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vom 7.-19.7.2000 Zu den aktuellen Meldungen CHAMP: Ein Satellit blickt »in die Erde« Seine Existenz verdankt er einem Sonderförderprogramm für die Weltraumindustrie in den neuen Bundesländern von 1994 - und der Tatsache, daß nie Satelliten gegeben hatte, die sich das Schwere- und dem Magnetfeld der Erde mit höchster Präzision vermessen und auf zeitliche Variationen hin untersucht hatten. ![]() Jetzt soll der ca. 35 Mio. DM teure CHAMP (CHAllenging Minisatellite Payload) die Lücke schließen: Pünktlich brachte am 15.7. um 14:00 MESZ eine Kosmos-Rakete den 522-kg-Satelliten vom russischen Plesetsk aus auf seine zunächst 460 km hohe und 87 Grad geneigte Umlaufbahn, die aber wegen der Luftreibung in den nächsten 5 Jahren auf etwa 300 km absinken wird. Genau das wollen die CHAMP-Forscher vom GeoForschungsZentrum Potsdam auch: Je mehr die Bahn schrumpft, desto genauer werden die Messungen. Um drei Themenbereiche geht es bei dem 8.4 m langen Satelliten:
[80] Links: CHAMP-Homepages beim GFZ und dem DLR und eine PM des GFZ zum Start. NEAR im Tiefflug: Bahnradius nur noch 35 km
Am 14. Juli hat der Asteroidenorbiter seine Bahn um Eros
planmäßig in 35 km Abstand von dessen Zentrum
zirkularisiert (vgl. Artikel Nr. 70)
und wird diesen Orbit bis zum 24.7. beibehalten - er
führt ihn bis auf 19 km an die Oberfläche des
unförmigen Asteroiden heran. Die ersten Tiefflugtage
konzentrierte sich die Mission daher auf die genaue Vermessung
des Schwerefeldes von Eros, erst danach waren detaillierte
Aufnahmen geplant.Noch gewagtere Tiefflüge im Herbst haben NEARs Projektwissenschaftler am 26. Juni beschlossen: Bis auf 5 Kilometer soll sich NEAR Ende Oktober an Eros heranwagen. Danach würde sich der Orbiter erst einmal auf 200 km Höhe zurückziehen, um ab dem 10. Januar 2001 erneut herabzutauchen und so viele enge Vorbeiflüge über ausgewählten Gebieten zu absolvieren wie möglich: Dann geht es bis auf 500 Meter herab, und die besten Bilder sollten 10 cm Auflösung erreichen. Irgendwann während dieser Operationen dürfte der Treibstoff ausgehen und NEAR ungesteuert auf Eros abstürzen - auf ein kontrolliertes weiches Aufsetzen, wie es einmal im Gespräch war, wird verzichtet. [19.7.2000] [79] Links: ein News Flash und Space.com über die weiteren Pläne. Zvezda ist im Orbit Am Schluß lief alles ganz pünktlich ab: Genau wie angekündigt (siehe Artikel Nr. 73), hat eine Proton-Rakete das für den Weiterbau der Internationalen Raumstation unverzichtbare Servicemodul Zvezda (Stern) am Morgen des 12. Juli in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht. Bis zum Andocken am Morgen des 26. werden allerdings zwei volle Wochen vergehen: Die Zeit wird benötigt, um die Systeme Zvezdas auf Herz und Nieren zu prüfen. Denn es sind nur 2 oder maximal 3 Versuche möglich, um Zvezda an die seit 1998 im Orbit befindlichen Module Zarya und Unity anzukoppeln, dann wäre der Treibstoff alle (und Kosmonauten müßten sich aufmachen, das 300 Mio. $ teure Modul zu retten und von Hand anzudocken). ![]() Die Hülle von Zvezda ist schon seit 1985 fertig: Eigentlich sollte einmal die Raumstation Mir-2 daraus werden, doch dafür reichte das Geld nie. Jetzt wird das - innerlich auf den neuesten Stand gebrachte - Modul eine zentrale Rolle bei der Internationalen Raumstation spielen: Es enthält die elektrischen und Sauerstofferzeugungssysteme, die Recyclinganlagen, Toiletten, Betten und die Küche für die nächsten Jahre, dazu viel Treibstoff und ein Antriebssystem. Ohne Zvezda kann die Raumstation zunächst weder permanent bewohnt werden, noch kann sie sich (gegen den atmosphährischen Widerstand) in der Umlaufbahn halten.
