Das deutsche Deep Impact Weblog
Wo es weiter neue Bilder & Daten gibt: Seiten von
NASA
(Bildarchiv),
UMD
(= JPL),
ESO,
ESA.
Kometenbilder von der Erde: von
Profis und
Amateuren.
Weitere Bilder-Sammlungen (mäßig aktuell):
FG Kometen,
UAI (Italien),
Aerith.
Beobachtungen: Comets ML,
CometObs.
Helligkeitsschätzungen: JPL,
ICQ
Naechster Update, wenn's was substanziell Neues gibt
[42] Zahllose Vorträge und Poster zu Deep Impact sowie eine hektische Pressekonferenz
konnten gestern auf der DPS-Tagung
in Cambridge besucht werden - und während es zahlreiche faszinierende Beobachtungen gibt
(inklusive spektakulärer und bisher unveröffentlichter Filme des Flyby Spacecraft), so ist die
Auswertung zwei Monate nach dem Ereignis bei vielen Gruppen noch nicht recht vorangekommen. Und
von verlässlichen fundamentalen Einsichten in das Wesen von Kometen ist man noch weit entfernt,
auch wenn bereits festzustehen scheint,
- daß die mittlere Dichte des Kerns von Tempel 1 nur rund 0.6 Gramm pro Kubikzentimeter
beträgt, was für einen sehr porösen und zerbrechlichen Körper spricht, den an der
Einschlagstelle zu zertrümmern dem Projektil keinerlei Mühe machte,
- daß der Kern offenbar über keine nennenswerte Kruste verfügt, was bereits eine der
potenziell bedeutendsten Entdeckungen gilt (und eine ziemlich bedenkliche Nachricht für
den Lander Philae
der ESA-Kometenmission Rosetta sein könnte), und
- daß die Oberfläche des Kerns - die wie Halleys eine Albedo von rund 4% hat - auch
keinerlei (größere) freiliegende Eisflächen besitzt, sondern alles Wassereis im Inneren sitzt.
Und zwar angereichert mit organischen Verbindungen, die nach dem Impakt für kurze Zeit in
der Koma verstärkt auftauchten.
Die wichtigsten neuen Details zum Ablauf der Mission und den unmittelbaren Folgen für den Kometen:
- Der Impaktor wurde kurz vor dem Kern von vier Staubteilchen getroffen, drei hatten 1 bis
10 Milligramm, das vierte, das drei Sekunden vor dem Impakt einschlug, sogar 1/10 bis 1 Gramm -
einen Detektor gab es nicht, aber die plötzlichen Verschiebungen des Gesichtsfeldes der
Impaktor-Kamera sind nur so zu erklären.
- Der Impakt erfolgte unter einem Winkel von 20 bis 35 Grad gegen die Horizontale, so daß
es eine große waagerechte Komponente der Bewegung gab: Das war genau so gewollt, damit das
Projektil nicht zu schnell im Kerninneren verschwindet.
- Aus in erster Linie den Aufnahmen der beiden Kameras auf dem Flyby Spacecraft läßt sich
auf drei Phasen des Impakts schließen:
- Zuerst gab es einen thermischen Blitz, der aber verglichen mit entsprechend skalierten
Laborversuchen viel schwächer ausfiel - das deutet einerseits auf die Porösität des Kernmaterials
hin und andererseits auf eine Explosion etwas unter der Oberfläche, die viel Licht absorbierte.
- Dann schoß eine rund 3500° heiße Fontäne aus geschmolzenen Silikaten aus dem
frischen Loch im Kern, mit einer Masse von vielleicht 4 Tonnen (dem Zehnfachen der Masse des
Impaktors): Sie hatte eine Geschwindigkeit von 5 bis 8 km/s und verschwand gleich wieder.
- Und ihr folgte schließlich viel langsamer die große - und ebenfalls optisch dicke -
Ejektawolke, deren strahlenartige Strukturen auf den Bildern der hochauflösenden
Kamera übrigens keine Artefakte sind: Das Scharfrechnen klappt einwandfrei, und man
sieht tatsächlich die Flugbahnen größerer Staubpakete.
Den thermischen Blitz hat mindestens eine Sternwarte, das UKIRT auf Hawaii mit einer
Hochgeschwindigkeits-Videokamera gesehen, denn erst nach einigen Sekunden
Dunkelheit danach steigt die Helligkeit der inneren Koma erneut und dann kontinuierlich an, was
auf die Ejektawolke zurückgeht. Die meisten Bestandteile dieser Wolke wurden nur recht sanft
beschleunigt und dabei vermutlich kaum verändert.
