Meldungen Nr. 31 bis 40
vom 25.5. bis 5.6.2000
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Compton ist Geschichte ...

Die kontroverse Entsorgung des größten Forschungssatelliten aller Zeiten (siehe Artikel Nr. 36) ist geglückt: Gegen 8:15 MESZ am Morgen des 4. Juni verglühte das Compton Gamma Ray Observatory der NASA über dem Pazifik, und die Trümmer, die die Hitze überstanden, versanken in den Fluten. Jetzt ist die Gammaastronomie weitgehend blind, denn die Nachfolger stehen erst in einigen Jahren auf der Startrampe - und ein Great Observatory, das so viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen konnte wie Compton, ist überhaupt nicht mehr geplant... [5.6.2000]

[40] Links: Offizielle Reentry-Seite der NASA, der Coundown zum bitteren Ende von Spaceflight Now - und jede Menge Links zu Artikeln via Cosmic Mirror # 192.



NEAR hat ein Viertel seiner Mission erfüllt



Die nördliche Hemisphäre ist inzwischen komplett mit Kamera und IR-Spektrometer kartiert, und der ganze Asteroid ist per Laserhöhenmesser erfaßt - aber die bislang im Dunkeln liegende Südhemisphäre kann erst ab September fotografiert werden, und die chemische Untersuchung von Eros' Mineralien mit dem XGRS-Instrument hat gerade erst begonnen. Immerhin gibt es schon ein wichtiges Ergebnis: Zumindest stellenweise ist der Asteroid völlig undifferenziert, d.h. seine Elementenverhältnisse entsprechen denen der Sonne bzw. von Chondriten. [5.6.2000]

[39] Links: Science Update vom 1.6. und JHU und Cornell Press Releases über die chemischen Daten.



Die wichtigsten Meteoriten seit 30 Jahren

sind nach Auffassung vieler Planetenforscher die mittlerweile über 400 gefundenen Fragmente eines Himmelskörpers, der am 18. Januar über Kanada explodiert war: Es sind die ersten kohligen Chondrite seit dem Murchison-Fall von 1969 - und weil die Feuerkugel gut beobachtet worden war, läßt sich auch die Flugbahn des urtümlichen Himmelskörpers bestimmen. Das war bisher erst 5mal gelungen (siehe Artikel Nr. 25). Und noch besser: Die zusammen rund 10 kg Meteoritensplitter sind alle noch kaum verunreinigt. [5.6.2000]

[38] Links: Univ. of Calgary Press Release, mehr von SpaceScience.com und eine frühere Würdigung des Falls.



Die schärfsten Merkur-Bilder seit Mariner 10

sind 1998 zwei Teams von Astronomen mit dem 1.5-Meter-Spiegel auf dem Mount Wilson gelungen: Mit einer wissenschaftlichen bzw. einer simplen Videokamera nahmen sie Hunderttausende von kurz belichteten Bildern auf, kurz vor Sonnenaufgang, als die Luft besonders ruhig war. Aus dieser Datenmenge wählten dann ein Computer bzw. beim Amateur das Auge die Handvoll der allerschärfsten aus, die dann aufaddiert und noch einmal bildverarbeitet wurden. [5.6.2000]

[37] Links: Paper und Press Release der Profis und Paper, Press Release und Resultate des Amateurs.



Die Vernichtung des Compton-Satelliten hat begonnen

Trotz der Versuche amerikanischer Astronomen, den derzeit einzigen Gammastrahlen-Satelliten zu retten, ist die NASA hart geblieben: Am Morgen des 31. Mai begann der kontrollierte Abstieg des Compton Gamma Ray Observatory aus seiner Kreisbahn mit 510 km Höhe mit der ersten von vier Zündungen seiner Triebwerke, die das Perigäum der Bahn auf 350 km absenkte. Am Morgen des 4. Juni wird es aller Voraussicht nach um den Satelliten, der seit gut 9 Jahren die Astrophysik beflügelt, geschehen sein.

Grund des feurigen Abbruchs der Mission, die in einem Trümmerregen über dem Pazifik (4000 km südöstlich von Hawaii) enden soll: Im Dezember war einer der drei Gyros der Lageregelung von Compton ausgefallen. Bei einem völlig unkontrollierten Absturz, so hat die NASA ausgerechnet, würde eine Wahrscheinlichkeit von 1:1000 bestehen, daß irgendwo auf der Welt ein Mensch getroffen wird.

Das Risiko eines Personenschadens beim nun begonnenen völlig kontrolliertem Deorbiting (dem ersten überhaupt, bei dem bis zuletzt der Absturzpunkt im Griff ist) wird zu 1:29 Millionen angegeben. Doch in den letzten Monaten waren Prozeduren entwickelt worden, den Satelliten auch nach dem Ausfall sämtlicher Gyros noch fast genau so sicher in den Pazifik zu lenken (Wahrscheinlichkeit für ein Unglück: 1 zu 4 Millionen) - nach noch etlichen weiteren Jahren produktiver Wissenschaft. Daß die NASA Compton trotzdem so schnell wie möglich loswerden will, halten die Kritiker dieses Vorgehens für eine Panikreaktion nach dem Debakel mit den Marssonden 1999. [31.5.2000]

[36] Links: die offizielle NASA-Website zum Crash - und zwei unter US-Astronomen zirkulierende Papiere, die die Rechtfertigung der Versenkung Comptons in Frage stellen: FAQ und Rebuttals.



