Meldungen Nr. 491 bis 500 vom 5.-10.7.2002
Zu den aktuellen Meldungen
Eis im Marsboden: Der Weg zu harten Zahlen
über die Menge des Wassereises, das im obersten Meter des
Marsbodens steckt und die erste große Entdeckung von
2001 Mars Odyssey darstellt (siehe Artikel 428 und 432), ist alles andere als direkt. Man nehme
Geschwindigkeitsmessungen der Neutronen, die durch
Kollisionen mit den Protonen des Wasserstoffs im Wasser
beeinflußt wurden, die direkte Gammastrahlung des
Wasserstoffs - und umfangreiche Modellrechnungen zu dem
erwarteten Signal für verschiedene Verteilungen des
Wassers im Boden.
So funktioniert's: Der Mars wird ständig von Kosmischer
Strahlung bombardiert, zumeist Protonen hoher Energie. Die
Protonen wechselwirken mit der Oberfläche, und bei diesen
Kernreaktionen entstehen Neutronen, die wiederum mit
umgebenden Kernen zusammenstoßen - diese geraten in
einen angeregten Zustand, fallen wieder in den Grundzustand
zurück und senden dabei charakteristische Gamma-Strahlung
aus. Und diese mißt Odyssey's Gamma-Ray Spectrometer (GRS).
Das ist aber noch nicht alles. Die Neutronen sind anfangs sehr
schnell, aber wenn sie mit Wasserstoffkernen = Protonen
zusammenstoßen, die praktisch dieselbe Masse haben,
werden sie stark verlangsamt und »thermisch«
genannt; bei anderen Stößen werden sie nur wenig
verlangsamt und heißen »epithermal«. Je mehr
Wasserstoff es im Marsboden gibt, desto mehr thermische relativ
zu epithermalen Neutronen sind zu erwarten. Viele Neutronen
können die Marsoberfläche verlassen und ebenfalls
von Odyssey beobachtet werden, der so eine zweite
Meßtechnik zur Eissuche zur Verfügung hat.
Der generelle Befund war schon bald klar: Von 45°
Südbreite bis zum Südpol hin nimmt die
Gammastrahlung von Wasserstoff ständig zu,
während die epithermalen Neutronen immer weniger
werden. Aber wieviel Eis steckt wo im Boden? An den Los Alamos
Nat'l Labs wurden die Gamma- und Neutronen-Signale für
verschiedene Mengen und Verteilungen simuliert - und
festgestellt, daß nur ein Zwei-Schichten-Modell die
kombinierten Beobachtungen erklären kann.
Demnach gibt es eine eisarme obere Schicht, deren Dicke von
42° bis 77° Süd von 75 auf 20 cm abnimmt - und
die Schicht darunter besteht zu 20 bis 50% (wahrscheinlichster
Wert: 35%) der Masse aus Wassereis. Da Wasser eine geringere
Dichte als Erdreich hat, dominiert das Eis sogar
volumenmäßig: Der Marsboden rund um den
Südpol besteht also durchweg aus schmutzigem Eis, nur
wenige Dezimeter unter der Oberfläche. Wie weit dieses Eis
in die Tiefe reicht und wieviel Wasser(eis) sich insgesamt
im Marsboden verbirgt, ist aber noch völlig unklar.
[10.7.2002]
[500] Quellen: Feldman & al./Mitrofanov & al./Boynton & al.,
Science 297 [5.7.2002] 75-85. Links:
Planetary Science Research Discoveries mit
den Einzelheiten der Auswertung und frühere Press
Releases von
JPL,
LANL und
MPG sowie Artikel von
BBC,
New Scientist und
SPIEGEL.
Marswetter-Studien im Vorfeld des Mars Express werden
bei der ESA durchgeführt:
ESA Science News. Der Landeplatz des Beagle
2 muß womöglich wetterhalber gewechselt werden:
BBC. Und die
ZEIT hält einen Fehlschlag des der ESA
angedienten Mini-Landers ohnehin für sicher
...
H3+ aus einem wachsenden
Planetensystem: Verrät sich ein Proto-Jupiter?
Schon Anfang 1999 sorgte der Stern HD 141569 für
Aufsehen: Bilder mit Hubbles NICMOS-Kamera zeigten eine
protoplanetare Scheibe in Gestalt eines Rings - hatte
fortschreitende Planetenbildung den Staub weiter innen bereits
aufgebraucht? Jetzt gibt es neue IR-Spektren (von der IRTF der
NASA), die dieses Bild zu bestätigen scheinen (die Emission
von Kohlenmonoxid ist innerhalb von 17 AU Sternabstand
abgeschnitten) und noch etwas anderes zeigen.
