|
vom 15.-20.12.2000 Zu den aktuellen Meldungen NASA will doch zum Pluto aufbrechen - Ankunft bis 2015!
Das Blatt hat sich gewendet: Unter starken Druck amerikanischer
Planetenforscher wie auch der breiten Öffentlichkeit hat die NASA
am 20.12. abermals die Reihenfolge der ersten beiden Outer Planets-Missionen
(siehe Artikel 162) geändert und
einen Vorbeiflug zum Pluto wieder auf Nummer 1 gesetzt. Bis März 2001
können in freiem Wettbewerb Vorschläge eingereicht werden (das gab
es bei einer NASA-Mission jenseits vom Mars noch nie), und das ideale Startfenster
2004 wäre noch zu halten. Bis zu 500 Mio. Dollar darf die Mission kosten,
die dank eines Jupiter-Swingby ihr Ziel binnen 8 Jahren erreichen könnte.
Auf jeden Fall soll die Sonde vor 2015 am Pluto ankommen. OP-Mission Nr. 2,
der Europa Orbiter, dürfte in dem neuen Plan zwar erst um 2008
starten, muss aber auch nicht so weit reisen. [20.12.2000][180] Links: ein NASA Press Release, ein Space.com-Artikel und eine Meinungsumfrage in Sachen Pluto und Europa von Sky & Telescope. Voyager 1 nähert sich dem Rand des Sonnensystems und sollte im Zeitraum 2001 bis 2003 den Termination Shock durchqueren - danach kommen nur noch die Heliopause und der interstellare Raum: JPL Press Release. Praktisch täglich gibt es jetzt neue Cassini-Bilder vom Jupiter beim DLR, im Cassini Imaging Diary oder in der JPL-Galerie! Der Landeplatz für Beagle 2 steht fest - der kleine Lander an Bord des ESA-Mars Express soll in der Isidis Planitia niedergehen: ESA Science News. Das nächste »Endergebnis« für die Hubble-Konstante hat das Hubble Space Telescope H0 Key Project am 18. Dezember veröffentlicht - es unterscheidet sich mit 72 +/- 8 km/s/Mpc für die Expansionsrate des Raumes zwar praktisch nicht von dem Mitte 1999 präsentierten Resultat 71 +/- 6, ist aber in sich zuverlässiger. So liegen jetzt Cepheiden-Distanzen zu 31 (statt 25) Galaxien vor, und die relativen Entfernungen der verschiedenen Galaxien sind auf 5% genau. Doch das grosse Manko bleibt die umstrittene Entfernung der Grossen Magellanschen Wolke, an der massgeblich die Eichung der Cepheiden hängt: Eine weitere Revision dürfte fast unvermeidlich sein, doch die kosmologische Entfernungsleiter jenseits der Cepheiden bis in die grössten Tiefen des Alls dürfte die neue Arbeit schärfer denn je festgelegt haben. Bei einer Hubble-Konstanten von 72 wäre ein flaches und von einer Kosmologischen Konstanten dominiertes Universum (für das zahlreiche Daten sprechen) rund 13 Mrd. Jahre alt. [20.12.2000] [179] Links: die neue Arbeit von Freedman et al., eine weitere von Newman et al. über das Eichungsproblem und ein Freedman-Paper von 1999 zum Vergleich. Die Supernova 1987A - eine bipolare Explosion?
Die Indizien häufen sich, dass die Supernova 1987A in der
Grossen Magellanschen Wolke alles andere als eine kugelsymmetrische
Explosion war - vielmehr sind offenbar beim Kollaps des massereichen
Sterns zu einem Neutronenstern zwei scharf gebündelte Materiejets
entstanden, die massgeblich zum Absprengen des Grossteils des alten
Sterns beitrugen. Und sich durch eine Reihe von Effekten verrieten,
die man erst Jahre später zu verstehen begann: etwa einen lange
umstrittenen »Mystery Spot«, einen Lichtpunkt, der eine
Zeit lang neben der Supernova aufleuchtete (Abb.), oder spektrale
Besonderheiten. Auch bei anderen Supernovae gibt es Indizien für
sehr asymmetrische Explosionen: Vielleicht spielen Jets generell die
Hauptrolle und nicht ein Schwall Neutrinos, wie man bisher dachte.