- Nach dem Impakt bildete sich ein "schwerkraft-kontrollierter" Krater: Das heißt, daß die
kinetische Energie des Impakts ganz in das mechanische Ausheben des Kraters fließt, wobei die
ersten Ejekta schnell und die späteren langsam wegbeschleunigt werden - es entsteht eine
pilzförmige Ejektawolke, die mit dem Kern verbunden bleibt und unter dessen Schwerkraft auch
wieder kollabiert.
- Aus der Mechanik des Ejektafluges konnte die Masse und damit auch die Dichte des Kerns
abgeleitet werden (was derart direkt noch nie bei einem Kometen möglich war): Sie beträgt
0.62 (+0.47/-0.33) g/cm3, bei einem Kern von ungefähr 7.6 x 4.9 km Größe. (Der
effektive Durchmesser liegt bei 6.0±0.2 km, genau wie erwartet; das Achsenverhältnis
ist aber viiiel geringer als die 1:3.2, die früher aus der Lichtkurve des Kerns geschlossen
worden waren.)
- Die Ejektawolke verdeckte den Krater so effektiv, daß alle Bemühungen, ihn per
Bildverarbeitung herauszukitzeln, noch immer kein glaubwürdiges Ergebnis produziert haben.
Die beste Abschätzung ist 102.0±0.3 Meter.
- Insgesamt wurden 10 bis 20'000 Tonnen Material aus dem Kometen geschleudert, davon
3000 bis 6000 Tonnen Staub - diese Zahlen sind durch eine ganze Reihe Techniken abgesichert.
Von dem Staub fielen ungefähr 80% wieder auf den Kern zurück, während sich der Rest ebenso
wie schnelleres Gas in die Koma davonmachten.
Zahlreiche Telekope im Weltraum und auf der Erde - bis hin zu dem eigentlich für britische
Schüler gebauten ersten Faulkes-Teleskop auf Hawaii, bei dem sich
irische Astronomen kurzerhand Beobachtungszeit gekauft hatten - verfolgten nun, was alles
in die Koma gelangt war und wie es sich mit der Zeit veränderte:
- Die Helligkeit der inneren Koma stieg für die meisten Instrumente - abhängig von der
Größe der Meßblende bzw. der Winkelauflösung - viele Minuten lang mehr oder weniger gleichmäßig an.
Viele Beobachter sahen aber, wie sich mehrmals die Geschwindigkeit des Helligkeitsanstiegs
veränderte: Das könnte mit bestimmten Phasen der Kraterbildung zusammenhängen.
- Von der Größe der Blende bzw. der Breite des Spektrographenspaltes hing es auch stark ab,
wann welche Emissions- oder Absorptionslinien kamen und gingen: Auf jeden Fall war die
Gaskomponente in den Ejekta mit anfangs einigen Kilometern pro Sekunde wesentlich schneller als
der Staub, der sich mit 200 bis 300 m/s ausbreitete (wobei die schnellsten Teilchen 400 m/s erreichten,
die schwersten unter 10 m/s).
- Besonders reizvoll waren die Veränderungen in der Chemie der inneren Koma, die besonders
gut das Spitzer
Space Telescope aber auch der kleine IR-Spektrograph auf dem Flyby Spacecraft verfolgen
konnten: Neue organische Verbindungen tauchten auf, aber mit einer gewissen Zeitverzögerung, d.h.
sie kamen aus einiger Tiefe.
Das kann man auf einen schalenartigen Aufbau des Kometenkerns zurückführen, bei dem die spannenderen
Bestandteile weiter drinnen stecken: Sind es die erhofften weitgehend unveränderten Urbestandteile
der Kometen (wie auch des Sonnensystems)?
