Meldungen Nr. 221 bis 230 vom 1.-4.3.2001
Zu den aktuellen Meldungen
»Mini-Kometen« wieder da? Der nächste Akt
im nicht enden wollenden Wissenschafts-Drama »Louis
Frank gegen den Rest der (Fach-)Welt« hat begonnen.
Anfang der 80er Jahre hatte dieser anerkannte Geophysiker von
der University of Iowa auf UV-Bildern der Erdatmosphäre
des Satelliten Dynamics Explorer 1 immer wieder kleine dunkle
Flecken entdeckt, die er zuerst einfach nur lästig fand, nach
einer Weile aber für ein echtes geophysikalisches
Phänomen zu halten begann. Und als einzige
Erklärung kamen er und ein Student, wiederum nach
langer Suche, auf einen ständigen Regen von 10 Meter
kleinen, zerplatzenden Kometenkernen, 20-mal pro Minute: Die
resultierenden kurzlebigen Wolken aus Wasserdampf
würden durch Absorption die dunklen Flecken
erklären.
Als Frank die Hypothese vor knapp 15 Jahren in einer
Fachzeitschrift publizierte, löste er erst eine Sensation aus
(denn wenn es die Minikometen wirklich gäbe, wäre
im Sonnensystem kaum mehr etwas so, wie es in den
Lehrbüchern steht) - und umgehend eine wahre Flut von
kritischen Forschungsarbeiten. Nicht nur erschienen die dunklen
Flecken praktisch allen anderen Geophysikern als reine
Bildfehler der Satellitenkamera: Es gab auch eine Fülle von
Beobachtungen (oder viel mehr: Nicht-Beobachtungen) mit
zahlreichen anderen Techniken, die die Existenz der Minikometen
ausschlossen. Schon ein einfacher Feldstecher genügt
beispielsweise, um festzustellen, dass der erdnahe Weltraum
keineswegs voll von kleinen Kometen ist.
Frank und seinen (wenigen) Mitarbeitern fielen zu allen
Einwänden Gegenargumente ein, wobei die Eigenschaften
der »small comets« immer exotischer werden
mussten, um allen anderen Beobachtungstechniken entgehen zu
können. Allmählich geriet der Disput in
Vergessenheit, war aber im Mai 1997 plötzlich wieder da -
denn auch ein neuer Satellit, Polar, sah dunklen Flecken auf UV-
Bildern der Erdatmosphäre. Abermals dauerte es nur ein
paar Monate, bis andere Experten sie erneut als eindeutige
Artefakte ad acta gelegt hatten, und erneut wurden wieder eine
Fülle Nicht-Beobachtungen präsentiert, die die
Existenz der Mini-Kometen ausschlossen - so müssten sie
beim Zerplatzen so hell werden, dass man sie mit dem blossen
Auge in der Dämmerung sehen könnte.
Ein zweites Mal verlief der - immer agressiver geführte -
Disput bald wieder im Sande, aber Frank gab nicht auf:
Verstärkt setzte er jetzt auf den direkten Nachweis
»seiner« Kometen lange vor dem Zerplatzen. Und zwar
mit einem optischen Teleskop, dem Iowa Robotic Observatory
(IRO), das mit einer cleveren Strategie Artefakte ausschliessen
sollte. Gross war Franks Entsetzen, als ein unabhängiger
IRO-Beobachter Ende 1999 verkündete, die small comets
seien definitiv nicht da: Frank warf ihm öffentlich Betrug
vor, woraufhin der Astronom mit einem Prozess drohte. Frank
entschuldigte sich damals - und jetzt, am 1. März 2001, hat
er seine eigene Analyse von IRO-Daten vorgelegt. Mit 9 schwachen
Spuren auf 1500 Aufnahmen, die er für eindeutige
Minikometen hält.
Noch haben seine Widersacher (sprich: der gesamte Rest der
geophysikalischen Fachwelt) die neue Veröffentlichung
nicht im Detail untersuchen können, aber der weitere Gang
der Diskussion kann erahnt werden, angesichts des
kategorischen Nicht-Nachweises solcher Spuren durch andere
IRO-Beobachter wie auch durch andere Teleskope, die speziell
nach schwachen Kometen suchen (oder auch dem Hubble Space
Telescope). Es wird sich auch jetzt wieder der Verdacht nicht
ausräumen lassen, dass nichts als Rauschen hinter den
neun Spuren steckt und dass Frank die Signifikanzgrenze ein
entscheidendes Bisschen zu niedrig angesetzt hat. Den ersehnten
Durchbruch der »small comets« hat das IRO
jedenfalls nicht gebracht ... [4.3.2001]
[230] Links: der
neue und ein
früherer Press Release der Univ. of Iowa sowie
Franks IRO-Seiten.