Aus der Umgebung des Sterns kommt nämlich ziemlich
eindeutige Emission des Ions H3+ -
das kommt zwar im Weltraum öfters vor, in
Emission gesehen wurde es bisher aber nur in den
Atmosphären der Riesenplaneten des Sonnensystems. In
Anwesenheit von Kohlenmonoxid wird das Ion rasch
zerstört: Entweder kommt es nur am Innenrand der
Scheibe um HD 141569 vor - oder aber die Emission stammt von
einem sich gerade zusammenballenden Jupiter. [10.7.2002]
[499] Quelle: Brittain & Rettig, Nature 418
[4.7.2002] 57-9. Links: ein
Notre Dame Press Release, ein
Nature Science Update, Artikel von
Sky & Tel. und
NetZeitung - und ein
STScI Press Release von 1999.
Eine alternative Theorie zur Bildung des Sonnensystems
von Alan Boss mit insbesondere rasantem Wachstum der
Riesenplaneten sorgt für Aufsehen und Widerspruch:
Space.com.
Schon wieder ein "fremder Saturn" entdeckt, einer der masseärmsten
bisher (per Radialgeschwindigkeit) nachgewiesenen Exoplaneten (und die Nr. 101):
Details und
BBC- und
NZ-Artikel.
Die meisten Transit-Objekte sind keine Planeten, besagt die
Spektroskopie deutscher Astronomen von den verdächtigen Sternen (siehe
Artikel 454 und
484) - die Körper, die vor ihnen
herziehen, haben zu grosse Durchmesser: Paper von
Dreizler & al.
Eine mysteriöse »Eisenfabrik« im frühen Universum
scheint einen Quasar mit der Rotverschiebung 3.9 mit einer
Menge an Eisen ausgestattet zu haben, die so früh in der
kosmischen Entwicklung (bei einem Zehntel des heutigen
Weltalters) nicht zu erwarten war. Eigentlich braucht man
massereiche Sterne, die als Supernovae untergehen, um den
interstellaren Raum mit Eisen anzureichern - aber im Quasar
APM 08279+5255 ist das Eisen/Sauerstoff-Verhältnis
nach XMM-Spektren drei- bis fünfmal so hoch wie im
Sonnensystem.
Ein wahres Feuerwerk aus frühen Supernovae muß
mithin angenommen werden, und da dafür eine gewisse Zeit
unverzichtbar war, könnten Entdeckung wie diese sogar
kosmologische Modelle einschränken und als (weitere) Evidenz
für eine Kosmologische Konstante dienen. Auf jeden Fall
sollten jene Weltmodelle bevorzugt werden, bei denen bei einer
gegebenen Rotverschiebung die Galaxien bereits älter sind.
[10.7.2002]
[498] Quelle: Hasinger & al., Astrophys. J. Lett.
573 [10.7.2002] L77-80, Links:
Pressemitteilungen von
MPG und
ESA und ein Artikel aus der
NetZeitung.
Die Supernova 1997ff im Griff haben jetzt offenbar die
Gravitationslinsen-Forscher - die fernste je beobachtete
Supernova des Typs Ia (siehe Artikel 248) wird durch Linseneffekte von
Galaxien nahe der Sichtlinie (siehe Artikel 254) nur mäßig heller
gemacht und bleibt damit doch ein starker Beweis für die
beschleunigte Expansion des Alls: ein Paper von
Benítez & al.
Ein Kometen-»Dust Trail« im sichtbaren Licht
ist zum ersten Mal von japanischen Astronomen abgelichtet
worden: ein langgezogener Schwarm aus zentimetergrossen
Staubbrocken, die 22P/Kopff bei seinem vorangegangenen
Periheldurchgang ausgestoßen hat. Bisher waren solche
Trails nur durch die Wärmestrahlung des Staubs von
IR-Satelliten nachgewiesen worden - oder wenn die Erde
hindurchfliegt, denn die Meteorstürme der Leoniden
werden von genau solchen Dust Trails verursacht.

Die Aufnahmen - das Bild ist die Summe von 13
Einzelbelichtungen - entstanden am 14. Februar mit der
1.05-m-Schmidtkamera des Kiso-Observatoriums: Kopff war 3 AU von der
Sonne entfernt, 5.6 Jahre nach seinem letzten und 0.8 Jahre vor
dem nächsten Periheldurchgang. Auch der Satellit IRAS
hatte einst den Kopff-Trail beobachtet: Aus der Kombination der
Daten ergibt sich eine sehr niedrige Albedo der Staubteilchen von
0.01, was zu dunklem, primitivem Material im Sonnensystem
paßt. [5.7.2002]
[497] Quelle: Ishiguro & al., Astrophys. J. Lett.