Die Prioritäten der US-Astronomie für die nächsten 10 Jahre

hat ein einflußreicher Bericht des National Research Council der National Academies vorgeschlagen - diese sogenannten Decadal Reports sind seit Jahrzehnten richtungweisend für die amerikanische Astronomie und die zentralen Projekte, in die investiert wird. 4.7 Milliarden Dollar mögen für die Astronomie auf der Erde und im Weltraum ausgegeben werden, fordert der neue Bericht, gut die Hälfte davon für 7 Großprojekte.

Der Hauptgewinner ist das Next Generation Space Telescope als Nachfolger von Hubble - aber mit einem 8 Meter großen Hauptspiegel und stark erweitertem Infrarotbereich. Und als Gegenstück auf der Erde fordert das Research Council ein Giant Segmented Mirror Telescope mit etwa 30 Metern Hauptspiegel, für das die Technologieentwicklung umgehend beginnen solle.

Der umfangreiche Bericht enthält noch zahlreiche andere Empfehlungen in allen Preisklassen, etwa den Bau eines Spiegelteleskops mit 6.5 Metern Spiegeldurchmesser und großem Gesichtsfeld für tiefe, schnelle Himmelsdurchmusterungen oder den Ausbau des VLA (siehe Artikel Nr. 34). Und sozusagen als Meta-Teleskop soll ein Virtual Observatory entstehen, wo alle Datensätze der US-Astronomie zusammenfließen und frei zugänglich werden sollen. Daß der Bericht keine riesige Wunschliste ist, sondern klare Prioritäten setzt, erkennt man daran, daß manches geforderte Großprojekt (wie ein neuer UV-Satellit) keine Aufnahme fand. [25.5.2000]

[35] Links: ein Press Release der National Academies und Artikel von Space.com und SpaceViews mit weiteren Einzelheiten.



20 Jahre Very Large Array - und alles wird noch besser



Am 30. Mai feiert das erste große Radiointerferometer der Welt seinen 20. Geburtstag: 1980 war die letzte der 27 Teleskopschüsseln in Betrieb gegangen, die zusammen ein Radioteleskop mit hoher Winkelauflösung bilden - ein Konzept schon aus den späten 50er Jahren, das seit 1972 in New Mexico in die Tat umgesetzt worden war. Unzählige Forschungsprojekte sind seither mit dem Very Large Array realisiert worden, und ein erheblicher Ausbau der Anlage wird gerade vorbereitet. So werden noch acht weitere Antennenschüsseln aufgestellt und angeschlossen, und auch die Elektronik der teilweise etwas betagten Anlage wird auf den neuesten Stand gebracht. [25.5.2000]

[34] Links: Pressemitteilungen zum Jubiläum und zum Ausbau sowie die wissenschaftlichen Highlights der ersten 20 Jahre.



Ein übersehender Komet - in SOHO-Daten von 1997

Eigentlich dient das Ultraviolett-Instrument SWAN (Solar Wind Anisotropies) auf dem ESA-Sonnensatelliten SOHO der räumlichen Untersuchung des Sonnenwindes über dessen Wechselwirkung mit dem interstellaren Wasserstoff - aber auch die ausgedehnten Wasserstoffwolken um Kometenköpfe kann es aufzeichnen, wenn auch mit bescheidener Winkelauflösung. Bei einer systematischen Suche nach entsprechenden beweglichen Wolken seit Anfang 1996 sind jetzt insgesamt 18 Kometen entdeckt worden, 17 davon alte Bekannte - aber einer der SWAN-Kometen, der jetzt C/1997 K2 heißt, war bisher unbekannt.

Just als im Frühjahr 1997 Hale-Bopp am Himmel stand, müßte er für längere Zeit mit etwa 11. visueller Größe auch im Amateurteleskopen zu sehen gewesen sein. Daß 1997 K2 (der der Erde nie nahekam) allen professionellen wie Amateur-Suchprogrammen entgangen ist, gibt zu denken: Wie gut wissen wir wirklich, was zu jedem Zeitpunkt im inneren Sonnensystem vorgeht...? [25.5.2000]

[33] Links: ein Nature Science Update und die Fragen, die der Komet auffwirft, aus dem CCNet und aus SpaceViews.



Die erste US-Rakete mit einem russischen Triebwerk

hat in der Nacht zum 25. Mai ihren Jungfernflug absolviert: Die Atlas IIIA benutzt ein russisches RD-180, das ihr gegenüber der Vorgängerversion eine um 10% höhere Nutzlastkapazität verleiht. Der im fünften Anlauf gelungene Start hatte sogar einen noch internationaleren Aspekt: Passagier war der europäische Nachrichtensatellit Eutelsat W4, der wiederum Rußland und Afrika versorgen soll. [25.5.2000]

[32] Links: die Homepage der Atlas IIIA, ein Press Release zum Start, und Berichte von Space.com, SpaceViews und SPIEGEL.



Über 25 000 Mars-Bilder auf einen Streich

hat die NASA jetzt in der Mars Global Surveyor Image Gallery zugänglich gemacht: Aufnahmen des MGS, die ein gesamtes Marsjahr umfassen, von der Ankunft des Orbiters im September 1997 bis August 1999. Viele der Aufnahmen sind so scharf, daß man noch einen Schulbus erkennen könnte; wegen der enormen Datenmenge konnten aber nur kleine, genau ausgewählte Gebiete der Marsoberfläche in dieser Auflösung erfaßt werden. [25.5.2000]

[31] Links: JPL Press Release und die Gallerie.


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