Das deutsche Deep Impact Weblog

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Kometenbilder von der Erde: von Profis und Amateuren.

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Beobachtungen: Comets ML, CometObs. Helligkeitsschätzungen: JPL, ICQ
Naechster Update, wenn's was substanziell Neues gibt

[42] Zahllose Vorträge und Poster zu Deep Impact sowie eine hektische Pressekonferenz konnten gestern auf der DPS-Tagung in Cambridge besucht werden - und während es zahlreiche faszinierende Beobachtungen gibt (inklusive spektakulärer und bisher unveröffentlichter Filme des Flyby Spacecraft), so ist die Auswertung zwei Monate nach dem Ereignis bei vielen Gruppen noch nicht recht vorangekommen. Und von verlässlichen fundamentalen Einsichten in das Wesen von Kometen ist man noch weit entfernt, auch wenn bereits festzustehen scheint,

Die wichtigsten neuen Details zum Ablauf der Mission und den unmittelbaren Folgen für den Kometen: Zahlreiche Telekope im Weltraum und auf der Erde - bis hin zu dem eigentlich für britische Schüler gebauten ersten Faulkes-Teleskop auf Hawaii, bei dem sich irische Astronomen kurzerhand Beobachtungszeit gekauft hatten - verfolgten nun, was alles in die Koma gelangt war und wie es sich mit der Zeit veränderte: Das kann man auf einen schalenartigen Aufbau des Kometenkerns zurückführen, bei dem die spannenderen Bestandteile weiter drinnen stecken: Sind es die erhofften weitgehend unveränderten Urbestandteile der Kometen (wie auch des Sonnensystems)? Auch wenn bislang jeder im Detail untersuchte Kometenkern ein krasses Individuum war: Die Deep-Impakt-Forscher glauben, daß sie mit Tempel 1 einem typischen Vertreter nähergetreten sind. Insbesondere die Zerbrechlichkeit des Kernmaterials - der Impakt machte gewissermaßen auf einen Schlag einen Großteil der Zusammenballungsprozesse der Urmaterie des Sonnensystems rückgängig - und das Fehlen einer harten Kruste lassen es für den DI-Chef Mike A'Hearn "doubtful" erscheinen, daß der Rosetta-Lander Philae mit seinen Beinchen ausreichenden Halt finden wird.

Aber wer weiss: Vielleicht sieht die Welt nach zwei weiteren Monaten Datenauswertung - der aktuelle Stand wird auch beschrieben in Artikeln von BBC, CSM, Guardian, SF Chronicle, Space Today und Welt, nebst Impressionen vom großen DI-Tag (und anderen Highlights der Cambridger Tagung) in einem wortgewaltigen Blog der Planetary Society - schon wieder ganz anders aus. Und die nächste (kleine Tagung) der Beobachter ist bereits für den Juli 2006 in Belgien angekündigt ... [8. September 2005, 18:00 MESZ]


[41] Der erste Schwall wissenschaftlicher Erkenntnisse vom Impakt ist ab morgen zu erwarten (und wird in einer PM der NASA zusammengefasst): Der 7. September wird auf der internationalen Jahrestagung der Planetenforscher weitgehend von Dutzenden Vortraegen und Postern zum Thema dominiert sein, und am 9.9. erscheinen die ersten formellen Publikationen in Science. Ein Poster zu DI war bereits gestern zu sehen: Schleicher erklaerte darin die Morphologie des Staubes in Tempels Koma durch einen radialen Jet in der Naehe eines Kernpols; durch den Impakt kam eine neue, kurzlebige Quelle an anderer Stelle dazu. Bereits am 10. Juli war nichts mehr zu erkennen. Eine Handvoll erster Erkenntmisse des Impakts hat derweil die UMD zusammengefasst, angepriesen in einer PM. [6. September 2005, 18:45 MESZ]


[40] Die Auswirkungen des Impakts auf die Staubproduktion von Tempel 1 waren gleich Null, zeigt sich in der Photometrie des Kometen im Monat danach: Zwar wurde der Komet just nach dem Knall um etwa 30% heller - aber das fiel genau mit einem der regelmäßigen Helligkeitsausbrüche etwa alle vier Tage zusammen (siehe Eintrag Nr. 35), und der zusätzliche Effekt durch den Impakt lag unter 10%. (Die zyklischen Ausbrüche scheinen nach weiterer Analyse der Lichtkurven übrigens von zwei verschiedenen Quellen zu stammen, die abwechselnd aktiviert wurden, womit die Präzessionsperiode des Kerns zwischen 8 und 9 Tagen zu liegen scheint.)

