Meldungen Nr. 201 bis 210
vom 1.2.2001
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9. Februar 2001: ein TLP auf Bestellung?

Über Lunar Transient Phenomena (TLPs) wird seit langem gerätselt wird: zeitweise Aufhellungen bestimmter Punkte oder Gebiete auf dem Mond. Optische Täuschungen sind natürlich eine Möglichkeit, aber es kommen (für kurze Blitze) auch Einschläge in Betracht (wie 1999 während der Leoniden mehrfach nachgewiesen) oder vulkanische Ausgasungen mit piezoelektrischer Zündung der Gase. Eine dritte Möglichkeit sind aber auch starke Reflexe von bestimmtem Mondgestein, die nur bei einem eng begrenzten Winkel Sonne - Mond - Erde auftreten.

Der Morgen des 9.2.2001 bietet nun die seltene Chance, diese Hypothese für einen bestimmten Fall zu überprüfen. Zu diesem Zeitpunkt ist genau ein Saros-Zyklus seit dem 29.1.1983 vergangen, als der Krater Torricelli B eine Zeit lang die hellste Stelle auf dem Mond war: Die geometrische Konstellation wiederholt sich exakt, und die Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin organisiert seit Monaten eine Beobachtungskampagne. [1.2.2001]

[210] Link: Sonderseiten der WFS.



Keine Zweifel mehr an den grossen Meteorstürmen 2001/2002?

Der NASA-Astronom P. Jenniskens, der im vergangenen Jahr immer wieder Zweifel daran geäussert hatte, dass es im November 2001 und 2002 zu noch grösseren Leoniden-Stürmen als 1999 kommen könnte, hat sich bei Beobachtungen der drei Leoniden-Maxima des Jahres 2000 (siehe
Artikel 159) aus einem kleinen Flugzeug heraus selbst vom Gegenteil überzeugt. Nach seinem Modell hätte das erste Maximum am höchsten ausfallen müssen, es war aber das niedrigste. Also stimmte seine Vermutung, die »Dust Trails« des Kometenstaubs hätten sich im Raum verschoben, nicht - und 2001 und 2002 wird die Erde genau durch zwei dieser Trails hindurchfliegen. Jenniskens war der letzte bedeutende Zweifler an den kommenden Meteorstürmen gewesen - die Planer grosser Ostasien- und Australien-Expeditionen zur Beobachtung des 2001er Sturms können aufatmen. [1.2.2001]

[209] Quelle: Jenniskens & Gustafson, WGN 28 # 6, 209-211. Links: die Leoniden-Seiten von Armagh und ASA.

Grünes Licht für japanischen Leoniden-Satelliten - ein ungewöhnliches, von Studenten erdachtes, Projekt für die Beobachtung des 2002er Leonidensturms mit einem Kleinsatelliten aus dem Orbit scheint Realität zu werden: ein Artikel aus der Yomiuri (Item Nr. 7!), das Mission Proposal und ein früherer Space.com-Artikel.



Lichtkurve einer Mondfinsternis

Der Helligkeitsverlauf der Totalen Mondfinsternis vom 9. Januar lässt sich gut aus visuellen Schätzungen rekonstruieren: Sie stammen von 19 Beobachtern, die den verfinsterten Mond meist im umgekehrten Feldstecher mit Sternen verglichen. Die Minimalhelligkeiten der meisten streuten um 0.4 Magnituden, ein typischer Wert: Für die Grafik wurden die Kurven der individuellen Beobachter aufeinandergeschoben, so dass sich ein ziemlich glatter Verlauf ergibt.

Die -1.8 mag. mittlere Minimalhelligkeit entsprachen fast exakt einem mathematischen Modell der Kernschattenhelligkeit der Erde: So war es auch bei der Finsternis 1997 gewesen, während alle anderen MoFis seit 1996 um etwa 0.8 mag. heller als das zugegebnermassen vage Modell ausfielen. Daraus folgt, dass es 1997 und 2001 etwas mehr vulkanische Aerosole in der Atmosphäre gab. 1992 freilich hatte das Modell -1.5 mag. vorausgesagt, während +3.0 mag. beobachtet wurden: Der Ausbruch des Vulkans Pinatubo 1991 hatte voll durchgeschlagen. [1.2.2001]

[208] Links: zu der Analyse; schöne Bilder der MoFi gibt es z.B. von Rieth, Zachow und Paech.