Literatur-Tipp: Die ganze Geschichte der Kontroverse, die viel
facettenreicher als hier angerissen ist, gibt es im Heft 1/2001 der
Zeitschrift Mega Lithos.
Der erste Meteorit, der von einem Kometen
stammt und nicht von einem Asteroiden, ist
möglicherweise ein 1864 im französischen Orgueil
gefallener - das soll die Zusammensetzung der in ihm gefundenen
Aminosäuren verraten:
Scripps und
ESA Press Releases.
Entstehung der Chondrulen erklärt? Die kleinen
Gebilde, die der primitiven Meteoritenklasse der Chondriten den
Namen geben, könnten ihre mysteriöse starke
Aufheizung in der inneren Akkretionsscheibe um die junge Sonne
erfahren haben:
Stanford Press Release und
PSR Discoveries.
»Asteroid« war Satellit auf exotischem Orbit -
der vermeintliche Near Earth Asteroid 2001 DO47 ist in
Wirklichkeit der Weltraumwetter-Wächter WIND:
Space.com.
Der Plan für die Versenkung der Mir
steht inzwischen fest - bloss das Datum noch nicht, denn bis in
eine Höhe von 250 km hinab soll der Orbit der Raumstation
allein durch die Reibung an der oberen Erdatmosphäre
sinken (um derzeit 1 bis 2 km pro Tag), und deren Dichte
schwankt ständig als direkte Folge der aktuellen
Sonnenaktivität. Die kritische Höhe soll nach der
jüngsten Prognose zwischen dem 6. und 14. März
erreicht sein, mit dem 9.3. als wahrscheinlichstem Datum - und
die Entscheidung über den konkreten Termin für das
Einleiten der finalen Bremsmanöver wird jetzt für den
12. März erwartet. In rund 230 km Höhe (das
dürfte zwischen dem 15. und 21. März erreicht sein)
wird die Station dazu um 180 Grad gedreht, so dass die
Triebwerke des am 27.1. angekommenen Spezial-Progress in
Flugrichtung zeigen.
Zunächst sollen sie die Station mit drei Zündungen
innerhalb von 2 bis 3 Tagen auf eine elliptische Umlaufbahn
bringen, deren Perigäum bei 150 km bereits auf der
geographischen Breite des späteren Zielgebiets liegt (47
Grad Süd). Und spätestens drei Tage danach wird
eine letzte 13-Minuten-Zündung (während Mir
über Afrika und Russland zieht) die Station über der
vorgesehenen geographischen Länge (140 Grad West)
endgültig in die Atmosphäre treiben. In der
»Nacht der Kosmonauten« im ORB am 3.3. nannte
Kosmonaut Siegmund Jähn, der gerade aus Moskau
gekommen war, den 17. März (plus 6, minus 5 Tage) als den
wahrscheinlichsten Termin für den Eintritt. In 90 bis 60
km Höhe zerbricht Mir, und die Bruchstücke, die
nicht verdampfen, verteilen sich über eine 3000 km lange
und 200 km breite Ellipse in einem abgelegenen Teil des Pazifik,
rund 4000 km südöstlich von Neuseeland.
Alles immer vorausgesetzt freilich, dass Mir bis zuletzt unter
Kontrolle bleibt: Geht diese vor dem ersten Bremsmanöver
verloren, dann ist im Prinzip ein Absturz irgendwo zwischen 52
Grad Nord und Süd möglich, reisst der Kontakt nach
dem Beginn der Bremsmanöver ab, ist zumindest ein Sturz
auf die Südhalbkugel wahrscheinlich, weil über dieser
bereits das Perigäum liegt. Zwar hat Russland schon
zahlreiche kleine Progress-Transporter ohne Probleme in den
Pazifik gelenkt, doch die Bilanz der Versenkung grosser
und komplexer Raumstationen durch die USA und die UdSSR
fällt bescheiden aus: Sowohl das (noch teilweise
kontrollierbare) Skylab wie die (nicht mehr kontrollierbare) Salyut
7 schossen 1979 bzw. 1991 deutlich über die Zielgebiete
Atlantik und Pazifik hinaus, und Trümmer regneten auf
Westaustralien bzw. Südamerika. [4.3.2001]
[229] Links: eine
DLR-Presseinformation, Infoseiten der
RAKA und der
UN, eine
Mir FAQ-Liste der ESA sowie ein
SPIEGEL-Artikel.
