Meldungen Nr. 51 bis 60 vom 21.6.2000
Zu den aktuellen Meldungen
Erster Mir-Tourist vorgestellt
Er wird 60 Jahre alt sein, wenn er abhebt, hat in den 60er und 70er
Jahren am Jet Propulsion Lab an den Bahnen von interplanetaren Raum
gearbeitet - und später mit einer Investment-Firma ein
geschätztes Privatvermögen von 250 Mio.$ erwirtschaftet:
Dennis Tito, der erste Weltraumtourist, der nach gegenwärtiger
Planung im Frühjahr 2001 für etwa eine Woche an Bord der
Raumstation Mir darf. Wieviel sein Ticket genau kosten soll, ist
noch nicht bekanntgegeben worden, aber es dürften etwa 20 Mio.$
sein. Mit einem halben Dutzend weiterer »Citizen Explorer«
verhandelt Mir-Vermarkter MirCorp bereits, doch auf lange Sicht
erhofft man sich noch mehr Einnahmen aus anderweitiger Nutzung der
Station, etwa für wissenschaftliche Experimente. [21.6.2000]
[60] Links:
MirCorp Press Release. Außerdem: ein lesenswerer Artikel
über Mir aus russischer Sicht in der
Moscow Times und eine - vernichtende - Analyse des
Geschäftsplans von MirCorp aus
Florida Today.
NASA-Missionen scheitern nach System
Mit einer verblüffenden Analyse hat ein Think Tank der U.S.
Air Force aufgezeigt, daß preiswerte Weltraummissionen der
NASA in den vergangenen Jahren mit fast 100-prozentiger Sicherheit
scheiterten, wenn sie gleichzeitig einen bestimmten Grad an
Komplexität über- und eine bestimmte Entwicklungszeit
unterschritten. Eine ähnliche Gesetzmäßigkeit
ließ sich auch für die Kosten der Missionen finden -
wenn bei einer gegebenen Komplexität nicht genug Geld da
war, war das Scheitern vorauszusehen. Daß zu viel gewollt
zu haben bei zu wenig Investition ein wesentlicher Faktor bei den
Fehlschlägen war, hat inzwischen auch die NASA-Führung
eingesehen. [21.6.2000]
[59] Quelle: Aviation Week & Space Technology vom
12. Juni S. 47-49. Siehe auch Berichte über die letzte
Anhöhrung im US-Kongreß über die Zukunft der
NASA-Programme von
Florida Today,
Space.com und
SpaceViews.
Im Inneren Jupiters sieht es anders aus
als es sich die Theoretiker bisher vorgestellt haben: Das legen
neue Laborversuche mit metallischem Wasserstoff nahe, nach denen
dieser seltsame Materiezustand schon bei weit geringeren
Drücken eintritt als man bisher dachte - schon 0.2 statt etwa
20 Megabar - und dies auch noch allmählich und nicht
sprunghaft. Alle Labortechnik kann die extremen Verhältnisse
im Inneren eines Riesenplaneten nur sehr ungenügend
nachbilden; diesmal wurde, in den Lawrence Livermore Nat'l Labs in
Kalifornien, eine per Hochleistungslaser erzeugte Schockwelle zum
Komprimieren einer Deuteriumprobe verwendet. Wenn sich die
Ergebnisse bestätigen, dann gibt es im Inneren Jupiters keine
klare Grenzschicht, sondern der metallische Wasserstoff erscheint
allmählich mit größerer Tiefe. [21.6.2000]
[58] Link:
Nature Science Update.
Kudritzki geht nach Hawaii

Einer der einflußreichsten deutschen Astronomen wird sich ab
Oktober auf der anderen Seite der Erde wiederfinden: Prof.
Rolf-Peter Kudritzki, Direktor des Münchener Instituts für
Astronomie und Astrophysik, wird neuer Direktor des Institute
for Astronomie der University of Hawaii. Wissenschaftlich hatte
sich Kudritzki auf heiße Sterne spezialisiert, aber noch
bekannter wurde er aber durch die zahlreichen Aufgaben, die er
für verschiedene internationale wissenschaftliche
Organisationen wahrnahm. [21.6.2000]
[57] Link:
Univ. of Hawaii Press Release, Kudritzkis
(für einen Direktor) ungewöhnliche Münchener
Homepage und die
Homepage des
Instituts auf Hawaii.
Katzenaugennebel von konzentrischen Ringen umgeben
Als ob die Physik der Entstehung Planetarischer Nebel nicht schon
kompliziert genug wäre: Jetzt sind rund um den berühmten
Katzenaugen-Nebel NGC 6543 auch noch etliche konzentrische Ringe
entdeckt worden, die auf mehr oder weniger regelmäße
Episoden von Massenauswürfen hindeuten, bevor der
sterbende Riesenstern in einem finalen Ereignis vor rund 1000
Jahren den eigentlichen Planetarischen Nebel produzierte. Es ist
derzeit noch ziemlich unklar, wie ein Stern in einem so instabilen
Zustand ein so regelmäßes Muster produzieren konnte.
