Meldungen Nr. 391 bis 400
vom 17.1.2002
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Unsere Milchstrasse aus der Vogelperspektive

»aufzunehmen« - auch ist dank der Two Micron All Sky Survey (2MASS) möglich, einer Durchmusterung des ganzen Himmels in nahen Infraroten (siehe Artikel 224), die sich als phänomenale Fundgrube erweist. So auch für das Aufspüren der seltenen Kohlenstoffsterne (unter den 500 Mio. Sternen der Durchmusterung), die am Ende ihres Lebens im Infraroten hell - und vor allem im Wesentlichen alle gleich hell - strahlen.

Mit diesem Wissen lässt sich aus der scheinbaren Helligkeit direkt auf die Entfernung schliessen und die wahre Position der Sterne in der galaktischen Scheibe darstellen. Die noch etwas grobe Karte, die ohne weitere Annahmen anhand von 30 000 Kohlenstoffsternen erstellt wurde, zeigt zwar die Spiralarme der Milchstrasse so gut wie überhaupt nicht (weil sich die Kohlenstoffsterne dort nicht häufen), darüber aber erstaunlich klar ihren zentralen Balken. Solch eine Struktur teilt sich die Milchstrasse mit über der Hälfte aller Spiralgalaxien, doch vom Ort der Erde aus konnte sie bisher nur indirekt nachgewiesen werden. [17.1.2002]

[400] Link: Univ. of Virginia Press Release.

Galaktische Balken zerstören sich selbst wieder, indem sie interstellares Gas in die Zentren von Galaxien treiben, wo die Massenansammlung die Bahnen der Sterne in den Balken stört - erkennbar ist das daran, dass Galaxien mit konzentrierterer Masse generell kürzere Balken haben: Univ. of Maryland Press Release.



»Plejaden-Phänomen« täuscht junge Planetensysteme vor

Nicht aller Staub, den man in unmittelbarer Nähe junger Sterne findet, gehört ihnen auch und könnte später einmal zu einem Planetensystem werden: Manchmal ist der Stern nur zufällig in eine existierende Staubwolke hineingelaufen, die er dann beleuchtet. So ist es beim Sternhaufen der Plejaden - und solch ein »Plejaden-Phänomen« ist jetzt auch bei 5 von 100 untersuchten Sternen gefunden worden, die durch einen Infrarot-Exzess wie bei der Vega auf ihre staubige Umgebung hingewiesen hatten. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass ein Stern manchmal von Fremdstaub und einer eigenen Staubscheibe umgeben ist: Nur Beobachtungen mit hoher Winkelauflösung können das im Einzelfall klären. [17.1.2002]

[399] Link: ein
Berkeley Press Release.



Transits von Protoplaneten bei SU Aurigae?

Nach wie vor ist nur ein einziger Stern bekannt, bei dem die Helligkeit regelmässig ein kleines Bisschen absinkt, wenn ein Planet vor seiner Scheibe her zieht - aber jetzt gibt es möglicherweise einen Fall, wo Protoplaneten gelegentlich ihren Stern verfinstern. Es handelt sich um den bereits aus
Artikel 390 bekannten SU Aurigae: In langen photometrischen Zeitreihen gibt es immer wieder plötzliche Einbrüche der Helligkeit (um bis zu 0.7 Grössenklassen), die einige Tage dauern. Sind es sich bildende Planeten in der Staubscheibe, die in die Sichtlinie gelangen, oder sind es Verdickungen oder Verbiegungen der Scheibe, die die Schwerefelder von Protoplaneten verursacht haben? So lange sich die Verfinsterungen nicht eindeutig periodisch wiederholen, bleibt dies alles natürlich spekulativ. [17.1.2002]

[398] Quelle: ein Press Release von L. DeWarf, Villanova Univ., vom 8.1.2002. Link: Illustrationen dazu.

Eine Schockzone, wo Materie auf eine protoplanetare Scheibe fällt, macht sich bei Lynds 1157 im Radiobereich bemerkbar - Staub wird heiss, Eismäntel verdampfen, Moleküle strahlen auf: JPL Press Release.