Ein ungewöhnlich fairer Nachruf auf die Mir in der
US-Presse, deren ständiges Lästern über den
angeblichen Schrotthaufen im All von Beobachtern mit für
das Scheitern einer Kommerzialisierung der Station
verantwortlich gemacht wird:
Florida Today.
Die NASA hat das X-33-Programm abgebrochen,
nachdem in 5 Jahren fast 1 Mrd. Dollar öffentliche Mittel in
den vermeintlichen Prototypen eines Shuttle-Nachfolgers
gesteckt wurden - jetzt werden die Shuttles noch bis mindestens
2015 fliegen: eine
Pressemitteilung und Artikel von
NYT und
SPIEGEL.
Wieviele »Spin-Offs« hat die bemannte Raumfahrt
denn nun gebracht? Die Zahl ist heftig umstritten:
ZEIT.
Warum die »Marsbakterien« immer noch nicht bewiesen sind
(jubilanten NASA-Pressemitteilungen vom 26. Februar zum Trotz)
haben die Kritiker der vermeintlichen Lebensspuren im
Marsmeteoriten ALH 84001 klargemacht, von denen kaum einer
seine Meinung geändert hat. Einig sind sich die Skeptiker,
und mittlerweise auch das Gros der Befürworter, dass von
den 1996 präsentierten vier Indizien für fossile
Spuren in dem Meteoriten drei als praktisch widerlegt gelten
können. Übrig geblieben sind nur die kuriosen Magnetit-Kristalle
tief im Inneren des Meteoriten, von denen sich ein
Teil praktisch nicht von jenen Magnetosomen unterscheidet,
die manche irdischen Bakterien zur Navigation herstellen. Das
war bereits letztes Jahr konstatiert worden (siehe Artikel 171): Jetzt wurde zudem
festgestellt, dass sich die Mars-Magnetite manchmal zu
langen Ketten zusammenfinden, auch wie bei den
Erdbakterien.
Doch die Marsforscher bleiben auch jetzt wieder jeden
direkten Beweis schuldig, dass der Marsmagnetit durch
einen biologischen Prozess - also in einer lebenden Zelle -
entstanden ist: Sie können nur sagen, dass bis
jetzt kein nicht-biologischer Prozess auf der Erde
bekanntgeworden ist, der vergleichbare Kristalle wachsen
lässt. Doch das könnte sich bald ändern: In
einem Laborversuch (ebenfalls bei der NASA) soll - einem noch
unveröffentlichten Paper zufolge - genau dieses
Kunststück gelungen sein, wobei hoher Druck
vonnöten war. Den aber könnte auf dem Mars ein
Impakt verursacht haben - und es ist lange bekannt, dass ALH
84001 eine ausgesprochen komplizierte Geschichte hinter sich
hat und mindestens einen grossen Einschlag auf dem Mars
erlebte. Wer weiss, fragen kritische Geologen, was da alles in
seinem Inneren passiert sein kann ... [4.3.2001]
[228] Links: Stark oder gemässigt für
eine biologische Erklärung wird in
Science@NASA und von
Chris McKay (nicht verwandt mit Dave
McKay, dem Wortführer der Marsbakterien) argumentiert,
die Argumente dagegen sind in Artikeln von
Space.com,
Spaceflight Now und von der
Planetary Society zu finden.
Geheimnisvolle schwarze Steine auf dem Mars haben
durch Zufall Schüler entdeckt, die die Kamera des Mars
Global Surveyor ausrichten durften:
Planetary Society.
Alle künftigen Marsorbiter müssen auch
Nachrichtensatellit spielen, um die Datenübertragung
diverser Lander zu gewährleisten:
Aerospace Daily.
Mars Express und Nozomi werden koordiniert - die ESA
und die japanische ISAS wollen die Operation ihrer jeweils ersten
Marsorbiter abstimmen:
ESA Science News.
Der erste Sonnensegler startet dieses Jahr - privat finanziert!