[18.12.2000][178] Quelle: eine Pressemitteilung vom 20. Texas-Symposium. Link: ein Paper von 1999, das die Realität des »Mystery Spots« nachweist. Noch ein Beweis für ein leichtes Universum Immer mehr unabhängige Methoden werden jetzt verfügbar, mit denen Aussagen über die mittlere Dichte des Universums möglich sind: Nun gibt es auch von der »2dF Galaxy Redshift Survey« mit dem Anglo-Australian Telescope (siehe Artikel 52) eine konkrete Zahl. Diese grosse Himmelsdurchmusterung hat bereits von über 130 000 Galaxien die Rotverschiebungen messen können (bis Ende 2001 sollen es 250 000 sein), wodurch sich ein Bild von deren räumlicher Verteilung ergibt. Und aus dem Grad, wie sich die Galaxien zusammenballen, lässt sich recht genau die Massendichte ableiten: Sie liegt bei etwa 35% des kritischen Wertes, ein Ergebnis, das mit allen anderen aktuellen Messungen dieses »OmegaM« gut übereinstimmt. [18.12.2000] [177] Quelle: Colless und das 2dFGRS Team, AAO Newsletter # 95 [Nov. 2000] 5. Link: eine Pressemitteilung zur 100 000sten Galaxie. Ein Ozean auch auf Ganymed? Auch der Jupitermond Ganymed, der grösste Mond des Sonnensystems, scheint unter seiner Eiskruste einen Ozean aus flüssigem, salzigem Wasser zu besitzen: Bei engen Vorbeiflügen wie zuletzt diesen Mai (siehe Artikel 29) sind dieselben magnetischen Effekte aufgetreten, wie sie Galileo wiederholt bei Europa und Callisto registriert hatte. In dem leitfähigen Medium im Inneren der Monde (dass es sich dabei um Salzwasser handelt, ist nur eine, wenn auch naheliegende Vermutung) wird durch Jupiters starkes Feld ein sekundäres Magnetfeld induziert, das sich von einem mondeigenen unterscheidet (siehe Artikel 114). Beim Ganymed war der Nachweis allerdings besonders trickreich, weil dieser Mond zusätzlich auch über ein eigenes Feld verfügt. Auch die Chemie und die Morphologie von Ganymeds Oberflläche weisen Spuren flüssigen Wassers auf. [18.12.2000] [176] Links: ein JPL Press Release, neue Bilder der Jupitermonde und ein AFP-Artikel mit der Vorschlag, die Galileischen Monde als eigene Planeten zu betrachten. Mars-Magnetfeld schützt die Atmosphäre - über den Regionen, wo es am stärksten ist, wird sie vom Sonnenwind langsamer fortgerissen: Berkeley Press Release. Das schärfste Bild von der Kosmischen Hintergrundstrahlung
hat ein kleines Radiointerferometer auf einem ausgewählten
Platz geliefert: Der Cosmic Background Imager (CBI) sieht das
Nachglühen des Urknalls mit noch feineren Details als die
berühmten Ballonexperimente Boomerang und MAXIMA (siehe Artikel
11 und
22). Zusammen mit deren Daten und den Resultaten weiterer
Spezialteleskope, die in den nächsten Monaten publiziert
werden sollen, wird sich das Fluktuationsmuster der Kosmischen
Hintergrundstrahlung wesentlich genauer als bisher beschreiben
lassen, und die fundamentalen Parameter, die das Wesen des
Universums beschreiben, dürften 2001 einen weiteren
Präzisionsschub erhalten. [15.12.2000][175] Links: Die Homepage von CBI und Papers zum Teleskop und zu den Daten. Die kosmischen Röntgen-Hintergrundstrahlung ist praktisch aufgelöst - in unzählige Punktquellen, bei denen es sich um Aktive Galaxien aber auch mysteriöse Objekte handelt, die im Optischen keine Gegenstücke zu besitzen scheinen: University of Hawaii Press Package. Die massereichste Spiralgalaxie heisst ISOHDFS 27 und übertrifft die Milchstrasse um etwa einen Faktor vier: ESO Press Release. Die Geburt der Spiralgalaxien direkt beobachten kann man womöglich in Gestalt der fernen »Luminous Compact Galaxies«, in denen jetzt zum ersten Mal schwere Elemente nachgewiesen wurden: ein Paper von Hammer et al. und eine Pressemitteilung aus Paris-Meudon. Wie die deutschen TV-Planer die ISS besetzen wollen Die NASA oder ESA haben sie nicht gefragt, und sie glauben auch nicht, dass das nötig ist: Die deutschen