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vom 8.-27.4.2001 Zu den aktuellen Meldungen Schon wieder ein Tauziehen um den Flug des ersten Weltraum-Touristen
gab es einen Tag vor dem lange geplanten Starttermin (28. April) für
Dennis Tito und seine zwei Begleiter: Wegen anhaltender Computerprobleme
auf der ISS muss die Endeavour länger angedockt bleiben, und die
Zeitdifferenz zwischen ihrem Abkoppeln und dem Anlegen von Soyuz TM-32
wird immer knapper. Noch am Abend des 27. April beharrte die russische
Seite auf einem pünktlichen Start und witterte im amerikanischen
Wunsch nach einer Verschiebung eine Art Racheakt: Schliesslich hatten
sich die USA (und alle anderen ISS-Partner) am 24.4. nur sehr widerwillig
mit dem Unabwendbaren abgefunden - dem ersten Raumflug eines Nichtprofis,
der die Kosten komplett selbst trägt (siehe
Artikel 60 aus der Zeit, als er noch zur
Mir gebucht war).Allen früheren Laien im All war ihre Reise von anderen bezahlt worden, seien es Regierungen oder Unternehmen gewesen, doch der 60-jährige Geschäftsmann Dennis Tito zahlt die ca. 18 Mio.$ aus der eigenen Tasche, was ihn zum ersten »echten« Weltraumtouristen macht. Nach monatelangen Verhandlungen haben NASA, ESA usw. seinem einwöchigen Besuch auf der ISS nur unter allerlei Auflagen zugestimmt, die teilweise vom gegenwärtigen ISS-Kommandanten indes schon wieder in Frage gestellt werden: So darf sich Tito offiziell nur in Begleitung in der US-Sektion aufhalten, muss selbst beim Toilettengang bewacht werden und soll sich möglichst nahe an der Soyuz-Kapsel (für den Fall einer Evakuierung) aufhalten. Und alles, was er versehentlich kaputtmachen sollte, muss er komplett bezahlen ... [27.4.2001] [260] Links: das Papier des Multilateral Coordination Board vom 24.4. und Artikel von CNN und SPIEGEL - jede Menge weitere Artikel gibt's im Cosmic Mirror # 223 in der grünen Box. Angebliche Trümmerstücke der Mir sind am Strand von Fiji gesammelt worden: New York Times. Wie der Absturz aus den teuren Flugzeugen nicht zu sehen war: ein Bericht von YK Chia. Keiner der Flieger sah etwas: Space.com. Die ständige Überwachung der Rückseite der Sonne ist jetzt Routine geworden: Mit zwei Methoden erlaubt der Sonnensatellit SOHO Rückschlüsse über die Aktivität auf der erdabgewandten Seite der Sonne, und die laufend produzierten Modelle werden seit dem 27. April allgemein zur Verfügung gestellt. Ein Verfahren beruht auf der UV-Strahlung grosser Aktivitätsgebiete, die vom interplanetaren Medium zurückgestreut und von SWAN beobachtet wird, die andere nutzt Effekte von Sonnenflecken auf Schallwellen im Inneren der Sonne aus, die MDI überwacht. Auch wenn jetzt ein neues Aktivitätsgebiet entsteht, während niemand hinschauen kann, so ist doch eine Vorwarnung von gut einer Woche möglich - und es konnte z.B. korrekt vorausgesagt werden, dass die berühmte AR 9393 (siehe Artikel 249) noch immer gross Mitte April wieder auf der Sonnenscheibe erscheinen würde. [27.4.2001] [259] Links: ESA Science News, Science@NASA und das aktuelle MDI-Bild. Komet C/2001 A2 (LINEAR) schon einen Monat lang im Ausbruch!