Bis zuletzt waren die Verhandlungen geheimgehalten worden,
aber am 26. Februar liess die Planetary Society die Katze aus dem
Sack: Noch diesen Herbst wird diese internationale Organisation
von Weltraumfans mit einer kleinen russischen Rakete einen
Satelliten im Erdorbit aussetzen lassen, der zum ersten Mal das
Prinzip des Sonnensegelns im Weltraum demonstrieren soll. Und
finanziert wird diese Mission »Cosmos 1« vom
Medienunternehmen »Cosmos Studios«, das
kürzlich die Witwe von Carl Sagan und ein reicher UFO-Fan
gegründet haben - weder die NASA noch das deutsche DLR,
wo seit Jahren Arbeitsgruppen für entsprechende
Experimente kämpfen, sind an dem 4-Mio.-Dollar-Projekt
beteiligt.
Die Idee, allein mit dem Strahlungsdruck des Sonnenlichts ein
Raumschiff zwischen den Planeten zu navigieren, soll bereits auf
Kepler zurückgehen, und dass »Solar Sails« der
ideale Antrieb für bestimmte Planetenmissionen (oder auch
den Aufbruch in den interstellaren Raum) sind, wissen
Himmelsmechaniker seit Jahrzehnten. Doch bis vor Kurzem
fehlten die rechten Werkstoffe für gleichzeitig riesige und
leichte Sonnensegel und zuverlässige
Stützstrukturen - und den Raumfahrtagenturen der Welt
der Mut, einen Prototypen auf die Reise zu schicken. Aber nun ist
es so weit: Im April soll bei einem 30-minütigen
Suborbitalflug das Aussetzen des zusammengefalteten Segels
getestet werden und etwa im Oktober der Weltraumstart folgen,
bei dem der Satellit in 850 km Höhe ausgesetzt wird;
für alle Hardware sorgen dabei russische Firmen.
Träger wird beide Male die russische Volna-Rakete sein, eine
»zivilisierte« Interkontinentalrakete, die von einem
U-Boot in der Barentssee aus gestartet wird (und die die Planetary
Society dank langjähriger Ostkontakte weit unter
Marktpreis erhält). Das 600 Quadratmeter grosse
Sonnensegel des 40-kg-Satelliten ist in 8 Sektoren geteilt, die wie
die Rotorblätter eines Hubschraubers einzeln verdreht
werden können: So lässt sich der Anstellwinkel zur
Sonne und damit - ganz langsam, versteht sich - auch die Bahn
verändern. Mitunter wird Cosmos 1 dabei so hell wie der
Vollmond (aber punktförmig) über den Himmel ziehen
- ein potentielles Problem für die Astronomie, zumal die
Lebensdauer des Satelliten fast unbegrenzt ist. Aufsehen erregen
wird das Projekt also ganz direkt, und vielleicht gibt es den
Startschuss für die Realisierung der ersten operationellen
Sonnensegler. Die NASA hat jedenfalls schon angekündigt,
das Experiment aufmerksam zu verfolgen. [1.3.2001]
[227] Links: ein
Press Release zur Mission und die Homepages des
Projekts und der
Cosmos Studios.
NEARs Mission ist zuende - gute Gammaspektren als krönender
Abschluss
In der Nacht zum 1. März hat die NASA den Funkkontakt zu ihrer
Raumsonde NEAR Shoemaker eingestellt, nachdem sie eine Woche lang die
Häufigkeit verschiedener chemischer Elemente in der Oberfläche
von Eros gemessen und die Spektren des Gamma Ray Spectrometer dann ganz
langsam zur Erde gefunkt hatte. Die Daten sind gut, die Signatur der
Elemente stark, aber die Auswertung wird noch Monate dauern - und das
gilt genauso für die mehr als 160 000 Bilder, die NEARs Kamera in
einem Jahr geliefert hatte. Eine provokative Hypothese, die die seltsame
Oberfläche von Eros erklären könnte, mit ihren viel zu
wenigen kleinen Einschlagskratern und zu vielen Felsbrocken,
hat just zum Missionsende von NEAR Jeff Bell von der University
of Hawaii aufgestellt.
Bell glaubt nicht an die dicke Staubschicht, unter der die
NEAR-Forscher selbst die vermissten Krater wähnen -
vielmehr habe es sie nie gegeben. Erst seit sich NEAR ab
Oktober 2000 wiederholt nahe an die Oberfläche des
Asteroiden heranwagte, war aufgefallen, dass die
Grössenverteilung der Einschlagskrater unterhalb von 100
Metern Durchmesser nicht mehr dem »normalen«
Gesetz folgt, das man vom Erdmond kennt: Krater mit 4 Metern
Durchmesser sind sogar 200-mal seltener als erwartet. Für
Bell ist klar, dass die fehlenden Krater unmöglich
unter Staub verborgen sein können: Der würde auch
die kleineren Felsen verschlucken, die aber bestens zu sehen sind.