Planer des Projekts »Space Commander«, bei dem bis zu sieben Gewinner von TV-Gameshows mit Soyuz-Raketen für Kurzbesuche zur Internationalen Raumstation geschossen werden sollen (siehe Artikel 170), haben über die deutsche und amerikanische Weltraumindustrie entsprechende Verträge mit der russischen Seite abgeschlossen - die offensichtlich bei seinen Flügen zur ISS mitnehmen kann, wen sie will. Eine einfache Anmeldung des Passagiers, der neben zwei normalen Kosmonauten den dritten Sitz in der Soyuz einnimmt, bei den Partnern scheint zu genügen. Etwa zweimal im Jahr muss die an der ISS als Rettungsboot angekoppelte Soyuz-Kapsel gegen eine neue ausgetauscht werden, und durch die Mitnahme zahlender Gäste kann Russland die Kosten für diese sogenannten Taxiflüge wieder hereinholen. Eine vollständige Kosmonautenausbildung werden die Gewinner der Kette von Quiz-, Action-, Psycho- und anderen rund 100 TV-Shows, die aus vielleicht 60 000 Bewerbern in 5 europäischen Ländern einen einzigen Gewinner aussieben sollen, nicht erhalten: Bei ihrem Minimaltraining in Russland geht es vor allem darum, dass sie »kein Ballast für die Astronauten« werden, wie sich heute eine Sprecherin des Raumfahrtkonzerns Astrium in Bremen gegenüber SuW ausdrückte. Auf der ISS bleiben die sechs oder sieben Gewinner auch nur eine knappe Woche, die meiste Zeit im russischen Zvezda-Modul, und dann geht es mit der alten Soyuz schon wieder zur Erde zurück. Dass es während der Stippvisite grosse TV-Shows aus dem Orbit ohne Ende geben wird, glaubt die Astrium-Sprecherin angesichts der derzeit verfügbaren ISS-Infrastruktur für Kommunikation nicht, und auch »Space Commander«-Veranstalter Brainpool (der noch nach einem TV-Sender für die Übernahme der Programme sucht) hat klargemacht, dass es der monatelange Ausscheidungskampf ist, der Quote und Profit bringen soll - Weltraumenthusiasten dürften bei dem Spektakel erst ganz am Ende etwas auf ihre Kosten kommen. [15.12.2000] [174] Links: eine neue Brainpool-Pressemitteilung und ein Artikel und ein Interview von SPIEGEL Online. Spektakuläre Bilder der ISS, die nach der Abreise der Endeavour entstanden, kann man in höchster Auflösung aus einem NASA-Archiv herunterladen! Die ISS zieht jetzt jeden Abend über Deutschland: Die besten Sichtbarkeitsprognosen liefert Heavens Above, aber es gibt auch einen ähnlichen Service bei der NASA. Durch die Installation der riesigen Solarzellen ist die ISS übrigens nicht wesentlich heller geworden, zeigt eine erste Analyse. Der übernächste Shuttle-Start zur ISS verschiebt sich wegen nötiger Reparaturen an den Steuerdüsen der Discovery auf den 1. März 2001 - die »Expedition One« darf zwei Wochen länger bleiben: Spaceflight Now. MirCorp gibt die Mir auf und will auf der ISS aktiv werden, doch um die genauen Pläne der exotischen Firma gibt es noch Konfusion: eine Pressemitteilung und Artikel von SpaceViews und SpaceRef. Was will die NASA nach der ISS? Angeblich sollen die Lagrangepunkte besiedelt werden, und erst danach geht es irgendwann ab zum Mars: Space.com. Fast jede Sonne durch Erd-Bausteine »verschmutzt?« Sind erdähnliche Planeten oder doch wenigstens deren Bausteine der Normalfall in der Umgebung sonnenähnlicher Sterne? Ein ziemlich indirekter Hinweis darauf ist jetzt den Spektren von 466 Sternen auf der Hauptreihe entlockt worden, in Gestalt einer vagen statistischen Beziehung von Masse und Eisengehalt. Je massereicher ein Stern ist, desto weniger gut werden seine äusseren Atmosphärenschichten durch Konvektion durchmischt: Wenn von aussen schwere Elemente auf den Stern fallen, dann wird bei den massereicheren etwas mehr davon im Spektrum zu sehen sein. Genau diesen Trend - für den es sonst keinen Grund gäbe - sehen die Spektroskopiker, und sie haben ausgerechnet, dass auf einen typischen Stern in seinem Leben