Nach der weiterhin für Mitte Mai erwarteten Ankunft des
Zentralmoduls Zvezda sollten die Bauarbeiten in der zweiten
Jahreshälfte endlich Fahrt aufnehmen.
Unterdessen hat die Firma MirCorp, die derzeit für die Betriebskosten
des russischen ISS-Gegenstücks Mir aufkommt, den planmäßen
Auszug der gegenwärtigen Besatzung für Juni angekündigt -
aber die nächsten beiden Besuche sind bereits in Planung, für
diesen Herbst und das 1. Quartal 2001. Bestätigt hat die Firma auch
Verhandlungen mit einem Partner in Italien: Der erste Mir-Tourist
könnte ein Italiener werden, der bereits bei der ESA trainiert hat.
[24.5.2000]
Die interstellare Raumsonde der NASA wäre allerdings von
einer ganz anderen Größenordnung: Ein 400 Meter
großes Segel aus einem Verbundmaterial, das pro
Quadratmeter nur 3 Gramm wiegt, würde sie in 15 Jahren
auf eine solche Geschwindigkeit bringen, daß sie 250
Astronomische Einheiten oder 37 Milliarden Kilometer
zurückgelegt hätte. Und das auch als Precursor
bekannte Gerät wäre erst der Vorläufer einer
echten interstellaren Raumsonde, die es in vertretbarer Zeit bis zu
einem anderen Stern schaffen könnte - eine der
Lieblingsvisionen des NASA-Chefs Dan Goldin. [23.5.2000]
[27] Links: ein
MSFC Press Release zu den NASA-Plänen, sowie
die Homepage des DLR-Projekts und ein
RP-Artikel darüber.
Bereits klar ist, daß 2001 nur ein Orbiter auf die Reise
gehen wird und keinesfalls auch der eigentlich geplante (und
fast fertig gebaute) Lander - er ist dem 1999
verunglückten Mars Polar Lander schlicht zu
ähnlich. Und auch 2003 wird nur eine Mission statt derer
zwei auf die Reise gehen, hat die NASA im Mai verkündet:
eine direkte Konsequenz aus dem vernichtenden Urteil mehrerer
Untersuchungskomissionen, daß die
Weltraumbehörde in ihrem bisherigen Marsprogramm bei
zu wenig Finanzmitteln zu viel gewollt habe.
Anfang Juli bereits soll nun bekannt gegeben werden, ob 2003
überhaupt eine Mission riskiert werden soll, und wenn,
dann welche. Zwei Alternativen, beide im selben Kostenrahmen
wie 1997 der Mars Pathfinder, sind nach monatelangen
Diskussionen die Finalisten geworden:
Mars Surveyor Orbiter wäre ein Ersatz für den
verschollenen Mars Climate Orbiter, der dessen
wissenschaftliches Programm retten und speziell nach dem
Verbleib von Wasser auf dem Mars forschen soll. Der Orbiter
würde dem gegenwärtig erfolgreichen Mars Global
Surveyor ähneln und wie dieser eine ganze Reihe
verschiedener Instrumente tragen.
Mars Mobile Lander dagegen würde auf der rustikalen
erfolgreichen Landetechnik des Mars Pathfinder aufbauen:
Ebenfalls mit Airbags würde ein Lander aufsetzen, der
allerdings selbst keine wissenschaftlichen Instrumente
trägt. Einziger Passagier ist ein 100-kg-Rover, eine
Weiterentwicklung der beliebten Sojourner, doch mit viel
größerer Reichweite und mehr Instrumenten - auch
sie wären für die Suche nach Wasserspuren
optimiert.
Die verbliebenen Alternativen für 2003 stehen in
dramatischem Kontrast zu den Plänen von noch vor einem
halben Jahr, als in diesem Startfenster ein rasantes
amerikanisch-französisches Programm zum Transport der
ersten gezielt gesammelten Bodenproben zur Erde bis 2008
beginnen sollte. Solch ein Sample Return bleibt zwar das Fernziel,
dürfte sich aber um fast ein Jahrzehnt nach hinten
verschieben. Und die neue Bescheidenheit der NASA könnte
sogar dazu führen, daß die Mars-Neulinge Europa und
Japan, deren Sonden Mars Express und Nozomi 2003 den
Planeten erreichen sollen, zeitweise die Führung in der
Marsforschung übernehmen könnten. [22.5.2000]
Zumindest das einfachste gegenwärtig diskutierte Weltmodell kann
mithin nicht stimmen, und mindestens eine Modifikation wird nötig sein.
Die am häufigsten diskutierte Lösung: Beim Urknall wurden deutlich
mehr Baryonen produziert, als man gemeinhin annimmt. Die Menge dieser normalen
Materie im All ist schwer zu messen (siehe Artikel Nr.
18), so daß sich hier noch etwas
Spielraum ergibt. Zukünftige Untersuchungen der Kosmischen
Hintergrundstrahlung, v.a. durch den NASA-Satelliten MAP, versprechen klarere
Antworten. [16.5.2000]