Also sind die kleinen Krater nie entstanden, und Eros muss von
erheblich weniger kleinen anderen Asteroiden getroffen worden
sein als in der Umgebung des Mondes vorkommen - der
Hauptgürtel der Asteroiden (in dem sich Eros noch bis vor
wenigen Jahrmillionen aufhielt) wäre mithin drastisch
verarmt an Objekten, die weniger als ein paar Meter gross sind.
Und genau das ist auch zu erwarten, wie Theoretikern vor einigen
Jahren klargeworden ist: Der Yarkovsky-Effekt treibt genau
solche Mini-Asteroiden effizient aus ihren Bahnen und in
Resonanzzonen mit der Jupiterbahn, woraufhin sie der
Riesenplanet entweder Richtung Erde oder aus dem
Sonnensystem herauskickt. Der Effekt beruht auf der asymmetrischen
Wärmeabstrahlung rotierender Asteroiden: Die Seite,
wo »Nachmittag« ist, strahlt etwas stärker
in den Weltraum als die Morgenseite, und der Strahlungsdruck
verändert langsam aber stetig die Bahn.
Der Effekt, der am stärksten auf Körper mit ein paar
Metern Durchmesser wirkt, spielt eine Schlüsselrolle beim
Transport von Meteoriten aus dem Hauptgürtel zur Erde
(Vokrouhlicky & Farinella, Nature 407, 606-8
[5.10.2000]) - und fegt gleichzeitig jene Körper aus dem
Gürtel, die eigentlich auf Asteroiden wie Eros zahllose kleine
Krater hinterlassen sollten. Ebenso fehlt es an Impaktoren, die die
zahlreichen Felsbrocken auf Eros (bei denen es sich um
Auswürfe grösserer Einschläge handeln
dürfte) effektiv zerkleinern: Deswegen sieht es auf
Eros fast so aus wie in einer irdischen Wüste. [1.3.2001]
[226] Links: ein
News Flash zum Missionsende,
Science@NASA zum GRS und
CCNet (Artikel 8) zu Bells Überlegungen.
Wird die ESA Russlands Röntgensatelliten retten?
Ende Mai soll die Entscheidung fallen, ob die europäische
Weltraumbehörde Russland rund 20 Mio. Dollar zustecken
wird, um den Röntgensatelliten »Spektrum
Roentgen-Gamma« fertigzustellen, an dem schon seit vielen
Jahren gebaut wird und in dessen Instrumente bereits die nationalen
Agenturen vieler europäischer Länder und Israels
eine Menge Geld gesteckt haben. Weil aber die russische
Raumfahrt fast mittellos geworden ist, könnte nur eine
grössere gemeinsame Finanzspritze die Fertigstellung des
Satelliten gewährleisten: ESA-Experten untersuchen
derzeit, ob er wirklich beinahe komplett und ob tatsächlich
eine Proton-Rakete für ihn reserviert ist. Als Gegenleistung
für die Rettung des Satelliten würde die ESA 20% der
Beobachtungszeit verlangen, die dann auch Astronomen bisher
nicht beteiligter Länder zugute käme. [1.3.2001]
[225] Quelle: Space News vom 19.2.2001.
Gigantische digitale Himmelsdurchmusterung vollendet
Zwei automatische 1.3-m-Teleskope in Arizona und Chile,
über 1000 Beobachtungsnächte mit 99.5%iger
Bereitschaft der Hardware, 24 Terabyte Daten, ein Katalog mit
mehr als 300 Millionen Sternen und Galaxien: Das ist die
beeindruckende Statistik der Two Micron All-Sky Survey oder
2MASS, die im Februar erfolgreich abgeschlossen wurde. Es war
die erste grosse Himmelsdurchmusterung mit modernen
Detektoren, und die Wahl von Wellenlänge bei 2
Mikrometern im nahen Infraroten hatte einen guten Grund: Hier
ist der in der Milchstrasse allgegenwärtige Staub viel
transparenter als im sichtbaren Licht - und kühle Objekte
haben hier ihr Strahlungsmaximum.