Später werden die Aufgaben Zvezdas teilweise von anderen Komponenten
übernommen werden, aber zunächst stellt das Modul (dessen in
Deutschland gebauter Computer moderner ist als die Rechentechnik der
US-Module) das Herz der ISS dar. Deren Weiterbau kann nun zügig
vorangehen: Im September und Oktober sollen wieder zwei Space Shuttle
anlegen, im November per Soyuz die erste Besatzung eintreffen, und bis
Ende 2001 sollte schon zu erkennen sein, wie die Raumstation einmal
aussehen wird. [12.7.2000][78] Links: Zvezda Press Kit, der aktuelle Status und die Aktivitäten der nächsten zwei Wochen. Komet LINEAR bleibt Feldstecherobjekt
Wenn der Komet C/1999 S4 (LINEAR) nicht noch einen Helligkeitsausbruch
erleidet, dann gibt es praktisch keine Chance mehr, daß er Ende
des Monats kurz für das bloße Auge sichtbar wird: Auch in
der ersten Juli-Woche wurde er allgemein auf etwa 8. Größe
geschätzt, und die Prognosen für die größte
Helligkeit um den 23. des Monats liegen jetzt durchweg zwischen 5 und
6 mag. Und da der Komet nicht sternförmig, sondern diffus ist,
wird er wohl ein Feldstecherobjekt bleiben. Erfreulich immerhin:
LINEAR hat inzwischen einen kurzen Staub- und einen längeren
Gasschweif, den Fotoexperten bereits festhalten können. [12.7.2000]
[77] Links: Gary Kronks und Bernhard Haeuslers Seiten, besonders gute Bilder aus Österreich, CometLINEAR.com, die LINEAR-Seiten der VdS und von Space.com und ein Artikel der NASA Science News. Die Altersbestimmung von Pulsaren wankt Sie galt als eine der wenigen wirklich sicheren Übungen in der Astrophysik: die Bestimmung des Alters eines Pulsars aus seiner aktuellen Rotationsgeschwindigkeit und der Rate, mit der sie langsam abnimmt, weil der rotierende Neutronenstern seine Rotationsenergie allmählich abstrahlt. Bislang gab es wenig Grund, an dem so berechneten »charakteristischen Alter« zu zweifeln, das mit der Zeit verträglich war, die seit der Supernova verstrichen ist, bei der der rasch rotierende Neutronenstern zurückblieb. Doch jetzt ist ein Fall entdeckt worden, wo das charakteristische Alter im Widerspruch zu anderen Beobachtungen steht! ![]() Ort des Geschehens ist »The Duck«, ein besonders seltsamer Supernovarest, in dem 1985 ein Pulsar entdeckt wurde - oder besser gesagt: an dessen Rand, im »Kopf« der fliegenden Ente. Dank des Very Large Array (siehe Artikel Nr. 34) wissen wir jetzt auch, wie schnell sich der Pulsar in der Himmelsebene bewegt: höchstens 600 km/s schnell. Um aber bei seinem aus der Rotationsabnahme berechneten Alter von 17 000 Jahren so weit aus dem Explosionszentrum herausgelaufen zu sein, müßte der Pulsar etwa 1600 km/s schnell gewesen sein! Er ist also mindestens 40 000, wenn nicht 170 000 Jahre alt - und die Theoretiker ratlos. [12.7.2000] [76] Link: NRAO Press Release. Ein Röntgenflare auf einem Braunen Zwerg hat die Astronomen des Röntgensatelliten Chandra regelrecht schockiert: Zwar kannte man schwache Röntgenemissionen dieser Fast-Sterne schon länger, doch soetwas wie der plötzliche Ausbruch von LP 944-20, der einem kleineren Flare auf der Sonne entsprach, war noch nie gesehen worden. Die Ursache des Flares könnte in turbulenter, heißer Materie unterhalb der Oberfläche des Braunen Zwergs liegen. Der nur 16 Lichtjahre entfernte LP 944-20 hat etwa 60 Jupitermassen - und wenn er nicht einen Flare