572 [10.6.2002] L117-20.
CONTOUR ist unterwegs! Mit zweitägiger
Verspätung ist die neue NASA-Kometensonde (siehe Artikel 489) am 3. Juli
gestartet:
Spaceflight Now,
SPIEGEL,
NetZeitung.
Lösen sich Oort'sche Kometen reihenweise auf?
Neue Simulationsrechungen scheinen den Verdacht zu
bestätigen, daß ein Großteil der Kometen aus der
Oort'schen Wolke kurz nach Betreten des inneren
Sonnensystems spurlos verschwindet: ein
SwRI Press Release und Artikel von
S&T und
NetZeitung.
Eine 5.8 Mio. Jahre junge Asteroidenfamilie aus
mindestens 39 Asteroiden mit ähnlichen Bahnen ist
identifiziert worden: ein
SwRI Press Release, ein
Nature Science Update und ein
RP-Artikel.
Exoplanet mit nur einer Erd-Masse per Microlensing nachgewiesen?
Die Entdeckung sorgte schon Anfang 1999 kurz für
Aufregung, und nun liegt eine viel genauere Auswertung der
Beobachtungen vor: Im Jahre 1998 ist ein Stern unserer
Milchstraße vor einem anderen in der Großen
Magellanschen Wolke hergezogen, hat dessen Licht zeitweise
durch den Gravitationslinseneffekt verstärkt - und in der
Lichtkurve dieses Ereignisse (MACHO 98-BLG35) gibt es
signifikante Hinweise auf einen Planeten im Orbit um den
Milchstraßenstern, der ebenfalls eine Linsenwirkung
verursachte.
Eine eindeutige Lösung gibt es auch heute nicht,
doch die Auswerter präsentieren zwei Modelle, die die
zusätzlichen Minima und Maxima in der Lichtkurve
besonders gut beschreiben könnten: Ein Planet mit 0.4 bis
1.5 Erdmassen in 1.5 oder 2.3 AU Abstand würde passen.
Und die Wahrscheinlichkeit, daß es beim linsenden Stern
keinen Planeten gibt, liegt bei unter einem Prozent. Neben
dem möglichen ersten Nachweis einer Exo-Erde auch von
Interesse: Irgendwelche Riesenplaneten in dem System
können ausgeschlossen werden, die fremde Erde
wäre allein. [5.7.2002]
[496] Quelle: Bond & al., Mon. Not. R. Astron. Soc.
333 [11.6.2002] 71-83.
Wie soll man all die Exoplaneten katalogisieren?
Möglicherweise schreitet bald die IAU ein:
Space.com.
Braune Zwerge sind Abfallprodukte der normalen Sternentstehung
in turbulenten Molekülwolken und damit tatsächlich
jene »fehlgeschlagenen« Sterne, als die sie schon
immer gern bezeichnet wurden: Das legen mehr und mehr
Modellrechnungen nahe. Irgendwelche exotischen (und nie
beobachteten) Mini-Kondensationskerne in Molekülwolken,
bei denen die Masse nur zu Braunen Zwergen reichen
würde, braucht man mithin nicht mehr anzunehmen: Die
Zwerge wachsen offenbar parallel mit den späteren
richtigen Sternen aus den bekannten großen Keimen,
werden aber aus den Wolken hinausgeworfen, bevor sie genug
Masse akkretiert haben.
In der jüngsten hydrodynamischen Simulation von Bate &
al. zum Beispiel »entstanden« genau so viele Braune
Zwerge wie normale Sterne (was nach den aktuellen
Hochrechungen für die Bevölkerung der
Milchstraße tatsächlich der Fall ist): Drei Viertel der
Zwerge bildeten sich in gravitativ instabilen zirkumstellaren
Scheiben, der Rest kondensierte aus kollabierenden Filamenten
im molekularen Gas. Auch andere beobachtete Eigenschaften der
Braunen Zwerge beginnen sich bei Simulationen abzuzeichnen,
etwa die geringe Zahl von Braunen Doppel-Zwergen oder die
Tatsache, daß solche Paare stets sehr eng sind.
[5.7.2002]
[495] Links: Papers von
Bate & al. und
Padoan & Nordlund. Zusätzliche
Quelle: Reid, Science 296 [21.6.2002] 2154-5.