[21.6.2000]
[56] Links:
Press Release und
Bilder sowie eine
Galerie Planetarischer Nebel vom Hubble Space
Telescope.
Schon mindestens 7 Hotspots im Ring um Supernova 1987A
Zum ersten Mal können Astronomen die Entstehung eines
Supernova-Überrests in Echtzeit und mit hoher
Winkelauflösung verfolgen: Immer mehr Fragmente der
1987 beobachteten Sternexplosion in der Großen
Magellanschen Wolke treffen jetzt auf den Materiering, der
sich schon vorher um den massereichen Stern gebildet hatte.
Bereits seit 1995 sind in diesem Ring örtlich feste
Aufhellungen entstanden, sogenannte Hotspots, die seit 1998
immer zahlreicher und heller werden. Dank des Hubble Space
Telescopes und Adaptiver Optik und Teleskopen auf der Erde
läßt sich die Entwicklung im Detail verfolgen.
[21.6.2000]
[55] Link:
Columbia University Press Release.
Polaris ist kein gewöhnlicher Cepheide
Mit dem größten derzeit arbeitenden optischen
Interferometer ist der Durchmesser des Polarsterns zu 46
Sonnendurchmessern bestimmt worden - was
erstaunlicherweise Rückschlüsse über das
Innenleben des berühmten Sterns zuläßt. Beim
Navy Prototype Optical Interferometer (NPOI) sind weit
voneinander enfernte Teleskope bzw. Spiegel gemeinsam auf ein
Himmelsobjekt ausgerichtet, und die Lichtwellen werden in einem
optischen Labor zur Interferenz gebracht: Winkeldurchmesser
von Sternen lassen sich so mit höchster Präzision
messen.
Und da dank des Hipparcos-Satelliten auch die genaue
Entfernung von Polaris, 431 Lichtjahre, bekannt war, ließ
sich auch der wahre Durchmesser des Sterns berechnen. Schon
eine Weile ist bekannt, daß Polaris ein veränderlicher
Stern aus der Klasse der Cepheiden ist, doch sein Durchmesser
vom 46fachen der Sonne paßt nicht ins Bild: Bei seiner
Lichtwechselperiode von 4.0 Tagen sollte er nach einem
etablierten Gesetz eigentlich nur 38 Sonnendurchmesser haben.
Des Rätsels Lösung: Polaris ist ein Oberton-Pulsierer,
bei dem sich nicht die gesamte Atmosphäre zur selben Zeit
in dieselbe Richtung bewegt. Das war schon früher
gemutmaßt worden, das NPOI hat es nun bewiesen. [21.6.2000]
[54] Link:
USNO Press Release.
Neuer Teilchenbeschleuniger nimmt die Arbeit auf
Er hat rund 600 Millionen Dollar gekostet und wird schon im
Vorfeld als das »Hubble Space Telescope der
Teilchenphysik« gefeiert: der Relativistic Heavy Ion Collider
(RHIC, ausgesprochen »Rick«) der Brookhaven National
Laboratories auf Long Island, New York - seit dem
Pfingstwochenende ist er in Betrieb. Zum ersten Mal ist es mit
diesem Ringbeschleuniger möglich, Goldionen mit fast
Lichtgeschwindigkeit aufeinanderzuschießen und dabei
für kurze Zeit einen Materiezustand zu erzeugen, wie er nur
einmal in der Geschichte des Universums existierte, einen
Sekundenbruchteil nach dem Urknall. Theoretiker erwarten bei
dieser Energiedichte das Auseinanderbrechen selbst der
Nukleonen und ein sogenanntes Quark-Gluonen-Plasma - aus
dem sich freilich sofort wieder Protonen und Neutronen bilden.
Direkt beobachten läßt sich das Quark-Gluonen-
Plasma daher nicht: Nur charakteristische Teilchen und
elektromagnetische Wellen, die aus dem Plasma herausdringen,
sollen davon zeugen, ein Blitz Gammastrahlen, ein Schauer
»seltsamer« Quarks und von Ypsilon-Partikeln. Ob
europäischen Teilchenphysikern beim CERN in Genf ein
eindeutiger Nachweis eines Quark-Gluonen-Plasmas bereits vor
einigen Monaten gelang, darüber wird in der Fachwelt
immer noch gestritten - von den vier gewaltigen Detektoren des
10mal leistungsfähigeren RHIC, die da PHENIX, STAR,
BRAHMS und PHOBOS heißen, wird hingegen eine
eindeutige Signatur erwartet, nebst weitergehenden
Erkenntnissen über die Natur des Quark-Gluonen-
Plasmas und mithin den Zustand des Universums ganz kurz
nach seiner Entstehung.
