Raumsonden in Erdnähe, die wiederholt aufgetreten sind, geben Himmelsmechanikern Rätsel auf - gibt es womöglich subtile Abweichungen vom klassischen Gravitationsgesetz? Space.com. Europas Rolle bei den nächsten 10 Jahren Mars-Forschung ist auf einem grossen internationalen Treffen von Marsforschern klarer geworden: Frankreich bleibt entschlossen, substantielle Beiträge zum Plan der NASA (siehe Artikel Nr. 144) zu leisten, und auch Italien will sich mit einem eigenen Marsorbiter einbringen - nur die gesamteuropäische ESA hat über den Mars Express von 2003 hinaus noch keine konkreten Marsmissionen im Auge. Und so sieht der aktuelle Plan von NASA, CNES und ASI nach 2005 aus:
[164] Links: ESA Science News und Artikel von DPA, AW&ST, Space Daily und Space.com. Viking-Chefwissenschaftler überraschend gestorben - Gerald Soffen wurde 74: Nachrufe von NASA, NYT und SpaceViews. Ein Wachstumsschub für die ISS ![]() steht Anfang Dezember bevor, wenn der Space Shuttle Endeavour bei der Mission STS-97 den ersten Satz gigantischer Sonnensegel zur Raumstation bringt - 73 Meter werden sie von Spitze zu Spitze aufspannen und 19.1 kW nutzbare Leistung bringen. Damit erst wird der Betrieb des US-Labormoduls Destiny möglich, das im Januar kommt, und die Unabhängigkeit des amerikanischen Teils der ISS vom russischen nimmt ihren Lauf. Diesmal sind drei Ausstiege geplant, um die Solarzellen zu montieren und anzuschliessen - STS-97 gilt schon im Vorfeld als diejenige Mission, bei der zum ersten Mal die wahre Grösse der ISS spürbar werden soll. [27.11.2000] [163} Links: Status, das Press Kit und eine Vorschau. Duma will Mir retten - das russische Parlament hat die Regierung aufgefordert, die Raumstation nicht zu versenken: Reuters-Artikel. Drei Erdsatelliten auf einer Rakete sind am 21. November gestartet: der New-Millennium-Satellit Earth Observing 1 zum Testen neuer Bildsensoren, der argentinische SAC-C mit 11 Experimenten und der winzige schwedische Munin zur Beobachtung von Polarlichtern. Zum Start siehe auch Spaceflight Now und Space.com. EarthWatch verliert auch den 2. Satelliten für hochauflösende Bilder der Erde, Quickbird - die 2. Stufe der russischen Kosmos-Rakete schaltete zu früh ab: Interfax über die Fehlersuche und die Homepage von EarthWatch. Ein Wettbewerb für den Bau einer Plutosonde an Stelle der aus Kostengründen abgebrochenen JPL-Mission (siehe Artikel Nr. 130) wird möglicherweise von der NASA ausgeschrieben - und es gibt bereits von mehreren planetenerfahrenen Raumfahrtfirmen Konzepte für einen bezahlbaren Flug zum letzten Planeten, den noch keine Raumsonde besuchte. Der Trick wäre der Umbau von Sondenplattformen, die bereits für Missionen der Discovery-Klasse im inneren Sonnensystem entwickelt wurden, doch Experten sind skeptisch, ob dramatische Kostensenkungen wirklich möglich sind. Der Preis für den Pluto-Kuiper Express plus den Europa-Orbiter war bei näherer Betrachtung von 650 Mio. auf 1.4 Mrd. Dollar gestiegen, was zum Aufschub der Pluto-Mission um viele Jahre führte - der öffentliche Protest war jedoch so laut, dass die NASA nun nach Auswegen sucht. [27.11.2000] [162] Quelle: Science vom 17.11.2000 1270-1. Links: Washington Post- und Space Daily-Artikel sowie die Homepage der Save the PKE Campaign - angeführt übrigens von einem 17-jährigen. Stellarer Pyramiden-Trick enträtselt? Benutzten die alten Ägypter zwei helle Sterne zu beiden Seiten des Himmelsnordpols, um die Pyramiden von Gizeh auf wenige Bogenminuten genau einzunorden - und überlisteten sie sich dabei letztendlich selbst, weil sie die Präzessionsbewegung der Erdachse nicht kannten? Das legt die Entdeckung nahe, dass sich der genaue Winkel verschiedener Pyramiden zur Nordrichtung im Laufe von 150 Jahren ständig in einer Richtung veränderte. Wenn die Pyramidenbauer die Sterne Zeta Ursae Majoris und Beta Ursae Minoris benutzten, auf deren Verbindungslinie 2467 v.u.Z. der Nordpol lag, und die Nordrichtung mit einem Lot festlegten, wenn die Sterne exakt übereinander standen, dann lässt sich der Trend in der Fehlausrichtung perfekt erklären. Beweisen lässt sich die Hypothese freilich nicht - und sie missfällt vielen Ägyptologen auch deshalb, weil sich die ganze Chronologie der Pharaonen um etwa 74 Jahre verschieben würde. [27.11.2000] [161] Quelle: Spence, Nature 16.11.2000 320-4. Links: Nature Feature of the Week und Science Update und Artikel von BBC, Space.com und Discovery. den aktuellen Meldungen oder zum Archiv. |