Ein »einsamer Planet« mit nur grob 3
Jupitermassen scheint das Objekt S Ori 70 zu sein, das die
Entdecker »frei-schwebender Methan-Zwerg«
nennen - auf jeden Fall dürfte es das masseärmste
planetenartige Objekt sein, das bisher außerhalb der
Milchstraße abgebildet wurde: ein neues Paper von
Zapatero Osorio & al., eine frühere
Pressemitteilung der U. Hawaii und ein
Artikel aus der
NetZeitung.
Der engste Braun-Zwerg-Begleiter eines Sterns steht nur
etwa 3 AU neben LHS 2397a - und überhaupt wurden bei
einer Durchmusterung viele massearme Begleiter in geringen
Distanzen gefunden: eine
Pressemitteilung von Gemini und Artikel von
Astronomy und
NetZeitung.
Auf Braunen Zwergen herrscht Wetter wie auf dem
Jupiter - Modelle mit Lücken in einer Wolkendecke
können das Abkühlverhalten dieser Objekte jedenfalls
besser erklären: eine
Pressemitteilung des ARC.
Keine Diamantenschwemme im Kosmos ?!
Peinlich kann manchmal das Astronomenleben sein: Da wird eine
möglicherweise spektakuläre Entdeckung gemacht,
die wissenschaftliche Arbeit findet das Wohlwollen der Gutachter,
es steht bereits die konkrete Ausgabe einer renommierten
Fachzeitschrift fest, in der sie am 10. Juni erscheinen soll, und im
Vorfeld der Publikation wird ein gehöriger Medienrummel
entfacht. Und dann wird die Arbeit »nach einer Neuanalyse
der Daten« am 10. Mai still und leise zurückgezogen,
während sie in anderen Zeitschriften immer noch gefeiert
wird, etwa am 24. Mai in Science.
Genau dies ist im Mai mit einer Arbeit über ein
mysteriöses ultraviolettes Absorptionsfeature bei 270 nm
in der interstellaren Extinktionskurve passiert, das sich in neuen
Hubble- wie in alten IUE-Spektren vieler Sterne findet. »Es
stimmt in Position und Form extrem gut mit Labormessungen
von präsolaren Diamantkörnern überein, die
man in Meteoriten findet,« hatten die Forscher gedacht,
auch wenn »die Identifikation mit Diamanten
vorläufig bleibt, weil sie nur auf einem einzelnen, schwachen
Feature beruht.« Warum dann die Zweifel - im letzten
Moment - überwogen, bleibt einstweilen rätselhaft.
[5.7.2002]
[494] Links: Das alte
Abstract und historische Artikel von
inScight und
Astronomy.
Das erste Molekül mit drei Deuterium-Atomen im
All ist ND3, das mit dem Caltech Sub-mm
Observatory bei 309.9 GHz gefunden wurde:
MPG-PM.
Wettlauf der Weltraumsegler
In den kommenden drei Jahren könnte es endlich so weit
sein: Im Zeitraum 2002 bis 2004 sollen nach Angaben der
Projektleiter nicht weniger als drei Sonnensegler in den Weltraum
geschossen werden, zwei als relativ simple Experimente im
Erdorbit und einer sogar auf eine Reise aus dem Sonnensystem
hinaus. Seit Jahrzehnten wird über diese Antriebstechnik
philosophiert, jetzt wird es tatsächlich ernst - auf einer
Tagung in London am 10. Mai sah das Bild so aus:
- Ende 2002 startet Cosmos 1 der Planetary Society
(siehe Artikel 227 und
315), um im Erdorbit die
ersten Manöver mit dem Strahlungsdruck der Sonne auf 8
aufgeblasene »Blütenblätter« (30 m
Durchmesser) auszuprobieren. Mit dieser Pionierleistung sollen
v.a. die großen Raumfahrtbehörden motiviert werden.
- 2004 starten DLR und ESA einen gemeinsamen
Segler (siehe Artikel
235), ebenfalls nur in den Orbit - die Segeltechnologie (20 x 20
Meter) ist zwar eine völlig andere als bei Cosmos 1, aber es
sollen offenbar derselbe Satellitenkörper und dasselbe
Triebwerk zum Orbiteinschuß verwendet werden.
- 2004 oder später geht das ambitionierteste der
Projekte an den Start, Team Encounter des Unternehmens
Encounter 2001: Dieser Segler (der wieder auf einer
anderen Segeltechnik basiert und 75 x 75 m mißt) soll schon
15 Jahre später die Plutobahn passieren und DNA- und
andere Beigaben von zahlenden Kunden in die Tiefen der Galaxis
tragen ("humanity's first starship").
