Millennium Mount - inoffizielle Bedienungsanleitung

Da nach wie vor (Januar 2008) keine Bedienungsanleitung zur MM existiert, soll diese Webseite einen Überblick über deren Handhabung bringen. Wer will kann meine eigenen Erfahrungen zur MM nachlesen, welche in dieser Bedienungsanleitung nichts verloren haben. Diese Seite spiegelt den Entwicklungsstand von Ende 2002 wieder. Das Design neuerer Modelle kann hiervon abweichen.

Technische Spezifikationen

Tragfähigkeit laut Hersteller 30 kg (fotografisch)
Gewicht 24 kg mit Titanachsen
27 kg mit Stahlachsen
Schneckenraddurchmesser (Zahl der Zähne) 112 mm (220)
Achsdurchmesser 50 mm
Achslager, Durchmesser Kugellager, 90 mm
Material Schnecke / Schneckenrad / Achse Stahl / Bronze / Titan (Stahl)
Schneckendurchmesser 15 mm
Motoren Escap 530 Scheibenläufer
(Schrittmotor, Microstep)
Periodischer Fehler laut Hersteller 5"
Durchmesser Gegengewichtsstange 30 mm
Stromaufnahme im Normalbetrieb 230 mA (einstellbar)
Steuerung Dynostar X3, Autoguideranschluss, LX200 kompatibel

Stativadaption

Wer nicht das unterdimensionierte Berlebach Stativ nimmt, kann sich vom Hersteller eigene Adapter für ein bereits vorhandenes Stativ anfertigen lassen, falls dies im Bekanntenkreis keiner bewerkstelligen kann. Ich habe mir einen Adapter für mein altes G11 Säulenstativ drehen lassen, das für die Montierung angemessen erscheint.

Fig. 1: Adapter für G11 Stativ (Oberseite)

Fig. 2: Adapter für G11 Stativ (Unterseite)

Fig. 3: MM auf G11 Stativ

Fig. 4: MM-Adapter für Berlebachstativ (Oberseite)

Fig. 5: MM-Adapter für Berlebachstativ (Unterseite)

Dieser Adapter (Fig. 1 und 2) lässt sich direkt in den G11 Stativkopf einsetzen und über drei M10 Imbusschrauben festziehen. Die entsprechenden 3/8-Zoll Bohrungen im Stativ hab ich dafür um etwa einen Millimeter aufbohren müssen. So ist eine stabile Verbindung zwischen Montierung und Stativ gegeben, oftmals ein Schwachpunkt anderer Konstruktionen, der zu Schwingungsanfälligkeiten führt. Der Berlebach-Stativadapter ist dann überflüssig.

Polblock und Einnordung

Der Polblock der MM ist sehr massiv und hält seine Position zuverlässig. Er wird über grosszügig ausgelegte Hebel an den Klemmschrauben fixiert, ohne dass hierbei die Justage veroren geht. Die Hebel an diesen Klemmschrauben lassen sich über einen Federmechanismus durch "hochziehen" entriegeln, verdrehen und wieder einrasten, ohne die Klemmung selbst zu lockern.


Fig. 6: Polblock mit Klemmschrauben für Polhöhe und für Azimut. Über die langen Hebel lässt sich eine gute Fixierung des Polblocks auch für schwere Instrumente erreichen.

Fig. 7: Südliche Druckschraube. Sie ist wie ihr nördliches Pendant durch einen Messingbolzen geführt und drückt gegen einen Zapfen, der im RA-Block versenkt ist.

Fig. 8: Nördliche Druckschraube, die in dem gleichen Zapfen endet wie die südliche Druckschraube. Parallel zum unteren Bildrand verläuft die Azimutverstellung.

Einstellung von Polhöhe und Azimutwinkel

Die Verstellung der Polhöhe erfolgt über zwei Schrauben (Fig. 9), die von der Nord- und der Südseite jeweils durch einen Messingbolzen geschraubt sind und gegen einen Messingzapfen (Fig. 15, 16) drücken, welcher in einer Aussparung auf der Unterseite des Rektaszensionsblocks (im folgenden RA-Block) sitzt. Nachdem die Höhenklemmung geöffnet wurde lockert man die nördliche Schraube und dreht die südliche weiter rein/raus, um die Polhöhe zu erhöhen/erniedrigen. Sitzt der Polarstern an der richtigen Stelle, zieht man die beiden Schrauben wieder an. Während man die nördliche Schraube langsam festzieht, kann man mit der südlichen eine etwaige minimale Verschiebung der Polhöhe auskorrigieren. Ein festes Anziehen der Polhöhenklemmung über die Hebelschraube führt zu keiner Veränderung der Polhöhe. Die Verstellung in Azimut (Ost-West-Richtung) erklärt sich von selbst.

Fig. 9: Der Polblock mit der nördlichen (rechts) und
der südlichen (links) Druckschraube.

Fig. 10: Die Unterseite des Polblocks. Die vier versenkten Imbusschrauben halten die beiden Flanken des Polblocks.

