Meldungen Nr. 241 bis 250
vom 26.3.-5.4.2001
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Dieser Flug zum Mars muss gelingen

Selten war die Anspannung vor dem Beginn einer Marsmission so gross wie vor dem Start von »2001 Mars Odyssey«, der für den 7. April um 17:02 MESZ oder 17:32 MESZ angesetzt ist: Nach den zwei Fehlschlägen 1999 braucht die NASA unbedingt wieder einen Erfolg, sonst wäre es wohl um das neue grossangelegte Marsprogramm für die nächsten zehn Jahre (siehe Artikel 144 und 164) erst einmal geschehen.

So genau wie vor kaum einer anderen Mission ist die Mars Odyssey durchleuchtet worden, und auch der abermals mit dem Bau des Orbiters beauftragten Firma Lockheed Martin in Denver wurde intensiv über die Schulter geschaut. Die NASA musste der Firma aber erneut erlauben, in antiquierten »imperialen« Einheiten zu rechnen, die erst bei der NASA in metrische umgewandelt werden (weil genau das an einer Stelle vergessen worden war, flog einst der Mars Climate Orbiter ins Verderben): Die amerikanische Zulieferindustrie im Aerospace-Sektor ist immer noch so rückständig, dass bei einem konsequenten Bestehen auf dem metrischen System grosse Extrakosten für die NASA entstanden wären ...

Ungewöhnlich wird die Bahn der Delta-Rakete nach dem Abheben verlaufen: Noch nie wurde eine Marssonde von Cape Canaveral in so weit nördlicher Richtung abgeschossen, mit 52 bzw. 49 Grad Neigung zum Äquator, je nachdem ob das erste oder zweite der instantanen Startfenster erwischt wurde (dass es derer jeden Tag zwei gibt, ist auch ungewöhnlich). Die Planung des Starts erforderte sogar Nahost-Diplomatie, weil eine tragbare Bodenstation in den Oman gebracht werden musste. 33 Minuten nach dem Start sollte Mars Odyssey frei fliegen, aber erst 25 Minuten später wird mit den ersten Signalen gerechnet.

12 Tage später soll es dann ein Infrarotbild von Erde und Mond aus gut 1.5 Mio. km Entfernung geben, ansonsten passiert bis zur Ankunft am Mars um den 20. Oktober nicht viel. Wenn Mars Odyssey die korrekte Umlaufbahn erreicht hat, beginnt die Beobachtung des Planeten mit drei Instrumenten, dem Thermal Emission Imaging System (auf der Suche nach Mineralien, die mit Wasser in Verbindung stehen), dem Gamma Ray Spectrometer (für die Bestimmung der chemischen Elemente in den obersten Zentimetern der Oberfläche) und MARIE, einem Instrument zur Messung der Strahlenbelastung eventueller Astronauten - da die NASA derzeit alle konkreten Planungen in dieser Richtung ruhen lassen muss, gilt der Detektor Beobachtern als »politisch inkorrekt«. [5.4.2001]

[250] Quellen: Space News vom 26.3. S.32 und AW&ST vom 2.4. S.36-38. Links: die Homepage, Vorberichte in einem JPL Press Release und Science@NASA und in Artikel von ZEIT und SPIEGEL (mit vielen weiteren Links).

Eine europäische Mission, um Bodenproben vom Mars zu holen und vor dem amerikanisch-französischen Projekt auf der Erde zu haben, schlagen wagemutige britische Forscher vor - aber die ESA soll das alles bezahlen: CNN.

Formt flüssiges Kohlendioxid die »Mars-Gullies«? Ein kompliziertes Modell mit unter Druck unter der Marsoberfläche verflüssigtem CO2, das plötzlich hervorbricht, scheint diese Strukturen aus den Artikeln 62 und 71 besser als Wasser zu erklären: LPL Press Release.

Hämatit ist der Schlüssel zur Suche nach Wasser auf dem Mars aus dem Orbit, legen die Erfahrungen des Mars Global Surveyor nahe: Science@NASA.



Der stärkste Sonnen-Flare aller Zeiten

sprengte die Röntgenskala, mit der solche Strahlungsausbrüche auf der Sonne kategorisiert werden, als er am 2. April um 23:51 MESZ in der Aktivitätsregion (AR) 9393 ausbrach: Erst erhielt er den Wert X-17, dann X-20 (den höchsten normalen Skalenwert) und schliesslich eine X-22. Der Flare übertraf den bisherigen Rekordhalter vom 16. August 1989 (ein X-20) und erst recht den legendären Flare vom 6. März 1989 (der damals indirekt zu weitreichenden Stromausfällen in Kanada führte); präzise Messinstrumente für die Röntgenintensität von Sonnenflares gibt es allerdings erst seit 25 Jahren.