erleidet, dann strahlt er überhaupt keine Röntgenstrahlung aus: Das zeigt, daß Braune Zwerge mit weniger als 2500 Grad Celsius Temperatur keine Koronen mehr besitzen. [12.7.2000] [75] Links: MSFC, UCSB und Berkeley Press Releases. Methyl-Radikal im interstellaren Raum Der - schon lange abgeschaltete - europäische Infrarot-Satellit ISO hat schon wieder ein neues Molekül in einer Molekülwolke entdeckt: Diesmal ist es das Methyl-Radikal CH3, das derselbe Satellit bereits früher in den Atmosphähren der Planeten Saturn und Neptun gefunden hatte. Radikale sind besonders reaktionsfreudig, und dem CH3 wird eine wichtige Rolle bei der Synthese von komplexen Kohlenwasserstoffen zugeschrieben. ISO entdeckte in der Nähe des Galaktischen Zentrums indes gleich so viel des Radikals, daß die chemischen Modelle überarbeitet werden müssen. [12.7.2000] [74] Links: ESA Science News, das zugrundeliegende Paper und ein Kommentar von SpaceRef. Drei wichtige Starts in Rußland und Kasachstan stehen in der kommenden Woche auf dem Programm:
[73] Links zu Zvezda: das Mission Status Center von Spaceflight Now und eine Pressemitteilung. Zu CHAMP: die Homepage, eine Pressemitteilung und ein SPIEGEL-Artikel. Zu Cluster: Homepages bei ESA und MPAe und eine Pressemitteilung des MPAe. First Light für INGRID
Am 4-Meter-William Herschel Telescope auf La Palma hat jetzt eine
neue Infrarotkamera ihren Betrieb aufgenommen: INGRID, die Isaac
Newton Group Red Imaging Device für Wellenlängen von 0.9
bis 2.4 Mikrometer bei großem Gesichtsfeld. Später wird
die Kamera mit der Adaptiven Optik NAOMI verbunden werden, was noch
erheblich schärfere Bilder verspricht. [7.7.2000][72] Link: ING Media Release. Mars-»Gullies« bleiben rätselhaft Auch zwei Wochen nach der überraschenden Veröffentlichung der Bilder des Mars Global Surveyor, die Spuren von fließendem Wasser in der geologischen Gegenwart des Planeten zeigen könnten (siehe Artikel Nr. 62) bleibt die Natur dieser »Gullies« unter Planetenforschern umstritten. Während es gegen das geringe Alter der Strukturen nur wenig einzuwenden gibt (es kann zwischen »gestern« und einigen Jahrmillionen liegen), sind bereits mehrere Szenarien präsentiert worden, in denen etwas anderes als einfaches Wasser dahintersteckt - zu unglaublich scheint vielen, daß es nur wenige hundert Meter unter der Oberfläche des heutigen Mars flüssiges Wasser geben könne. In einem Alternativszenario ist es stattdessen Kohlendioxid, das bei einem Phasenübergang von fest in gasförmig Geröll in Bewegung gesetzt haben könnte. Zu sehen sind schließlich nur die Fächer aus Gesteinsbrocken, die das fluide Medium die Abhänge heruntergetragen hat. In einem anderen Szenario wird von stark salzhaltigem Wasser ausgegangen, das auch unter marsianischen Verhältnissen noch eben flüssig bleiben könnte. Und es wird auch ein Zusammenhang mit periodischen Schwankungen der Rotationsachse des Mars hergestellt, die noch vor wenigen Jahrmillionen zu einer deutlich stärkeren Erwärmung der heute so kalten Regionen geführt haben könnte, wo die seltsamen Spuren gefunden wurden. [7.7.2000] [71] Links: SpaceScience über die mögliche Rolle von Salzen, Space Daily über eine Soda-Springbrunnen-Hypothese, die Rolle der Achsenneigung und das CO2-Szenario, und Space.com mit einer allgemeinem Mahnung zur Vorsicht. oder zum Archiv. |