Gebäude der Astronomie
in Bonn


Rheinische Friedrich-Wilhelms-
Universität Bonn


Observatorium
Hoher List


Geschichte der Sternwarte der Universität Bonn


Argelanders Fernrohr der
Bonner Durchmusterung

Mit diesem Fernrohr, das heute in der Eingangshalle der Astronomischen Institute in Bonn steht, schuf der Bonner Astronom Friedrich Wilhelm Argelander die Bonner Durchmusterung, die erste systematische Erfassung des Sternhimmels der Neuzeit.

Direktoren der Bonner Sternwarte


Karl Dietrich von Münchow

Karl Dietrich von Münchow (1778 - 1836) wurde 1819 als erster Ordinarius in Bonn für Astronomie (und Mathematik) ernannt. Den Wunsch nach einer Sternwarte, die ihm bei den Berufungsverhandlungen auch zugesagt worden war, konnte die Universität wegen Geldmangels dann doch nicht erfüllen. Von Münchow beobachtete 1832 in Bonn den Merkurdurchgang vor der Sonne. Diese Messung diente der Bestimmung der Entfernung Erde -- Sonne, die wegen ihrer fundamentalen Bedeutung auch "astronomische Einheit" genannt wird.

Friedrich Wilhelm August Argelander

Friedrich Wilhelm August Argelander (1799 - 1875) wurde 1837 als Nachfolger von Münchows in die Philosophische Fakultät eingeftührt. Seine persönliche Beziehung zum König Friedrich Wilhelm von Preußen ermöglichte ihm schließlich, den Bau einer Sternwarte in Bonn zu realisieren. Die ersten Beobachtungen wurden 1844 in der neuen Sternwarte in der Poppelsdorfer Allee gemacht.

Friedrich W. A. Argelander

Argelander war einer der großen Astronomen des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurden astronomische Beobachtungen visuell durchgeführt. Argelander entwickelte grundlegende Beobachtungstechniken und wendete sie auf verschiedene astronomische Probleme an:
Mit der "Bonner Durchmusterung" entwickelte Argelander eine besonders effektive Methode, um den gesamten nördlichen Sternhimmel zu erfassen.
Mit seiner Stufenschätzmethode legte er den Grundstein zur visuellen Messung der Helligkeitsveränderungen bei variablen Sternen.

Eduard Schönfeld

Eduard Schönfeld (1828 - 1891) wurde 1875 Argelanders Nachfolger. Er erweiterte zwischen 1875 und 1881 die "Bonner Durchmusterung" um den südlichen Teil (133.659 Sterne) aller gerade noch in Bonn sichtbaren Sterne.

Die Bonner Sternwarte im Jahre 1893


Karl Friedrich Küstner

Karl Friedrich Küstner (1856 - 1936) wurde 1891 zum Direktor der königlichen Sternwarte in Bonn ernannt. Mit ihm vollzog sich in Bonn der Wechsel von der visuellen zur fotografischen Astronomie. Küstner war ein bedeutender beobachtender Astronom: Vor seiner Zeit in Bonn entdeckte er 1885 die Polhöhenschwankungen der Erde. In Bonn sorgte er für die Anschaffung eines Refraktors mit einer Brennweite von über 5 Metern. Mit diesem Fernrohr hat Küstner in den Jahren 1900 bis 1922 etwa 600 Fotoplatten vorwiegend von Sternhaufen aufgenommen. Dieses Material bildet die Grundlage für die Bonner Eigenbewegungsstudien der letzten Jahrzehnte. Die Qualität der Küstner'schen Beobachtungen war so groß, dass auf den Bonner Platten noch schwächere Sterne zu sehen waren, als auf den Platten des größten Refraktors der Welt am Yerkes Observatorium.

Ernst Arnold Kohlschütter

Ernst Arnold Kohlschütter (1883 - 1969) erhielt den Ruf auf den Bonner Lehrstuhl im Jahre 1925. Vor seiner Bonner Zeit hatte er sich am Mt. Wilson- Observatorium mit Sternspektroskopie und Leuchtkraftbestimmung von Sternen beschäftigt. In Bonn widmete er sich astrometrischen Projekten wie z.B. dem Bonner Teil des AGK2.

Friedrich Eberhard Becker

Friedrich Eberhard Becker (1900 - 1985) leitete die Bonner Sternwarte ab 1947. Er baute die Astronomie in Bonn nach dem Kriege wieder auf. Becker bemühte sich die Bonner Astronomie an den neuen technischen Entwicklungen zu beteiligen und erweiterte die Arbeitsgebiete um die Radioastronomie (Außenstelle am Stockert 1956) und um die Astrophysik und extraterrestrische Physik. Die Sternwarte erhielt 1952 mit dem Bau des Observatoriums am Hohen List eine Außenstelle, die es bis heute ermöglicht, leistungsfähige optische Beobachtungen durchzuführen, sowie neue Zusatzgeräte zu entwickeln, die zum Teil in andere Observatorien (Calar Alto, VST) integriert wurden. Becker beteiliegte sich auch maßgeblich an der Gründung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (Effelsberg).


Observatorium Hoher List: Kuppel des Doppelrefraktors


Hans Schmidt

Hans Schmidt (geb. 1920) leitete die Bonner Sternwarte von 1966 bis 1985. Er bereits seit Beginn der fünfziger Jahre den Aufbau der Außenstelle der Bonner Sternwarte (Observatoriums Hoher List), geleitet. Neben eigenen Arbeiten zu der in der Zeit aufkommenden lichtelektrischen Fotometrie galt sein Bemühen dem Aufbau einer astrometrischen Arbeitsgruppe, um die alten Platten des Bonner Doppelrefraktors zu Eigenbewegungsstudien zu nutzen.

Literatur

Schmidt H., 1990, Astronomen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Bouvier Verlag Bonn, ISBN 3-416-80604-2

de Boer K.S., 1995, Programmheft AG Tagung Bonn


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Last update:   Juni 2002
Michael Geffert   (E-Mail: geffert@astro.uni-bonn.de)