Als der Flare ausbrach, näherte sich die AR 9393 bereits dem Rand der Sonnenscheibe, und die geophysikalischen Auswirkungen des Flares und des mit ihm zusammenhängenden koronalen Massenauswurfs (CME) hielten sich in Grenzen. Anders war das einige Tage früher gewesen, als die Aktivitätsregion - für optische Beobachter als die grösste Sonnenfleckengruppe seit mindestens 10 Jahren zu erkennen - bereits mehrere Flares und CMEs Richtung Erde geschickt und v.a. in den USA und Neuseeland aber auch in Teilen Deutschlands spektakuläre Polarlichter ausgelöst hatte. Schon ist am gegenüberliegenden Sonnenrand eine neue Flare-freudige AR erschienen: Nach vier Monaten ausgeprägter Sonnenruhe wird es rund ein Jahr nach dem Maximum der Sonnenaktivität wieder spannend. [5.4.2001]

[249] Links: die Homepage des Mega-Flares mit SOHO- Bildern, die Fleckengruppe, eine Galerie der Polarlichter und weitere Aufnahmen aus Niederbayern und NRW sowie ein GSFC Press Release über den Flare und Artikel von CNN und SPIEGEL sowie über die vorangegangene Aktivität von BBC und SPIEGEL.

Mehr Polarlichter aus der zweiten Märzhälfte zeigt diese Galerie.

»Normale« Polarlichter über Finnland wurden im Februar abgelichtet.

CMEs können sich gegenseitig verschlingen, wenn ein schnellerer koronaler Massenauswurf einen langsameren überholt: Science@NASA.



Rekord-Supernova bestätigt kosmologischen Durchbruch

Vor drei Jahren erschütterten zwei internationale Astronomen-Teams die Welt der Kosmologie mit der Erkenntnis, dass sich die Expansionsgeschwindigkeit des Alls gegenwärtig erhöht statt verringert, dass das alte »Standardmodell« nicht mehr zu halten war, in dem die Dichte des Alls genau dem kritischen Wert für immer langsamere Expansion bis zum Stillstand im Unendlichen entsprach, und dass es neben der sichtbaren und (wesentlich mehr) Dunklen Materie im Kosmos auch noch eine geheimnisvolle »Dunkle Energie« zu geben schien, die unter anderem für die beschleunigte Expansion verantwortlich zeichnete.

Die im Januar 1998 vorgelegten Beweise bestanden in erster Linie in der Helligkeit ferner Supernovae des Typs Ia, die - unter einigen jedoch gut verstandenen Einschränkungen - perfekte »Standardkerzen« darstellen. Und die, zu je grösseren Rotverschiebungen man vorstiess, immer deutlicher »zu dunkel« wurden, verglichen mit den Erwartungen der ehemaligen Standardkosmologie. Schon damals schienen die meisten Fehlerquellen ausgeräumt, doch noch blieben leise Zweifel: Konnte es sein, dass sich die Ia-Supernovae selbst vor Jahrmilliarden etwas dunkler waren? Oder konnte »grauer Staub« (der keine messbare Rötung verursacht) den kosmologischen Effekt vortäuschen?

Eine einzige Supernova mit der Rekord-Rotverschiebung von 1.7, SN 1997ff, scheint jetzt alle Zweifel ausgeräumt zu haben: Sie ist nämlich wieder deutlich heller als sie in dieser enormen Distanz von grob 11 Mrd. Lichtjahren sein würde, wenn grauer Staub oder ein Evolutionseffekt für die Unterhelligkeit der vielen anderen Supernovae mit geringerer Rotverschiebung verantwortlich wären. Stattdessen passt ihre Helligkeit genau in das Szenario der neuen Kosmologie (siehe z.B. auch Artikel 175): In den ersten Jahrmilliarden nach dem Urknall dominiert noch die Schwerkraft, und die Expansionsgeschwindigkeit sinkt, doch etwa nach der Hälfte des heutigen Weltalters von rund 13 Mrd. Jahren beginnt die Dunkle Energie zu dominieren. [5.4.2001]

[248] Links: Pressemitteilungen vom Lawrence Berkeley National Lab, NERSC und STScI.