Meist dauert es nur ein, zwei Wochen, wenn ein Komet plötzlich
seine Helligkeit dramatisch steigert: Das kann zum Beispiel bedeuten,
dass sein Kern entzwei gebrochen ist und plötzlich viel Staub
freigesetzt wurde. Doch diese Erklärung kann bei
C/2001 A2 (LINEAR) nicht zutreffen, der Ende März urplötzlich
von 11. auf 8. Grösse sprang - und seither die Helligkeit nicht
nur gehalten, sondern ständig vergrössert hat! Ende April
war der Komet, der tief am Abendhimmel im Hasen steht, bereits in
der Nähe vom 6.5 mag. angekommen - und es könnte noch eine
4 vor dem Komma geben, wenn die neue Grundhelligkeit bleibt. Eine
mögliche Erklärung: Eine bis Ende März noch im
Schatten liegende Region, wo die Kruste des Kerns besonders dünn
ist, liegt seither im Sonnenlicht. Es bleibt spannend ... [25.4.2001]
[258] Link: eine Ephemeride für Mai. Haben kosmische Einschläge den Gang der menschlichen Evolution beeinflusst und alle Richtungen ausser dem zufällig überlebenden Homo sapiens ausgelöscht? Eine höchst spekulative britische Hypothese, die bereits heftig angegriffen wird: BBC, Space.com, CCNet (Item 7). Ein Mikrolensing-Ereignis als Superteleskop ausgenutzt haben Astronomen mit dem Very Large Telescope: Als ein Doppelstern vor einem noch ferneren Stern vorbeizog und dessen Licht durch den Gravitationslinseneffekt auf charakteristische Weise verstärkte, konnten dabei zum ersten Mal Spektren bestimmter Teile der Scheibe des ferneren Sterns gewonnen werden. Denn die Geometrie des Ereignisses führte einerseits dazu, dass im Laufe einiger Tage nach und nach andere Zonen des Sterns deutlich stärker aufgehellt wurden als der Rest seiner Scheibe - und zugleich waren die Astronomen durch die Doppelnatur des linsenden Sterns und damit auch der Lichtkurve vorgewarnt und konnten das Very Large Telescope im Stellung bringen. Der wissenschaftliche Gewinn hält sich zwar in Grenzen (bestimmte Theorien der Sternatmosphären wurden bestätigt), aber entscheidend war, dass die neue Technik tatsächlich funktioniert. [25. 4.2001] [257] Link: ESO Press Release. Die ISS erhält einen wandernden Robot-Arm
Er ist das Kernstück des kanadischen Beitrags zur Internationalen
Raumstation: ein 17 Meter langer Robot-Arm, der sich - teilweise
autonom - entlang der gesamten Station vorarbeiten kann und beim
weiteren Aufbau und der Wartung eine entscheidende Rolle spielen
wird.Beide Enden des Armes können sich an vorgegebenen Punkten auf der ISS festkrallen, so dass der »Canadarm-2« (genau heisst er Space Station Remote Manipulator System oder SSRMS) wie eine Raupe wandern kann. Am 21. April hat die zwei Tage vorher pünktlich gestartete Endeavour an der ISS angelegt, und während mindestens zweier EVAs wird das SSRMS montiert - auch der erste Canadarm auf dem Orbiter ist daran beteiligt, was die laufende Mission STS-100 zur zumindest robotisch kompliziertesten bisher macht. [21.4.2001] [256] Links: das Mission Status Center, Sonderseiten der ESA anlässlich des ersten ESA-Besuchers auf der ISS, Bilder vom Start, Pressemitteilungen von NASA und ESA und Artikel von BBC und Space.com über den Missionsbeginn. Die NASA hat grünes Licht für den ersten ISS-Touristen gegeben und sich mit der Kurz-Visite von Dennis Tito abgefunden - so melden es jedenfalls zahlreiche US-Quellen: New York Times, TIME, CNN. Liefert Italien ein Wohnmodul für die ISS? Kurz vor dem Start der Endeavour haben die ersten formellen Verhandlungen mit der NASA begonnen, die nichts für das Modul bezahlen, dafür aber mehr Italiener an Bord der ISS holen würde: ein NASA Press Release, das unterzeichnete Dokument und ein Artikel von Aviation Now. Drei runde Jahrestage der bemannten Raumfahrt gab es Mitte April: Vor 40 Jahren startete mit Gagarin der erste Mensch ins All (APOD und mehrere Artikel von Space.com und Florida Today), vor 30 Jahren mit Salyut 1 die erste Raumstation (ein Artikel von Space.com), und vor 20 Jahren mit Columbia der erste Space Shuttle (APOD und mehrere Artikel von Florida Today und Space.com). Das erste Objekt im Kuipergürtel (ausser Pluto) mit einem Mond
ist 1998 WW31: Als er vergangenen Dezember mit dem
3.6-m-CFHT auf dem Mauna Kea nach längerer Pause wieder beobachtet