Breitengrad-Umstellung des Polblocks


Fig. 11: Zunächst werden die zentrale Blendschraube und die ausseraxiale Klemmschraube werden entfernt. Es hilft, die Montierung in der Polhöhe zuvor relativ weit nach Süden zu verstellen.

Fig. 12: Dann lockert man die nördliche und südliche Druckschraube grosszügig. Die ausseraxiale Klemmschraube herausklopfen, anschliessend die Messingachse. Die ersten 20mm gehen etwas schwer, danach kann man beide leicht herausziehen.

Fig. 13: Vor dem Rausziehen der Messingachse die Montierung mit einem Arm umfassen und unterstützen, damit sie nicht nach vorne oder hinten aus dem Polblock kippen kann (falls man sie nicht ohnehin liegend am Boden zerlegt). Nachdem die Achse entfernt ist, kann die Montierung leicht vom Polblock gezogen werden.

Fig. 14: Die Unterseite des RA-Blocks mit den beiden Aussparungen für nördlichere (links) und südlichere (rechts) Breitengrade. Die Messingachse links oben im Bild hat 16 mm Durchmesser und ist 90 mm lang.

Fig. 15: Der Messingzapfen, gegen den die nördliche und südliche Druckschraube gelagert sind. Eine Seite des Bolzens ist abgeflacht, diese muss zum Polsucher zeigen (also nach Süden).

Fig. 16: Der Messingbolzen in der Position für nördlichere (35.-65.) Breitengrade. Die abgeflachte Seite ist dem Polsucher zugewandt.

Einen Schönheitsfehler gibt es: je nach eingestelltem Breitengrad ist jetzt eine Druckschraube zu lang und stösst an der Montierung an, während die andere zu kurz ist und den umgesteckten Messingzapfen nicht mehr erreicht. Beim Hersteller kann man sich die jeweils anderen Schrauben nachreichen lassen. Neuere Versionen der MM besitzen möglicherweise eine integriertere Lösung für den Polblock, die das Umstecken überflüssig macht.

Der Losmandy Polsucher

Mit dem Losmandy Polsucher entfällt die Kenntnis von Datum und Uhrzeit, da zwei (Südhimmel) bzw. drei Sterne (Nordhimmel) an entsprechende Markierungen gebracht werden. Hierzu verstellt man Polhöhe sowie Azimutwinkel und dreht den Polsucher um seine Achse, bis die Sterne an den richtigen Positionen sitzen. Als Orientierungshilfe für die Rotation des Polsuchers dienen die Sternbilder Ursa Major und Cassiopeia bzw. Crux sowie alpha Eridani. Der Polsucher arbeitet auf beiden Hemisphären genau genug, um keine Bildfeldrotation während 60-90 minütiger Kleinbildaufnahmen aufkommen zu lassen. Zudem ist angegeben, wie die Präzession zu korrigieren ist.

Fig. 17: Strichplatte des Losmandy Polsuchers

Motoren, Schnecken, Encoder

Die MM verfügt über zwei unabhängige Encodersysteme. Die GoTo-Positionierung erfolgt über eine Auszählung der Motorschritte selbst und ist bei Einnordung mittels Polsucher auf etwa ein bis zwei Bogenminuten genau. Man kann die MM aber auch manuell positionieren, ohne dass die Initialisierung verloren geht. Hierfür sorgen zwei separate optische Encoder, die direkt an den Achsen ablesen und über ein Kabel fest mit den Motoren verbunden sind.
Die beiden ESCAP 530 Motoren sitzen nicht direkt an der Schnecke. Zwischengeschaltet ist noch ein Getriebe, das eine 18:1 Untersetzung besorgt, sprich 18 Motorumdrehungen bewirken eine Schneckenumdrehung. Durchgeschleift ist eine manuelle Verstellung (siehe Fig. 18-20), mit der feinfühlig korrigiert werden kann. Eine Umdrehung des Motors beziehungsweise der manuellen Verstellung bewirken einen Versatz um etwa 5.5 Bogenminuten am Himmel.

Überlastungsschutz

Sitzt die Schnecke versehentlich zu fest oder fährt man das Teleskop gegen einen Widerstand (Wand, Stativ...), dann schützt eine spezielle Kupplung das System vor Beschädigungen, indem sie den Motor 'durchrutschen' lässt. Im laufenden Betrieb erkennt man das an einem tackernden Motorgeräusch (sonst praktisch unhörbar) und einer leicht vor- und zurückspringenden Bewegung der manuellen Verstellung während der Nachführung. Bei nicht ganz so streng eingestellten Schnecken (aber dennoch zu streng) bewegt sich das Teleskop nicht bei Goto mit hohen Geschwindigkeiten, und der Motor gibt auffallende Geräusche von sich. Ein Gefühl für das Ansprechen dieser Kupplung bekommt man, indem man bei laufender Nachführung einfach gegen den Widerstand des Motors die manuelle Verstellung festhält.
Neue Ausführungen der MM (ab Dezember 2002) verfügen über ein sogenanntes Non-Block-System (NBS), das die Rutschkupplungen der Achsen schützt, wenn diese bei fest angezogener Klemmung einen kräftigen Schlag bekommen (sollte bei normalem Umgang mit der Montierung aber ohnehin nicht vorkommen).