Quasare sind auf allen Grössenskalen gleich stark verklumpt, zeigt die derzeit laufende 2dF Quasar Survey, die schon die Rotverschiebungen von 11 000 Quasaren gemessen hat - dass die Quasare auf den grössten Skalen nicht gleichmässiger im Raum verteilt sind, schliesst manche kosmologischen Modelle aus: RAS Press Release.

Es gibt dreimal »zu viele« rote Galaxien in grosser Entfernung - noch ist der Effekt, der bei einer grossen Himmelsdurchmusterung entdeckt wurde, nicht erklärt: RAS Press Release.



Schon wieder elf neue Exoplaneten

sind entdeckt worden, diesmal bei der ESO mit einem Präzisions-Spektrometer an einem 1.2-Meter-Teleskop - das damit für 32 der 63 bekannten Planeten fremder Sterne mit (Minimal-)Massen von maximal 10 Jupitermassen verantwortlich zeichnet, ein Beweis für den Nutzen kleiner Teleskope auch heute noch, wenn sie gezielt eingesetzt werden. Die neuen Funde erhöhen auch die Zahl der bekannten Exoplanetensysteme mit mehr als einem Planeten auf sechs (wovon das besagte Teleskop vier entdeckte). Besonderheiten unter den neuen Funden sind
  • ein weiteres »resonantes« System, bei dem das Verhältnis der Umlaufszeiten der beiden Planeten fast exakt 1:2 beträgt (221 und 444 Tage); erst im Januar hatten die amerikanischen Hauptkonkurrenten der ESO-Gruppe ein System mit 30 und 60 Tagen Umlaufsperioden der Planeten bekanntgegeben;
  • ein Riesenplanet mit fast exakt den Bahnparametern der Erde, der alle 385 Tage einmal in 150.6 Mio. km Abstand (Erde: 365 Tage bzw. 149.6 Mio. km) auf einer Kreisbahn um seine »Sonne« läuft; zwar dürfte er selbst mit mindestens 3.5 Jupitermassen nicht gerade lebensfreundlich sein, doch eventuelle Monde lägen mitten in der »bewohnbaren« Zone; und
  • ein Riesenplanet auf einer extrem elliptischen Bahn mit einer Exzentrizität von 0.93, auf der er im Apastron 26-mal weiter von seiner Sonne entfernt ist als im Periastron, das nur 5 Mio. km beträgt.
Richt losgehen sollen die Exoplaneten-Entdeckungen bei der ESO übrigens ab Ende 2002, wenn der neue Spektrograph HARPS am 3.6-m-Teleskop installiert ist: Er wird noch Radialgeschwindigkeiten von einem Meter pro Sekunde nachweisen können. Das verspricht den Nachweis nicht nur fremder »Jupiters« und »Saturne«, wie sie inzwischen mehrere Sternwarten beherrschen, sondern auch von »Uranüssen« und »Neptunen«, denn noch Planeten mit 10 Erdmassen werden dann ihre Spuren hinterlassen! [5.4.2001]

[247] Link: ein
ESO Press Release.

»Herrenlose Planeten« gibt es wirklich - der Nachweis von Wasserdampf in den Spektren schwacher Objekte mit nur wenigen Jupitermassen, die sternlos durch den Orionnebel driften, dürfte die Zweifel an der Existenz dieser unerwarteten Klasse substellarer Himmelskörper (die nicht einmal Braune Zwerge sind) ausräumen: ein RAS Press Release, ein Nature Science Update und ein Spaceflight Now-Artikel.



Entstanden die schweren Elemente beim Verschmelzen von Neutronensternen?

Die meisten chemischen Elemente wie Sauerstoff und Kohlenstoff verdankt das Universum den stellaren Fusionsöfen und Supernova-Explosionen, die die Elemente im interstellaren Raum verteilten und so die Entstehung von Planeten überhaupt erst ermöglichten. Doch es scheint auf der Welt zuviel von den wirklich schweren Elementen wie Gold und Platin zu geben - und für deren Entstehung ist jetzt in einem Supercomputer in Leicester ein wahrlich explosives Szenario getestet worden.

In einem Origin 3800 von SGI, mit 128 Prozessoren, 64 Gigabyte RAM und 1.3 Terabyte Plattenplatz, dem leistungsfähigsten Rechner, auf den europäische Astronomen zugreifen können, wurden bei zwei Neutronensterne zur Kollision gebracht: Dabei entsteht ein Schwarzes Loch, aber es fliegt auch etwas extrem heisse Asche davon - in der, bei Temperaturen von Milliarden Grad Celsius, durch Kernfusion schwere Elemente in den richtigen Proportionen entstehen. [5.4.2001]

[246] Link:
RAS Press Release.