Das letztere Projekt wird inzwischen auch von der
amerikanischen Wetterbehörde NOAA unterstützt,
die von Sonnensturm-Frühwarnsatelliten auf halben Weg
zwischen Sonne und Erde oder von Pol-stationären
Satelliten träumt, jeweils mit riesigen Sonnensegeln auf
Position gehalten. Und bei der ESA denkt man über eine
Kombination von Dünnschicht-Solarzellen und
Sonnensegeln nach, die gleichzeitig für Strom und Antrieb
von Raumsonden sorgen könnten. [5.7.2002]
[493] Links: ein
Cosmos 1 Update, die Homepage von
Team Encounter, ein
RAS Press Release über die Tagung, ein
Team Encounter Press Release
über den Einstieg der NOAA und die
ESA News über die neuen Solarzellen.
Eine Obergrenze für die Neutrinomasse aus der
großräumigen Struktur des Kosmos
abgeleitet haben Astronomen und Physiker mit Hilfe der
australischen Himmelsdurchmusterung 2dfGRS (siehe Artikel 52): Das
Powerspektrum der Fluktuationen in der räumlichen
Verteilung der hundertausende von Galaxien enthält eine
Menge kosmologische Informationen. Erstaunlicherweise
läßt sich daraus sogar eine noch schärfere
Obergrenze für die Masse aller Neutrinos angeben als es
bisher mit allen zuverlässigen Laborexperimenten
möglich war.
Mit einigen wenigen (heute unstrittigen) Zusatzannahmen
über andere kosmologische Parameter läßt sich
schließen, daß der Beitrag von Neutrinos zur
Gesamtmasse des Universums mit 95% Wahrscheinlichkeit
unter 13% liegt: Würden die Neutrinos (als
»Heiße Dunkle Materie«) mehr Masse
aufbringen, hätten sie kosmische Strukturen teilweise
wieder ausgebügelt. Die Masse der Neutrinos liegt damit
unter 1.8 eV. Zusammen mit künftigen kosmologische
Daten, wie sie insbesondere die Satelliten MAP und Planck liefern
sollten, dürfte selbst eine Neutrinomasse im Bereich von
Zehnteln eV noch nachzuweisen sein. [5.7.2002]
[492] Link: ein Paper von
Elgaroy & al.
Noch bessere Daten des Sudbury Neutrino Observatory
vervollständigen die Aufklärung des
Sonnen-Neutrinoproblems (s.a. Artikel
290) - die Sonne funktioniert, wie es sich die Astrophysiker
vorstellen, und die Neutrinos oszillieren: ein Paper von
Ahmad & al., noch
eins und eine umfassende Analyse, was das
alles bedeutet, von
Bahcall & al.
Das Universum als Computer betrachtet hat seit dem
Urknall rund 10120
»Rechenoperationen« durchgeführt, hat ein
führender Informationstheoretiker ausgerechnet - fragt
sich nur, was das bedeuten soll:
Nature Science Update.
Viele der fernsten Quasare erscheinen durch
Gravitationslinsen viel zu hell (jeder dritte um einen Faktor
10 oder mehr), lassen Berechnungen vermuten - Quasare mit
hohen Rotverschiebungen stellen womöglich die erste
bekannte Population von Himmelsobjekten dar, deren Anblick
drastisch verfälscht wird: ein Paper von
Wyithe & Loeb, ein
CfA Press Release und ein Artikel aus der
NetZeitung.
Noch ein großes optisches Interferometer
aus 8 bis 10 Teleskopen mit je 1.4 Metern Durchmesser wollen die
britische University of Cambridge und mehrere amerikanische
Gruppen gemeinsam auf dem Magdalena Ridge Observatory in
New Mexico errichten - die Technologie ist erwachsen geworden
(siehe z.B. Artikel 433).
Rund 45 Mio.$ wird das neue Instrument kosten, bei dem die
Teleskope Basislinien von bis zu 400 Metern aufspannen
können. Mit dem vergleichsweise winzigen Interferometer
COAST war es den Briten Mitte der 90er Jahre zum ersten Mal
geglückt, die Strahlengänge von 3 optischen
Teleskopen zur Interferenz zu bringen - das neue Interferometer,
Betriebsbeginn 2007, soll der nächste Schritt sein.
[5.7.2002]
[491] Links: ein
NMT Press Release, ein Artikel von
Astronomy und die
Homepage des Magdalena
Ridge Observatory.
Die alte FOC des HST und seine Solarzellen werden jetzt
untersucht, um die Wirkungen langen Aufenthalts im
Weltraum zu untersuchen - nach dem ersten Eindruck sind
insbesondere der Faint Object Camera die 12 Jahre im Orbit kaum
anzumerken:
ESA Science News.
Zu den 10 vorangegangenen Meldungen,
den aktuellen Meldungen
oder zum Archiv.
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