Indien genehmigt Röntgensatellit

Astrosat soll er heissen, mehrere Röntgenteleskope tragen und - wenn alles gut geht - in etwa 5 Jahren starten: Die indische Regierung hat, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits im September 2000 vorläufiges grünes Licht für den Bau des ersten indischen Astronomiesatelliten gegeben. Allerdings mit einer Einschränkung: Bis März 2002 muss das federführende Tata Institute of Fundamental Research in Mumbai (Bombay) signifikante Fortschritte bei der Entwicklung der Instrumente vorweisen, denn erst dann wird Astrosat in den nächsten 5-Jahr-Plan (2002 bis 2006) aufgenommen. Bereits der 1996 gestartete Umweltsatellit IRS-P3 trug eine astronomische Röntgen-Nutzlast, aber Astrosats Instrumente sollen wesentlich komplexer sein. [1.2.2001]

[207] Quelle: Space News vom 8.1.

XMM beobachtet einen »Starburst« in der Galaxie NGC 253:
ESA Science News.

Chandra beobachtet eine Sternbildungs-Region im Carina-Arm der Milchstrasse: Chandra Release.

Das europäische VLBI-Netz beobachtet das »Hubble Deep Field« und ortet drei Galaxien dank ihrer Aktiven Galaktischen Kerne: ein EVN Press Release, ein Paper von Garrett et al. und viele Bilder.



Formen Magnetfelder die Planetarischen Nebel?



Erstaunlich viele Planetarische Nebel - so wie der »Ameisen-Nebel« Menzel 3 im Bild - zeigen eine klare bipolare Symmetrie und sind nicht so kugelrund, wie es das bald ein Vierteljahrhundert alte Standardmodell voraussagt. Danach bildet sich rund um einen sterbenden sonnenähnlichen Stern eine leuchtende Kugelschale aus, wenn der schnelle Sternenwind des entstehenden Weissen Zwergs mit dem langsameren Wind des Vorgängers zusammenstösst.

Zu einer bipolaren Symmetrie kann es dabei eigentlich nur kommen, wenn der Stern einen Begleiter auf einer engen Umlaufbahn hat, und sich sein langsamer Wind in der Äquatorebene staut - doch solche Systeme sind zu selten, um den hohen Prozentsatz der exotischen Planetarischen Nebel zu erklären. Ein alternatives Szenario gewinnt daher an Wahrscheinlichkeit und ist jetzt zum ersten Mal im Detail durchgerechnet worden: Bei Sternen, die das sogenannte AGB-Stadium erreicht haben, kann noch einmal ein starker Dynamoeffekt einsetzen und ein starkes Magnetfeld entstehen - von genau der Form, die einen Sternwind bündel würde. Nach direkten Beweisen für solch starke Felder in protoplanetaren Nebeln wird allerdings noch gesucht. [1.2.2001]

[206] Quelle: Blackman et al., Nature vom 25.1. S. 485-7. Links: das Paper als ein Preprint, ein Press Release und ein Space.com-Artikel.

Welcher Mechanismus bremst junge Sterne, so dass sie der ursprüngliche Drehimpuls nicht gleich wieder auseinanderreisst? Das populäre Bild, wonach es die magnetische Reibung an einer Materiescheibe ist, wird nun in Frage gestellt, nachdem derartige Scheiben nur bei einem Bruchteil untersuchter sehr junger Sterne gefunden wurden: Univ. of Wisconsin Press Release.



Das Mars-Magma war reich an Wasser

Bevor das geschmolzene Gestein, aus dem später einmal der Marsmeteorit von Shergotty werden sollte, auskristallisierte, bestand es zu etwa 2% aus Wasser: Das ging zwar verloren, während das Magma durch die Kruste stieg, doch Spurenelemente in den Pyroxen- Mineralien in dem Meteoriten (die als erste auskristallisieren) erfordern die grosse ursprüngliche Feuchtigkeit in der Tiefe. Die Kerne der Mineralien sind mit wasserlöslichen Elementen angereichert, ihre Kruste dagegen nicht. Damit wird wahrscheinlicher, dass das meiste Wasser, das sich später zeitweise auf der Marsoberfläche aufhielt, durch Vulkanismus als aus dem Inneren des Planeten kam (und nicht etwa von abgestürzten Kometen stammt).