Wie schwere Planeten die Bildung erdähnlicher stören

Nur wenn sich fremde Jupiters weit ausserhalb oder auch weit innerhalb der bewohnbaren Zone um einen Stern (»habitable zone«, HZ) aufhalten, können sich dort erdähnliche Planeten bilden: Dieses wenig überraschende Ergebnis haben jetzt Computersimulationen bestätigt, die konkret die Stabilität von Planetenbahnen rund um die Sterne 51 Peg, 47 UMa und HD 210277 unter die Lupe nahmen. Bei 51 Peg ist die Bahn seines «heissen Jupiter« so eng, dass er Planetenbahnen in der HZ viel weiter draussen gar nicht stören würde - aber in den anderen beiden Fällen wäre die HZ weitgehend oder ganz entvölkert. Noch ist die Technik nicht so weit, um fremde Erden nachzuweisen, aber zumindest beim Sonnensystem funktioniert das Gesetz ebenfalls: Der Jupiter hält sich mehrere HZ-Radien weit entfernt, der Erde geht es gut. [17.1.2002]

[397] Link:
Univ. of TX Press Release.

Eine protoplanetare Scheibe um einen Stern in einem Vierfach-System ist mit Adaptiver Optik aufgenommen worden - durch Zufall genau von der Seite: CfA Press Release.



Klumpen in der Staubscheibe von Vega Spuren eines Planeten?

Bereits 1998 wurde auf Radiobildern der Staubscheibe um Vega eine mysteriösee Aufhellung entdeckt, die nicht mit dem Ort des Sterns zusammenfiel (siehe auch
Artikel 93) - jetzt zeigen schärfere Radiokarten (des Interferometers auf dem Plateau de Bure) sogar zwei auffällige Staubkonzentrationen. Eine liegt 60 Astronomische Einheiten (AU) südwestlich des Sterns, die andere75 AU nordöstlich: Das ist genau das Bild, das man erwarten würde, wenn Vega einen Planeten auf einer exzentrischen Bahn besässe, der die Staubscheibe störte. Computersimulationen zufolge entstehen dann praktisch immer zwei Staubklumpen, egal wie der Planet oder seine Bahn im Detail aussehen. Dass genau dieses Phänomen bei Vega vorliegt, wird sich in wenigen Jahren beweisen oder widerlegen lassen: Dann hat sich das Muster der Aufhellungen weitergedreht (mit der halben Umlaufperiode des Planeten) oder auch nicht. [17.1.2002]

[396] Link: ein CfA Press Release.

Planetesimals in einer zirkumstellaren Staubscheibe? Die Temperaturverteilung des Staubs um HD 113766A deutet auf die Existenz bereits grösserer Brocken hin, die ständig kleinere Teilchen nachliefern: U of A Press Release.



Lichtechos einer Supernova von 1998

sind mit dem Hubble Space Telescope abgebildet worden: Der ½ Bogensekunde grosse Ring um die SN 1998bu ist dasselbe Phänomen, das bei der SN 1987A und auch SN 1991 T beobachtet wurde. Das sich kugelförmig in den Raum ausbreitende Maximum der Helligkeit der Sternexplosion durchschneidet eine Staubschicht in ihrer fernen Galaxie (Messier 96) und erscheint uns als ziemlich scharf definierter Ring (der sich durch einen geometrischen Effekt mit Überlichtgeschwindigkeit auszudehnen scheint). Genau gesehen sind es sogar zwei Ringe: ein äusserer, den Staub in 400 Lichtjahren Abstand von der Supernova verursacht, und ein innerer durch viel näheren Staub. [17.1.2002]

[395] Link: Univ. of Notre Dame Press Release.



»Galaktischer Springbrunnen« nachgewiesen?

Ultraviolette Emission von fünffach ionisiertem Sauerstoff im Halo der Spiralgalaxie NGC 4631 ist der bisher direkteste Hinweis auf einen so genannten »galaktischen Springbrunnen«: Gas mit diesem Ionisationsgrad ist mehrere hunderttausend Kelvin heiss - aber das ist kühl relativ zum rund 1 Mio. K heissen Gas, das sonst den Halo der Galaxie erfüllt. Und dass es Gas dieser mittleren Temperatur in den Halos von Galaxien geben sollte, wurde schon vor einem Vierteljahrhundert vorausgesagt: Viele Supernovae treiben gemeinsam heisse Gasblasen aus der galaktischen Scheibe heraus, die sich dann im Halo langsam abkühlen und wieder zurückfallen, womit sich der Kreislauf schliesst. [17.1.2002]

[394] Link:
Univ. of Virginia Press Release.



