Die kontroverse Entsorgung des größten
Forschungssatelliten aller Zeiten (siehe
Artikel Nr. 36) ist geglückt: Gegen 8:15
MESZ am Morgen des 4. Juni verglühte das Compton Gamma Ray
Observatory der NASA über dem Pazifik, und die Trümmer, die
die Hitze überstanden, versanken in den Fluten. Jetzt ist die
Gammaastronomie weitgehend blind, denn die Nachfolger stehen erst
in einigen Jahren auf der Startrampe - und ein Great Observatory,
das so viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen konnte wie
Compton, ist überhaupt nicht mehr geplant... [5.6.2000]
Die nördliche Hemisphäre ist inzwischen komplett mit
Kamera und IR-Spektrometer kartiert, und der ganze Asteroid ist per
Laserhöhenmesser erfaßt - aber die bislang im Dunkeln
liegende Südhemisphäre kann erst ab September fotografiert
werden, und die chemische Untersuchung von Eros' Mineralien mit dem
XGRS-Instrument hat gerade erst begonnen. Immerhin gibt es schon ein
wichtiges Ergebnis: Zumindest stellenweise ist der Asteroid
völlig undifferenziert, d.h. seine Elementenverhältnisse
entsprechen denen der Sonne bzw. von Chondriten. [5.6.2000]
sind nach Auffassung vieler Planetenforscher die mittlerweile
über 400 gefundenen Fragmente eines Himmelskörpers, der
am 18. Januar über Kanada explodiert war: Es sind die ersten
kohligen Chondrite seit dem Murchison-Fall von 1969 - und weil die
Feuerkugel gut beobachtet worden war, läßt sich auch die
Flugbahn des urtümlichen Himmelskörpers bestimmen. Das
war bisher erst 5mal gelungen (siehe
Artikel Nr. 25). Und noch besser: Die zusammen rund 10 kg
Meteoritensplitter sind alle noch kaum verunreinigt. [5.6.2000]
sind 1998 zwei Teams von Astronomen mit dem 1.5-Meter-Spiegel auf
dem Mount Wilson gelungen: Mit einer wissenschaftlichen bzw. einer
simplen Videokamera nahmen sie Hunderttausende von kurz belichteten
Bildern auf, kurz vor Sonnenaufgang, als die Luft besonders ruhig
war. Aus dieser Datenmenge wählten dann ein Computer bzw. beim
Amateur das Auge die Handvoll der allerschärfsten aus, die dann
aufaddiert und noch einmal bildverarbeitet wurden. [5.6.2000]
Grund des feurigen Abbruchs der Mission, die in einem
Trümmerregen über dem Pazifik (4000 km südöstlich
von Hawaii) enden soll: Im Dezember war einer der drei Gyros der
Lageregelung von Compton ausgefallen. Bei einem völlig
unkontrollierten Absturz, so hat die NASA ausgerechnet, würde
eine Wahrscheinlichkeit von 1:1000 bestehen, daß irgendwo
auf der Welt ein Mensch getroffen wird.
Das Risiko eines Personenschadens beim nun begonnenen völlig
kontrolliertem Deorbiting (dem ersten überhaupt, bei dem bis
zuletzt der Absturzpunkt im Griff ist) wird zu 1:29 Millionen
angegeben. Doch in den letzten Monaten waren Prozeduren entwickelt
worden, den Satelliten auch nach dem Ausfall sämtlicher Gyros
noch fast genau so sicher in den Pazifik zu lenken (Wahrscheinlichkeit
für ein Unglück: 1 zu 4 Millionen) - nach noch etlichen
weiteren Jahren produktiver Wissenschaft. Daß die NASA Compton
trotzdem so schnell wie möglich loswerden will, halten die
Kritiker dieses Vorgehens für eine Panikreaktion nach dem
Debakel mit den Marssonden 1999. [31.5.2000]
[36] Links: die
offizielle NASA-Website zum Crash - und zwei unter
US-Astronomen zirkulierende Papiere, die die Rechtfertigung der
Versenkung Comptons in Frage stellen:
FAQ und
Rebuttals.
Der Hauptgewinner ist das Next Generation Space Telescope als
Nachfolger von Hubble - aber mit einem 8 Meter großen
Hauptspiegel und stark erweitertem Infrarotbereich. Und als
Gegenstück auf der Erde fordert das Research Council ein
Giant Segmented Mirror Telescope mit etwa 30 Metern
Hauptspiegel, für das die Technologieentwicklung umgehend
beginnen solle.
Der umfangreiche Bericht enthält noch zahlreiche andere
Empfehlungen in allen Preisklassen, etwa den Bau eines Spiegelteleskops
mit 6.5 Metern Spiegeldurchmesser und großem Gesichtsfeld für
tiefe, schnelle Himmelsdurchmusterungen oder den Ausbau des VLA (siehe
Artikel Nr. 34). Und sozusagen als Meta-Teleskop
soll ein Virtual Observatory entstehen, wo alle Datensätze der
US-Astronomie zusammenfließen und frei zugänglich werden sollen.
Daß der Bericht keine riesige Wunschliste ist, sondern klare
Prioritäten setzt, erkennt man daran, daß manches geforderte
Großprojekt (wie ein neuer UV-Satellit) keine Aufnahme fand.
[25.5.2000]
Am 30. Mai feiert das erste große Radiointerferometer der Welt
seinen 20. Geburtstag: 1980 war die letzte der 27 Teleskopschüsseln
in Betrieb gegangen, die zusammen ein Radioteleskop mit hoher
Winkelauflösung bilden - ein Konzept schon aus den späten
50er Jahren, das seit 1972 in New Mexico in die Tat umgesetzt worden war.
Unzählige Forschungsprojekte sind seither mit dem Very Large Array
realisiert worden, und ein erheblicher Ausbau der Anlage wird gerade
vorbereitet. So werden noch acht weitere Antennenschüsseln
aufgestellt und angeschlossen, und auch die Elektronik der
teilweise etwas betagten Anlage wird auf den neuesten Stand gebracht.
[25.5.2000]
Just als im Frühjahr 1997 Hale-Bopp am Himmel stand, müßte
er für längere Zeit mit etwa 11. visueller Größe
auch im Amateurteleskopen zu sehen gewesen sein. Daß 1997 K2 (der
der Erde nie nahekam) allen professionellen wie Amateur-Suchprogrammen
entgangen ist, gibt zu denken: Wie gut wissen wir wirklich, was zu jedem
Zeitpunkt im inneren Sonnensystem vorgeht...? [25.5.2000]
hat in der Nacht zum 25. Mai ihren Jungfernflug absolviert: Die Atlas
IIIA benutzt ein russisches RD-180, das ihr gegenüber
der Vorgängerversion eine um 10% höhere Nutzlastkapazität
verleiht. Der im fünften Anlauf gelungene Start hatte sogar einen
noch internationaleren Aspekt: Passagier war der europäische
Nachrichtensatellit Eutelsat W4, der wiederum Rußland und Afrika
versorgen soll. [25.5.2000]
hat die NASA jetzt in der Mars Global Surveyor Image Gallery
zugänglich gemacht: Aufnahmen des MGS, die ein gesamtes Marsjahr
umfassen, von der Ankunft des Orbiters im September 1997 bis August
1999. Viele der Aufnahmen sind so scharf, daß man noch einen
Schulbus erkennen könnte; wegen der enormen Datenmenge konnten aber
nur kleine, genau ausgewählte Gebiete der Marsoberfläche in
dieser Auflösung erfaßt werden. [25.5.2000]