Gamma Ray Bursts kommen aus Gebieten aktiver Sternentstehung und haben daher mit dem Kollaps massereicher Sterne zu tun - das ergibt sich aus der starken Röntgenstrahlung, die mit den Explosionen einhergehen, wenn deren Feuerbälle in dichtes interstellares Medium rammen: CalTech und MSFC Press Releases.

In der Kleinen Magellanschen Wolke gibt es zehnmal mehr Röntgen-Doppelsterne relativ zur Masse als in der Milchstrasse - ein Indiz für eine Episode starker Sternbildung in dieser Zwerggalaxie vor nur wenigen Millionen Jahren: GSFC Press Release.



Ein Transneptun mit »verbotener« Bahn

sorgt für Aufregung unter den Experten für den Aussenbezirk des Sonnensystems, denn es ist zunächst nicht ersichtlich, wie 2000 CR105 auf seinen heutigen Orbit gekommen sein kann, der der Sonne nie näher als 44 Astronomische Einheiten (6.6 Mrd. km) kommt und gleichzeitig stark elliptisch ist. Zwar wurde der rund 400 km grosse Himmelskörper schon im Februar 2000 entdeckt, doch erst ein Jahr später stand nach allerlei Irrungen und immer neuen Beobachtungskampagnen mit schliesslich sieben verschiedenen Teleskopen seine ungewöhnliche Bahn fest, die bis zu 388 AU (58 Mrd. km) von der Sonne wegführt. Zur Zeit ist 2000 CR105 rund 53 AU (8 Mrd. km) von der Sonne entfernt und hat im Roten noch knapp 23. Grösse; das Perihel war Mitte 1965.

Solch ausholende elliptische Orbits sind am Rande des Sonnensystems eigentlich nichts Ungewöhnliches: Schon rund 30 Transneptune sind in den letzten 5 Jahren entdeckt worden, deren Bahnen weit aus dem »normalen« Kuiper-Gürtel herausreichen. Sie bilden die sogenannte »gestreute Scheibe«, bevölkert von Objekten, die ursprünglich im Kuiper-Gürtel residierten, aber durch Störungen vor allem Neptuns auf Abwege gebracht wurden (vgl.
Artikel 142). Dabei bleibt aber stets das Perihel in der Nähe der Bahn des Neptun, der ihnen lediglich höhere Geschwindigkeit und damit ein ferneres Aphel verleihen kann.Wer aber hat 2000 CR105 auf seine hochelliptische Bahn gebracht, wenn er dem Neptun nie nahekommen konnte?

Vier Möglichkeiten werden diskutiert: eine chaotische Entwicklung der Bahn über einen langen Zeitraum (»diffusives Chaos«), Bahnstörungen an inzwischen verschwundenen Planeten-Embryonen, die durch den Kuiper-Gürtel wanderten, die Ablenkung durch den jungen Neptun, als dieser noch eine andere Bahn hatte, oder Bahnstörungen durch einen unbekannten Mars-grossen Planeten am Rande des Kuiper-Gürtels, der noch der Entdeckung harrt (die unwahrscheinlichste Lösung). Auf jeden Fall dürfte 2000 CR105 zu einer »ausgedehnten gestreuten Scheibe« gehören: Ihn überhaupt zu entdecken, war nämlich derart unwahrscheinlich, dass es jede Menge Transneptune auf vergleichbaren Bahnen geben dürfte. Und mancher schon entdeckte Transneptun mag sich bei weiterer Verfolgung der Bahn (die oft vernachlässigt wird!) ebenfalls als Mitglied dieser Scheibe entpuppen. [5.4.2001]

[245] Links: ein Paper von Gladman et al., eine Webseite zum Thema und ein Artikel von inScight.

Ein Mann glaubt immer noch an »Nemesis«, einen höchst spekulativen Begleitstern der Sonne, der für eine (genau so umstrittene) Periodizität im Artensterben auf der Erde verantwortlich sein soll: Space.com.