Die Tatsache, daß DI keine neue Aktivitätsquelle auf dem Kern zünden konnte, bedeutet wohl, daß der Impaktor entweder nie die Kernkruste durchschlug oder daß es darunter nur extrem wenig Eis gibt. Das Maximum der - natürlichen - Staubfreisetzung lag übrigens 95 Tage vor dem Perihel, und danach ging es rapide abwärts. (Kidger, The Astronomer 42 [Aug. 2005] 107-8). Wie derweil Detlev Koschny auf der planeten-Liste mitteilt (wo die Nachricht 2 Monate nicht durchgestellt wurde ...), wurde das innerste Komapixel der Kamera Rosettas nach dem Impakt 3-mal heller; es entsprach damals einem Quadrat mit der Kantenlänge 10'000 x 10'000 km. [3. September, 20:15 MESZ]


[39] Ein siebenseitiger Artikel mit einer umfassenden Darstellung der Ereignisse und ersten Erkenntnisse sowie zahlreichen Abbildungen ist diese Woche in Skyweek 21 # 8 [Mitte Aug. 2005] 1-7 erschienen - m.W. der bei weitem detaillierteste Bericht in irgendeiner Zeitschrift bisher. [29. August 2005, 10:50 MESZ]
[38] Was man auf dem Palomar Obs. sah oder auch nicht, beschreibt eine Lokalzeitung. [18. August 2005, 17:45 MESZ]


[37] Wie die Computeranimation des Impakts gemacht wurde, die vorher auf jedem TV-Sender lief, erzählt der Programmierer in einem Interview mit AstroBiology. [12. August 2005, 22:30 MESZ]


[36] Jede Menge Beobachtungen des Spitzer Space Telescope vom Impakt und seinen Folgen werden im IAUC # 8571 beschrieben: Danach erschienen Minuten nach dem Einschlag Hinweise auf Silikate aber auch PAHs im IR-Spektrum des Kometen - und ebenso auf Wassereis und -dampf und diverse kohlenstoffhaltige Verbindungen, dazu Kohlendioxid und eventuell kristallines Aluminiumoxid. 41 Stunden nach dem Impakt waren die Features noch da, aber 121 Stunden danach war wieder alles beim Alten. Ach ja, den bizarren Bild-Aufmacher vom 6. Juli, "Komet schießt zurück", nimmt das Bildblog auseinander ... [10. August 2005, 18:00 MESZ]
[35] Der Kern von Tempel 1 präzediert vermutlich alle 4.38 Tage: Das schließt Mark Kidger in The Astronomer 42 [July 2005] 74-5 aus umfangreichen photometrischen Serien des Kometen. Alle ca. 4.4 Tage stieg nämlich die Helligkeit des Kometen ziemlich schlagartig um 1/4 Größenklasse an, um dann langsam wieder abzufallen - auch die zahlreichen Ausbrüche, die beobachtet wurden (vgl. Eintrag 2), fielen mit den Maxima dieder Periode zusammen. Und auch der Impakt, weshalb dessen direkte Folgen etwas "verunreinigt" sein könnten. Die Kernrotation, das zeigen schon länger andere Messungen, dauert etwa 40 Stunden, weshalb als Erklärung der längeren Periode eigentlich nur Präzession übrigbleibt. [25. Juli 2005, 15:15 MESZ]


[34] Der Augenblick des Impakts ist in diesem Bild der hochaufloesenden Kamera festgehalten. Die genaue Auswertung der Bildserien zeigt erst einen schwachen und dann 150 msec spaeter diesen sehr starken Blitz, der sich durch heftiges Blooming bemerkbar macht. Die - weiterhin vorlaeufige - Interpretation (nach Science vom 8. und AW&ST vom 11.7.): Der Impaktor durchschlug erst eine relativ duenne Kruste und drang dann tief in den ziemlich locker aufgebauten Kern ein, wo es schliesslich zur Explosion kam. Auch die Gestalt des Ejektakegels, der noch eine Weile nach dem Impakt mit dem Kern verbunden blieb (und sich nicht etwa abloeste), soll fuer einen in erster Linie von seiner eigenen Schwerkraft zusammengehaltenen Koerper sprechen. Es gibt auch eine Zusammenfassung der Beobachtungen des 5-m-Teleskops auf dem Palomar Mtn., einen neuen (und stark prozessierten) Film des Ejektafaechers vom CFHT - und eine synthetisierte Strichspur des nach dem Impakt heller werdenden Kometen! Sowie ein Interview mit einem ESO-Astronomen. [22. Juli 2005, 18:00 MESZ]