Befürchtungen auch von ernstzunehmender Seite,
daß es dabei womöglich zu einer Katastrophe kommen
könnte, sind Physiker in den letzten Monaten mit
detaillierten Studien entgegengetreten: Weder kann der RHIC
kleine Schwarze Löcher noch andere exotische Teilchen
produzieren, die den Fortbestand der Erde oder gar des
Universums bedrohten. Die Argumente sind dabei nicht nur
theoretischer Natur: Es genügt, einfach den Mond
anzuschauen, den es schon seit Jahrmilliarden gibt - obwohl er
ständig von Teilchen der Kosmischen Strahlung
bombardiert wird, die lokal noch viel höhere Energiedichten
produzieren können als es der RHIC selbst in seiner
energiereichsten Ausbaustufe vermöchte. Schade eigentlich:
Längst gibt es einen originellen Science-Fiction-Roman
(»Cosm«), indem der RHIC versehentlich ein zweites
Universum im Taschenformt produziert... [21.6.2000]
[53] Links:
RHIC Homepage
und Press Releases von
Brookhaven und
AIP.
Die größte 3D-Karte des Universums
106 688 Galaxien sind in der bisher größten
dreidimensionalen Karte des Universums mit ihren gemessenen
Entfernungen eingezeichnet: ein Zwischenergebnis der
australischen »2dF Galaxy Redshift Survey«, die einmal
250 000 Galaxien umfassen soll. Dank des
Multiobjektspektrographen 2dF (was für »2 degree
field«, also 2 Grad Gesichtsfeld steht) am Anglo-Australian
Telescope können jede Nacht Spektren von über 3000
Galaxien aufgenommen und deren Rotverschiebungen bestimmt
werden.

Die Himmelsdurchmusterung, die rund 4 Milliarden
Lichtjahre »tief« in den Raum reicht, konzentriert sich auf
eine schmale Zone am Himmel: Die Grafik zeigt einen Blick
»von oben« auf diesen Raumbereich. Schon liegen erste
statistische Auswertungen der räumlichen
Galaxienverteilung vor, die die von vielen anderen
Meßmethoden in den letzten Jahren gelieferte geringe
mittlere Dichte des Kosmos bestätigen. Und ein Blick auf die
Filamente, Klumpen und leeren Blasen von rund 100 Mio.
Lichtjahren Ausmaß, entlang derer sich die Galaxien
anordnen, zeigt auch, daß es keine noch
größeren Strukturen gibt: »end of greatness«
wird dieser Sachverhalt genannt, den frühere
Galaxiendurchmusterungen nur angedeutet hatten. [21.6.2000]
[52] Link:
ANU Press Release.
Next Generation Space Telescope auf 2009 verschoben
Der allseits ersehnte Nachfolger des Hubble Space Telescope, ein
Infrarotteleskop mit 8 Metern Hauptspiegel, stellt doch eine
größere technologische Herausforderung dar, als es
anfangs schien: Der Starttermin der NASA-Mission mußte
jetzt von 2007 auf 2009 verschoben werden - und es wird vorher
gleich zwei Starts von kleineren Prototypen geben. Das
Hauptproblem ist die Entwicklung des Hauptspiegels, der in
zusammengefaltetem Zustand gestartet werden muß: In
mindestens zehn Richtungen wird derzeit gleichzeitig geforscht,
doch Durchbrüche sind noch nicht in Sicht. Für Ende
2001 ist nun zunächst der Flug eines Modells des riesigen
Sonnenschirms des NGST bei einer Shuttle-Mission geplant: Bei
dem ISIS-Experiment (Inflatable Sunshade in Space) wird eine
aufblasbare Variante erprobt, von der noch keineswegs klar ist,
daß sie auch beim NGST Verwendung finden wird.
Noch interessanter dürfte aber um 2005 der Start von
Nexus werden, einem Mini-NGST mit immerhin 2.8 Metern
Spiegeldurchmesser, das wie das NGST selbst im Lagrangepunkt
L2 außerhalb der Erdbahn um die Sonne stationiert werden
und die bis dahin ausgewählte Spiegeltechnik unter
Realbedingungen erproben soll. Als Nutzlast ist derzeit nur eine
einfache Kamera vorgesehen, mit der mit Bildqualität
beurteilt werden kann, aber so mancher Astronom träumt
schon von weiteren Instrumenten: Mit 2.8 Metern wird der
Nexus-Spiegel immerhin den des Hubble Space Telescope um 40
cm übertreffen. Für die Entwicklung richtiger
wissenschaftlicher Instrumente für Nexus dürften
indes Zeit wie Geld fehlen, und die Astronomie wird sich wohl ganz
auf die Bestückung des Next Generation Space Telescope
selbst konzentrieren. Die USA, Europa und Kanada ziehen hier an
einem Strang und haben das NGST bereits unisono zu der
nächsten großen Astronomie-Mission erkoren.
[21.6.2000]
[51] Link:
SpaceViews-Artikel.
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