Laborsimulation zeigt: Kometen konnten organische Moleküle zur Erde bringen

Es klingt nicht gerade nach der Suche nach dem Ursprung des Lebens, wenn Geologen mit einer grossen Kanone Geschosse von der Grösse einer Getränkedose auf kleine Nickel-Ziele mit Wassertropfen abfeuern. Aber mit genau solchen Experimenten soll jetzt der Beweis geführt worden sein, dass Kometenkerne einst die Grundsubstanzen des Lebens zur Erde bringen, sanft genug landen und dabei sogar noch die entscheidenden chemischen Prozesse in Gang bringen konnten. Die besagten Wassertropfen waren nämlich mit Aminosäuren angereichert - und nach dem Aufschlag hatten diese nicht nur überlebt, sondern sich zu längeren Ketten zusammengefunden, den Vorgängern der Proteine.

Da die Kometenkerne zugleich viel Wasser mitgebracht hätten, so geht die Hypothese, die hier getestet wurde, wären nach Einschlägen (unter dem richtigen Eintrittswinkel jedenfalls) auf der jungen Erde Tümpel voll der richtigen Chemie für den Start des Lebens zurückgeblieben - eine bessere Ausgangsposition als im klassischen Bild, wo in riesigen Ozeanen die durch elektrische Entladungen gebildeten Substanzen erst zusammenfinden mussten. Ausserdem würde ein einziger Kometenkern schon so viel organisches Material in konzentrierter Form abladen wie sonst auf der ganzen Erde verteilt in einem Jahr entstand (und siehe auch
Artikel 204). Als nächstes vollen die Geologen mit Bakteriensporen schiessen: Panspermie mit der Kanone, das ist Biologie auf amerikanisch ... [5.4.2001]

[244] Link: Science@NASA.

Warum gibt es kaum Aminosäuren im Meteoriten vom Tagish Lake, in den so hohe Erwartungen gesetzt worden waren (siehe Artikel 38)? NYT.



Ein dicker Asteroid rauschte an der Erde vorbei

Und niemand bemerkte etwas, denn 2001 EC wurde erst 5 Tage entdeckt, nachdem er am 26. Februar bis auf 1.47 Mio. km an die Erde herangekommen war, und die bedrohliche Bahn stand erst am 6. März fest. Zwar war das nur der 27st-nächste Vorbeiflug eines Asteroiden, von dem wir wissen, doch bis auf einen Fall waren alle anderen Asteroiden, die noch näher herankamen, wesentlich kleiner. 2001 EC hatte immerhin 500 bis 1200 Meter Durchmesser, was bei einem Einschlag bereits ein kleines Land vollständig verwüstet, einen 20 km grossen Krater geschlagen und möglicherweise zu einer globalen Klimakatastrophe mit Milliarden von Opfern geführt haben könnte. Alle paar hunderttausend Jahre ist mit einem solchen Impakt zu rechnen, der der modernen Menschheit bisher erspart geblieben ist.

Grösser und näher herangekommen als 2001 EC ist von allen bekannten Asteroiden nur Hermes alias 1937 UB (700 - 1500 Meter Durchmesser, 730 000 km Distanz) - zwar sind bis jetzt etwa die Hälfte aller potentiell erdbedrohenden 1-km- Asteroiden entdeckt (und für ungefährlich befunden) worden, aber der Fall 2001 EC zeigt, dass die Suchprogramme weiter intensiviert werden sollten. Von den anderen 25 näher herangekommenen brachten es (2340) Hathor = 1976 UA und (4581) Asclepius = 1989 FB immerhin noch auf rund 300 Meter Durchmesser, was zumindest lokale Zerstörungen verursacht hätte. Alle anderen hatten dagegen höchstens 80 Meter Durchmesser und wären vermutlich schon in der Atmosphäre explodiert. Rekordhalter ist übrigens der nur 7 bis 15 Meter kleine 1994 XM1, der die Erde Ende 1994 nur um 105 000 km verfehlte: Mehr als eine helle Sternschnuppe hätte er nicht verursacht. [5.4.2001]

[243] Links: ein
Minor Planet Electronic Circular mit den Details der Entdeckung, eine Liste der engsten Begegnungen der Erde mit Asteroiden und eine Studie über die Auswirkungen und die Häufigkeit von Einschlägen.

Komet 2001 A2 (LINEAR) ist plötzlich viel heller geworden und ist, entgegen den Erwartungen, sogar in kleinen Fernrohren zu sehen - der Ausbruch dauert offenbar noch an: Schätzungen der Helligkeit, ein AstroAlert und Details zum Ausbruch im IAUC # 7605.