[33] Die Bahnkorrektur der Sonde hat stattgefunden, und Deep Impact wird nun Ende Dezember 2007 zur Erde zurueckkehren. Ob die NASA der Sonde dann eine Extended Mission zum Kometen Boethin genehmigt, ist freilich noch unklar: Laut AW&ST vom 11. Juli wuerde sie ungefaehr 30 Mio.$ kosten, und die muss man erst mal haben. Doch das waere nur 1/10 der Kosten von Deep Impact bisher, die Sonde ist im All (kein Startrisiko!) und inklusive ihrer Instrumente bestens in Schuss - und Besuche von Kometenkernen sind extrem rar (dass es in den letzten 4 Jahren gleich 3 gab, war quasi eine Anomalie, bezogen auf fast 50 Jahre Raumfahrtgeschichte): Deep Impact die Extended Mission zu verweigern, waere die reinste Verschwendung von NASA-Ressourcen. [21. Juli 2005, 15:45 MESZ]
[32] Deep Impact korrigiert heute seine Bahn, um Ende 2007 oder Anfang 2008 zur Erde zurückzukehren, um dann ggf. zu Komet Boethin umgeleitet zu werden. Außerdem ein APOD mit einer längeren Sequenz von HST-Aufnahmen nach dem Impakt, warum wir vielleicht nie erfahren werden, wie groß der Krater wurde, und Zusammenfassungen der Erkenntnisse der ersten Wochen in den ML News, von Discover und vom SF Chronicle. [20. Juli 2005, 16:15 MESZ]


[31] "Tempel 1 ist wieder schlafen gegangen", faßt die ESO die Beobachtungen des Kometen in den 10 Tagen seit dem Impakt zusammen: Weder hat der Impaktor eine große Menge Kernmaterial herausgeschlagen (auch wenn das auf Aufnahmen des Flyby Spacecraft anders ausgesehen haben mag), noch wurde dadurch eine nennenswerte neue Aktivitätsregion auf dem Kern geschaffen. Nach dem sich die moderate Ejektawolke - siehe auch Beobachtungen mit dem CFHT, auf die das JPL hinweist - rasch in der restlichen Koma verteilt hatte, sah der Komet wieder haargenau so aus wie vor dem 'Anschlag', mit denselben Jetstrukturen.

Weitere Ergebnisse wurden in einem Vortrag an der Univ. of Arizona präsentiert, und Artikel mit Zusammenfassungen der Impakt-Folgen gab es auch in der Welt, bei der Planetary Society, von AstroBiology und bei Space.com (auch zur Zukunft des Flyby s/c) und der BBC. Zum Schluß noch ein Wort zur wahren Orientierung des Tempel-Kerns: Wie Deep Impact-Chef Mike A'Hearn diesem Blog auf Anfrage gestern mitgeteilt hat, hat, ist genau dieses eine Bild seitenrichtig und exakt so orientiert, daß der Norden der Ekliptik oben ist. Mindestens ein 'offiziell' durch das JPL verbreitetes Bild aus Impaktor-Sicht ist also seitenverkehrt! [14. Juli 2005, 16:30 MESZ]


[30] Ein Film vom Hellerwerden des Kometen, jedenfalls der zentralen Kondensation seiner Koma, durch den Impakt - von Kalifornien aus gesehen - ist vom Mt. Laguna Observatory produziert worden. Die Starfire Optical Range in New Mexico hat eine Lichtkurve davon, das Faulkes Obs. auf Hawaii ein Bild des Ejektafächers einen Tag nach dem Impakt und Deep Impact selbst hat auch zurückgeschaut. Und Information Week berichtet über den Wirbel im NASA-WWW während des Impakts ... [12. Juli 2005, 17:45 MESZ]
[29] Die größte Überraschung beim Impakt von Deep Impact war die Undurchsichtigkeit der Ejektawolke, die jeden direkten Blick auf den geschlagenen Krater verwehrte: Als Erklärung wird nun genannt, daß eine Unmenge extrem feiner Staub aufgewirbelt wurde, der sich in Äonen auf der Oberfläche des Tempel-Kerns abgelagert hatte - etwas, das kein Modell voraussagte. 4500 Bilder haben die drei Kameras (zwei auf dem Flyby s/c, eine auf dem Impaktor) geliefert, und die systematische Auswertung hat nun begonnen. Eine illustrierte Zusammenfassung der Erkenntnisse bis zum 7.7. ist derweil in den MegaLithos News erschienen - und es gibt noch weitere Neuigkeiten: "Neue" Bilder von Deep Impact: die Ejektawolke im Gegenlicht in Falschfarben und eine weitere Nahaufnahme durch den Impaktor - die Verarbeitung der Bildsequenz durch Jost Jahn ist übrigens schon weit fortgeschritten. Bei der ESO verfolgt man derweil, wie sich die Ejektawolke immer mehr ausdünnt; eine neue Jetquelle ist nicht entstanden: FORS2-Aufnahmen vom 4. und 7. Juli im Vergleich. Außerdem IR-Spektren vor & nach dem Impakt sowie ein Wrapup von Gemini und Rohdaten von Keck. Bei den Bildern anderer Profi-Sternwarten tut sich allmählich auch was: V.a. aus La Palma gibt's ein interessantes Differenzbild der inneren Koma. Und Lovejoy hat den Kometen vor & nach dem Impakt in ein Bild komponiert. [9. Juli 2005, 14:45 MESZ]
Zu den Einträgen vom 30. Juni bis 6. Juli 2005!

Ein Sonder-Blog von Daniel Fischer, das so lange laufen soll, wie etwas passiert - zusätzliche Hinweise sind willkommen!