Wo genau sich das Wasser allerdings befand oder befindet, darüber verraten die neuen Untersuchungem am Shergotty (und an simuliertem Marsgestein) zwar nichts, doch schon die Erkenntnis, dass das Wasser des Mars einmal durch das Innere des Planeten gewandert ist (und beim Austreten des Magmas in Dampfform in die Atmosphäre trat), stellt eine interessante Parallele mit der Erde dar. Nun ist Shergotty aber nur 175 Mio. Jahre alt: Demnach ist es noch in jüngster geologischer Vergangenheit des Mars zu nennenswerter Ausgasung von Wasserdampf gekommen. Und so manche mutmasslich uralte Spur fliessenden Wassers könnte ebenfalls recht »aktuell« sein. [1.2.2001]

[205] Quelle: McSween et al., Nature vom 25.1. S. 487-490. Links: ein
Nature Science Update, ein MIT Press Release und ein SPIEGEL-Artikel.

Tag und Nacht wird am nächsten Marsorbiter gearbeitet, der am Cape auf den Start im April vorbereitet wird: Denver Post.

Die Suche nach Landeplätzen für die Mars- Rover der NASA im Jahre 2004 war Thema einer Konferenz: Space.com-Artikel 1 und 2. Der Zeitplan für die Rover ist knapp: noch ein Space.com-Artikel.



Fielen die Protozellen vom Himmel?

Ein neues Mosaiksteinchen bei der Lösung des vielleicht grössten Rätsels des Universums, der Entstehung der ersten lebenden Zellen auf der Erde (Biogenese)? Bei Laborversuchen an der University of California in Santa Cruz, bei denen die Bedingungen im interstellaren Raum nochvollzogen wurden, entsteht regelmässig ein schwarzes Gemisch aus komplexen organischen Verbindungen - und bei Kontakt mit Wasser wachsen daraus kleine Kugeln (»Vesikel«), die von einer Membran umschlossen sind, nicht unähnlich jenen Membranen, ohne die keine Zelle auskommt, um ihr Erbgut und ihren Stoffwechsel von der Aussenwelt zu isolieren.

Natürlich behaupten die kalifornischen «Astrobiologen« um den Pionier des Fachgebiets, Louis Allamandola, nicht, dass sie schon kurz vor der Schaffung künstlichen Lebens ständen. Aber die Versuche, jetzt zum ersten Mal in einer Fachzeitschrift publiziert, lassen es immerhin möglich erscheinen, dass wesentliche Schritte vor der Biogenese bereits im interstellaren Raum abgelaufen sind, sogar schon vor der Entstehung der Planeten.

Wenn dem so war, dann steigt nach Ansicht vieler Astrobiologen auch die Wahrscheinlichkeit für zumindest primitives Leben auf anderen Welten: Immer wenn es dort schon Wasser gab und das organische Gemisch aus dem Raum landete (z.B. in Kometenkernen), dann gab es zumindest schon einmal passende Vesikel. Und wenn sich dann noch genügend andere Substanzen zusammenfanden, um Erbinformation zu speichern und einen ersten Stoffwechsel in Gang zu bringen (zu diesem Aspekt tragen die kalifornischen Forschungen nur wenig bei), dann begann das Leben auf einer neuen Welt.

Die Hypothese, dass »leere Zellen« aus dem Weltraum die Biogenese auf der Erde beschleunigten oder gar starteten, ist übrigens schon älter: Die deutschen Forscher, die in den 80er Jahren die Massenspektrometer für die Halley-Raumsonden gebaut hatten, fanden mit ihnen Teilchen in der Staubhülle des Kometen, die bei Kontakt mit Wasser exzellente Protozellen abgeben würden (Krueger & Kissel, Origin of Life 19, 87-94 [1989]). Dieses Szenario ist zwar genau so wenig zu beweisen wie das kalifornische, gehört aber zur wachsenden Schar von Hypothesen, die der Kosmochemie eine Schlüsselrolle bei der frühen Biologie zutrauen. [1.2.2001]

[204] Links: ein Ames Press Release und Artikel von Universe Today und Space.com.

Nur Planetensysteme mit mindestens einem Jupiter sind lebensfreundlich, sagt eine neue Studie, wonach Riesenplaneten unverzichtbar sind, um ausreichend wasserreiche Planetesimale in die Nähe der Sterne zu schleudern: Univ. of Arizona News.