Noch während die in Amherst, Massachussets,
koordinierte 2MASS (man beachte das Wortspiel :-) lief, wurden
im entstehenden Quellenkatalog zahlreiche Entdeckungen
gemacht: Wegen der grossen Zahl der Quellen waren auch manche
Exoten dabei. So wurden viele Sterne mit so ungewöhnlichen
Spektren aufgespürt, dass die hundert Jahre alte
Spektralklassifikation um die neuen Typen T und L (verschiedene
Typen Brauner Zwerge) erweitert werden musste, und es wurden
jede Menge Galaxien entdeckt, die entweder hinter der
Milchstrasse verborgen waren oder sich selbst durch grosse
Mengen Staub fast unsichtbar gemacht hatten. Der 2MASS-
Katalog wird eine Schlüsselrolle bei der Zielplanung
für den NASA-IR-Satelliten SIRTF spielen und ansonsten
jedermann zur Verfügung stehen. [1.3.2001]
[224] Links: ein
UMass Press Release zum Abschluss des Projekts,
eine Galerie mit schönen 2MASS-Bildern
und die 2MASS-Homepages in
Amherst und beim
IPAC.
Eine Ex-Galaxie windet sich um die Milchstrasse
Sie nennen sich die »Spaghetti-Kollaboration« und
suchen nach »Sternströmen« am Rande der
Milchstrasse: Astronomen von drei Kontinenten, die den Resten
kleiner Galaxien auf der Spur sind, die der Milchstrasse vor
Jahrmilliarden zu nahegekommen und von ihrem Schwerefeld
regelrecht zu langen Ketten von Sternen mit ähnlicher
Eigenbewegung zerrieben worden sind. Erst diesen Januar sind
die Spaghetti-Forscher wieder auf drei neue solche
Sternströme gestossen. Und sie haben festgestellt, dass der
»Sagittarius-Zwerg«, eine 1994 »hinter«
der Milchstrasse entdeckte Zwerggalaxie, in ihren
Aussenbereichen bereits so weit zerfleddert worden ist, dass das
zugehörige Sternband rund 100 Grad am irdischen Himmel
aufspannt. [1.3.2001]
[223] Link:
CWRU Press Release.
»Space Technology 6«: 8 zukunftsweisende Technologien
für künftige Forschungssatelliten hat die NASA als
Finalisten für das jüngste Kind ihres New-
Millennium-Programms ausgewählt - aber diesmal werden
sie nicht alle gemeinsam auf einem eigens gebauten Satelliten
getestet wie es bisher drei gab. Vielmehr müssen sich die
erfolgreichen Forschergruppen selbst um Mitfluggelegenheiten
ihrer Experimente auf anderen Satelliten bemühen: Bis zu 5
Gewinner sollen diesen Herbst feststehen, die dann 2003 oder
2004 abheben könnten. Speziell für die Astronomie im
Weltraum wären ein neuartiges und drastisch leichteres
Material für grosse Spiegel und ein Kühlsystem
für Infrarot-Teleskope (auf Temperaturen unter 1 Kelvin)
interessant, für die interplanetare Raumfahrt ein
autonomes Rendezvoussystem für Minisonden. [1.3.2001]
[222] Quelle: Space News vom 12.2.2001.
Link: Homepage des New Millennium Program.
Endlich alle Sterne in Sonnennähe katalogisieren
will derzeit ein energisches Forschungsprogramm:
Erklärtes Ziel der Cerro Tololo Inter-American Observatory
Parallax Investigation ist die Entdeckung von 250 neuen Sternen
mit weniger als 80 Lichtjahren Entfernung. Ursprünglich
wäre man auch mit 100 unbekannten schwachen Sternen
zufrieden gewesen, aber die Suche (mit einem 90-cm- und einem
1.5-m-Teleskop auf dem chilenischen Berg) liess sich so gut an,
dass ein kühneres Ziel formuliert wurde. Praktisch alle
Funde sind rote Zwerge, teilweise mit nur etwa einem Drittel der
Masse und des Durchmessers der Sonne und weniger als einem
Prozent ihrer Leuchtkraft. Bei der grossen Suche gibt es
übrigens einen visionären Hintergedanken: Manche
der »neuen« nahen Sterne dürften dereinst die
ersten Ziele interplanetarer Raumsonden, zumindest aber von
neuen Generationen superscharfer Satellitenobervatorien, sein.
[1.3.2001]
[221] Links:
CTIO Parallax Investigation.
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oder zum Archiv.
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