Rauschunterdrückung
Ich finde, dass etwas Hintergrundrauschen in einem Astrofoto vorhanden sein sollte. Dies erleichtert es dem Auge, die tatsächliche Tiefe des Bildes abzuschätzen und zu erkennen, welche Objekte noch real sind und welche nicht. Erscheint das Rauschen zu stark, so kann man den Hintergrund über den Zauberstab (Toleranz: 2-4) selektieren und glätten (Filter -> Noise -> Despeckle). Ist der Effekt zu stark, so kann man ihn über Edit -> Fade Despeckle abschwächen, solange die Auswahl noch sichtbar ist.
Der Effekt ist nicht sehr ausgeprägt, aber genau das ist das Geheimnis guter Bildbearbeitung: man darf den Aufnahmen die Bearbeitung nicht ansehen. Dies gilt insbesondere für diverse Glättungs- und Schärfungstechniken und die unscharfe Maskierung (s.u.).
Entsättigung des Himmelshintergrundes
Auf manchen Monitoren erscheint der Himmelshintergrund oftmals mit farbigen Pixeln durchsetzt. Dies ist ein Darstellungsproblem, keine hot pixels, und kann reduiziert werden. Hierzu selektiert man wiederum den Hintergrund mit dem Zauberstab, und setzt den Schieberegler in Image -> Adjustment -> Hue/Saturation auf einen Wert von z.B. -30.
Über eine unscharfe Maskierung kann ein etwas knackigerer Eindruck bei astronomischen Bildern erzeugt werden. Allerdings muss man mit diesem Werkzeug sehr vorsichtig umgehen, da das Bild sonst schnell kaputt prozessiert wird. Auch hier gilt: weniger ist mehr.
Eine unscharfe Maskierung erhält man, indem man das Bild auf einer bestimmten Skala (in Photoshop: radius) glättet und dann vom ungeglätteten Bild abzieht. Das Differenzbild wird dann zum Original dazuaddiert, was zu einer stärkeren Betonung bestimmter Übergänge führt (edge enhancement).
Photoshop bietet zwei weitere Parameter bei diesem Vorgang an: Den amount, was vermutlich ein Faktor ist, mit dem das Differenzbild skaliert wird, ehe es zum Original addiert wird, und einen threshold. Letzterer erlaubt die unscharfe Maskierung nur oberhalb eines bestimmten Wertes, so dass nur hellere Bildbereiche bearbeitet werden und das Rauschen unangetatstet bleibt. Im Grunde handelt es sich bei der unscharfen Maskierung um eine Bearbeitung mit wavelets, nur dass hier lediglich eine bestimmte Längenskala herausgepickt wurde.
Die Parameter für die unscharfe Maskierung müssen mit Vorsicht gewählt werden. Der Radius sollte in etwa dem seeing (in Pixeln) im Bild entsprechen oder etwas grösser sein, aber nicht mehr als doppelt so gross. Ich verwende üblicherweise das Eineinhalbfache des seeings, und einen amount von 70% oder maximal 80%. Je grösser der Radius gewählt wird, umso kleiner sollte der amount ausfallen (vielleicht 50%), um keine Artefakte zu erzeugen.
Der threshold bestimmt die Hintergrundhelligkeit, oberhalb derer die unscharfe Maskierung wirksam wird. Dies sollte deutlich über der Helligkeit des Himmelshintergrundes liegen. Ist letztere bei 20 in RGB, so würde ich 30 für den threshold wählen.
Meiner Meinung nach ist ein Bild mit einer unscharfen Maske bereits überprozessiert, wenn man ihm diese ansieht. Die Beispiele unten geben einen Eindruck davon, wo für mich die Grenze liegt. Wer mehr über den Hintergrund der unscharfen Maskierung erfahren willI, sollte sich z.B. Keith Wileys Seite ansehen.
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Das Bild vor der unscharfen Maskierung |
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Unscharfe Maske: Amount: 80% Radius: 4.0 pixel Threshold: 30 Nach meinem Geschmack ist dies eine sinnvolle Anwendung der unscharfen Maskierung:
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Unscharfe Maskierung: Amount: 120% Radius: 8.0 pixel Threshold: 30 Dieses Bild ist meiner Ansicht nach bereits durch unscharfe Maskierung überprozessiert: die Sterne werden grösser (siehe den engen Doppelstern in der Bildmitte), und der Kern der kleinen Galaxie oben rechts ist ziemlich in die Breite gegangen. Alles jenseits dieser Stufe wäre deutlich überprozessiert, insbesondere dann, wenn die Sterne im Vordergrund von NGC 7640 anfingen, dunkle Höfe zu besitzen. |
Weniger ist mehr in Photoshop. Das was sich nicht in den Daten befindet, kann insbesondere nicht mit Photoshop, noch mit irgendeiner anderen Software sichtbar gemacht werden. Mit Glättungs- und Schärfungstechniken sollte man vorsichtig umgehen, ebenso wenn man an den Farbreglern drehen muss weil die Kalibrierung einmal nicht passt. Nach einigen Stunden sollte man sich eine Pause gönnen und das Bild nicht mehr betrachten.
Ist das Bild einmal fertig, dann sollte man der Versuchung widerstehen und es einmal zwei Tage lang nicht ansehen. Anschliessend kann man die Feineinstellung nochmal etwas überarbeiten. Es ist ähnlich wie wenn man eine grüne Sonnenbrille trägt: nach einer Weile hat das Gehirn den grünen Filter wegnormiert und alles sieht wieder normal aus. Nach einigen Stunden Bildbearbeitung vor einem Monitor ist das nicht viel anders, die Augen und das Gehirn brauchen eine Pause.