wurde, stand dicht neben dem fernen, riesigen Kometenkern ein zweiter,
etwas schwächerer Körper, der sich mit derselben
Geschwindigkeit am Himmel bewegte. Auch auf Archivbildern
von Anfang 2000 entpuppte sich das Kuiperoid bei genauerem Hinsehen
als zumindest länglich.Damit ist Pluto nicht mehr der einzige Bewohner des Kuiper-Gürtels mit einem Mond (was bisher als ein Argument für seine besondere Natur als »9. Planet« angeführt worden war), und da bereits ein Nachbar mit fast seiner halben Grösse gefunden wurde, (20000) Varuna (siehe Artikel 189), bröckelt Plutos Planeten-Status munter weiter ... [21.4.2001] [255] Links: das IAUC mit der Entdeckung und Artikel von BBC und SPIEGEL. Mittelalterliche Mönche beobachteten keinen grossen Impakt auf dem Mond - die Hypothese, dass ein dramatischer Bericht in einer Chronik über eine Explosion auf dem Mond 1178 etwas mit der Entstehung des Kraters Giordano Bruno zu tun habe, ist durch neuere Analysen unwahrscheinlicher denn je geworden: Univ. of Arizona Press Release. Die Oberfläche von Eros wird komplett durch Einschläge beherrscht und nicht durch innere Kräfte, besagt die Auswertung der Bilder von NEARs Tiefflug letzten Oktober (siehe Artikel 143): JHU APL Press Release. Rekord-Supernova durch Gravitationslinse aufgehellt?
Vorsicht bei der Interpretation der gefeierten Supernova mit einer
Rotverschiebung von 1.7, deren Helligkeit das neue Bild des
Universums mit beschleunigter Expansion endgültig zu beweisen
schien (siehe Artikel 248): Es ist
gut möglich, dass sie einen guten Teil ihrer Helligkeit mehreren
viel näheren Galaxien verdankt, die zufällig nahe der
Sichtlinie stehen und deren Schwerefelder als Gravitationslinsen
dahinterstehende Punktquellen deutlich aufhellen können!Noch gibt es dazu keine verlässlichen Zahlen, denn die Massenverteilung der potentiell linsenden Galaxien ist noch nicht genau bekannt, und davon hängt die Stärke des Effekts entscheidend ab - aber er könnte leicht so stark sein, dass er den kosmologischen überdeckt. Die Beobachtung vieler weiterer sehr ferner Supernovae (wofür sogar ein eigener Satellit namens SNAP vorgeschlagen wurde) ist jedenfalls erforderlich, um das prinzipiell enorme Potential dieser quasi geeichten Sternexplosionen für die moderne Präzisionskosmologie zuverlässig ausnutzen zu können. [21.4.2001] [254] Links: ein Paper von Lewis & Ibata mit den Warnungen sowie Papers von Goliath et al. über den Nutzen von Supernovae in der Kosmologie und von Turner über das, was wir wirklich wissen. Die nächste grosse Frage der Kosmologie ist die nach der Natur der »Dunklen Energie«, die über die (sichtbare wie unsichtbare) Materie zu dominieren scheint - ist es die schon von Einstein postulierte Kosmologische Konstante oder etwas noch exotischeres? Aktuelle Artikel über die laufende Diskussion aus der New York Times, der ZEIT und von Space.com. Eine neue Idee über die »Ursache des Urknalls«, die die moderne Kosmologie mit den mehrdimensionalen Vorstellungen der String- und Membran-Theorien verknüpft, sorgt seit einigen Wochen für Aufsehen (was den Autoren gar nicht recht ist) - das »ekpyrotische Modell«: das Original-Paper von Khoury et al., Artikel von New Scientist, CNN und Space.com, und APOD über die Vorstellung höherer Dimensionen. Weisse Zwerge als Bestandteil der Dunklen Materie überschätzt? Die Hochrechnung, dass zwischen 3 und 33% des Halos der Milchstrasse aus solch ausgebrannten Sternen bestehen könnte, ist möglicherweise ein Rechenfehler: ein Paper von Gibson & Flynn. Neuer Wissenschaftsdirektor der ESA fordert mehr Geld
Die europäische Weltraumforschung kann einer goldenen Dekade
entgegensehen, mit einer Fülle von neuen Missionen aus allen
Bereichen, sie kann sich langsam ihren Zielen nähern,
während die heutige Forschergeneration alt und grau wird,
oder sie kann, auf ein Minimum geschrumpft, in die Drittklassigkeit
absinken: Die Entscheidung liegt im Herbst in den Händen der
Forschungsminister der Mitgliedsstaaten der Europäischen
Weltraumagentur ESA. Diese drei Szenarien hat Dave Southwood, der
am 1. Mai das Amt des Wissenschaftsdirektors antritt, am 9. April