Der weitere Verlauf der Galileo-Mission

die sich dem Ende ihrer zweiten Verlängerung (»Millennium Mission«) nähert, ist immer noch unklar (siehe auch
Artikel 69). Auf jeden Fall bleibt der Jupiter-Orbiter erst einmal eingeschaltet und wird dieses Jahr noch einmal an Callisto und zweimal an Io vorbeifliegen. Am 17. Januar 2002 gibt es dann ein drittes Io-»Encounter«, bei dem der Orbiter entweder gezielt in den Vulkanmond gecrasht wird oder aber daran vorbeifliegen darf. In diesem Fall gäbe es noch eine Annäherung an Jupiters Ringe und den kleinen Mond Amalthea im November 2002 und im Spätsommer 2003 den finalen Sturz in die Jupiteratmosphäre. In jedem Fall würde das Verbleiben eines nicht mehr kontrollierten Galileo im Orbit verhindert, denn pro 50 Jahre würde dieser mit ein paar Prozent Wahrscheinlichkeit auf Europa stürzen, was es aus Quarantänegründen zu verhindern gilt. [1.2.2001]

[203] Quelle: AW&ST vom 22.1. S. 58.

Neue Projektmanagerin von Galileo ist am 31. Januar Eilene Theilig geworden: JPL Press Release.



Das »Schicksal« der ISS steht auf der Rampe

Seit dem 26. Januar steht der Space Shuttle Atlantis erneut auf der Startrampe, und das grosse amerikanische Labormodul »Destiny« wird in die Ladebucht gepackt: Mit Kosten von 1.38 Millarden Dollar ist es nicht nur die teuerste Einzelkomponente der Raumstation, es soll auch ihr Herz bilden (das russische Modul Zvezda wird quasi entmachtet) - und hier soll auch ein Grossteil der wissenschaftlichen Arbeit stattfinden, die nach offizieller Lesart ja der Hauptzweck der ISS ist.

13 der ingesamt 24 »Racks« von jeweils der Grösse eines Wandschranks in dem 8.5 Meter langen Modul mit 4.3 m Durchmesser und 14.5 Tonnen Masse werden einmal Experimenten zur Verfügung stehen, die anderen 11 sind für Steueranlagen der ISS reserviert (frühestens 2004 kommen weitere Wissenschafts-Racks im japanischen und im ESA-Modul dazu). Zwar sind bereits rund 120 Experimentatoren ausgewählt, aber aus Gewichtsgründen muss Destiny fast unbestückt gestartet werden (es sind nur 5 der System- und gar keine Science-Racks an Bord).

Weil die Bauarbeiten die nächsten Jahre fast die ganze Zeit der Besatzungen in Anspruch nehmen werden, werden die Forschungen im Orbit (über deren Wert weiter gestritten wird) nur langsam anlaufen. Für Destiny gibt es jedenfalls keinen Ersatz: Für den Bau eines Ersatzmoduls hatte die NASA schlicht kein Geld. Da es allerdings kaum Szenarien für einen Verlust Destinys ohne den gleichzeitigen Verlust der Atlantis gibt und der Bau der ISS dann ohnehin lange Zeit unterbrochen wäre, war die Entscheidung verständlich. [1.2.2001]

[202] Links: Mission Status Center.



Satellitenstarts von einem Kampfjet aus

soll einem Zeitungsbericht zufolge Israel planen: Mit einer umgebauten Black-Sparrow-Rakete soll versucht werden, Mikrosatelliten bis 100 Kilogramm von einer in grosser Höhe fliegenden F 15 in den Orbit zu schiessen. Das soll es erlauben, kostengünstig ganze Schwärme von militärischen Nachrichten- und Aufklärungssatelliten zu starten. Jede Menge Testdaten sollen bereits am 14.9.2000 im Rahmen eines Tests der amerikanischen Arrow-Antiraketenrakete gesammelt worden sein, als eine Black Sparrow, die von einer hochfliegenden F 15 abgeschossen wurde, eine anfliegende Scud simulierte. Das Programm steht aber noch so am Anfang, dass keine weiteren Details bekanntgegeben werden dürfen. [1.2.2001]

[201] Quelle: Ha'aretz vom 4.1. via Space News vom 22.1.


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