Immer mehr Spuren zerrissener Zwerge im Halo der Milchstrasse

werden bei Himmelsdurchmusterungen entdeckt: sie machen sich als »Ströme« von Sternen mit gemeinsamen, auffälligen Parametern bemerkbar (siehe auch
Artikel 223). Für die Sloan Digital Sky Survey wurden bereits die Positionen, Farben und Helligkeiten von 5 Mio. Sternen ermittelt, und dabei ist zum Beispiel eine unerwartet grosse Zahl blauer Sterne innerhalb von 20 Grad von der galaktischen Scheibe entdeckt worden: Auch dies könnte eine zerrissene Zwerggalaxie sein - oder eine bisher unbekannte Komponente der Scheibe. Insgesamt sind bereits mindestens sieben Überdichten von Sternen im Halo aufgespürt worden, der sich als alles andere als homogen erweist. [17.1.2002]

[393] Link: Rensselaer Press Release.

Galaxien, die in Haufen gezogen werden, verändern sich sowohl in ihrem Aussehen wie ihrem Sternbildungsverhalten - einsame sind eher makellose Spiralen, Haufengalaxien spheroidal und rötlicher: Univ. of Mass. Press Release.



Eine Spiralgalaxie rotiert »falschherum«

Fast alle Spiralgalaxien rotieren so, dass sie ihre Arme »nachziehen«, und so wollen es auch alle populären Modellvorstellungen zur Entstehung der Spiralstruktur. Doch NGC 4622 fällt aus dem Rahmen: Staubige Filamente lassen keinen Zweifel, von welcher Seite man auf ihre Scheibe schaut, Spektren zeigen klar, welche Seite der Scheibe sich auf uns zubewegt - und so gibt es keinen Zweifel, dass die Arme von NGC 4622 in Rotationsrichtung weisen. Vielleicht hat eine Kollision mit einer anderen Galaxie für die Anomalie gesorgt, aber wie das zu so perfekten Armen »in der falschen Richtung« geführt haben kann, bleibt einstweilen ein Rätsel. [17.1.2002]

[392] Link: ein Univ. of Alabama Press Release.



Die grossen Interferometer haben die Jagd auf Gravitationswellen begonnen

Ohne viel Aufhebens zu machen, sind am 28.12.2001 die beiden grossen Laserinterferometer des amerikanischen Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory (LIGO) in den Staaten Louisiana und Washington und das kleinere deutsche GEO 600 bei Hannover testweise in parallelen Betrieb gegangen. Bereits jetzt lässt sich eine erste Obergrenze für Gravitationswellen bestimmter Frequenzen angeben, die aber noch weit oberhalb aller theoretischen Voraussagen für die diversen denkbaren Quellen im Kosmos liegt.

Doch die Qualität der Messungen steigt von nun an kontinuierlich, und LIGO und GEO 600 haben als erste Detektoren für Gravitationswellen überhaupt eine realistische Chance, in astrophysikalisch interessante Bereiche vordringen können. Und weil sie zu dritt arbeiten (GEO 600 macht dabei sein kleineres physikalsches Format durch technische Kniffe wett), würde man tatsächliche Ereignisse eindeutig nachweisen und sogar die ungefähre Richtung der Quelle angeben können. [17.1.2002]

[391] Quellen: eine E-Mail vom LIGO-Forscher Rainer Weiss, MIT, vom 12.1.2002, und eine Vorschau im New Scientist vom 1.12.2001 S.27-29. Links: LIGO Homepages beim
Caltech und MIT und die Homepage von GEO 600.

Keine Gravitationswellen mit extrem grossen Wellenlängen durcheilen den Raum, hat die systematische Überwachung eines Millisekundenpulsars gezeigt: Berkeley Press Release.


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