- Die Wärmeleitfähigkeit der Außenzone des Kerns von Tempel 1 (deren Helligkeit auf der
ganzen Oberfläche nur um einen Faktor 2 variiert) scheint jedenfalls sehr gering
zu sein: Die regelmäßige Sonnenwärme im Perihel dringt vermutlich nicht tief ein. Solcherlei
Erkenntnisse verdanken wir insbesondere Wärmekarten der Kernoberfläche die das IR-Spektrometer
von Deep Impact aufnahm, und die
- eine maximale Temperatur von 329±8 Kelvin zeigt und ein Minimum bei etwa 260 K - aber
nirgends werden Werte von weniger als 200 K angezeigt, die man bei freiliegendem Wassereis
oder anderen flüchtigen Substanzen erwarten müßte. (Erst nach dem Impakt wurde im IR die
Spektralsignatur von aus dem Inneren herausgehobenem Wassereis gesichtet.) Selbst ein im
Visuellen besonders heller Fleck auf dem Kern
ist nicht kälter als die finstere Umgebung.
- Wo Tempel 1 mithin seine Gase und seinen Staub absondert, die die normale Koma bilden, ist
damit nicht erkennbar - oder auch, wo es mindestens sechsmal in den Wochen vor dem Impakt
natürliche kurze Ausbrüche gab. Mit der 1.7-tägigen Rotation des Kerns (die v.a. eine Lichtkurve
des HST sehr deutlich zeigt) hingen ihre Zeitpunkte nicht klar zusammen.
- Die in den Einträgen 35 und 40 beschriebene 4- oder
8-tägige Variation der Kometenaktivität (zu der die Daten der Ausbrüche besser passen würden)
wurde übrigens auf der Tagung von niemand berichtet, und sie löste bei den Experten einige
Verwunderung aus. Jeder hatte bisher praktisch nur Zeit gehabt, sich um die eigenen Daten
zu kümmern ...
- Die auffälligen runden Erhebungen auf der Kernoberfläche werden inzwischen allgemein
als Einschlagskrater gedeutet - die ersten, die man auf einem Kometenkern gesichtet hat, denn
auch die Gruben auf dem Kern von Wild 2 sehen nicht so aus. Die Größenverteilung der
Tempel-Krater würde auch zu Impakten passen.
Auch wenn bislang jeder im Detail untersuchte Kometenkern ein krasses Individuum war: Die
Deep-Impakt-Forscher glauben, daß sie mit Tempel 1 einem typischen Vertreter nähergetreten
sind. Insbesondere die Zerbrechlichkeit des Kernmaterials - der Impakt machte gewissermaßen
auf einen Schlag einen Großteil der Zusammenballungsprozesse der Urmaterie des Sonnensystems
rückgängig - und das Fehlen einer harten Kruste lassen es für den DI-Chef Mike A'Hearn
"doubtful" erscheinen, daß der Rosetta-Lander Philae mit seinen Beinchen ausreichenden
Halt finden wird.
Aber wer weiss: Vielleicht sieht die Welt nach zwei weiteren Monaten Datenauswertung -
der aktuelle Stand wird auch beschrieben in Artikeln von
BBC,
CSM,
Guardian,
SF
Chronicle, Space Today und
Welt, nebst Impressionen
vom großen DI-Tag (und anderen Highlights der Cambridger Tagung) in einem wortgewaltigen
Blog der Planetary Society - schon wieder
ganz anders aus. Und die nächste (kleine Tagung) der Beobachter ist bereits für den Juli 2006 in Belgien
angekündigt ... [8. September 2005, 18:00 MESZ]
[41] Der erste Schwall wissenschaftlicher Erkenntnisse vom Impakt ist
ab morgen zu erwarten (und wird in einer
PM
der NASA zusammengefasst): Der 7. September wird auf der internationalen
Jahrestagung der Planetenforscher weitgehend
von Dutzenden Vortraegen und Postern zum Thema dominiert sein, und am 9.9.
erscheinen die ersten formellen Publikationen in Science. Ein Poster
zu DI war bereits gestern zu sehen:
Schleicher
erklaerte darin die Morphologie des Staubes in Tempels Koma durch einen radialen Jet in der
Naehe eines Kernpols; durch den Impakt kam eine neue, kurzlebige Quelle an
anderer Stelle dazu. Bereits am 10. Juli war nichts mehr zu erkennen. Eine
Handvoll erster Erkenntmisse des Impakts hat derweil die
UMD
zusammengefasst, angepriesen in einer
PM.