etwa 0.4 Sonnenmassen Eisen stürzen. »Erdähnliches Material ist weit verbreitet rund um sonnenähnliche Sterne«, lautet damit das Fazit. [15.12.2000] [173] Link: Paper von Murray et al. Die ersten (drei) Exoplaneten aus Australien sind mit dem Anglo-Australian Telescope und einem besonders guten Spektrographen entdeckt worden: AAT Press Release. Zweifel an Exoplaneten schwinden - die vermeintliche Entlarvung vieler Planeten fremder Sonnen als Begleitsterne hat der Überprüfung nicht standgehalten: Scientific American. Immer schärfere Jupiter-Bilder von Cassini sind in den letzten Wochen entstanden, so am 1. Dezember und 18. November. Und hier gibt es die komplette Sammlung. Rettung »verlorener« Satelliten als Geschäft Wenn ein Nachrichtensatellit mehr als 50% seiner Leistungsfähigkeit eingebüsst hat, dann erklärt ihn der Betreiber in der Regel zum »Totalverlust« und lässt sich von der Versicherung auszahlen - der dann der Satellit gehört. Aber was damit tun? Die US-Firma Hughes hat in den letzten zwei Jahren ein erfolgreiches Geschäft daraus gemacht, solche Satelliten wieder leidlich unter Kontrolle zu bringen und die verbliebenen Fähigkeiten gewinnbringend an neue Kunden zu verkaufen - die Einnahmen teilen sich dann Hughes und die Versicherungen. Schon fünfmal hat das geklappt, wenn es auch nicht immer so spektakulär zugeht wie 1998, als ein auf eine falsche Bahn gestarteter Satellit durch mehrere Vorbeiflüge am Mond wieder in einen brauchbaren Erdorbit bugsiert wurde - heute wird dieser HGS-1 tatsäclich wieder eingesetzt. [15.12.2000] [172] Quelle: Space News vom 11.12.2000. Link: eine Hughes-Pressemitteilung von 1998 über die Rückkehr von HGS-1. Iridium-Satelliten unter neuer Kontrolle - für den Spottpreis von 25 Mio.$ sind die Handy-Satelliten und alles, was dazu gehört, von einer neuen Firma erworben worden, die sie jetzt in erster Linie für US-Regierungsorganisationen betreiben wird: Pressemitteilungen zum endgültigen Kauf und zu einem weitreichenden Vertrag mit dem Pentagon. Marsbakterien »zwingend« bewiesen? Wohl kaum! Auch eine neue Veröffentlichung der Verfechter von fossilen Lebensspuren im Marsmeteoriten ALH84001, die seit 1996 für Aufsehen sorgen, führt den Beweis nicht - einer aufgeregten Pressemitteilung der Iowa State University (»Compelling Evidence of Ancient Life on Mars«) zum Trotz. Was die Forscher mit dem Elektronenmikroskop genauer untersucht hatten, waren die schon länger bekannten winzigen Magnetit-Kristalle in dem Meteoriten, und bei einem Teil der Kristalle stellten sie in sechs Punkten eine verblüffende Ähnlichkeit mit Magnetit-Kristallen fest, die sich manche irdische Bakterien für ihre Orientierung am Erdmagnetfeld wachsen lassen. Es gäbe keinen abiotischen Prozess, durch den solche Kristalle entstehen könnten, heisst es. Doch bislang ist weder bewiesen, dass es auf dem Mars früher einmal Wasser gab (siehe auch Artikel 169), noch dass er jemals ein starkes Magnetfeld hatte: Warum sollte die Evolution auf beiden Planeten exakt identische Bakterien-Innereien entstehen lassen? [15.12.2000] [171] Links: das Abstract des Papers von Thomas-Keprta et al. und Pressemitteilungen von ISU und JSC. Die Mission des Mars Global Surveyor wird verlängert - eigentlich wäre sie am 1.2.2001 zuende gewesen, aber die NASA hat dem überaus erfolgreichen Orbiter nun erlaubt, bis April 2002 weiterzumachen: Space.com. NEAR ist wieder auf einer 35-km-Kreisbahn um den Asteroiden Eros und bereitet sich allmählich auf den finalen Anflug am 12.2.2001 vor: ein JHU Press Release, der genaue Orbit-Plan und eine Zusammenstellung der offenen Fragen. Auch Mars, Erde, Venus und Merkur sollten »trojanische Asteroiden« haben, die ihnen - wie beim Jupiter - auf derselben Bahn vorauseilen oder folgen: Nature Science Update. den aktuellen Meldungen oder zum Archiv. |