Die inneren Strahlungsgürtel Jupiters sind noch gefährlicher

als man bisher dachte: Das ergibt sich aus Radiomessungen der Cassini-Sonde, die im Vorbeiflug auf natürliche Synchrotonstrahlung des Planeten gelauscht hatte. Darunter waren auch besonders hohe Frequenzen, die bei Messungen von der Erde aus in der 100-mal stärkeren thermischen Radiostrahlung untergehen - mit dem Ergebnis, dass es in Jupiters Strahlungsgürteln deutlich weniger Elektronen der höchsten Energie gibt als erwartet. Da aber die Gesamtintensität der jovianischen Synchrotronstrahlung bekannt ist, muss es umgekehrt drastisch mehr Elektronen mit nur etwas geringerer Energie geben: Sie würden Raumsonden in Gefahr bringen, die sich bis auf 300 000 km an den Jupiter heranwagen. Derartige Missionen sind zwar noch nicht konkret geplant, aber durchaus schon vorgeschlagen worden. [5.4.2001]

[242] Link: ein
JPL Press Release.

Ein erstes Fazit des Cassini-Flyby am Jupiter von RAS und ESA.



Präziser Abgang für eine legendäre Raumstation

Wenigstens ist sie nach all den Jahren nicht sang- und klanglos und unsichtbar entschwunden: Unverhofft grosse Treibstoffvorräte, die sie etwas schneller in die Atmosphäre trieben als geplant, und ein verrückter Zufall haben der Menschheit einen letzten, spektakulären Blick auf die letzten Minuten der Mir verschafft, schon in mehrere gleissend helle Fragmente zerbrochen quer über die Fiji-Inseln schiessend. Und weil dort eine Menge Reporter am Strand sassen, die eigentlich nur auf die Rückkehr von zwei gecharterten Beobachtungsflugzeugen gewartet hatten, gibt es jetzt prächtige Videos, Fotos - und um 6:49 MEZ konnte ein atemloser CNN-Korrespondent schon live während einer dramatischen Sondersendung berichten, wie das De-orbiting ausgegangen war.

Wer das nicht gesehen hatte, sass dagegen im Dunkeln: Noch eine Viertelstunde später irrten ratlose Reporter durch die - jetzt ehemalige - Flugkontrolle der Mir bei Moskau. Und erfuhren doch nur, dass es leider keinerlei Informationen mehr gäbe, seit das 3. und letzte Bremsmanöver beendet und die Station aus dem Funkbereich entschwunden sei. Seit dem 19. März standen das Datum und seit dem 20. auch ziemlich exakt die Uhrzeiten der drei Bremsmanöver fest: Es sollte alles in den frühen Morgenstunden des 23. März passieren. Und der Plan wurde präzise Realität: Von 1:32-1:54, 3:00-3:24 und 6:07-6:27 MEZ brennen die Triebwerke des Progress, gegen 6:44 tritt Mir in die Atmosphäre ein und beginnt zu verbrennen, und gegen 6:57 müssten die verbliebenen Trümmer in den Pazifik gestürzt sein (davon gibt es keine direkten Beobachtungen).

Nach dem ersten Manöver hatte die Bahnhöhe noch 189 x 214, nach dem zweiten 158 x 218 km betragen, und das dritte wurde in 215 km Höhe eingeleitet. Offenbar ist es ungewöhnlich stark ausgefallen, fast doppelt so heftig wie geplant: Da war wohl noch etwas mehr Sprit in den Tanks gewesen als erwartet. Durch diesen Overburn trat die Station etwas früher in die Atmosphäre ein als vorausberechnet und der Trümmerregen ging etwa 1500 km weiter nördlich als erwartet nieder, aber noch in der vorher bezeichneten rund 6000 km langen Zone. Grob geschätzt landeten die Trümmer 1000 bis 2000 km südöstlich der Fiji-Inseln; als ungefähre Koordinaten der Absturzzone werden 40!S 160!W genannt. Jetzt wartet alle Welt auf die ersten angespülten Überreste - nur Minuten nach dem Crash tauchten schon die ersten (falschen) Mir-Stücke im Internet auf ... [26.3.2001]

[241] Jede Menge Links gibt es im Cosmic Mirror # 221, z.B. Augenzeugenberichte aus Fiji, aus einem der Flugzeuge, die aufgestiegen waren, Meldungen von den Fischerbooten in der Crash-Zone, die letzten Zahlen des DLR und Artikel von ABC, BBC, CNN, RP und SPIEGEL.


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