[6. September 2005, 18:45 MESZ]
[40] Die Auswirkungen des Impakts auf die Staubproduktion
von Tempel 1 waren gleich Null, zeigt sich in der Photometrie
des Kometen im Monat danach: Zwar wurde der Komet just nach
dem Knall um etwa 30% heller - aber das fiel genau mit einem der
regelmäßigen Helligkeitsausbrüche etwa alle vier
Tage zusammen (siehe Eintrag Nr. 35), und der
zusätzliche Effekt durch den Impakt lag unter 10%. (Die
zyklischen Ausbrüche scheinen nach weiterer Analyse der
Lichtkurven übrigens von zwei verschiedenen Quellen zu
stammen, die abwechselnd aktiviert wurden, womit die
Präzessionsperiode des Kerns zwischen 8 und 9 Tagen zu
liegen scheint.)
Die Tatsache, daß DI keine neue Aktivitätsquelle auf
dem Kern zünden konnte, bedeutet wohl, daß der
Impaktor entweder nie die Kernkruste durchschlug oder daß
es darunter nur extrem wenig Eis gibt. Das Maximum der -
natürlichen - Staubfreisetzung lag übrigens 95 Tage
vor dem Perihel, und danach ging es rapide abwärts.
(Kidger, The Astronomer 42 [Aug. 2005] 107-8).
Wie derweil Detlev Koschny auf der planeten-Liste mitteilt (wo die
Nachricht 2 Monate nicht durchgestellt wurde ...), wurde das innerste
Komapixel der Kamera Rosettas nach dem Impakt 3-mal heller;
es entsprach damals einem Quadrat mit der Kantenlänge
10'000 x 10'000 km. [3. September, 20:15 MESZ]
[39] Ein siebenseitiger Artikel mit einer umfassenden Darstellung der
Ereignisse und ersten Erkenntnisse sowie zahlreichen Abbildungen ist diese
Woche in Skyweek 21 # 8 [Mitte Aug. 2005] 1-7 erschienen - m.W.
der bei weitem detaillierteste Bericht in irgendeiner Zeitschrift bisher.
[29. August 2005, 10:50 MESZ]
[38] Was man auf dem Palomar Obs. sah oder auch nicht, beschreibt eine
Lokalzeitung.
[18. August 2005, 17:45 MESZ]
[37] Wie die Computeranimation des Impakts gemacht wurde, die vorher auf jedem TV-Sender
lief, erzählt der Programmierer in einem Interview mit
AstroBiology.
[12. August 2005, 22:30 MESZ]
[36] Jede Menge Beobachtungen des Spitzer Space Telescope vom Impakt und seinen
Folgen werden im IAUC # 8571 beschrieben: Danach erschienen Minuten nach dem
Einschlag Hinweise auf Silikate aber auch PAHs im IR-Spektrum des Kometen - und ebenso
auf Wassereis und -dampf und diverse kohlenstoffhaltige Verbindungen, dazu Kohlendioxid
und eventuell kristallines Aluminiumoxid. 41 Stunden nach dem Impakt waren die Features
noch da, aber 121 Stunden danach war wieder alles beim Alten. Ach ja, den bizarren
Bild-Aufmacher vom
6. Juli, "Komet schießt zurück", nimmt das
Bildblog auseinander ...
[10. August 2005, 18:00 MESZ]
[35] Der Kern von Tempel 1 präzediert vermutlich alle 4.38 Tage: Das schließt
Mark Kidger in The Astronomer 42 [July 2005] 74-5 aus umfangreichen
photometrischen Serien des Kometen. Alle ca. 4.4 Tage stieg nämlich die Helligkeit des
Kometen ziemlich schlagartig um 1/4 Größenklasse an, um dann langsam wieder abzufallen -
auch die zahlreichen Ausbrüche, die beobachtet wurden (vgl. Eintrag 2),
fielen mit den Maxima dieder Periode zusammen. Und auch der Impakt, weshalb dessen direkte
Folgen etwas "verunreinigt" sein könnten. Die Kernrotation, das zeigen schon länger andere
Messungen, dauert etwa 40 Stunden, weshalb als Erklärung der längeren Periode eigentlich
nur Präzession übrigbleibt. [25. Juli 2005, 15:15 MESZ]
[34] Der Augenblick des Impakts ist in
diesem Bild
der hochaufloesenden Kamera festgehalten. Die genaue Auswertung der Bildserien
zeigt erst einen schwachen und dann 150 msec spaeter diesen sehr starken Blitz,
der sich durch heftiges Blooming bemerkbar macht. Die - weiterhin vorlaeufige -
Interpretation (nach Science vom 8. und AW&ST vom 11.7.):
Der Impaktor durchschlug erst eine relativ duenne Kruste und
drang dann tief in den ziemlich locker aufgebauten Kern ein, wo es schliesslich
zur Explosion kam. Auch die Gestalt des Ejektakegels, der noch eine Weile nach
dem Impakt mit dem Kern verbunden blieb (und sich nicht etwa abloeste), soll
fuer einen in erster Linie von seiner eigenen Schwerkraft zusammengehaltenen
Koerper sprechen. Es gibt auch eine
Zusammenfassung
der Beobachtungen des
5-m-Teleskops
auf dem Palomar Mtn., einen neuen (und stark prozessierten)
Film
des Ejektafaechers vom CFHT -
und eine synthetisierte Strichspur
des nach dem Impakt heller werdenden Kometen! Sowie ein
Interview mit einem
ESO-Astronomen. [22. Juli 2005, 18:00 MESZ]
[33] Die Bahnkorrektur der Sonde hat
stattgefunden, und Deep Impact
wird nun Ende Dezember 2007 zur Erde
zurueckkehren.