Entfernung des Motors und des optischen Encoders


Fig. 18: Entfernen der Motorabdeckung durch Lösen der drei Halteschrauben (grün). Die Halteschrauben für den Encoder (blau) können ebenfalls bereits gelöst werden.

Fig. 19: Der Motorblock wird durch die beiden obersten Schrauben gehalten, nur diese müssen gelöst werden.

Fig. 20: Kupplung zwischen Motor und Schnecke lösen. Hierfür die manuelle Verstellung (links im Bild) solange drehen, bis die kleine Imbusschraube (Pfeil) sichtbar wird. Diese etwas lösen.

Fig. 21: Der Motor kann jetzt abgezogen werden. Er ist über das weisse Kabel mit dem Encoder auf der Achse verbunden

Fig. 22: Nach dem Lösen der Halteschrauben für den Encoder kann man diesen mit etwas Gefühl herausziehen, manchmal geht das etwas schwer. Der Encoder ist direkt mit der Abdeckung verbunden. Am besten versucht man die rechte Seite der Abdeckung (weisses Kabel) mit einer Drehbewegung "von der Montierung weg" zuerst rauszuziehen.

Fig. 23: Motor (rechts) und Encoder (links)

Fig. 24: Kabelsalat

Schneckenjustage und Schneckenspiel

Das folgende gilt vermutlich nur für Modelle der MM, die noch nicht über das Non-Block-System verfügen (älter als Dezember 2002). Die Lagerung in neueren Versionen ist offenbar abgeändert worden.

Die Justage der Schnecken der MM ist nicht sonderlich schwierig. Man sollte sich jedoch mit dem dahinterstehenden Prinzip bekannt machen, ehe man sich blind an eine Justage macht. Ist man damit einmal vertraut, dann genügt es kurz die beiden Zug- und Druckschrauben in Fig. 25 nachzustellen, ohne dass man den Motor wie oben beschrieben entfernen müsste. Das funktioniert auch Nachts im Dunkeln wenn es sich als erforderlich erweisen sollte. Möchte man jedoch etwas mehr als ein kurzfristig entstandenes störendes Spiel wegjustieren, so sollte man sich die Mühe machen und den Motor abnehmen, so dass man per Hand die Schnecke direkt drehen kann. Die Gängigkeit lässt sich so am besten beurteilen. Der Schneckenblock selbst braucht nicht abgeschraubt zu werden.


Fig. 25: Druckschrauben (rot), Zugschrauben (gelb)

Fig. 26: Blick von unten auf das Schneckenrad

Fig. 27:

Fig. 28: Die Kupplung zwischen Motor und Schnecke. man erkennt auch die Zug- und Druckschrauben, die unten auf dem Montierungsgehäuse aufliegen bzw. eingreifen.

Fig. 29:

Um die Sache genauer zu verstehen kann man wie oben beschrieben die Motor-Encoder-Einheit abnehmen und die grosse Abdeckung entfernen, aus denen die Achse mit ihrer Klemmung herausragt. Beim Blick von unten auf die Schnecke und das Schneckenrad erkennt man, dass die Schnecke auf der motorabgewandten Seite drehbar um eine Achse gelagert ist (Fig. 26 und 27). Auf der motorzugewandten Seite der Schnecke finden sich jeweils zwei Zug- und Druckschrauben, mit denen die Schnecke zum Schneckenrad hin- bzw. von ihm weggedrückt werden kann. Eine optimale Justage ist erreicht, wenn sich die Schnecke in Fig. 28 per Hand mit mässigem Kraftaufwand gleichmässig in beide Richtungen um 360 Grad drehen lässt, und gerade eben kein Spiel mehr beim direkten "Wackeln" an den Achsen hörbar ist. Durch sukzessives Lockern der Druckschrauben und Anziehen der Zugschrauben kann man sich dem gut annähern. Ist man schon nahe am optimalen Punkt angelangt, so genügen bereits Drehungen von 10 Grad und weniger an den Druckschrauben, um fühlbare Änderungen hervorzurufen.

Sitzt die Schnecke zu dicht am Schneckenrad (gar kein Spiel mehr) oder ist sie durch unsymmetrisches Anziehen der jeweiligen Zug- bzw. Druckschraubenpaare leicht verkantet, so lässt sie sich per Hand kaum oder gar nicht mehr bewegen bzw. bleibt nach Bruchteilen einer Umdrehung stecken. Durch Drehen an der manuellen Verstellung bei angekuppeltem (Schraube festziehen!) Motor fühlt man das NICHT, da durch die 18:1 Untersetzung ein wesentlich grösseres Drehmoment auf die Schnecke ausgeübt werden kann und so Ungleichmässigkeiten im Schneckenlauf nicht bemerkt werden.

Nach erfolgreicher Justage und wieder angebautem Motor sollte sich die manuelle Verstellung durch einfaches Auflegen eines Fingers und leichten Druck drehen lassen. Das Spiel, das man hier gegebenenfalls bei schnellem Richtungswechsel hört, stammt vom Motor bzw. der Untersetzung selbst.