vor führenden deutschen Weltraumforschern in Bonn ausgemalt -
verbunden mit der Aufforderung, endlich Druck auf die Politik zu
machen.Vergangenes Jahr hat die ESA die nächste Serie von Missionen festgelegt, die sich die Forscher-Gemeinde gewünscht hat (siehe Artikel 130) - und die, selbst wenn der Wissenschafts-Etat endlich wieder einen jährlichen Inflationsausgleich erhät, doch erst in den Jahren 2008 bis 2013 Wirklichkeit werden können. Seit der letzten Tagung des ESA-Ministerrats ist der Etat eingefroren, und die Kaufkraft ist jedes Jahr weiter gesunken: Jetzt hofft Southwood wenigstens auf die Rückkehr des Inflationsausgleichs, denn sonst müsste das Programm noch weiter gestreckt werden - und viele laufende Missionen müssten abgebrochen werden, sobald sie die minimale Lebensdauer erreicht haben, ohne Chance auf eine Verlängerung. Doch Southwood will noch mehr: Mit dramatischen Grafiken machte er deutlich, dass der Wissenschaftsetat der NASA seit 1997 immer schneller ansteigt und selbst die Entwicklung des Bruttosozialprodukts der USA überflügelt - während der Trend in Europa seit Jahren nach unten zeigt. »Das ist ein Witz!«, klagt Southwood, und es steht im Widerspruch zum erklärten Ziel der europäischen Staatschefs vom letzten Jahr, Europa zur »dynamischsten wissens-basierten Wirtschaft der Welt« zu machen, wofür wiederum die Grundlagenforschung, auch und gerade im Weltraum, geradezu »von strategischer Bedeutung« sei. Seine Forderung daher an die ESA-Minister: Ab 2002 jedes Jahr 5 Prozent mehr in den Wissenschaftsetat, dann gibt es bis 2011 schon 40 % mehr Ergebnisse und zusätzliche Flexibilität! [9.4.2001] [253] Links: ein ESA Press Release über Southwood, ESA Science News über die ESA-Pläne und die Homepage des Wissenschaftsprogramms. Diva noch nicht endgültig genehmigt: Wie SuW erfahren hat, steht die Finanzierung des kleinen aber feinen deutschen Satelliten für Astrometrie (siehe Artikel 132) noch immer nicht, und auch das DLR hat noch kein grünes Licht gegeben. SOFIA fliegt erst 2004: Der Erstflug der fliegenden amerikanisch-deutschen Sternwarte musste kürzlich um 2 Jahre verschoben werden, weil - wie SuW erfahren hat - der Jumbojet nach dem Herausschneiden der Öffnung für das grosse Teleskop nicht mehr flugfähig war und nachgerüstet werden muss ... ABRIXAS-Ersatz für die ISS? Ein noch sehr vages Projekt ist SuW zu Ohren gekommen, nach dem ein kleines Röntgenteleskop aussen auf der Internationalen Raumstation montiert werden könnte, um teilweise die Aufgaben des verunglückten Satelliten ABRIXAS zu übernehmen. 2001 Mars Odyssey pünktlich unterwegs
Flüge zum Mars üben auf die Massenmedien immer
noch eine erstaunliche Faszination aus, auch wenn nur
unbemannte Sonden auf die Reise gehen: Zahlreiche
Nachrichtensender waren am 7. April live dabei, als die NASA ihre
neueste 300-Mio.-$-Mission (siehe Artikel
250) pünktlich im allerersten
Startfenster um 17:02 MESZ auf die Reise schickte.Und die Kontrukteure der Delta-Rakete bei Boeing hatten den TV- Zuschauern wieder den Gefallen getan, mehrere Kameras aussen auf der Rakete zu montieren, die bis zur Abtrennung von Mars Odyssey lückenlos spektakuläre Bilder lieferten, inklusive aller Stufentrennungen und der Abtrennung der Sonde. Pünktlich gelang um 17:55 MESZ auch die erste Kontaktaufnahme mit dem künftigen Marsorbiter, doch erst wenn er am 24. Oktober den Mars und nach weiteren 76 Tagen Aerobraking in der Atmosphäre auch wirklich den korrekten Orbit erreicht haben wird, darf aufgeatmet werden: Auch die Missionen von Mars Climate Orbiter und Mars Polar Lander waren schliesslich bis zur Ankunft (scheinbar) wie am Schnürchen verlaufen ... [8.4.2001] [252] Links: Bildreiche Berichte über den Start von Spaceflight Now und SPIEGEL sowie der Status der Mission. Konfusion über den möglichen ehemaligen Mars- Ozean, dessen Küstenlinie 1999 auf der Nordhalbkugel entdeckt worden zu sein schien - handelt es sich dabei etwa nur um eine tektonische Struktur? Pressemitteilungen der Univ. of Arizona mit den neuen Zweifeln und der Brown University plus ein NYT-Artikel von 1999 mit den ursprünglichen ozeanischen Argumenten. Uranus, Neptun schuld am »Late Heavy Bombardement«?