Ob die NASA der Sonde dann eine
Extended Mission zum
Kometen Boethin genehmigt,
ist freilich noch unklar: Laut AW&ST vom 11. Juli wuerde sie ungefaehr
30 Mio.$ kosten, und die muss man erst mal haben. Doch das waere nur 1/10 der
Kosten von Deep Impact bisher, die Sonde ist im All (kein Startrisiko!) und
inklusive ihrer Instrumente bestens in Schuss - und Besuche von Kometenkernen
sind extrem rar (dass es in den letzten 4 Jahren gleich 3 gab, war quasi eine
Anomalie, bezogen auf fast 50 Jahre Raumfahrtgeschichte): Deep Impact die
Extended Mission zu verweigern, waere die reinste Verschwendung von
NASA-Ressourcen. [21. Juli 2005, 15:45 MESZ]
[32] Deep Impact korrigiert heute seine Bahn, um Ende 2007 oder Anfang 2008 zur
Erde zurückzukehren,
um dann ggf. zu Komet Boethin umgeleitet zu werden. Außerdem ein
APOD mit einer längeren Sequenz
von HST-Aufnahmen nach dem Impakt, warum wir vielleicht nie erfahren werden, wie groß der
Krater wurde,
und Zusammenfassungen der Erkenntnisse der ersten Wochen in den
ML News, von
Discover
und vom SF
Chronicle. [20. Juli 2005, 16:15 MESZ]
[31] "Tempel 1 ist wieder schlafen gegangen", faßt die
ESO die Beobachtungen
des Kometen in den 10 Tagen seit dem Impakt zusammen: Weder hat der Impaktor eine große Menge
Kernmaterial herausgeschlagen (auch wenn das auf Aufnahmen des Flyby Spacecraft anders
ausgesehen haben mag), noch wurde dadurch eine nennenswerte neue Aktivitätsregion auf dem
Kern geschaffen. Nach dem sich die moderate Ejektawolke - siehe auch Beobachtungen mit dem
CFHT, auf die das
JPL hinweist -
rasch in der restlichen Koma verteilt hatte, sah der Komet wieder haargenau so aus
wie vor dem 'Anschlag', mit denselben Jetstrukturen.
Weitere Ergebnisse wurden in einem Vortrag an der
Univ. of Arizona präsentiert,
und Artikel mit Zusammenfassungen der Impakt-Folgen gab es auch in der
Welt, bei der
Planetary Society,
von AstroBiology und bei
Space.com (auch zur
Zukunft des Flyby s/c)
und der BBC.
Zum Schluß noch ein Wort zur wahren Orientierung des Tempel-Kerns: Wie Deep Impact-Chef
Mike A'Hearn diesem Blog auf Anfrage gestern mitgeteilt hat, hat, ist genau
dieses
eine Bild seitenrichtig und exakt so orientiert, daß der Norden der Ekliptik oben ist. Mindestens
ein 'offiziell' durch das JPL verbreitetes Bild aus Impaktor-Sicht ist also seitenverkehrt!
[14. Juli 2005, 16:30 MESZ]
[30] Ein Film vom Hellerwerden des Kometen, jedenfalls der zentralen Kondensation
seiner Koma, durch den Impakt - von Kalifornien aus gesehen - ist vom
Mt. Laguna Observatory produziert worden.
