F.W.A. ARGELANDER

- ein bedeutender Astronom

und ein großer Bonner Wissenschaftler

Friedrich Wilhelm August Argelander

geboren 1799 in Klaipeda (Memel);

gestorben 1875 in Bonn

(Grafik von A. Hohneck im Besitz des Argelander-Instituts für Astronomie )

ARGELANDER

  • erstellte mit der Bonner Durchmusterung das erste große Sternverzeichnis der Neuzeit.
  • entdeckte Kandidaten für nahe Sterne, deren Entfernungen dann durch seine Mitarbeiter mit dem Bonner Heliometer gemessen wurden.
  • erfasste systematisch die Daten aller bekannten veränderlichen Sterne und entwickelte mit seiner Stufenschätzmethode ein einfaches Verfahren zum Messen von Sternhelligkeiten

  • war Vorsitzender der Astronomischen Gesellschaft
  • wurde 1850 und 1864 zum Rektor der Universität gewählt

 

Argelanders Zeit vor seiner Berufung 1836 nach Bonn

F. Argelander wurde am 22. März 1799 als Sohn eines Kaufmanns und Reeders in Klaipeda (Memel) geboren. Im Jahre 1807 machte er die Bekanntschaft des Kronprinzen von Preussen, dessen Familie im Hause Argelander Schutz vor Napoleon suchte. 1817 ging Argelander zum Studieren der Wirtschaftswissenschaften nach Königsberg.

Beeindruckt durch die Vorlesungen des Physikers und Astronomen F. Bessel (1784-1846) wechselte Argelander 1818 zur Astronomie und wurde 1820 "erster Gehülfe" Bessels. Nach seiner Promotion 1822 übernahm Argelander 1823 die Leitung der Universitäts-Sternwarte in Turku (früher Åbo) in Finnland.

Nach der Verlegung der Universität nach Helsinki in 1828 wurde Argelander der erste Inhaber des neu gegründeten Lehrstuhls für Astronomie, und siedelte 1832 nach Helsinki über, wo er 1836 den Ruf an die Bonner Universität erhielt.

 

Heutige (2005) Ansicht der alten Bonner Sternwarte von ihrer Rückseite

Foto: Privat

Argelanders Zeit in Bonn

Argelander lebte von 1837 bis zu seinem Tode 1875 in Bonn. Hier machte er seine wichtigen und bedeutenden Beobachtungen. Durch die Beziehung zu dem Preussenkönig Friedrich-Wilhelm IV., der ja sein Jugendfreund war, konnte Argelander für den Bau einer eigenen Sternwarte sorgen, die um 1845 in Betrieb genommen wurde. Auch wenn heute die Astronomen inzwischen in einem anderen Gebäude in Bonn-Endenich untergebracht sind, ist die Alte Bonner Sternwarte in der Poppelsdorfer Allee 47 heute noch als sehenswertes Gebäude erhalten.

Argelander war nicht nur ein international anerkannter Wissenschaftler, sondern hatte auch in Bonn als Professor der philosophischen Fakultät einen guten Ruf, was seine zweimalige Wahl zum Rektor der Universität unterstreicht. 1846 wurde Argelander Mitglied des "Bonner Freundeskränzchens" zu dem auch Ernst-Moritz Arndt gehörte. Weitere Ehrungen sind seine Ernennung zum "Geheimen Rath" (1866) und zum Ritter des Ordens pour le Mérite (1874).

 

 

Das Fernrohr der Bonner Durchmusterung ist ein Kometensucher mit einer Öffnung von 7.7cm und einer Brennweite von 65cm. Es steht heute in der Eingangshalle des Argelander-Instituts für Astronomie in Bonn.

 

DIE BONNER DURCHMUSTERUNG

Anfang des 19. Jahrhunderts wuchs die Zahl der beobachtbaren Sterne ins Unermessliche. Bei den Astronomen entstand der Wunsch nach einem einheitlichen Sternverzeichnis mit entsprechenden Sternkarten. Qualitativ hochwertige Sternkarten waren von großer Bedeutung, da die Karten bei der Arbeit am Teleskop verwendet wurden, um z.B. Asteroiden zu entdecken. Wegen des Umfangs der erforderlichen Arbeiten beim Messen der Sterne hatten Astronomen wie z.B. Bessel den Plan einer vollständigen Erfassung des Sternhimmels aufgegeben.

Die große Leistung Argelanders bestand darin, ein einfaches und effektives Verfahren zu entwickeln, das es ihm ermöglichte, die große Zahl der Sterne innerhalb vertretbarer Zeit zu erfassen. Nachdem 1852 die ersten Beobachtungen durchgeführt wurden, dauerte es 11 Jahre bis Argelander und seine Mitarbeiter Schmidt, Thormann, Schönfeld und Krüger 1863 den fertigen Katalog mit Positionen und Helligkeiten von 324.198 Sternen und 48 Karten, auf denen die Sterne eingezeichnet waren, veröffentlichten.

Argelanders Durchmusterung war eines der großen Standardwerke der Astronomie und machte die Stadt Bonn weltberühmt. Viele der Argelander'schen Bezeichnungen haben bis heute ihre Gültigkeit.

 

 

Karte der Bonner Durchmusterung.

 

ERSTE STERNENTFERNUNGEN

Die Messung der Entfernungen der Sterne gehört auch heute noch zu den schwierigsten Problemen der Astronomie. Der naheste Stern ist mehr als 40 Billionen Kilometer von der Sonne entfernt. Das macht verständlich, dass auch heute nur für etwa 5000 Sterne direkte Entfernungen messbar sind. 1838 konnte Bessel durch umfangreiche Messungen mit einem Heliometer die erste Sternentfernung ableiten. Argelander ermittelte mit seiner Durchmusterung Kandidaten, für die eine Messung der Entfernung möglich schien. Die genaue Messung der Sternentfernungen unternahmen dann Argelanders Mitarbeiter (z.B. A. Winnecke) mit dem Bonner Heliometer.

 

 

Das Heliometer aus der Zeit Argelanders steht heute in der Eingangshalle des Argelander-Instituts für Astronomie in Bonn. Beim Heliometer handelt es sich um ein Fernrohr mit zersägtem Objektiv, bei dem die beiden Hälften gegeneinander verschoben werden konnten. Die auf diese Weise erzeugten Doppelbilder dienten zur genauen Messung der Winkelabstände von Sternen, und damit zur Messung der ersten Sternentfernungen.

VERÄNDERLICHE STERNE

Veränderliche Sterne sind Sterne, die ihre Helligkeiten verändern. Sie sind für Astronomen von Bedeutung, da man an Ihnen manchmal grundlegende astronomische Parameter bestimmen kann. Argelander erkannte frühzeitig die Bedeutung der veränderlichen Sterne und entwickelte mit seiner Stufenschätzmethode ein einfaches Verfahren zum Messen von Sternhelligkeiten. Argelander war auch der Meinung, dass das Arbeitsgebiet der Beobachtung veränderlicher Sterne eine gute Aufgabe für Amateurastronomen sein könnte.

 

 

LITERATUR

  • Batten A.H., 1991, J. Roy. Astron. Soc., Vol 85, No. 1
  • Schmidt, H., 1990, "Astronomen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn" Bouvier Verlag Bonn, ISBN 3-416-80604-2
  • Schönfeld E., 1875, Vierteljahresschrift der Astr. Ges. S. 150, "Nekrolog Argelander" 1876, MN 36, 151 (englische gekürzte Fassung)

Die Homepage wird fortlaufend ergänzt!


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