Es ist eine der grossen offenen Fragen der Geschichte des
Sonnensystems: Warum kam es vor 3.9 Milliarden Jahren zu
einem heftigen Regen von Asteroiden auf die junge Erde, der nur
rund 100 Millionen Jahre dauerte, während die Rate der
Einschläge nachher und vorher erheblich geringer
war? Sichtbare Spuren dieses »Late Heavy
Bombardement« sind noch heute die grossen
»Mondmeere«, riesige Einschlagsbecken, die
später von dunkler Lava gefüllt wurden. Und dass das
Bombardement wirklich nur eine vergleichweise kurze Zeit
andauerte, verraten nicht nur die Gesteinsproben der
Apollomissionen, sondern auch die Meteoriten vom Mond, die aus
allen Regionen des Trabanten stammen und doch alle praktisch
das gleiche Alter haben.Eine offensichtliche Erklärung für das Late Heavy Bombardement war lange nicht zu erkennen, denn vor 3.9 Mrd. Jahren war das innere Sonnensystem bereits leergefegt von allen Planetesimalen, aus denen sich die Planeten gebildet hatten. Das legte schon immer eine Quelle der »späten Bomben« viel weiter draussen nahe - doch erst jetzt haben aufwendige Computersimulationen ein vielversprechendes Szenario geliefert, das zugleich die Entstehung der beiden äusseren Gasplaneten Uranus und Neptun erklärt. Die bildeten sich nämlich viel langsamer als Jupiter und Saturn und waren erst eine halbe Jahrmilliarde nach der Entstehung des restlichen Sonnensystems fertig und sollten dann erst die Planeten und ihre Monde weiter innen durch ihre geballte Schwerkraft mit einem Schauer übriggebliebener Planetesimals überzogen haben. Die neuen Simulationen zeigen zum ersten Mal, dass das Szenario auch quantitativ funktioniert: Um das Late Heavy Bombardement hervorzurufen, müssten lediglich 32 Erdmassen an Planetesimals aus der Umgebung von Uranus und Neptun abgelenkt worden sein, eine realistische Zahl. Beweisen oder widerlegen lassen könnte sich das Modell durch eingehendere Untersuchungen der grossen Jupitermonde, die damals eine noch viel grössere Zahl von Einschlägen abbekommen haben müssten: Callisto z.B. hätte in der Folge der Impakte weitgehend aufschmelzen müssen. Auch die Erde sollte während des Bombardements wegen ihrer grösseren Schwerkraft rund 10-mal so viele Treffer wie der Mond erhalten haben: Das vor 3.9 Mrd. Jahren gerade entstehende Leben erlebte vermutlich eine böse Überraschung nach der anderen. [8.4.2001] [251] Links: ein langer New Scientist-Artikel mit den neuen Resultaten, und Pressemitteilungen vom letzten Jahr von der Univ. of Arizona über die Mondmeteoriten und die Schärfe des Bombardements und aus Berkeley über ähnliche Untersuchungen an Mondstaub, die eine erneute (und mysteriöse) Zunahme der Einschläge auf dem Mond in den letzten 400 Mio. Jahren nahelegen. Je ein neuer Mond- und ein neuer Mars-Meteorit sind kürzlich identifiziert worden - nun gibt es derer 15 bzw. 17 eindeutige Fälle: BBC. den aktuellen Meldungen oder zum Archiv. |