Die Starfire Optical
Range in New Mexico hat eine Lichtkurve davon, das
Faulkes Obs. auf Hawaii ein
Bild des Ejektafächers einen Tag nach dem Impakt und
Deep Impact selbst hat auch
zurückgeschaut. Und
Information Week
berichtet über den Wirbel im NASA-WWW während des Impakts ... [12. Juli 2005, 17:45 MESZ]
[29] Die größte Überraschung beim Impakt von Deep Impact war die Undurchsichtigkeit der
Ejektawolke, die jeden direkten Blick auf den geschlagenen Krater verwehrte: Als Erklärung wird
nun genannt,
daß eine Unmenge extrem feiner Staub aufgewirbelt wurde, der sich in Äonen auf der Oberfläche
des Tempel-Kerns abgelagert hatte - etwas, das kein Modell voraussagte. 4500 Bilder haben die
drei Kameras (zwei auf dem Flyby s/c, eine auf dem Impaktor) geliefert, und die systematische
Auswertung hat nun begonnen. Eine illustrierte Zusammenfassung der Erkenntnisse bis zum 7.7.
ist derweil in den MegaLithos News
erschienen - und es gibt noch weitere Neuigkeiten:
- Als erste den Impakt gesehen hatten offenbar Astronomen mit einem integrierten
optischen Teleskop auf dem UKIRT, einem IR-Teleskop auf dem Maua Kea - darüber
berichtet haben sie
allerdings erst zwei Tage später, obwohl die Beobachtung sofort and die Zentrale für
erdgebundene Beobachtungen in Hawaii weitergegeben worden war. Ob sie von dort gleich
weiter an's JPL ging, ist nicht klar: Dort wurde jedenfalls weder bei der Liveübertragung
noch später auf den Pressekonferenzen öffentlich darauf Bezug genommen, und gejubelt worden
war auch erst, als das Flyby Spacecraft Bilder der Ejekta lieferte. Auch mit dem
Subaru-Teleskop und einer HDTV-Kamera
scheint man den Blitz erwischt zu haben.
- Die Röntgenstrahlung von Tempel 1 steigt jeden Tag seit dem Impakt, berichten
Beobachter mit dem Satelliten Swift:
Die meiste Strahlung kommt von dem freigeschlagenen Material, das sich seither in der Koma
ausdehnt, und aus der Intensität wird sich vermutlich recht gut die Gesamtmenge - und damit die
Tiefe des Impakts selbst - bestimmen lassen. Mehrere zehntausend Tonnen werden es nach einer
allerersten Abschätzung gewesen sein.
- Der Impakt setzte überwiegend eine Menge Staub frei aber wenig interessantes Gas:
Das schließen wiederum Beobachter mit dem Sub-mm
Array wie auch dem Satelliten SWAS aus der Radiostrahlung, die seither empfangen wurde - oder
auch nicht. "Die optimistischeren Voraussagen für die Freisetzung von Wasser haben sich - bisher -
nicht erfüllt," konstatiert ein Forscher - und eine Schlußfolgerung könnte sein, daß es unter der
Kruste eines Kometenkerns nur wenig Eis aus flüchtigen Gasen gibt, die nur auf ihre Befreiung warten.
Der äußerst trübe Anblick des
Kometen auch nach dem Impakt
paßt da ins Bild ...
"Neue" Bilder von Deep Impact: die Ejektawolke im Gegenlicht
in Falschfarben und
eine weitere Nahaufnahme durch den
Impaktor - die Verarbeitung der Bildsequenz durch Jost Jahn
ist übrigens schon weit fortgeschritten. Bei der ESO verfolgt
man derweil, wie sich die Ejektawolke immer mehr ausdünnt; eine neue Jetquelle ist nicht entstanden:
FORS2-Aufnahmen vom 4. und 7. Juli im Vergleich.
Außerdem IR-Spektren vor & nach dem Impakt
sowie ein Wrapup von Gemini
und Rohdaten von Keck.
Bei den Bildern anderer Profi-Sternwarten
tut sich allmählich auch was: V.a. aus La Palma
gibt's ein interessantes Differenzbild der inneren Koma. Und
Lovejoy hat den Kometen vor & nach dem
Impakt in ein Bild komponiert. [9. Juli 2005, 14:45 MESZ]
Zu den Einträgen vom 30. Juni bis 6. Juli 2005!
Ein Sonder-Blog von Daniel Fischer,
das so lange laufen soll, wie etwas passiert - zusätzliche
Hinweise sind willkommen!